1992 und 1993

1992

Die erste Reise nach Namibia war eine Dienstreise vom 7. bis zum 24. Juni 1992, die ich mit einem kurzen Urlaub verbinden konnte. Zusammen mit einer Kollegin, die mich auch bei meiner geplanten „Safari“ begleitete nahm ich zunächst an einer Konferenz über Angepasste Technologien (AT) teil, die von der EPA (Engineering Profession Association) im Safari Hotel in Windhoek organisiert worden war. Wir stellten auf der Konferenz die Arbeit unserer Abteilung GATE vor und knüpften Kontakte für eine zukünftige Zusammenarbeit mit namibischen Organisationen im AT-Bereich. In Namibia war Winter, das merkten wir bei der Ankunft am 7.6. morgens bei nur +3°C auf dem Flughafen von Windhoek. Dennoch war ich total aufgeregt und vor allem erwartungsvoll auf das, was wir in diesem seit zwei Jahren unabhängigen Südwestafrikanischen Land erleben sollten. Wir waren im Hotel „Fürstenhof“ inmitten von Windhoek untergebracht. Nach dem Auspacken und Ausruhen haben wir nachmittags im Safari Hotel den GATE Ausstellungsstand aufgebaut. Am 8. Juni war die Eröffnung der Konferenz. Ich habe die ersten Begegnungen mit Namibiern gehabt, mit denen ich auch heute noch Kontakte pflege. So sind wir gleich am ersten Tag zu einer Stadtrundfahrt gekommen, bei der wir die Alte Feste besuchten und ein wenig in der City spazieren gegangen sind.

Am 10. Juni ist die Konferenz zu Ende gegangen. Wir haben unseren Stand abgebaut und uns für die bevorstehende Fahrt nach Ameib über Swakopmund vorbereitet.  Ich hatte uns dafür einen Leihwagen besorgt. Linksverkehr war ich ja bereits von meinen Fahrten in Zimbabwe und Botswana gewöhnt, so hatten wir auch keinerlei  Schwierigkeiten. Unser größeres Gepäck haben wir im Hotel gelassen, denn wir mussten ja nach Windhoek zurückkehren. Nach notwendigen Einkäufen und Tanken sind wir am 11. Juni losgefahren in Richtung Walvis Bay über den Gamsbergpass. Eine herrliche Landschaft umgab uns. Wir hielten oft an, weil wir auch viele Wildtiere unterwegs gesehen haben, vor allem Kudus. Das war doch alles neu für uns. Wir erlebten auch ganz bewusst die Fahrt aus dem Hochland an die Küste mit den Sanddünen der Namib im Hintergrund. Windhoek liegt auf einer Höhe um 1.500 m, und wir fuhren sozusagen „hinunter“ ans Meer. Wir hielten am Ghaub Pass und dem Kuiseb Pass an und blickten in beide Riviere.

In Swakopmund, der damals doch noch recht „deutsch“ erscheinenden Stadt kamen wir ziemlich erschöpft an und im Hotel „Europa“ unter. Urgemütlich, schöne Zimmer. Gutes Abendbrot. Todmüde ins Bett. Pistenfahren will gelernt sein! Erinnerungen an Ghana werden wach! Am 12.6. war „Sightseeing“ Tag in Swakopmund. Am 13.6. ging es weiter bis zur Ameib Gästefarm mit dem Besuch der Robbenkolonie in Cape Cross. Dabei konnten wir das Wetterphänomen der „Fallwinde“ (von Osten kommend) an der Küste beobachtet. Dieser Wind lässt die Brandungswellen nach hinten überschlagen. Das Erlebnis von Zigtausend Pelzrobben war in der Tat „umwerfend“, vor allem geräusch- und geruchsmäßig. Dann folgte die beeindruckende Sandpistenfahrt durch eine riesige, leere Landschaft. Es ging an der Großen und Kleinen Spitzkoppe und den Pontok Bergen vorüber über Usakos bis zur herrlich am Erongo Gebirge gelegenen Ameib Ranch, über deren Geschichte ich ein Buch geschrieben habe („Lebensspuren im Sand und Fels – die Geschichte von Ameib“). Dort sind wir bis zum 19. Juni geblieben. Ich wurde dabei auch 60 Jahre alt. Wir sind viel gewandert und in den gigantischen Granitfelsen herum geklettert, haben Felszeichnungen der Ureinwohner, sowie Fauna und Flora bewundert. Auch der Spitzkoppe statteten wir einen Besuch ab. Den Reisebericht mit allen allen Skizzen und auch passenden Fotos kann man nachlesen in meinem, 2005 herausgegebenen Buch „Namibia – erlebt und skizziert“.

