Angepasste Technologien für die ländliche Entwicklung

Hier beschreibe ich den während meiner Tätigkeit in der GTZ auch mit deutscher Hilfe unterstützten Transfer und die Verbreitung angepasster Technologien (AT) für die ländliche Entwicklung in Zimbabwe. Und dabei insbesondere unsere Zusammenarbeit mit den involvierten Akteuren: zuständige Regierungsstellen, Nichtregierungsorganisationen (NRO) – vor allem Frauenselbsthilfegruppen, sowie kleine und mittelständische Unternehmen. Das liegt zwar alles schon sehr lange zurück, und der Bericht ist sehr lang geworden, aber meine damals gemachten Erfahrungen sind nach meiner Auffassung auch heute noch relevant und nützlich für die Leser, die sich mit der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika befassen oder dafür tätig sind. Die einsetzende Völkerwanderung von Afrika nach Europa und die zunehmenden blutigen und grausamen Konflikte in vielen afrikanischen Ländern bestätigen die dringende Notwendigkeit der Armutsbekämpfung und Förderung des sozialen Friedens durch Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort. In der Rubrik „Projekte im Rückblick“ werde ich außerdem noch über einige Vorhaben berichten, mit Hilfe derer wir damals versuchten nicht nur den Nord-Süd Wissenstransfer zu fördern, sondern vor allem das Süd-Süd Wissensmanagement im Bereich angepasster Technologien zu unterstützen.

1983 nahm ich an der RDT („Rural Development Technologies“) Konferenz in Harare teil und habe dabei erste Gespräche über eine mögliche zukünftige Zusammenarbeit geführt mit Vertretern des damals zuständigen MLRRD (Ministry of Lands, Resettlement and Rural Development), vom University Technology Forum (UTF) und Zimbabwe Women’s Bureau (ZWB). Ich erhielt so einen ersten Eindruck von den Bedürfnissen der Menschen in den ländlichen Gegenden des Landes. Es herrschte zu der Zeit (noch) eine recht optimistische Aufbruchstimmung im Land, wie ich sie ja ähnlich aus Ghana in den frühen sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts kannte nach der Unabhängigkeit dieses westafrikanischen Landes.

1984: Während meiner nächsten Dienstreise nach Zimbabwe im September/Oktober 1984 Zimbabwe nahm ich zunächst an der „Rural Development Technology 1984 (RDT’84)“ Messe in Bulawayo teil. Außerdem war ich beauftragt worden verschiedene GTZ-Projekte zu besuchen. Einige der damals für diese Vorhaben verantwortlichen Projektsprecher (Fachplaner) hatten um fachliche Beratung gebeten für einfaches und vor allem energiesparendes Bauen. Ich sollte auch weitere Gespräche führen und Kontakte etablieren mit geeigneten Partnern über eine Förderung solcher Organisationen, die sich besonders mit angepassten Technologien für die ländliche Entwicklung in Zimbabwe befassten.

Die damalige Abteilung GATE („German Appropriate Technology Exchange“) der GTZ hatte bereits für die RDT’82 Messe in Zimbabwe ein aus Bambus entworfenes Standsystem dem University Technology Forum der Universität Harare zur Verfügung gestellt. Dieser einfach zusammenbaubare Stand war 1982 aus dafür bereitgestellten Mitteln der deutschen Entwicklungszusammenarbeit finanziert worden. Ich hatte nach der RDT’83 Konferenz in Harare den Antrag gestellt die Beteiligung an der RDT’84 Messe in Bulawayo finanziell zu unterstützen. Das war akzeptiert worden.

Der GATE/UTF/ZWB Messestand auf der RDT84 in Bulawayo, September 1984

Der GATE/UTF/ZWB Messestand auf der RDT84 in Bulawayo, September 1984

Das University Technology Forum war zu der Zeit praktisch ein „Ein-Mann-Betrieb“. Es wurde von J. Ascough geleitet, einem Dozent der Universität Harare, der sehr engagiert und aktiv mit vielen NRO und Selbsthilfegruppen zusammenarbeitete im Rahmen seiner Universitätstätigkeit und für UTF vorwiegend als Vermittler für praktische Ausbildung und Akquisiteur von Sponsoren agierte. Auch nach einer späteren Neustrukturierung innerhalb der Universität, bei der aus dem UTF das Development Technology Centre (DTC) wurde, blieb die personelle und finanzielle Ausstattung des Zentrums zunächst noch ungenügend. Erst nach einigen Jahren verbesserte sich die Situation. DTC existiert heute noch mit dem Schwergewicht auf Training für NGOs und Unterstützung von Selbsthilfegruppen. 

