2005

Nur in den wenigen Tagen auf Ameib bin ich während meiner Namibia Reise 2004/2005 zum Zeichnen gekommen. Ich bin am 5. Januar 2005 nach Ameib gefahren und dort bis zum 9.1. geblieben. Bei der Leihwagenfirma ließ ich frühmorgens meinen großen Koffer und fuhr mit einem Toyota Corolla nur mit leichtem Gepäck nach dem Tanken um 10 Uhr aus Windhoek ab. In Okahandja habe ich an einer Tankstelle noch Mineralwasser, Orangensaft und die AZ („Allgemeine Zeitung“) gekauft. Bei zwei Straßenkontrollen wurden die vor mir Fahrenden alle nach ihren Führerscheinen gefragt. Ich wurde nur gefragt „Where to grandma?“ und zum Weiterfahren aufgefordert, nachdem ich den Polizisten erzählt habe, dass ich nach Ameib ins Erongo Gebirge will und mich sehr darauf freue. Ich rede nett mit ihnen, dann reden sie nett mit mir. So einfach ist das.

In Usakos legte ich eine Pause ein für einen Mittagsimbiss. Gegen 13 Uhr 30 war ich auf Ameib angekommen, habe ausgepackt und mich in dem kleinen Chalet, das ich dort immer bewohne eingerichtet. Nur noch ein paar andere Touristen waren in der Gästefarm, die aber gegen Abend abreisten, bis auf zwei nette junge Männer aus dem Westerwald. Den Nachmittag verbrachte ich im Pool (in meinem weißen „Body“, ich hatte meinen Badeanzug im großen Koffer vergessen beim Umpacken; es war mir egal, wer zusah!) und habe beim Tee mit Freundin Waldtraut Kögl, der Eigentümerin von Ameib, ausführlich geklönt. Danach bin ich noch zur bis Bulls Party gefahren zum Zeichnen und habe einige Kudus ganz nahe und auch das alte „Zesel“ Charly gesehen.

6.1., Donnerstag: Beim morgendlichen Gespräch mit den Westerwäldern stellte sich heraus, dass es großväterlicherseits eine Verbindung nach Südwestafrika gibt bei uns. Der Bruder meines Großvaters väterlicherseits war als Zöllner vom Kaiser nach Deutsch-Südwestafrika geschickt worden, der Großvater der beiden jungen Männer ebenfalls. Welch ein Zufall! Es war ein herrlich klarer Morgen. Nach dem Frühstück bin ich zum Tal der Riesenblöcke hinter dem Paradies gewandert und habe skizziert und fotografiert. Hin und zurück mit vielen Stopps brauchte ich ca. 3 Stunden. Es ist eine wunderschöne Gegend. Nur wurde es sehr heiß. Ich hatte drei Flaschen Ameib-Wasser („Pumpen-Sherry“) mit im Rucksack, die ich auch ausgetrunken habe. Immer mehr entstand bei mir der Wunsch die Erlebnisse hier und vor allem die Geschichte dieses Ortes niederzuschreiben. Aber erst mal muss das erste Buch über Namibia fertig werden.

Am Nachmittag gab es einen starken, 30 Minuten lang andauernden Sandsturm. Obwohl alle Fenster und Türen verrammelt wurden, war alles im Zimmer danach mit feinstem Staub bedeckt. Der Sand knirschte sogar in meinen Zähnen (na ja, im Gebiss…). Das war grässlich. Es war sehr heiß geworden. Als der Sturm vorüber war, wurde der Pool gleich gesäubert. Ich bin sofort im herrlich kalten, frischen Wasser abgetaucht. Beim Tee hatte ich immer noch das Gefühl Sand im Mund zu haben. Waldtraut sagte mir, nun käme die Regenzeit. Hoffen wir, dass sie Recht hat. Und tatsächlich kam ein langer Regen in der Nacht, toll. Nur hatte Waldtraut den Regenmesser noch nicht aufgehängt im Garten, so konnten wir leider nicht ablesen wie viel von dem so wertvollen Nass gefallen war, aber es müssen etliche Millimeter gewesen sein. Mit dem Regen kam eine willkommene Abkühlung. Vom nächsten Tag an war ich der einzige Gast auf Ameib.

