2006 und 2007

Reisebericht und Skizzen von den Ameib Besuchen im Januar/Februar 2006 und im Januar 2007

Der Aufenthalt auf Ameib von Januar bis Februar 2006 folgte meiner vorangegangenen Reise von Windhoek an die Küste im Dezember 2005 über Weihnachten und Neujahr. In der Zwischenzeit hatte ich mich seit meiner letzten Namibia Reise ernsthaft mit dem Schreiben eines Buches über Ameib auseinandergesetzt und dafür bereits die ersten Recherchen im Archiv der Vereinigten Evangelischen Missionsgesellschaften (VEM) in Wuppertal , sowie auch im Windhoeker Nationalarchiv und bei der Wissenschaftlichen Gesellschaft vorgenommen. Nun wollte ich alle Details darüber mit Freundin Waldtraut besprechen und bei ihr so viel Informationsmaterial wie möglich einsehen und wenn möglich kopieren, das in ihrem Besitz ist. Ich hatte dafür meinen Laptop aus Deutschland mitgebracht und mir in Windhoek noch einen Scanner besorgt. Am Mittwoch, 4. Januar, bin ich bei ihr eingetroffen. Ich wurde von einem Bekannten, der von Swakopmund nach Windhoek weiter fuhr dorthin gebracht und brauchte mir so keinen Leihwagen zu besorgen für die Fahrt. Unsere Fahrt bis nach Usakos war ganz ok, dann allerdings wurde die Pad sehr schlecht, vor allem die Durchfahrten durch die Khan und Ameib Riviere waren ziemlich kritisch. Die Regenzeit hatte mit Macht begonnen, und es schien eine sehr gute zu werden. Auf Ameib wurde ich sehr herzlich von Waldtraut begrüßt. Am Nachmittag hatte ich dann Kaffee/Tee zusammen mit ihr. Dabei haben wir über das weitere Vorgehen bei den Vorbereitungen zur Herausgabe eines Buches über die Geschichte von Ameib gesprochen. Sie brachte mir alle Gästebücher und Fotoalben, und ich habe mit dem Sannen begonnen. Beim Abendessen lernte ich nette „Mitgäste“ kennen, darunter den fotografisch hochbegabten Zivi (Yannik), der zum Abschluss seiner Zivildiensttätigkeit seinen Urlaub auf Ameib verbrachte. Es war ein schwüler Tag gewesen, und abends gab es dann ein Gewitter mit langem Regen.

Am nächsten Tag (5.1.) brachte Waldtraut Yannick und mich nach dem Frühstück zur Bulls Party. Wir sind um die großen Felsblöcke herum gelaufen, auf sie hinauf geklettert und haben viel fotografiert. Von vielen der ganz großen Granitblöcke lief immer noch das Regenwasser herunter, und kleine Seen hatten sich in den Kuhlen und Mulden gebildet.

Hinter der Bulls Party, 5.1.2006

Hinter der Bulls Party, 5.1.2006

Eine Gruppe deutscher Tagesbesucher auf Ameib gab uns einen Lift zurück zur Farm. Dort gab es ein leichtes Lunch und eine lange Siesta. Ich habe meine Fotos gleich bearbeitet und dann Gästebuch Eintragungen gescannt. Morgens war es noch immer bewölkt gewesen. Ab Mittag wurde es dann sonnig und sehr heiß. In der folgenden Nacht hat es ab 2 Uhr 30 wieder tüchtig geregnet. So verbrachte ich den Vor- und Nachmittag des nächsten Tages (6.1.) mit Scannen. Beide Riviere, der Khan und Ameib sind abgekommen. Wir sind von der Außenwelt abgeschnitten. Es gab keinen Regen mehr am nächsten Tag, Samstag, den 7.1. Dafür war es sehr schwül und sehr heiß, aber sonnig. Yannick verließ uns. Er nimmt ab Usakos den „Welwitschia Transfer“, einen Kleinbusservice nach Windhoek. Ich will das ebenfalls tun, wenn ich Ameib verlassen werde. Und bis Usakos, von wo aus der Bus abfährt, der aus Swakopmund kommt, wird Waldtraut mich dann bringen oder wir bestellen ein zuverlässiges Taxi von dort. Ich habe den Vormittag wieder mit Scannen verbracht.

Nachmittags bin ich bis zum Damm gelaufen und die Felsen dahinter hochgeklettert zum Skizzieren. Die drei nächsten Tage waren total verregnet. Ich habe nur gescannt und mir viele Notizen gemacht von den Inhalten der mit Waldtraut geführten Gespräche. Sie hatte auch einige uralte Steinwerkzeuge gesammelt, die ich abzeichnen konnte.