Über UTF und später DTC konnten für viele Jahre im Rahmen des überregionalen Frage-Antwort-Dienst-Vorhabens  (FAD) von GATE verschiedene Aktivitäten auf der Basis von Kooperationsvereinbarungen finanziert werden, deren Durchführung und Nachhaltigkeit ich bis zu meinem Ruhestand 1997 begleiten und überprüfen konnte. Mit der Abteilung für angepasste Technologien („Appropriate Technology Unit“ – ATU) des damaligen Ministry of Lands, Resettlement und Rural Development gab es durch das UTF als „Brücke“ zu den NGOs, Selbsthilfegruppen und Ausbildungszentren bereits eine gute und vor allem sehr enge Zusammenarbeit, in die auch GATE mit einbezogen wurde.

Den Aufbau und Abbau des gemeinsamen GATE/GTZ-UTF-ZWB-Standes bei der RDT’84, dessen Gestaltung und Einrichtung, sowie die Standbetreuung übernahmen UTF und das Zimbabwe Women Bureau mit seiner sehr engagierten Direktorin, gemeinsam mit verschiedenen Frauengruppen und mit Hilfe eines lokalen Gutachters. Auch das ZWB ist heute noch aktiv und beteiligt sich im ehemaligen Netzwerk „Women’s Coalition of Zimbabwe“. Als Standthema hatten die Frauen „Women in Rural Development“ vorgeschlagen.

Frauen auf dem Land in Zimbabwe trugen zu der Zeit aufgrund ihrer traditionellen Stellung und der durch äußere Einflüsse hervorgerufenen tiefgreifenden soziokulturellen Veränderungen in der Gesellschaft die schwerste Last der Unterentwicklung. Der Stand sollte diese Probleme aufzeigen und in einzelnen „Standinseln“ Lösungsvorschläge unterbreiten, wie diese Last erleichtert werden kann. Er sollte:

  • Ein Forum sein für die Selbstdarstellung von Frauen und ihren Problemen, sowie gleichzeitig Lösungsvorschläge anbieten mit Beispielen verschiedener einkommensschaffender Aktivitäten und der dafür angepassten Gerätschaften;
  • Auf Frauen bezogene Entwicklungsstrategien an die Öffentlichkeit herantragen;
  • Zeigen, wie GATE/GTZ eine auf Frauen ausgerichtete Entwicklungszusammenarbeit unterstützen kann.

Am 17.9. war ich morgens von Harare nach Bulawayo geflogen und gleich von der Hauptstadt der Matabeleland-Provinz begeistert: Sauber, bunt und grün mit wunderschönen Anpflanzungen überall, einem hervorragend gepflegten Stadtpark und gut unterhaltenem Straßennetz.

Nach dem Einchecken im Hotel konnte ich noch in der Messe-Halle bei der Standeinrichtung und Ausgestaltung mithelfen. Der Stand war sehr gut gelungen mit seinen verschiedenen Info-Bereichen, darunter vor allem die von ZWB und verschiedenen Frauengruppen betreuten Demonstrationsinseln mit den Kaninchenställen, den verschiedenen energiesparenden Kochern und natürlich dem Angebot an Kaninchenfleischgerichten. Im Stand wurde außerdem noch eine handbetriebene Maismühle gezeigt, die es zwar schon lange in Harare gab, aber in den ländlichen Gegenden praktisch unbekannt war. Dann wurde auch die vom Blair Research Institut des Gesundheitsministeriums entwickelte und manuell betriebene Wasserpumpe ausgestellt und eine einfache Drahtflechtmaschine für Zaun- und Käfigdraht sowie natürlich jede Menge Publikationen. Ich hatte eine kleine Kiste voller gängiger AT-Veröffentlichungen als unbegleitetes Fluggepäck mitgebracht. Bereits beim Aufbau zeigten die anderen Aussteller um uns herum großes Interesse an unserem Stand.

