Vor 70 Jahren im April 1945 – das Kriegsende in Magdeburg

Es war ein wunderschöner, sonniger und warmer Tag. Den hatte ich beim Rumtoben mit den Nachbarkindern im Garten und in den Ruinen der Häuser in unserer Straße verbracht. Ich kannte mich in den Mauerresten der ausgebrannten Reihenhäuser in unserer Siedlung gut aus. Schon vor Kriegsende und erst recht danach habe ich Holzreste aus den Ruinen (angekohlte Balkenstücke, zerbrochene Fenster- und Türrahmen, usw.) für das Kochen im Küchenherd und zum Heizen in den Kachelöfen in unserer Wohnung im Hof zerkleinert. Der Hackklotz dafür stand dort immer, und „meine“ Axt lag griffbereit hinter der Kellertür.

Süßer Blütenduft der vielen Frühlingsblumen hing in der Luft, als die Sirenen am Nachmittag des 11. April 1945 zum „Feindalarm“ heulten. Das hieß: Die amerikanischen Panzer sind im Westen und Süden bis an die Stadtgrenzen von Magdeburg vorgestoßen. Das hieß auch: „Kein Spielen mehr draußen“. Uns war mulmig zumute. Wir hatten Angst und rannten nach Hause; denn auch wir Kinder ahnten, dass da noch Schlimmes auf uns zukam. Ich hatte ja aus den Gesprächen meiner Eltern mitbekommen, was alles passieren könnte, wenn der Krieg zu Ende ging. Und in unserer Stadt hatte der Stadtkommandant bereits Anfang April dazu aufgerufen, „Magdeburg bis zum Letzten zu verteidigen“ – was immer das bedeutete.

Meine ältere Schwester und ich waren Ende März aus Uslar im Solling in unsere Heimatstadt Magdeburg zurückgekehrt in einer sehr hastig organisierten, zwei Tage lang andauernden Flucht quer durch den südlichen Harz und über Dessau, als die Amerikaner schon fast bis zur westlichen Weserseite vorgestoßen waren. Ich war nach der Evakuierung meiner Oberschulklasse aus der Luisenschule in Magdeburg im September 1943 nach Uslar zu einem Bruder meines Vaters verfrachtet worden, weil mein Vater nicht wollte, dass ich ins Evakuierungslager nach Wernigerode kam. So war ich eigentlich schon als Elfjährige von Zuhause weg, zwar bei Verwandten, aber doch „in der Fremde“ und musste sehen, wie ich zurechtkam. Im Dezember 1944 hatte mein Vater mich schon lange vor Weihnachten abgeholt, weil wir in Uslar in der dortigen Sollingschule kriegsbedingt ab Mitte Dezember „Kohleferien“ hatten mit ungewissen Angaben, wie lange die andauern würden. Der letzte Kriegswinter 1944/45 war eisig, und Kohle war Mangelware geworden.

Mein Vater war dann gleich nach Weihnachten wieder nach Berlin gefahren, wo er in einer Forschungsanstalt für Wasserwirtschaft arbeitete. Er war am Kriegsanfang 1939 als „kriegsuntauglich“ eingestuft worden und in Berlin an der Forschung von Unterwasserbauten beteiligt. So war er am 16. Januar 1945 auch nicht bei uns, als unsere Wohnung in den Flammen der alliierten Phosphorbomben mit allem darin, was mir als Kind am Herzen lag, verbrannte. Mit seinen Erfahrungen, die er bei den vielen Bombenangriffen in Berlin gemacht hat, hätte er sicherlich viel mehr aus unserer Parterre-Wohnung retten können, als erst der Dachstuhl, dann das Obergeschoss und zuletzt das Erdgeschoss des Reihenhauses brannte. Meiner Mutter gelang es nur unserer Betten und einige wichtige Dokumente zu retten. Nach dem Verlust unserer Wohnung war nun auch meine Schwester mit mir zu den Verwandten nach Uslar mitgekommen. Als die Amerikaner dort im März 1945 näher rückten, gab es nur eines für uns, zur Mutter zurück nach Magdeburg. Mein Vater erlebte die letzten Kämpfe der deutschen Wehrmacht und den Einmarsch der Russen bei der „Endschlacht“ in Berlin. Wir haben ihn erst 1946 wiedergesehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Meine Schwester und ich waren jedenfalls nach Magdeburg in unser altes Viertel zurückgekommen. Dort hatten meine Eltern nach der Ausbombung eine leerstehende Wohnung in der Röntgenstraße 1 zugewiesen bekommen (in der damaligen Wilhelmstadt – das Eckhaus war am 16. Januar nicht zerstört worden). Sie hatten es auch geschafft ein Sammelsurium von Behelfsmöbeln, Einrichtungs- und Haushaltsgegenständen sowie Wäsche, usw. zu organisieren, sodass wir mehr oder weniger wieder ein Zuhause hatten, obwohl die Wunden, die der Verlust unserer ganzen Habe geschlagen hat nie ganz verheilt sind. Außerdem sind wir die furchtbaren Erinnerungen an die schreckliche Bombennacht nie wieder losgeworden.