Am 19. Juni habe ich meine Kollegin nach Windhoek zurückgebracht zum Flughafen für ihren Rückflug nach Hause. Ich hatte noch eine Einladung zum Besuch einer Farm in der Nähe der Otavi Berge im Nordosten des Landes angenommen, wo ich mir aus Lehm gebaute Häuser ansehen wollte und fuhr vom 21. bis zum 24. Juni dorthin. Es waren sehr interessante Tage, in denen ich einige der deutschstämmigen Namibier kennen gelernt habe, die schon in der dritten Generation im Land leben. Fast alle auf ihren Farmen gebauten Häuser sind seit 1931 aus luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet. Die neueren Bauten stammen aus den Jahren 1972-74. Die Strohdächer sind mit Robbentran bestrichen worden und nach 20 Jahren immer noch in gutem Zustand.  Ältere Häuser wurden aus Natursteinen gebaut. Nach diesem abschließenden und beeindruckenden Erlebnis am Ende meiner ersten Namibia Reise bin ich am 24. Juni nach Windhoek zurückgefahren, habe den Leihwagen am Flughafen abgegeben und bin voller Eindrücke ins Flugzeug nach Hause gestiegen.

1993

Eine Urlaubsreise führte mich das zweite Mal nach Namibia vom 4. bis 20. April 1993. Bei der ersten Reise 1992 herrschte noch Winter im Land. Die Urlaubsreise 1993 zeigte mir ein grünes Land. In der gerade zu Ende gehenden Regenzeit hatte es gut geregnet. Viele Riviere waren mehr als einmal „abgekommen“ und führten teilweise noch immer Wasser. Bei den Fahrten durchs Land zeigte sich am Himmel oft eine fürwahr dramatische Wolkenbildung. Ein Meer buntfarbiger Wildblumen säumte die Pads, darunter vorwiegend der sattgelbe Morgenstern, auch „Pieker“ genannt (Tribulus zeyherii). Nach zweitägigem Aufenthalt in Windhoek ging es mit dem Leihwagen am 7.4. los in Richtung Süden auf eine Strecke von 560 km bis nach Keetmanshoop mit vielen Stopps unterwegs. Die großen Distanzen in diesem Land sind nur auf ganz wenigen „langweiligen“ Hautstraßen ermüdend, weil es immer etwas zu sehen gibt für den an Land, Leuten, Fauna und Flora interessierten Fahrer. Das erste Mal wanderte ich durch den berühmten Köcherbaumwald vor Keetmanshoop mit seinen über 250 nur hierzulande heimischen Bäumen. Am 7.4. ging es von Keetmanshoop weiter bis zum Thermalbad nach Ai-Ais am Ende des Fishriver Canyons und von dort am 9.4. weiter bis nach Lüderitz. Am 11.4, dem Osterfest fuhr ich von dort bis zur Farm Burgsdorf in der Nähe von Maltahöhe. Viel habe ich unterwegs gesehen, Filme voll fotografiert und Einiges auch skizziert. Dabei war wohl der Blick in die Tiefen des Fischfluss Canyons das Erlebnis, das mich am meisten überwältigt hat.

Am 12.4. ging es ins Sossusvlei zu den hohen Dünen in der Roten Namib. Sehr beschwerlich war der Aufstieg auf eine der höchsten Dünen, aber die Aussicht von oben auf das rote Dünenmeer war spektakulär. Ich kam an einem Tag dorthin, als es in der Nacht vorher stark geregnet hatte. Die Dünen hatten lange, dunkle Wasserstreifen. Das hatte selbst mein Begleiter und Führer, der mich dorthin gebracht hat mit einem Allradwagen noch nicht gesehen.  Am 13.4. ging es weiter nach Swakopmund, wo ich mir auf der Welwitschia Hochfläche diese einzigartigen, nur in Namibia vorkommenden uralten Pflanzen ansehen konnte.

Am 15.4. fuhr ich von Swakopmund – wieder über das Kreuzkap zu den Robben – bis nach Ameib, wo ich einige Tage bleiben wollte. Ich bin dort viel gewandert und geklettert, konnte viel Fotografieren und Skizzieren. Aber es gab ja noch so unendlich viel zu entdecken in diesem Paradies.

Am 20.4. fuhr ich von Ameib ab und zurück nach Windhoek. Unterwegs hielt ich im Städtchen Karibib an zum Souvenir Einkaufen und fuhr in Windhoek gleich bis zum Flughafen, wo ich den Leihwagen zurück gegeben habe. Über 3.500 km war ich gefahren bei dieser Reise! Nun ging es in den Flieger und ab nach Hause. Es sollten zehn Jahre ins Land gehen, bis ich 2003 wieder nach Ameib und ins Erongo Gebirge gekommen bin. Danach habe ich Ameib jedes Jahr besucht bis 2007.

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