Akuabas – die Fruchtbarkeitspuppen der Ashantis

Es wird erzählt, dass einst eine Ashanti Frau (die Ashantis sind eine zur großen Akan Familien gehörende Völkergruppe in Ghana) mit dem Namen „Akua“ zu einem Wahrsager ging und ihn um Hilfe bat, weil sie nicht schwanger wurde. Er riet ihr nach einer Opferzeremonie eine aus Holz geschnitzte kleine Puppe auf dem Rücken zu tragen und sie zu umsorgen wie ein richtiges Baby, dann würde sie schwanger werden. Sie befolgte seinen Rat, fütterte die Puppe, badete sie und behandelte sie wie ein Kind. Die Leute aus ihrem Dorf riefen, wenn sie vorüber ging „Akua ba“ – „Akuas Kind“, oder „Akua, no ba ni?“ – „Akua ist das dein Kind?“ hinter ihr her. Die Frau wurde schwanger und gebar ein Mädchen. Und seither tragen die Puppen diesen Namen.

Akuabas, die es auch in anderen afrikanischen Ländern gibt, stammen ursprünglich aus Ghana und viele Frauen, wenn sie vergeblich auf eine Schwangerschaft gewartet haben und sich ein Kind wünschen, tragen solche Puppen auf ihrem Rücken, so wie sie ein Neugeborenes tragen würden, von ihrem großen Rocktuch umhüllt, das sie um sich schlingen. Wird die Frau schwanger, gibt sie nach der Geburt dem Baby die Puppe, dass es damit spielen kann. Oder aber dem Fetish Priester zurück, wenn sie die Puppe von ihm erhalten hat, als Dankesopfer. Vor allem kleine Mädchen lernen so auch ganz schnell wie ein Kleinkind zu tragen ist, wie man es wäscht und füttert. Sollte das Neugeborene sterben, behält die Mutter die Puppe zum Gedenken an das verstorbene Kind.

Dem Vorgang des Kontaktierens eines Wahrsagers oder Fetish Priesters liegt immer ein strikt vorgegebenes Ritual zugrunde. Wünscht sich eine Ashanti Frau schon lange ein Kind und wird nicht schwanger, sagt sie „Ich will zu Okomfo Anokye gehen“ (Okomfo Anokye war ein Ashanti Wahrsager und zugleich berühmter Staatsmann und Gesetzgeber; er wird in der Geschicht der Ashanti wie ein „Merlin“ betrachtet – Quelle: Wikipedia). Sie wird ihn um Fruchtbarkeit bitten. Auf diesem Bittgang wird sie begleitet von einem Linguisten durch den sie mit dem Fetish Priester „sprechen“ kann. Außerdem kommen ein Familienältester und ihr Mann mit. Der Wahrsager ist für die Zeremonie mit einem Rock aus Raffia bekleidet, sein Körper ist mit weißem Ton eingerieben. Der Priester rührt ein von ihm zubereitetes Gebräu um mit der Feder eines Geiers (dieser Vogel ist für die Ashanti allsehend und allwissend), trinkt es und fällt langsam in Trance. So schickt er die Bitte der Frau an den „obosom“ (höchster Fetish Priester). Ein Stück Holz wird vom Schnitzholz Baum gebracht, aus dem die Puppe gefertigt werden soll. Es wird mit einem Trankopfer gesegnet und gegen den Altar des „obosom“ gelehnt. Nach ein paar Tagen wird das Holz dem Mann der Frau zum Schnitzen übergeben. Wenn die Puppe fertig ist, wird die Zeremonie wiederholt. Erst danach erhält die Frau die Puppe.

Die Ashanti Akuabas, sowie auch die Aduabas der Fante Frauen (Ethnie an der Küste Ghanas mit etwas anderer Schreibweise für die Puppe) sind zu echten Kunstwerken geworden; denn der Wunsch der Frauen, die sie tragen, spiegelt sich in den Puppen wider. Der flache, runde oder ovale Kopf mit kleinem Gesicht und großer Stirn symbolisiert die Akan Schönheitsvorstellung eines Kopfes. Stirn und Hinterkopf sind oft mit zusätzlichen Einritzungen verziert. Solche auf dem Hinterkopf symbolisieren einen Haar Stil. Der Hals mit mehreren, immer ungeraden Ringen als Falten ist ebenfalls ein Symbol für Attraktivität und Reichtum. Ein weiteres Symbol für Schönheit sind große, buschige Augenbrauen. Die meisten Akuabas haben nur abstrahierte kurze, horizontal ausgestreckte Arme, einen zylindrischen Torso mit kleinen Brüsten und dem Bauchnabel. Der Rumpf endet in einer Basis ohne Füße.

Kofi Antubam, ein großer Künstler Ghanas (1922 bis 1964) zählt den vierfachen Zweck der Akuabas auf in seinem Buch „Ghana’s Heritage of Culture“(Koehler und Amelang, Leipzig, 1963): als Fruchtbarkeitssymbol; als Schönheitssymbol; als Spielzeugpuppe und als Zaubergegenstand, der mit besonderen Eigenschaften versehen ist. Er interpretiert rund- oder oval köpfige Puppen („Akuabatene“) als Wunsch nach einem Mädchen und Puppen mit rechteckigem Kopf („Akuabanini“) als  Wunsch nach einem Jungen. Eine interessante Brücke lässt sich schlagen zum ägyptischen Kreuz des Lebens, wie es oben in der Skizze eines Kalksteinreliefs zu sehen ist. In Ägypten erklärt man das Symbol auch als Damm, der die Wasser des Nils zurückhalten soll oder als Symbol der Vagina, in die ein Phallus eindringt. Also ist dieses Kreuz auch als ein Symbol der Fruchtbarkeit zu interpretieren mit einer Deutung, die auch in Ghana gilt.

Für die Herstellung der Puppen werden nur bestimmte, zum Schnitzen geeignete Holzarten verwendet, unter anderem Odee und Osese (Odee: Okoubaka aubrevillei; Osese: Hollarrhena floribunda), denen besondere magische und göttliche Eigenschaften zugesprochen werden. Bei Ashanti Holzschnitzern ist das Osese Holz besonders beliebt und deswegen auch bevorzugt. Es gibt besondere Bestimmungen, wie das Holz für eine Akuaba zu bearbeiten ist. Dazu zählt auch das Verhältnis der Kopfgröße zum Körper. Der flache Scheibenkopf macht etwa ein Drittel der ganzen Figur Höhe aus. Der Schnitzer lässt sein Werkzeug, Cutlass und Messer vom Fetisch Priester in einer kleinen Zeremonie vor der Arbeit segnen, in der die Geister der Ahnen mit einem Trankopfer (meistens Gin) um gutes Gelingen gebeten werden.

In der „afrikapost“, dem Magazin für Politik, Wirtschaft und Kultur ist im Heft 2/Juni 2014 der ganze Artikel erschienen.

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