Ghana – meine Herzensheimat

Das Herz sieht weiter als das Auge – Sprichwort aus Ghana.

22 Lebensjahre lang war das westafrikanische Ghana mein Zuhause. Aus der ehemaligen DDR bin ich 1955 mitten im Studium geflohen. In der alten Bundesrepublik habe ich keine Heimat gefunden. Als ich dort mein Studium der Architektur beendet hatte, wurde London nur eine Zwischenstation auf meinem Weg nach Ghana. Als ich 1960 dort ankam, war das Land seit dreieinhalb Jahren unabhängig und hatte sich als erstes afrikanisches Land von den kolonialen Fesseln befreit.

Hallelujah

Mir wurde das „Heimisch fühlen“ in Ghana leicht gemacht. Ich konnte mich sehr schnell in die ghanaische Gesellschaft integrieren. Und nahm alles auf mich Einstürmende mit meiner angeborenen Neugier und großem Interesse auf. Aus Arbeitskollegen wurden Freunde, aus den Freunden wurden Gefährten. In den schwierigen Jahren, durch die das Land nach vier Militärputschen gegangen ist, haben wir durch dick und dünn zusammengehalten und Freud und Leid miteinander geteilt. Mit der menschlichen Wärme, die mir überall entgegen gebracht wurde, wurde Ghana sehr schnell zu meiner Herzensheimat.

Herzensheimat Ghana – 2018

Mein Buch „Herzensheimat Ghana“ ist im Oktober 2018 vom Palmato-Publishing-Verlag meiner Freundin Felizitas Peters herausgegeben worden (www.palmato-publishing.com). Ich erzähle darin Geschichten von meinen Erlebnissen und großen und kleinen Begebenheiten wie ein westafrikanischer Griot es in seiner mündlichen Überlieferung tun würde. Als ich 1960 mein Ghana-Leben begann, herrschte in dem Land, der ehemaligen britischen Kolonie Goldküste eine unvorstellbarer Euphorie. Aber schon bald, nach den ersten von vier teilweise grausamen Militärputschen begann die Talfahrt im Land. Vetternwirtschaft, Missmanagement und Korruption, die Geißel Afrikas, gingen immer weiter und wurden immer schlimmer. Nackte Verzweiflung machte sich überall breit. Als ich Ende 1982 Ghana verließ, hatte ich die Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse fast verloren. Erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts ging es in Ghana mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und internationaler Entwicklungshilfe langsam wieder aufwärts. Heute hat sich Ghana verändert, doch es lohnt sich, daran zu erinnern, wie es einst in seine Zukunft gestartet ist: mit welchem Elan und welch großem Herz für alle Menschen. In meinem Buch erzähle ich von diesen warmherzigen Menschen, von den Höhen und Tiefen des Lebens, von der großartigen und vielschichtigen Kultur Ghanas und werfe am Ende des Buches auch einen Blick auf die Zukunft.

Who knows tomorrow

Der Exodus junger Ghanaer, die sich als Teil der gegenwärtigen afrikanischen Völkerwanderung auf den lebensgefährlichen Weg in Richtung  Europa begeben, muss stoppen. In Ghana sollte die Regierung endlich dafür sorgen, dass die Jugend ihres Landes eine Zukunftsperspektive erhält. Sie müsste mit „good governance“ und Transparenz die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die vorhandenen eigenen Ressourcen genutzt und verarbeitet werden. Jedwede Art von Korruption muss gnadenlos bekämpft werden. Menschen in den ländlichen Gegenden sollten nicht das Gefühl haben, dass sie „abgehängt“ sind und nicht mehr dazugehören. Und wir hierzulande sollten der Regierung und vor allem dem produzierenden Mittelstand mit den uns gegebenen Mitteln dabei helfen – in der staatlichen und kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit und vielen möglichen Privatinitiativen. Und wir sollten auch endlich aufhören (u.a.) unseren Elektroschrott dorthin zu schicken. Ghana war für mich als Flüchtling in 22 Jahren zur Heimat geworden. Und ein Teil meines Herzens wird für immer dort bleiben.

Glücklich in Kumasi

Magdeburg im Oktober 2018

 

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