7.1., Freitag: Nach dem Frühstück bin ich zum Riesen gewandert, wieder mit drei Flaschen Wasser im Rucksack. Hier hatten Henny, meine Kollegin aus der GTZ-Zeit 1992 und ich unser Abenteuer mit Porky, dem Ameib Warzenschwein gehabt. Ich musste die ganze Zeit, als ich über die großen Granitblöcke kletterte daran denken, wie wir damals versucht haben, das furchterregende Schwein mit großen Hauern, das ja nur einen Apfel als „Wegzoll“ wollte zu verscheuchen, was uns nicht gelungen ist. Porky „klebte“ an Hennys Jeans bis wir zurück waren auf der Farm (die anderen Geschichten von Porky habe ich dann in meinem ersten Namibia Buch erzählt). Hier im Riesen-Tal kann man überall auf die herumliegenden Granitklötze klettern und hat entsprechende Ausblicke „von oben“. In den vielen Pfützen, die sich in den Granit Mulden nach dem gestrigen Regen haben spiegelten sich die Blöcke, das war ein fantastischer Anblick.

Im Riesen-Tal, 7.1.05

Im Riesen-Tal, 7.1.05

Als ich auf einer etwa 1,5, km entfernten Granitkuppe sieben Figuren bemerkte, die sich, mit Stöcken und Plastiktüten bewaffnet, ziemlich eigenartig im Gelände bewegten, habe ich mich versteckt. Ich hatte leider mein Fernglas im Chalet liegen gelassen und konnte so nicht feststellen, was genau die im Schilde führten. Waldtraut Kögl hatte von zunehmender Wilderei auf ihrer Farm gesprochen. Deshalb gab ich nach einer Weile „Fersengeld“ und kam entsprechend erschöpft zurück. Wie sich dann herausstellte, waren es Jungens von einigen ihrer Farmarbeiter, die noch Schulferien hatten und tatsächlich versucht hatten „zu jagen“. Na ja, nach dem forschen Auftritt der herbeigerufenen Polizei wird denen die Lust am Jagen vergangen sein, denke ich mal.

Der "Riese" im Riesen-Tal, 8.1.05

Der „Riese“ im Riesen-Tal, 8.1.05

Am oberen Rand des Talschlusses ist ein gigantisch großer Stein, der wie ein Riese aussieht, daher der Name des Tales. Den Rest des Tages habe ich wieder mit Ausruhen und Baden verbracht. Abends hatte ich nochmal ein langes Gespräch mit Waldtraut Kögl. Dabei ging es diesmal dann auch über das mögliche Verfassen eines Buches über die Geschichte von Ameib. 8.1., Samstag: Es gab ein gemütliches Frühstück mit einem langen Gespräch mit Waldtraut danach. Ich hatte am Vortag „die Saat“ gelegt und ihr von meinen Vorstellungen über ein Ameib Buch berichtet. Sie war nun sehr angetan von meinem Vorhaben und ermutigte mich mit den Vorbereitungen dafür alsbald zu beginnen. Danach kam für mich erneut ein langer Wandertag ins Paradies und Tal der Riesen zum Zeichnen und Fotografieren. Ich wurde von zwei Pavian Herden dabei tüchtig verbellt, was mich aber nicht weiter gestört hat. Es war sehr schwül und heiß, und ein Gewitter braute sich sichtbar zusammen, das dann aber erst abends losbrach und in der Nacht erneut Regen und Abkühlung brachte.

Ich habe den ganzen Nachmittag über Fotoalben von Waldtraut durchgesehen, die sie herbeigeschafft hatte. Das sind wahre Schätze, auch ihre ganzen Gästebücher. Schon allein dieses Material wäre eine gute Grundlage für ein Buch. Nur fehlte mir ein „Hauptthema“, um das sich alles andere „gruppieren“ kann. Abends „besuchte“ eine Wildkatze die Hühnerställe, auf deren Dächern sie herum kroch. Wir konnten sie gut beobachten. Anscheinend hatte sich der Hauskater mit der Wildkatze bereits angelegt, denn entsprechend zugerichtet sah er aus.

9.1., Sonntag: Gleich nach dem Frühstück ging es noch einmal zur Bulls Party zum Fotografieren der Spiegelungen in den kleinen Pools, die sich nach dem Regen in der Nacht dort gebildet hatten. Das waren wunderschöne Bilder! Leider hatte ich während dieses Ameib Aufenthaltes die Giraffen nicht sichten können. Aber es wurde verabredet, dass ich bald wiederkomme. Nach dem Packen kam der Abschied. Um 11 Uhr bin ich aus Ameib abgefahren. In Usakos wurde getankt, in Okahandja im Reiterklub eine Mittagpause eingelegt und „lecker“ Deutsch“ gegessen: Rouladen, Klöße und Rotkohl! Je mehr ich mich Windhoek näherte, desto dunkler wurde der Himmel. Nach der Ankunft gegen 15 Uhr im Klein Windhoek Gästehaus brach ein gewaltiges Gewitter los mit wolkenbruchartigem Regen. Ich war nur einige Tage auf Ameib gewesen, aber es waren wunderschöne Tage, und das Skizzenbuch war voller geworden.

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