No Time to Die

Der Anfang von 1962 bis 1969:

Mit dem Sammeln, Fotografieren und Skizzieren von Sprichwörtern, Slogans und Namen auf den sogenannten Mammywagons“ (Kleinlaster zum Personen – und Warentransport) und meinen Besuchen in den Lorry Parks, um Fahrer zu „interviewen“ begann ich schon 1962. Den Plan zum Verfassen eines Buches darüber hatte ich ab 1967. Danach folgten Gespräche mit meinem Kollegen Kojo Gyinaye Kyei im PWD Büro, der sich als Dichter bereits einen Namen gemacht hatte in Ghana. Kojo begann auch gleich mit der Verfassung von Gedichten für fast alle der bis dahin gesammelten Slogans. 1969 hatten wir ein erstes, selbst zusammengeklebtes Manuskript für das Buch mit dem Titel „No Time to Die“ fertig. Damit sind wir nun „hausieren“ gegangen.

Arbeiten für die erste Auflage von 1969 bis 1975:

Die Herausgabe des Buches gestaltete sich äußerst schwierig. Verschiedene Möglichkeiten für eine Veröffentlichung wurden untersucht. Kojo Kyei und ich schlossen ein Abkommen ab für die gemeinsame Herausgabe (in Eigenregie) des Buches. Ich wollte dafür die Finanzierung übernehmen. Wir kontaktierten verschiedene Verleger in Ghana, ohne Erfolg. Afram Publications (Ghana) wollte in meinem Auftrag eine Markterforschung unternehmen, lehnte aber eine Herausgabe im eigenen Verlag ab. In der Zwischenzeit hatte ich fast alle Fotos und Skizzen fertig. Und Kojo hatte alle Gedichte geschrieben.

Im April 1974 produzierte Lintas Ghana Ltd. vom vorliegenden Material für uns eine „Dummy Kopie“ des Buches, nachdem wir Ende 1973 beschlossen hatten das Buch selbst herauszugeben. Die Catholic Press in Accra unterbreitete uns verschiedene Angebote für den Druck nach Vorlage des von mir entworfenen Layouts, der in der Dummy Kopie vorlag. Die endgültigen Druck- und Papierkosten beliefen sich auf 4.860,00 Cedis (Datum: 25.8.1975). Die Accra Catholic Presse wurde von uns beauftragt. Mir wurde von der Barclays Bank ein Kredit für die Druckkosten mit eigens eingerichtetem „loan account“ für die Rückzahlung gewährt. Der Eigentümer des „No Time to Die“ Slogans erhielt von uns am 26.5.1975 auch etwas Geld, um das Sprichwort an all seinen Wagen „auffrischen“ zu können. Das fertig gedruckte Buch (ohne Farbe, einfach schwarz-weiß) wurde am 11.9.1975 im Cultural Centre in Accra der Öffentlichkeit von Col. Agyekum, Commissioner of „Transport and Communication“ (und Acting Commissioner of „Works and Housing“, unserem Arbeitgeber) vorgestellt. Am 7. Oktober haben wir beim Registrar of Books & Newspapers einen Antrag auf Registrierung des Buches gestellt. Alle öffentlichen Bibliotheken in Ghana erhielten Kopien des Buches. Die 2.000 Kopien der Erstauflage des Buches waren innerhalb von drei Monaten verkauft und der Bankkredit zurückgezahlt.

Die zweite Auflage von 1976 bis 1982:

