Sehnsuchtsland Namibia – Reiseerlebnisse einer Afrikakennerin

Im Juni 2017 ist mein drittes Buch über Namibia erschienen. Zehnmal bin ich in zwanzig Jahren Zigtausende von Kilometern durch das Sonnenland gefahren, häufig selbst am Steuer der verschiedensten Autos mit oder ohne Vierradantrieb. Ich habe spektakuläre Landschaften gesehen, die Geologie, Fauna und Flora bestaunt, große und kleine Abenteurer durchlebt. Und ich erzähle von den Menschen, die ich dabei kennengelernt habe. Mit den Erfahrungen, die ich bei meiner Arbeit in den verschiedenen afrikanischen Ländern gemacht habe, war mir auch ein Blick in die Zukunft das Landes wichtig. Denn als Namibia 1990 unabhängig wurde, hatten sich die meisten der in den Sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts unabhängig gewordenen afrikanischen Länder nicht gerade beispielhaft entwickelt. Das galt leider auch für Ghana in den 22 Jahren, in denen ich als Architektin und Dozentin in dem westafrikanischen Entwicklungsland gelebt habe und tätig war (siehe Hannahblog „Ghana – meine Herzensheimat“).

Ich hatte zum letzten Kriegsweihnachtsfest 1944 von meinen Eltern das Buch „Die Kinderfarm“ von Ernst-Ludwig Cramer geschenkt bekommen. Das Buch, das ich förmlich verschlungen habe, hatte ich am 16. Januar 1945 im Rucksack, als Magdeburg den alliierten Bomben zum Opfer fiel und auch unser Zuhause verbrannte. In unseren Rucksäcken waren die wichtigsten Sachen, die meine Schwester und ich immer bei Alarm mit in den Luftschutzkeller nehmen mussten. Und in meinen Rucksack hatte ich das Buch hineingeschmuggelt. So konnte ich es retten. Im Buch erzählt der Autor, ein deutscher Farmer, die Geschichte seiner Kinder im südwestafrikanischen Land, das damals unter südafrikanischem Mandat verwaltet wurde, nachdem Deutschland nach dem ersten Weltkrieg seine Kolonien – auch Deutsch-Südwestafrika – verloren hatte. Immer wieder sah ich mir die Fotos im Buch an über das Land, in dem es große Wüsten und eine exotische Fauna und Flora gab. Und ich träumte von diesem Land. Es sollten allerdings fünf Jahrzehnte vergehen, bis ich mein „Sehnsuchtsland“ wirklich kennenlernte. 1992 konnte ich meinen Kindheitstraum endlich verwirklichen und zum ersten Mal nach Namibia fliegen. 2011 war ich das letzte Mal dort. Beim ersten Besuch herrschte auch in diesem Land nach zwei Jahren Unabhängigkeit große Freude und Hoffnung auf eine gute Zukunft für die verschiedenen, im Land lebenden Ethnien.

Schöner Zopf – bei den Ovahimba

Am Ende meiner Reiseerinnerungen fliege ich in Gedanken nochmal nach Namibia. Es ist eine Reise, die ich nicht mit meinen Füßen erlebe, sondern  in meinem Kopf und Herzen. Dabei denke ich an all die Höhepunkte, die mir auf meinen Namibia Reisen beschert wurden, einschließlich der unerwarteten, manchmal auch etwas kniffeligen Situationen und „Happenings“, die gemeistert werden mussten. Das habe ich mit Lachen geschafft, so wie ich es in Ghana gelernt habe. Dazu kommen dann die unvergesslichen Begegnungen mit offenen, liebenswerten und durchweg gastfreundlichen Menschen in ihrer doch so ganz anderen Welt als der meinen. Mein Sehnsuchtsland ist in diesem Jahr über 28 Jahre alt geworden. Namibia ist den Kinderschuhen entwachsen. Ich beende meine „Traumreise“ mit einem Blick auf das, was zum „Erwachsenwerden“ des Entwicklungslandes vielleicht noch fehlt. Zum Abschluss werfe ich im Kapitel „Quo vadis Namibia?“ einen Blick auf all das, was sich seit meinem ersten Besuch verändert hat.

Sehnsuchtsland Namibia

Weil ich ja bei allen Fahrten immer das, was mir besonders ins Auge fiel gezeichnet habe, gab Palmato-Publishing auch 15 Postkarten mit Zeichnungen heraus. Ich konzentriere mich beim Skizzieren immer auf des Wesentliche, was in meine Augen fällt beim Anblick einer besonderen Landschaft oder einzigartiger geologischer Formationen und ganz besonders schöner Blumen, Bäume, Büsche, Tiere oder eben all dessen, was die Natur im Land geschaffen hat und weswegen Touristen auch besonders gerne hierher reisen. Dazu kommt in Namibia noch die ungeheuerlich  großen Weiten, vor allem in der Wüste. Man wird still, wenn man als Mensch mitten drin steht. Ich habe immer eine Hand von unseren Begleitern gesucht zum Festhalten, wenn ich geführt wurde. War ich allein, habe ich mich meistens irgendwo hingesetzt, um Teil dieser Natur zu werden. Vor allem aber bin ich dankbar für die vielen Begegnungen mit Namibiern fast aller Ethnien, die mir einen Einblick gewährt haben in ihren häufig nicht leichten und unbeschwerten Alltag. Wie auch in Ghana, begegneten mir die Menschen im Sonnenland Namibia stets höflich,  freundlich und hilfsbereit. Im Juni 2017 haben Verlegerin Felizitas Peters und ich das Buch und die Zeichnungen von meinen Reisen durch Namibia bei einer Lesung in Magdeburg vorgestellt.

Verlegerin Felizitas Peters und Hannah Schreckenbach bei der Lesung im Juni 2017

Hannah Schreckenbach im Oktober 2018

 

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