Der GATE/GTZ-UTF-ZWB Stand auf der RDT'84 in Bulawayo

Der GATE/GTZ-UTF-ZWB Stand auf der RDT’84 in Bulawayo

Am 19.9. war die feierliche Eröffnung der RTC’84 Messe durch Zimbabwes Präsident Banana. Die Minister vom MLRRD und MLWR (Lands und Water Resources) sowie Staatsekretär Dr. Chitsike vom MLRRD besuchten den Stand und äußerten ihr großes Interesse und ihre Zufriedenheit mit dem Gezeigten. Unser Stand hatte den ganzen Tag über starken Zulauf. Besonders gefordert wurden die Vertreterinnen des ZWB und der Frauengruppen. Sie erläuterten die Kaninchenhaltung, die sie mit Hilfe vom UTF gelernt hatten. Ich erfuhr dabei, dass rote, graue und braune Kaninchen in Zimbabwe besonders akzeptiert werden. Weiße mit roten Augen oder schwarze hingegen nicht. Gekocht wurde im Stand auf zwei einfachen, sehr energieeffizienten Kochertypen (darunter der beliebte „Tsotso-Stove“), die Holzkohlepellets oder nur ganz wenig Kleinholz zum Feuern verwenden. Kleine Mahlzeiten (einschließlich Maisbrei – „Sadza“) wurden die ganze Zeit über im Stand zubereitet und ausgeteilt. Unser Stand wurde in den Medien als der erfolgreichste Ausstellungsstand bezeichnet. Wir waren bis zum 23.9. täglich von morgens 8 bis abends 18 Uhr dort tätig. Ich nahm mir einige „Auszeiten“ für wichtige Gespräche mit anderen Ausstellern und für Besuche im Hlekweni Ausbildungszentrum („Hlekweni Friends Rural Service Center“) in Bulawayo. Hlekweni wurde von den Quäkern aufgebaut, eingerichtet und unterstützt und musste leider Ende Juli 2014 nach 47 Jahren segensreicher Tätigkeit aus finanziellen (und sicherlich auch politischen) Gründen schließen.

Am 21.9. gab ich Vertretern des Informationsministeriums ein Interview, die einen Film drehten über die Messe. Auch das Fernsehen war am Stand und hat eine Sequenz für den „Rural Report“ gedreht, die am 25.9. abends gezeigt wurde. Ein deutscher Reporter vom ehemaligen „Afrika“-Journal („afrikapost“) kam ebenfalls zum Stand und hat die Frauen vom ZWB interviewt. Am 22.9. wurden wir nach getaner Arbeit abends von Freunden der UTF-Leitung eingeladen, die ein Weingut in der Nähe von Bulawayo bewirtschafteten. Wir testeten dort einen erstklassigen Wein! Ich denke mit Wehmut an diese schönen Stunden zurück, die ich im Kreis von guten Freunden verbringen durfte. Denn beide, Jeremy und Elizabeth Ascough, die für UTF (und später DTC) ihr Herzblut gegeben und mit mir jahrelange Kontakte gepflegt haben, weilen nicht mehr unter uns. Am 23.9. hielten wir vormittags den Stand noch geöffnet, weil uns weiterhin viele Besucher sehen wollten, obwohl die Messe „offiziell“ schon ihre Tore geschlossen hatte. Erst am Nachmittag konnten wir mit dem Abbau beginnen.

In Harare traf ich mich in den Tagen danach mit Staatsekretär Dr. Chitsike und einem deutschen Regierungsberater an unserer Botschaft zu verschiedenen Gesprächen. Es ging dabei um die Finanzierung, Vorbereitung und Beauftragung für eine Durchführbarkeitsstudie die vom MLRRD gewünscht wurde für die Einrichtung von ländlichen Technologiezentren in Zimbabwe. Gleichzeitig wurden mit J. Ascough die Bereiche identifiziert, für die das UTF am dringendsten Beratung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen und NGOs in ländlichen Gegenden benötigt:

  • Anfertigung und Herausgabe von Infopaketen mit einfachen Anleitungen für eine lokale Baustoffproduktion aus eigenen Ressourcen und über Niedrigkostenbausysteme für das Bauen in Selbsthilfe;
  • Verbesserung der Kaninchenzucht durch Einbringen neuer Rassen;
  • Aufbau und Einrichtung einfacher Dorfwerkstätten für Schmiede, Tischler, Schlosser, usw. mit handbetriebenen Geräten in Gebieten ohne Elektrizität;
  • Einrichten einfacher Dorfdruckereien für die Herstellung und Verbreitung von Informationsmaterial und einfachen Anleitungen, ebenfalls handbetrieben;
  • Aufbau und Einrichten eines eigenen AT-Frage- und Antwort Dienstes bei UTF für die SADCC-Region.