Anfang 1976 habe ich die zweite Auflage mit der Catholic Press verhandelt, einen weiteren Kredit von der Barclays Bank aufgenommen und an die Catholic Press überwiesen. Die Herausgabe wurde durch die Tatsache erheblich erschwert, dass die Presse die Offsetdruckplatten der 1. Auflage nicht aufgehoben hatte. Alle Fotos und Skizzen, sowie der überarbeitete Text mussten neu gesetzt werden. Der Verkauf verlief wie bei der ersten Auflage des Buches nach Bestellung mit Auslieferung an verschiedene Geschäfte in Accra, sowie an den Legon University Bookshop, das Methodist Book Depot Ldt., das Presbyterian Book Depot, die UST und Dillon’s University Bookshops, das Arts Centre in Accra, usw. mit verabredetem Rückzahlungsmodus des Bankkredits an die Barclays Bank. In der Zwischenzeit hatte ich beim PWD gekündigt, Accra verlassen und war nach Kumasi übergesiedelt für meine neue Tätigkeit als Dozentin an der University of Science and Technology. Mit Kojo Kyei korrespondierte ich regelmäßig per Post. Das war oft recht zeitaufwendig, aber immer noch zuverlässig. Mitte 1976 baten wir die Catholic Press erneut um einen Kostenvoranschlag für eine weitere Auflage. Die kam aber aufgrund der politischen Verhältnisse im Land nach dem letzten Militärputsch 1981/1982 erst zustande, als ich Ghana bereits verlassen hatte. Das Buch erweckte nun auch Interesse in anderen afrikanischen Ländern, in den U.S.A., in England, in Guyana (in der Universität des Landes) und auch in der Bundesrepublik Deutschland, seit Reviews über das Buch im „West Africa“ Journal (20. September 1976) und im „Baumeister“ (Heft 10/86) erschienen waren. Verschiedene Bitten um eine teilweise Verwendung einzelner Gedichte, Skizzen und Fotos erreichten uns von verschiedenen Stellen und mich  auch noch heute. Wir haben die Genehmigung dafür immer gerne erteilt.

Die Jahre danach bis heute:

Da die Catholic Press nach der zweiten Auflage die Offset Platten wiederum vernichtet hatte, wurden durch Vermittlung von Kojo weitere Auflagen in den Jahren nach meiner Rückkehr aus Ghana mit finanzieller Unterstützung des SOS-Dorfes in Tema von der Presse als gebundene Kopien von der zweiten Auflage angefertigt. Die Einkünfte durch den Verkauf fließen seither in die segensreiche Arbeit des SOS-Dorfes. Ich habe Ghana Ende 1982 für immer verlassen. Das Original von 1975 stelle ich nun als PDF Datei auf meiner Webseite ein, weil in der Zwischenzeit auch jeglicher Kontakt zu Kojo Kyei abgebrochen ist, von dem ich nicht einmal mehr weiß, ob er überhaupt noch unter uns weilt. Es kam keine Antwort auf meine Briefe an ihn. Die letzte, von mir an ihn geschickte Post kam als „unzustellbar“ zurück. Unser gemeinsames Buch „No Time to Die“ kann so wenigstens an dieser Stelle weiterleben. Es folgt die PDF-Datei zum Herunterladen:

„No Time to Die“ – das Buch

Gesammelte Slogans:

Noch lange habe ich die fantastischen Sprichwörter und Namen auf den Trotros (vom englischen „threepence“ = drei Pennies für die Fahrt) weiter gesammelt, selbst nach meiner Rückkehr aus Ghana während späterer Dienstreisen dorthin und stelle sie nun hier in einer PDF Datei vor. Als nacheinander die alten Bedford, Austin und Morris Laster mit ihren Holzaufbauten langsam aus dem Verkehr gezogen wurden und den japanischen Kastenwagen, Kleinbussen oder Pickups Platz machten, verschwanden leider auch die ganz alten weisen Worte wie „Sea never dry“.  Auch „No time to die“ konnte ich nicht mehr finden. Sprichwörter und Namen wurden kürzer und auch „moderner“. Boshafte Bezeichnungen der Kleinbusse wie „Kill 20“, wurden natürlich nicht auf die Wagen geschrieben, denn dann wäre vermutlich niemand mehr eingestiegen. Leider steckt aber wahres Erleben hinter diesen Worten, denn die kleinen Busse wurden genau so überladen, wie vorher auch die alten Mammy Lorries. Nur fuhren diese langsamer, als die schnelleren Kleinbusse. Wenn die „neuen“ Trotros bei voller Geschwindigkeit von der Straße abgekommen waren bei einem Platten oder aus einem anderen Grund, kamen viele Insassen ums Leben. „Ghana still strong“ begegnete mir 1986 unterwegs. Das war ein großer Lastwagen auf japanischem Chassis. Ob er heute noch fährt?

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