Steinwerkzeuge, 9.1.06

Steinwerkzeuge, 9.1.06

Es war nach den Regenfällen immer eine Weile lang angenehm kühl mit einer angenehmen Brise, aber danach wurde es dann bald wieder recht schwül und heiß bis zum nächsten Guss. Am 11.1. bin ich vormittags zum Riesen gewandert, habe fotografiert und skizziert und bin dann auch noch zum Elefanten zum Fotografieren gewandert. Es war kein angenehmes Laufen, weil alle Wege durchweicht und teilweise noch voller Wasser waren.

Dann wurde nachmittags wieder gescannt. Mit Waldtraut habe ich nun ein tägliches, etwa 1-stündiges Interview verabredet. Es gab immer mal eine kurze Regenhusche zwischendurch. Am folgenden Tag, dem 12.1. habe ich den ganzen Vormittag lang versucht in der Nähe der Farm Reste von alten Fundamenten des ehemaligen Missionshauses oder der Schule zu finden, was mir, so denke ich jedenfalls auch tatsächlich gelang. An dieser Stelle gibt es auch einige uralte Gräber, die von Unkraut überwuchert sind. Es ist auf anderen Farmen passiert, dass sich bei derartigen „Funden“ plötzlich irgendwelche „Nachfahren“ von Verstorbenen solcher Gräber melden, die ein Anrecht auf das Land verlangen, wo ihre angeblichen Verwandten begraben liegen. Waldtraut verweist sie immer auf die Eintragungen im Grundbuchamt und verlangt vor allem Papiere mit ihren Namen, die sie nicht vorweisen können/wollen. Aber sie sind hartnäckig und versuchen es immer mal wieder aufs Neue. Die Landprobleme in Namibia sind sehr groß und immer mit starken Emotionen verbunden. Gegen Mittag war ich „fündig“ geworden und konnte einige Mauerreste (vielleicht von Fundamenten?) fotografieren, die mit der Lage des Missionshauses der Rheinischen Missionsstation auf alten Fotos ziemlich genau übereinstimmen. Es wurde wieder ein sehr heißer Tag.

13.1.: Erneuter Scan Tag. Heiß und zunehmend schwül. Zum Wandern für mich nicht geeignet. Am darauf folgenden 14.1., einem Samstag, bin ich wieder zum Riesen gelaufen zum Skizzieren. Am Nachmittag habe ich dazu passende Fotos aus den Fotoalben von Waldtraut gescannt. Es war erneut ein sehr heißer Tag, und nachmittags gab es ein Gewitter mit etwas Regen.

Unterhalb vom Riesen, 14.1.06

Unterhalb vom Riesen, 14.1.06

Am Sonntag, den 15.1., bin ich mit einem der Farmarbeiter zum alten Minendamm der ehemaligen Zinnmine gefahren und von dort bis zu den Gramadullas (verzweigte Schluchten – hier vom Ameib Rivier) gelaufen und habe Felsmalereien gezeichnet und fotografiert. Es war sehr schwül, und wir schafften es gerade bis zur Farm zurück bevor ein schweres Gewitter losbrach mit 39 mm Regen. Was für ein Erlebnis!

Ruinen bei der alten Zinnmine, 15.1.06

Ruinen bei der alten Zinnmine, 15.1.06

Am 16.1. traf ein neuer, netter Gast ein, die 83-jährige Erika (Anmerkung: Sie ist Anfang 2014 nach langer Krankheit gestorben). Erika hat mich von nun auf vielen meiner Wanderungen begleitet. Vor- und nachmittags habe ich auch weiter gescannt und Waldtraut interviewt. Es hatte die ganze Nacht lang geregnet, alle Farmwege waren noch recht nass und matschig. Der Tag war heiß, und am Abend gab es erneut ein Gewitter mit viel Regen. Welch ein Segen für die Farmer! Am nächsten Tag konnte man immer noch nicht wieder spazieren gehen, es war zu matschig überall. Ich habe den ganzen Tag über gescannt und zusätzlich noch Fotos und verschiedene Dokumente bearbeitet. Es war dicht bewölkt am Vormittag, und nachmittags hat es wieder geregnet, sowie auch die ganze darauf folgende Nacht. Am 18.1. bin ich nach dem Frühstück mit Erika zum Damm und auf die Felsen dahinter in Richtung Paradies gelaufen, habe skizziert und fotografiert. Überall fängt es nun an zu blühen. Das ist besonders schön anzusehen zwischen den großen Felsen, wo die weißen Schwarzbuschlilien hervorsprießen.

