Die zum Verein mutierte „Bürgerbewegung“ PEGIDA

Das alte Jahr – 2014 – ist Ende gegangen mit einem Phänomen, das unsere Gesellschaft zu spalten droht. Das neue Jahr – 2015 – hat begonnen mit dem gleichen Phänomen, nur jetzt ist die Teilung der Gesellschaft in Gegner und Befürworter von PEGIDA anscheinend voll im Gange. Und das muss verhindert werden! Das Kürzel PEGIDA steht für „Patriotische Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“. Dieser Begriff ist für mich mit seinen regionalen „Trittbrettablegern“ (von Bagida – Bayern, über Legida –Leipzig, bis zu Wügida – Würzburg – u.a., wie auch magida in Magdeburg!) das Unwort des Jahres 2014.

Bei den „neuen“ Montagsdemonstrationen, die bisher in Dresden den meisten Zulauf durch Pegida-Befürworter hatten (in den westlichen Bundesländern nimmt die Bevölkerung in der Mehrheit an den Anti-Pegida-Demos teil) gab es Mitmarschierer, die anfänglich nicht mal wussten, was „Abendland“ bedeutet! Wenn ich lese, wer die Initiatoren und Veranstalter der Pegida- Demos sind (Quelle Wikipedia), wird mir schlecht. Noch viel schlimmer sind für mich die „Wir sind das Volk“ Rufe. Sind sich die vielleicht verunsicherten und dadurch wohl auch unwissentlich um unsere Zukunft besorgten Bürgerinnen und Bürger, die bei den Demos mitmachen überhaupt darüber im Klaren, dass sie völkisch rassistischen und gefährlichen Rattenfängern folgen, und dass sich hinter den geäußerten Rufen viele Hooligans, Rechtsradikale und fanatisierte Rassisten verstecken? Hier wird ganz augenscheinlich das freiheitliche Motto der friedlichen Montagsdemonstrationen gegen den DDR-Staat, die letztendlich zum Fall der Mauer und Wiedervereinigung unseres geteilten Vaterlandes geführt haben, zweckentfremdet und somit missbraucht. Und dem wurde vor Weihnachten im vergangenen Jahr dann noch die Krone aufgesetzt mit dem Absingen frommer Weihnachtslieder bei der Demonstration! Auch das in unsere Fahne gehüllte Kreuz gehört nicht zu einer solchen Veranstaltung. Für einen Christen symbolisiert es das Leiden Jesu Christi, der unsere Sünden auf sich nimmt, damit Gott uns vergeben wird und wir auch Schuldigen vergeben, so wie wir es in unserem Glaubensbekenntnis beten.

Aus "Der SPIEGEL 51 / 2014"

Pegida Demonstration in Dresden vor Weihnachten (aus “Der SPIEGEL 51/2014”)

Mit Recht ist zu hoffen, dass unsere Politiker (als „Volksverräter“ beschimpft von Pegida-Demonstranten in Dresden) endlich aktiv werden und nun nicht erst lange andauernde „Ursachenforschung“ betreiben, damit sie auf das Entstehen einer solchen Bewegung adäquat reagieren können. Jetzt, nach den schrecklichen Ereignissen in Paris sind plötzlich alle aufgerüttelt worden. In Dresden hat sich am Nachmittag des 10.1.2015 eine große Ansammlung von über 35.000 Bürgerinnen und Bürgern für ein tolerantes Miteinander und gegen die „Veranstaltungen“ von Pegida ausgesprochen. Morgen, am 13.1., wollen unsere moslemischen Mitbürger und Mitbürgerinnen am Brandenburger Tor in Berlin eine Mahnwache abhalten und damit gegen die Islamisten, die ihre Religion in Verruf bringen protestieren. Außerdem ist eine Großdemonstration geplant, zu der unsere politische Führung und alle an der Regierung beteiligten Parteien aufgerufen haben. Den völkisch rassistischen Rechtspopulisten und gewaltbereiten Politikverdreher unter uns soll gezeigt werden, dass sie keinesfalls „das Volk“ vertreten.

Die riesigen Menschmassen, die in Paris und in anderen französischen und europäischen Städten am 11.1. der Terroropfer in Trauer gedachten und für Presse- und Redefreiheit sowie für Toleranz und Solidarität eintraten, einschließlich von 50 Regierungschefs (und -chefinnen), die untergehakt den großen Trauermarsch angeführt haben, sollten eigentlich den Pegida Befürwortern die Augen geöffnet haben. Das Volk will mit ihnen nichts zu tun haben!