Dass die Alliierten immer näher rückten, merkten wir an den hektischen Bemühungen der „Stadtverteidiger“ Magdeburgs, die zum letzten Kampf aufrüsteten. Da wurden zunächst die alten Männer und Kriegsversehrten auch aus unserem Viertel zum Volkssturm einberufen und mit allerlei Schießgerät ausgerüstet. Unter ihrer Leitung mussten alle anderen dann – auch wir größeren Kinder, die beim Graben helfen sollten – an der Mündung der Röntgenstraße in die damalige Hindenburgstraße (die heutige Albert-Vater-Straße) eine „Panzersperre“ bauen, wie das auch an vielen anderen Straßenmündungen in unserer Stadt befohlen wurde und geschehen ist. Und was totaler Unsinn war, denn die Sherman Tanks der Amerikaner umfuhren die Sperren ganz einfach bei der Einnahme unserer Stadt später. Die „Goebbelsschnauze“ (der Volksempfänger, den meine Mutter auch aus der bereits brennenden Wohnung gerettet hatte am 16. Januar) plärrte immer noch vom „Endsieg“! Zum Panzersperren-Bauteam kamen dann noch ein paar alte Herren vom Arbeitsdienst hinzu, die mit vereinten Kräften zusammen mit den anderen alten Männern aus der Nachbarschaft verbogene Stahlträger aus den Trümmern der zerstörten Häuser zogen und einrammten. Die so errichteten „Sperren“ wurden dann mit Trümmerschutt hoch aufgefüllt.

Amerikanischer Sherman Panzer (Quelle Bundesarchiv)

Amerikanischer Sherman Panzer (Quelle Bundesarchiv)

Als der Feindalarm verklungen war, wussten wir, dass der Krieg sich nun wohl seinem Ende näherte. Die 2. Panzer Division der Amerikaner stand vor den Toren der Stadt. Die knapp eine Woche lang andauernden Kämpfe, die begleitet waren von weiteren Bombenangriffen durch alliierte Jagdbomber und dem fast täglichen Beschuss durch die amerikanische Artillerie sowie dem der vorrückenden Panzer, zwangen uns zum Daueraufenthalt im Luftschutzkeller mit den unhygienischen „Begleiterscheinungen“. Die Waschküche wurde zur Toilette umfunktioniert. Als die Elbbrücken von der Wehrmacht gesprengt wurden, die sich teilweise auf das Ostufer der Elbe zurückgezogen hatte (wie wir später erfuhren), hörten wir die Explosionen bis in unser Viertel.

In den ersten Tagen der Kämpfe um die Stadt, die sich anfänglich eher auf den Süden der Stadt zu konzentrieren schienen, gelang es meiner Mutter noch unser Mittagessen in der Küche zu kochen. Unsere Wohnung war in der ersten Etage. Es gab nur noch das, was am einfachsten zu kochen war, nämlich Eintöpfe – Graupensuppe, Bohnensuppe, Steckrüben- und Kartoffelsuppe. Kartoffeln und Gemüse – davon hatte meine Mutter genügend Vorräte in unserem Keller eingelagert zusammen mit Eingemachtem aus dem Garten. Kritisch wurde die Versorgung mit Brot nach wenigen Tagen. Letztendlich ist uns allen nach einigen Tagen sowieso der Appetit vergangen.