Am 19.1. habe ich eine erste Strukturierung für ein Buch entworfen und mit dem Schreiben des Textes begonnen. Mit Waldtraut am Nachmittag alles besprochen. Wir sind wieder abgeschnitten von der Außenwelt. Der Khan Fluss ist mächtig abgekommen. Auch der Ameib läuft hoch. Nachts hatte es wieder 10 mm geregnet. Der Tag war schön sonnig. Für meine Rückkehr habe ich den Welwitschia Transfer von Usakos bis Windhoek gebucht und ein Taxi von Ameib bis nach Usakos bestellt. Am folgenden Tag, dem 20.1. kreisten nach dem Frühstück Hunderte Abdimstörche über Ameib und ließen sich in der Nähe vom Damm nieder um dort nach Würmern und Insekten zu suchen, die vom Regen aus der Erde gekommen waren. Der Abdimstorch (Ciconia abdimii), auch Regenstorch genannt, ist kleiner als unser heimischer Weißstorch, hat schwarze Federn und einen weißen Bauch. Es war ein wunderschöner Anblick, diese Massen von Störchen über der Farm kreisen zu sehen. Ich habe weiter am Buchmanuskript gearbeitet. Es war kühl morgens, danach heiß und sonnig. Nach dem Frühstück bin ich am 21.1. mit Erika in Richtung Paradies die Felsen hoch gestiegen. Da, wo es steil wurde, sind wir „Slalom“ gelaufen.

Oberhalb vom Paradies, 21.1.06

Oberhalb vom Paradies, 21.1.06

Überall blühten dort die Schwarzbuschlilien, ein herrlicher Anblick! Nachmittags habe ich aus Waldtrauts Schätzen weitere Infos für das Buch zusammengesucht zum Scannen. Sie hatte tüchtig in der Küche zu tun mit über 20 Gästen zum Abendbrot. Dabei habe ich abends nette Leute kennen gelernt vom Camping Platz (1 Tierarzt und 3 Ärztinnen). Es war ein schöner sonniger und trockener Tag mit herrlicher Wolkenbildung gewesen. Den ganzen nächsten Tag über (Sonntag, 22.1.) gescannt und geschrieben. Es war schönes Wetter, und gegen Abend gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang und danach einen glasklaren Sternenhimmel. Am 23.1. brachte Waldtraut mich und Erika nach dem Frühstück zum Elefanten. Wir sind dann um das ganze Massiv herumgelaufen. Ich habe viel fotografiert und skizziert. Gegen Mittag hat uns ein Farmangestellter von der Bulls Party wieder abgeholt. Nachmittags gab es zum Tee wieder das obligatorische Gespräch/Interview mit Waldtraut. Ein schöner, heißer Tag ging zu Ende. Während der vormittäglichen Arbeit am folgenden Tag (24.1.) wurde ich von einem der Mitarbeiter der Farm abgeholt. Am Tor stand eine Giraffendame mit ihrem gerade geborenen Jungen. Nichts wie hin und fotografiert. Sonst den ganzen Tag gearbeitet. Es wurde wieder ein schwüler Tag und nachts brach dann erneut ein Gewitter mit viel Regen los. Wir hatten auch am 25.1. nachmittags wieder ein starkes Gewitter mit viel Regen (20 mm in einer Stunde). Landesweit werden nun von überall in der AZ und im Radio starke Regenfälle gemeldet. Das sind gute Nachrichten für Namibia. Ich bin am 26.1. nochmals auf die Suche nach weiteren Fundamentresten der alten Missionsstation gegangen und habe auch welche gefunden und skizziert. Und dabei auch die Überreste des Dammes gefunden, den Missionar Böhm gleich nach seiner Ankunft auf Ameib 1867 in der Nähe des heutigen Farmhauses gebaut hatte, um Regenwasser aufzufangen.

Ein starkes Gewitter ging am Nachmittag über dem Hohenstein hernieder nach einem sehr schwülen Tag. Man sah lauter Wasserfälle die Berghänge herunter rauschen. Das war hier für mich ein sehr faszinierender Anblick. Der 27.1. wurde ein schwüler und heißer Arbeitstag. Am 28.1., wieder ein Samstag, bin ich nach dem Frühstück mit Erika erneut in Richtung Paradies gewandert. In den kleinen Rivieren blühen prächtige Crinum Lilien. Wieder wurde es ein sehr heißer und schwüler Tag. Nachmittags habe ich gescannt. Auch den folgenden Tag habe ich am Laptop gearbeitet. Am 30.1. ging es nach dem Frühstück wieder zum Paradies zum Skizzieren. Nach einem weiteren sehr heißen Tag gab es in der Nacht mit einem Gewitter und Regen dann die ersehnte Abkühlung.

