Zur Person

Geboren wurde ich 1932 in Osnabrück. Aufgewachsen bin ich ab 1934 in Magdeburg und auch dort zur Schule gegangen. Die barocke Innenstadt, vom mächtigen Dom überragt und von vielen anderen alten Kirchen, die großen grünen Oasen, Parks, Gärten und neuen Siedlungen, sowie unsere Elbe haben mich vor dem Zweiten Weltkrieg schon als Kind beeinflusst. Dass dabei viel Ruß, Dreck und durch den heimischen Schwermaschinenbau verschmutzte Luft die Schönheit der Stadt beeinträchtigten, konnte ich damals noch nicht erkennen. Die alte Stadt am Strom hatte sich in meinem Herzen so tief verankert, dass ich ihre vielen Wunden zwar kannte, sie aber dennoch von damals an immer in meinem Herzen getragen habe.

Nach dem Abitur 1950 in Magdeburg schloss ich 1952 erfolgreich eine Maurerlehre ab mit der Gesellenprüfung und begann das Studium der Architektur an der Technischen Hochschule in Dresden. Auch diese Stadt, die ich noch in Trümmern kennen gelernt habe, werde ich nie vergessen. Sie ist heute, wie auch Magdeburg, in Teilen wieder aus den Ruinen auferstanden. Nach dem Vordiplom bin ich 1955 aus der DDR geflohen und beendete mein Studium 1958 an der Technischen Hochschule „Fridericiana“ in Karlsruhe mit dem Diplom als Bauingenieurin und Architektin.

Als junge Architektin in Ghana im Accra-Büro 1963

Als junge Architektin in Ghana im PWD-Büro in Accra, 1963

Ein Postgraduierten Studium an der University of London folgte von 1958 bis 1959, und dann eine Anstellung als Stadtplanerin in der Londoner Stadtverwaltung von 1959 bis 1960. Ich wollte aber noch weiter hinaus in die große Welt. So arbeitete ich danach 22 Jahre lang bis 1982 im damals ersten unabhängigen, schwarzafrikanischen Staat Ghana in Westafrika. 15 Jahre davon als Architektin im Bauministerium in der Hauptstadt Accra und für eine kurze Zeit lang auch in Tamale im Norden des Landes. Ich habe viele Bauprojekte entworfen und deren Bau landesweit betreut. Meine Hauptaufgaben lagen im Bereich Wohnungsbau, Verwaltungsbauten, Werkstätten und Postämter. Nach meiner Beförderung zum „Senior Architect“ habe ich verschiedene Abteilungen in unserem Büro geleitet und war von 1970 bis 1972 auch zuständig für die Erweiterungen und den Umbau des Parlament Hauses in Accra.

Gruppenfoto Entwurfsseminar 1980 in Tafiefe

Gruppenfoto beim Entwurfsseminar mit Studenten und den Ältesten 1980 in Tafiefe in der Volta Region Ghanas

Mit meinem Kollegen Kojo Kyei zusammen gab ich 1975 das Buch „No Time to Die“ über die Slogans an den ghanaischen Kleinlastern (genannt „Mammy Lorries“) heraus – das „Nahverkehrssystem“ der damaligen Zeit für den Menschen- und Gütertransport. Ich übernahm den Buchtitel auch als Slogan für mein weiteres Leben. Ab 1975 begann ich meine Lehrtätigkeit an der University of Science and Technology in Kumasi als Senior Lecturer für Entwerfen und Baukonstruktion. Von 1980 bis 1982 verfasste ich im Auftrag der damaligen Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) für die Universität in Ghana das Lehrbuch „Construction Technolology for a Tropical Developing Country“: Dabei wurde ich unterstützt von J.G.K. Abankwa, einem ehemaligen Studenten der Architekturfakultät. Für meinen Einsatz und die langjährige Arbeit in Ghana wurde mir 1981 von Bundespräsident Carstens das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Ende 1982 bin ich in die Bundesrepublik zurückgekehrt und war bis 1997 bei der GTZ tätig. Während dieser Zeit und auch noch als Gutachterin der GTZ (heute GIZ) habe ich bis 2004 viele Projekte und Programme der Technischen Zusammenarbeit im anglophonen Afrika betreut (auch wieder in Ghana), aber auch in Sri Lanka und Ekuador.

Abt-Kurs Ägypten1996

Kurs in „Appropriate Building Technology“ in Ägypten, 1996; Gruppenfoto der Teilnehmer und Dozenten

Bei meiner Arbeit in Afrika waren mir die Anwendung angepasster Technologien im weitesten Sinne und dabei besonders die Nutzung eigener Ressourcen für energieeffizientes Bauen immer ein großes Anliegen. Hierzulande galt daher mein besonderes Interesse nach meiner Rückkehr aus Ghana dem Bauen mit Lehm. Ich wurde 1992 Gründungsmitglied des Dachverbandes Lehm e.V., durch den die Wiedereinführung der Lehmbau Regeln (1996) und DIN Lehmbau (August 2013) in Deutschland ermöglicht wurde. Seit vielen Jahren beteilige ich mich außerdem als Mitglied der Architektenkammer Sachsen-Anhalt ehrenamtlich in der Arbeitsgruppe des Projektes „Architektur macht Schule“. In der Juli-2014-Ausgabe des Architektenblattes steht als erster Beitrag der neuen Sachsen-Anhalt-Serie „Kennen Sie…?“ ein Interview mit mir.

Außer vielen Beiträgen für Fachzeitschriften habe ich zwei Bücher über Namibia geschrieben („Namibia – erlebt und skizziert“, 2005; „Lebensspuren im Sand und Fels“, 2009). Ein drittes – „Sehnsuchtsland Namibia“ – wird 2017 erscheinen. Von zwei Büchern über Ghana biete ich das erste in Deutsch zum Lesen an im „geschützten“ Bereich bei „Ghana Veröffentlichungen“ („Gemaltes Leben an Lehmwänden“, 2013, mit Passwort bei Interesse). Eine englische Version davon ist auch geplant. An einem weiteren Buch über mein Leben und Arbeiten in Ghana arbeite ich noch. Das Buch soll in zwei Teilen erscheinen. Der erste Teil wird die Jahre 1960 bis 1975 beschreiben, der zweite Teil die Zeit von 1975 bis 1982. Ich wage allerdings keinen eventuellen Termin für das Erscheinen des ersten Bandes anzugeben. Wenn man, wie ich im kommenden Jahr auf 85 Lebensjahre zusteuert, ist es besser sich nicht festzulegen.

Arbeiten am Computer, Magdeburg 2007

Arbeiten am Computer in Magdeburg 2007

Hannah Schreckenbach, Magdeburg, im Oktober 2016