Richtig schlimm wurde es dann für uns, als sich in unserem Haus am 15.4. ein Trupp Soldaten „zum Endkampf“ einlagerte unter der Leitung eines schneidigen, blutjungen und sehr fanatisch noch immer an den „Endsieg“ glaubenden SS-Leutnants. Außer ihm war ein alter Feldwebel mit dabei (eingezogener Reservist aus dem ersten Weltkrieg) und fünf von der Schulbank geholte junge Soldaten, die noch „grün hinter den Ohren“ waren, wie ein alter Mann aus unserem Haus gleich sagte, und die ihre Angst kaum verbergen konnten. Wir hatten auch alle schreckliche Angst, denn diese Truppe hatte einen Haufen Panzerfäuste bei sich, jede Menge Handgranaten, Maschinenpistolen und Gewehre mit Munition. Die vordere Haus- und hintere Hoftür, sowie alle Wohnungstüren mussten offengelassen werden, sodass die Soldaten von überall aus dem Haus aus den Fenstern die Röntgenstraße, Hindenburgstraße und den Hof „einsehen“ konnten.

Den letzten Luftangriff erlebten wir am 17.4. Danach setzten die Amerikaner zum Sturmangriff auf unseren Stadtteil an. Davon, was im Rest der Stadt bis dahin geschehen war, hatten wir keine Ahnung. Der Leutnant hatte am Abend des Vortages aus der Küche im ersten Geschoss der Eckwohnung zur Hindenburgstraße einen anrollenden Sherman Tank der Amerikaner mit einer Panzerfaust zerstört. Durch den Rückstrahl aus der Panzerfaust wurden die halbe Kücheneinrichtung und ein Teil der Wohnung beschädigt. Danach ging der Beschuss auf unser Haus los. Wir konnten von Glück reden, dass nicht unser, sondern das gegenüberliegende Eckhaus getroffen wurde. Ein uns nicht bekannter Zivilist wurde dabei getötet. Er lag hinter der Panzersperre in unserer Straße, bis jemand ihn in einem Bollerwagen abholte.

Als totalen „Glücksfall“ für uns kann das Abkommandieren des Leutnants danach in seine Befehlszentrale bezeichnet werden, die sich im evangelischen Gemeindehaus Ecke Freiherr-vom-Stein und Gagernstraße befunden haben soll. Er ist nicht mal bis dorthin hingekommen, sondern nur bis zum unteren Ende der Röntgenstraße, wo er im Feuer der einrückenden amerikanischen Truppen umgekommen ist. Das erfuhren wir, nachdem die Amerikaner eingerückt waren. Bei uns im Haus begann nun eine hektische Auseinandersetzung mit dem alten Feldwebel, der das Kommando übernommen hatte. Wir waren zu der Zeit insgesamt 23 Erwachsene, Kinder und Jugendliche im Keller. Vor allem meine Mutter und unser Nachbar, dessen Wohnung von dem Rückstrahl der aus der Küche abgeschossenen Panzerfaust ziemlich lädiert worden war, redeten auf den Feldwebel ein doch bitte aufzuhören mit dem „Verteidigen“ und sich mit seinem Jungvolk abzusetzen. Der Krieg sei doch nun wirklich zu Ende, und an irgendwelche Wunderwaffen glaubte doch kein vernünftiger Mensch mehr. Am 17. April haben sich dann auch noch zurückziehende deutsche Soldaten aus der Stadt mit den Amerikanern Haus-zu-Haus Kämpfe geliefert in unserem Viertel bis in die Nacht hinein. Wir bekamen das, zitternd und bangend im Keller hockend mit durch die Schießereien, die zu hören waren beim Durchlaufen der sich bekämpfenden Truppen durch unser Haus. Unsere Haus- und Hausflurwände hatten jede Menge Einschusslöcher. Der Boden war hinterher übersät mit zerbrochenen Wandfliesen.