31.1.: Ein Farmarbeiter brachte mich nach dem Frühstück zum Parkplatz für die Wanderung zur Philipps Höhle hoch. Der Aufstieg war bei der nun wieder schwülen Hitze sehr anstrengend. Aber das Erlebnis in der Grotte mit den wunderschönen Felsmalereien ließ mich alle Strapazen vergessen. Ich war völlig allein mit mir und der Natur und den Geistern des Gebirges. Diese Empfindungen kommen mit ins Buch hinein. Am 1.2. wurden Erika und ich morgens zur Bulls Party gebracht. Ich bin dem „Elefanten“ auf den Kopf geklettert. Welche tolle Aussicht hat man von dort oben! Nachmittags wurde wieder gescannt. Und es kam nach dem schönen Vormittag noch ein heftiges Gewitter mit 15 mm Regen am Nachmittag. Reinhard Friedrich, der an einem Buch über die Hai//om (ohne Klicklaut ausgesprochen „Heikum“) Buschleute schreibt, kündigte seinen Besuch auf Ameib an ab 2.2. zusammen mit seiner Frau Yvonne. Beide kennen die Felszeichnungen auf Ameib noch nicht. Am 2.2. war es morgens schön kühl. Bis mittags habe ich am Laptop gearbeitet. Ich habe alle Daten zur Sicherheit noch vom Laptop auf eine externe Festplatte übertragen. Gegen Abend trafen die Friedrichs ein. Herzliche Begrüßung und lange Gespräche beim und nach dem Abendbrot.

3.2.: Nach dem Frühstück ging es zuerst zum Elefanten und zur Bulls Party. Friedrichs waren zum ersten Mal auf Ameib. Sie sind danach noch allein zur Philipps Höhle hinauf gestiegen. Ich habe schon mit dem Packen begonnen. Nach dem Tee sind wir dann alle zum Minendamm gefahren und haben uns die Felsmalereien dort und im Tal der Riesenblöcke angesehen. Es war heiß und die Wolkenbildung dramatisch. Unser abendliches Abschiedsessen war sehr schön. Die Angestellten sangen für uns. Wir waren die einzigen Gäste. Der 4.2. war Abschiedstag: Abschied von Waldtraut und Ameib, von den Friedrichs und von Erika. Das Abhol-Taxi kam frühmorgens pünktlich und brachte mich nach Usakos, wo wir auch mit dem Welwitschia Transfer ohne Verspätung um 8 Uhr 30 abfuhren nach Windhoek mit kurzer Pause in Okahandja. Es war überall herrlich grün. Das Gras stand hoch am Wegesrand, und die blühenden Morgensterne und Cleomen sorgten für eine gelbe und rosa Pracht. Auf Ameib schien die Sonne. In Windhoek regnete es.

Im Januar 2007 benutzte ich meinen Aufenthalt auf der Ameib Ranch im Wesentlichen dazu nochmals Fotos für den Druck des Buches zu scannen und zu bearbeiten, alle Skizzen zu überarbeiten und wo nötig zu ergänzen und das bisher geschriebene Manuskript zusammen mit Waldtraut Kögl zu korrigieren. Eigentlich hatten wir beabsichtigt das Buch in Namibia herauszugeben. Wir haben aber keinen daran interessierten lokalen Verleger gefunden. Und eine Herausgabe „in Eigenregie“ stellte sich als viel zu umständlich und auch zu teuer heraus, zumal ich von Deutschland aus nur unter großen Schwierigkeiten laufend mit Waldtraut für notwendige Absprachen kommunizieren konnte, weil bei ihr der Telefonanschluss selten funktionierte für längere Gespräche. So übernahm letztendlich das Namibiana Buchdepot die Buchherausgabe. „Lebensspuren im Sand und Fels – die Geschichte von Ameib“ ist 2009 erschienen.

Titelbild vom Ameib Buch, Juli 2009

Titelbild vom Ameib Buch, Juli 2009

Meine Aufenthalte auf Ameib waren jedes Mal unvergesslich schöne und vor allem sehr erholsame Wochen in der fantastischen, die Farm umgebenden Natur des Erongo Gebirges, an die ich immer wieder sehnsüchtig zurück denke.

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