Ich denke, dass jeder Deutsche, der sich in unseren Medien im Fernsehen (nicht in den „Soaps“ der privaten Sender), in Zeitungen und Zeitschriften (als „Lügenpresse“ beschimpft von Dresdener Pegida-Demonstranten) und im Internet regelmäßig informiert die Ursachen für die Unzufriedenheit Vieler in unserem Staat kennen sollte. Tatsache ist, dass sich einige politische Prozesse hierzulande nicht der Wirklichkeit angepasst haben und das bisherige „Aussitzen“ vieler ungelöster Probleme durch unsere Politiker nicht dazu beigetragen hat sozialen Frieden in der Gesellschaft und Vertrauen in die Arbeit unserer Volksvertreter zu schaffen:

  1. Einwanderung:

Es gibt nach wie vor keine klar formulierte und auf gesetzlicher Basis konsequent durchgeführte Zuwanderungspolitik, obwohl Deutschland doch schon sehr lange ein Einwanderungsland ist. Dass wir fachlich qualifizierte Einwanderer dringend brauchen, dürfte ja wohl in der Zwischenzeit auch hinreichend bekannt sein.

  1. Asylverfahren:

Die gegenwärtigen Asylverfahren für Flüchtlinge dauern viel zu lange. Die meisten von ihnen kommen aus den gegenwärtigen Krisenländern wie Syrien, dem Irak, Afghanistan, Pakistan, dem Südsudan, usw. Ihr Leben ist von fanatisierten Islamisten wie dem islamischen Staat (IS), Al-Qaida mit ihren Ablegern und anderen radikalislamistischen Gruppierungen massiv bedroht, weil sie einer anderen Religion oder einer anderen Islamrichtung angehören. Asyl sollte diesen Menschen so schnell wie möglich gewährt werden. Sie haben alles verloren. Sie haben gesehen und miterlebt wie andere Menschen getötet werden. Sie sind selber missbraucht und vergewaltigt worden. Sie brauchen unser Mitgefühl für ihr unvorstellbares Leiden und dringend Hilfe, Schutz sowie Obhut. Es muss ganz einfach möglich sein, Flüchtlingen, die aus politischen oder religiösen Gründen und damit verbundener Lebensgefahr ihre Heimat verlassen müssen, in kurzer Zeit eine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis zu erteilen. Die Nachbarländer von Syrien – Jordanien, der Libanon und der kurdische Teil des Irak – haben bisher ohne zu klagen Millionen syrischer und irakischer Flüchtlinge aufgenommen. Und da jammern wir über ein paar Tausend?

  1. Die „Wirtschaftsflüchtlinge“:

Ist unseren Politikern und der Mehrheit unserer Bevölkerung eigentlich klar, dass wir gegenwärtig Zeugen einer immer größer werdenden Völkerwanderung sind? Nämlich der aus Afrika nach Europa? Viele Verarmte und aus religiösen Gründen aus ihrer Heimat Vertriebene in afrikanischen Entwicklungsländern träumen vom Arbeiten und Leben in europäischen Ländern, vorzugsweise in Deutschland. Ihre Großfamilien haben ihr letztes Geld für die Schleuser zusammengekratzt, damit ihre Söhne und Töchter, Brüder und Väter in völlig überladenen, oft nicht mal mehr seefesten alten Schiffen übers Mittelmeer nach Italien, Spanien oder Griechenland gebracht werden. Tausende sind dabei schon umgekommen. Wie sollen diese Flüchtlinge in Europa „verteilt“ und integriert werden? Dieses Problem kann man nicht aussitzen, denn es löst sich nicht von allein. Und trägt, so wie ich es sehe, sehr stark zu den Ängsten bei, die viele Menschen hierzulande überkommen, weil sie ihr bisher sicheres Leben bedrängt und ihre Einkünfte geschmälert sehen. Hier ist dringend eine Koordinierung der europäischen Einwanderungspolitik und Gesetzgebung gefragt. Auch Entscheidungen darüber, wie mit diesen zu uns gelangenden, zumeist arbeitswilligen Menschen zu verfahren ist, sollten schneller als bisher getroffen werden, um erst gar nicht aus „rechten Ecken“ geschürte Ressentiments aufkommen zu lassen.

Das gerade in Paris bei dem Terroranschlag von drei Islamisten angerichtete schreckliche Blutbad darf nicht dazu führen, dass nun die Rechtspopulisten von Pegida in Dresden und ihre Ableger anderswo bei ihren nächsten Demos Öl auf das geschürte, islamfeindliche Feuer gießen. Vielleicht denken die Pegida-Befürworter, bevor sie weiter mitmarschieren mal daran, dass ein deutscher, moslemischer Imam beim Treffen mit unserem Bundesjustizminister nach den Pariser Anschlägen gesagt hat, dass die drei Täter mit ihrem Morden ihrer eigenen Religion massiv Schaden zugefügt haben, denn ihr Prophet Mohammed hat gesagt: „Wenn ein Moslem einen Menschen ermordet, tötet er die ganze Menschheit“.

Weitere Informationen: Aus DER SPIEGEL, ZEIT-ONLINE, n-tv, Frankfurter Allgemeine, Volksstimme

 

 

 

 

 

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