Panzerfaust, 1945 (Quelle Bundsarchiv)

Panzerfaust, 1945 (Quelle Bundsarchiv)

In diesen Stunden entledigte sich die bei uns befindliche Soldatengruppe ihrer wichtigsten, als Uniform erkenntlichen Kleidungsstücke, Koppel, Abzeichen, usw. Ihre Stahlhelme und alle Waffen haben sie mitgenommen und wollten sie draußen „entsorgen“. Was brennbar war, wurde im Waschküchenofen verbrannt. Dabei konnten wir uns mit dem, im großen Waschkessel erhitzten Wasser endlich selbst mal waschen und auch die stinkende Waschküche wenigstens etwas säubern. Unter großer Lebensgefahr wurden in den „Kampfpausen“ Zivilklamotten aus den Wohnungen geholt, in die sich die Soldaten dann einkleideten. Wir hatten in unserem eigenen Keller noch alte Kleidung von unserem Vater eingelagert, die er nicht mehr brauchte und die so eine gute Verwendung gefunden hat.

Als der Gefechtslärm in der zweiten Nachthälfte fast völlig nachließ, und es dann plötzlich ganz still wurde – wir nahmen an, dass die Amerikaner die Stadt eingenommen hatten – brach der nun „zivile“ Feldwebel mit seiner jungen Truppe auf, noch im Dunkel der Nacht. War der Krieg für uns jetzt zu Ende? Noch nicht ganz. Wir wagten uns erst gegen Mittag am nächsten Tag, dem 18. April, einem herrlichen Sonnentag aus dem Keller und zum Luftschnappen vor die Haustür. Die Amerikaner konnten wir nicht hören, sie waren auf ihren gummibesohlten Schuhen plötzlich da und gaben uns mit einer Bewegung ihrer MPs zu verstehen, dass wir sofort wieder ins Haus zurückgehen sollten. Wir konnten nun aber endlich unbeschadet in unsere Wohnungen. Meine Mutter hat ein weißes Tuch aus dem Fenster gehängt. Wir konnten aus der Wohnung miterleben, wie die Amerikaner neben einer Panzerkolonne die Hindenburgstraße nach Osten marschierten, sich dabei aber immer noch mit ihren angelegten Maschinenpistolen absicherten. Das Klirren und Quietschen der Panzerketten war das einzige Geräusch, das wir hörten.

Wir sahen auch Schreckliches. Als wir zum ersten Mal in den Hof blickten, sahen wir, dass ein toter amerikanischer Soldat im Hofausgang des Nachbarhauses in der Hindenburgstraße auf dem Gesicht lag. Mit schwarzem Lockenkopf. Sein Helm lag daneben. Und an der Gartenmauer des Nebenhauses gegenüber lag ein toter deutscher Soldat in voller Montur mit Stahlhelm auf, sein Gewehr umklammernd, auch auf dem Gesicht liegend. Da, wo vorher unsere Mülltonnen standen, war ein großer Bombentrichter. Das Panzerkettengeräusch und der Anblick dieser beiden Toten lassen mich hin und wieder auch heute noch nachts aufwachen und haben mit dazu beigetragen, meiner Kindheit ein jähes Ende zu setzen.

Gegen Mittag erschien dann der erste Trupp amerikanischer Soldaten mit einem Offizier in unserem Haus. Wir Schulkinder mit einigen Englischkenntnissen dolmetschten. Sie wollten wissen, ob noch deutsche Soldaten bei uns seien. Wir wiesen sie nur auf den toten Landser hin, der im Garten lag. Dann wurde uns gesagt, dass wir in den nächsten Tagen die Panzersperre abzubauen hätten. Ihren toten Kameraden hatten sie vorher schon abgeholt. Wir hörten nur noch sporadisches Schießen in der Ferne. Am 19. April war dann auch der ganze westliche Teil unserer Stadt in amerikanischer Hand. Es hat noch einige Tage gedauert, bis wir wieder richtig schlafen konnten, nachdem uns klar geworden war, dass wir diesen wahnsinnigen Krieg und Hitlers „Tausendjähriges Reich“ (das 12 Jahre gedauert hat) überlebt haben. Eine „Entwarnung“ vom Feindalarm hat es nie gegeben. Das war auch nicht mehr nötig. Wir wussten, dass der später als „Zweiter Weltkrieg“ in die Geschichte eingehende Krieg mit seiner schrecklichen und fast unvorstellbar hohen Opferzahl von fast 50 Millionen Toten, für uns zu Ende war. Nachdem die kämpfende amerikanische Truppe abgezogen war, kamen Briten und Schotten als Besatzer in unser Viertel. Am 1. Juli zogen dann die Russen ein. Wir gehörten von da an nach dem Potsdamer Abkommen zur sowjetischen Besatzungszone und später zur DDR.

Ein Erlebnis aus den unmittelbaren Nachkriegstagen möchte ich noch erzählen. Ich war, wie so häufig am Holzhacken im Hof, als ein riesiger amerikanischer Soldat um die Hausecke bog. Ein Afroamerikaner auf Patrouille, der erste schwarze Mensch, den ich in meinem Leben gesehen habe. Er hielt vor mir an, lachte mich an, ich sah nur seine blitzend weißen Zähne. Und dann gab er mir einen Kaugummi. „Have a gum“, waren seine Worte. Mir schlotterten die Knie. Er zog an meinen Zöpfen und entschwand. Ich hätte ihn zu gerne angefasst, um zu sehen, ob er „farbecht“ ist. Aber da war er schon weg. Wie oft habe ich an dieses Erlebnis gedacht, als ich 22 Jahre lang in Ghana in Westafrika gearbeitet habe. Auch dort haben mich die Kinder in den entlegenen ländlichen Gegenden bei der Begrüßung immer berührt, um zu sehen, ob ich „farbecht“ war. Sie hatten noch keine weißen Menschen gesehen, so wie ich damals, 1945 noch keinen schwarzen. Und einen Kaugummi kannte ich auch (noch) nicht!

Die Männer aus unserem Haus konnten dann auch endlich den toten deutschen Landser dort, wo er lag begraben. Wir sind durch die Trümmer geklettert, haben in den Gärten herumgetobt und sind immer wieder an dem dort liegenden Toten vorbeigerannt. Ein einfaches, kleines Holzkreuz wurde auf dem Grab aufgerichtet mit seinem durchschossenen Stahlhelm darauf. Seine Marke, die er an einer Kette um den Hals trug, wurde dem Roten Kreuz übergeben, das seine Arbeit gleich nach dem Kriegsende wieder aufgenommen hatte. Meine Mutter hat mir später erzählt, dass einige Jahre nach dem Kriegsende seine Gebeine abgeholt worden seien. Er stammte aus einer Stadt im Ruhrgebiet.

Die noch überall nach Kriegsende herumliegende Munition, Panzerfaust- und Handgranatenköpfe und deren Stiele wurden in dem Bombentrichter im Hof „entsorgt“. In diesem Trichter hatten wohl auch „unsere“ Soldaten ihre Helme und Bewaffnung deponiert, bevor sie im Dunkel der Nacht geflohen sind. Die Mülltonnen waren bei den Kämpfen zerstört worden. Aller Hausmüll und die Gartenabfälle füllten das große Loch nach und nach zusammen mit dem Trümmerschutt der abgebauten Panzersperre. Einige Jahre nach dem Kriegsende wurde der Bombentrichter dann geöffnet, um dieses höchst gefährliche „Kriegsgut“ richtig zu beseitigen. Und wie mir meine Mutter in späteren Jahren auch noch mitteilte – da war ich schon aus der DDR geflüchtet und in Ghana tätig – haben sich viele Jahre nach dem Krieg tatsächlich zwei Familien der jungen Soldaten gemeldet, die es bis nach Hause geschafft haben oder aus amerikanischer Gefangenschaft in der Zwischenzeit entlassen worden waren. Einer von ihnen hatte sich den Namen und die Anschrift meiner Mutter geben lassen, bevor die Truppe aus unserem Keller aufgebrochen ist in der letzten Kriegsnacht in Magdeburg vor siebzig Jahren.

Eine Antwort zu Vor 70 Jahren im April 1945 – das Kriegsende in Magdeburg

  1. Am 21. April 2016 um 20:48 schrieb Menzel:

    Prima Beitrag, für das Archiv hätte ich vertrauensvoll bitte Ihren Nahmen. Ich war so frei Ihren Bericht in mein Forum zur allgem Stadtgeschichte zu übernehmen http://www.stadtgeschichte-magdeburg.de

    hochachtungsvoll

    Ihr Ronald Menzel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*