Zur ländlichen Entwicklung gehörte auch das von der GTZ unterstützte Latrinenbauprogramm in den Masvingo und Manicaland Provinzen als Teil integrierter ländlicher Entwicklungsvorhaben. Ich besuchte das entsprechende GTZ-Projekt in Masvingo und konnte mich bei der Fahrt durch die verschiedenen Distrikte bereits davon überzeugen, dass das Programm, das vom Gesundheitsministerium als zimbabwischem Projektträger initiiert wurde, von der Bevölkerung voll mitgetragen wird.

Das Latrinenbauprogramm in Masvingo, 1984

Das Latrinenbauprogramm in Masvingo, 1984

Die aus Mozambique nach Zimbabwe übertragene Cholera konnte damals durch die starke Motivierung der Bevölkerung zum Toilettenbau und der damit verbundenen notwendigen Hygiene eingedämmt werden. Die besuchten Distrikte hatten fast für jeden Haushalt eine fertige oder im Bau befindliche Latrine vorzuweisen. Ich hatte danach mehrere Gespräche im Blair Research Institut des Gesundheitsministeriums in Harare mit dessen damaligem Leiter Dr. P. Morgan sowie mit einem Vertreter der Weltbank. Mein Vorschlag eine einfache Bauanleitung für den Bau der sogenannten „indirect vented pit latrines“ (auch Blair Latrinen genannt) herauszugeben wurde akzeptiert und später auch verwirklicht.

In den Tagen bis zum Heimflug nach Frankfurt hatte ich weitere Treffen mit J. Ascough, Dr. Chitsike und Vertreterinnen des ZWB. Dort war man besonders daran interessiert Frauen bei einkommensschöpfenden Aktivitäten zu unterstützen, für die man wenig Mittel benötigt (wie zum Beispiel Mikrofinanzmittel, damals etwa in Höhe von DM 5.000,00 pro Maßnahme aus dem GATE/GTZ-Kleinprojektefonds). Ein sogenannter „revolving fund“ sollte dafür vom ZWB mit einem Grundkapital gebildet und bereitgestellt werden, der für mehrere Frauen eine existenzgründende Basis bedeuten würde. Ein entsprechender Antrag auf Hilfe wurde gestellt. Für eine Frauengruppe in Siganda (Stalborer-Siganda Projekt Gruppe in der Nähe von Bulawayo) konnte die Wasserversorgung ihrer Gemüsefarm mit Hilfe von GTZ-Eigenmaßnahmenmitteln sichergestellt werden.

1985: In diesem Jahr unternahm ich zwei Dienstreisen nach Zimbabwe, die erste im Januar/ Februar, die zweite im Juli/August 1985. Der Zweck der ersten Reise war die Fortführung und Vertiefung von Gesprächen mit Vertretern des MLRRD über die Einrichtung von ländlichen Technologiezentren. Dabei wurde um meine Mitarbeit bei der Vorbereitung der für einen Projektantrag erforderlichen Dokumente gebeten und bei der Erarbeitung einer Projektplanungsübersicht (PPÜ) für das Vorhaben. Desgleichen ersuchte der Staatssekretär des Ministeriums um Hilfe für das Training seines Führungspersonals im „zielorientierten Projektplanungsverfahren (ZOPP)“. Sein Antrag wurde von unserer Botschaft unterstützt. Der Zweck der zweiten Dienstreise war dann hauptsächlich ein dreiwöchiger Arbeitsaufenthalt im MLRRD und die Einführung in das Arbeiten mit neuen Planungsmedien für leitendes Personal des Ministeriums.

Während der ersten Reise nahm ich an einem von der Abteilung „Rural and Urban Planning“ der Universität Harare organisierten Workshop zum Thema „Rural Industries, Growth Point/Services Centres Policies“ teil. Innerhalb vorgegebener Themenkreise (Konzepte, Situation in und Optionen für Zimbabwe, internationale Erfahrungen) konzentrierten sich die Beiträge der Vortragenden in dem Workshop auf die Entwicklung nicht-landwirtschaftlicher Beschäftigungssektoren in ländlichen Gebieten unter Berücksichtigung von Richtlinien und Grundsätzen für „Growth Points“ (Wachstumszentren) auf dem Land, und auf die Zusammenfassung vorhandener Fallstudien. Aus Botswana war der GATE/GTZ-Kooperationspartner RIP/RIIC vertreten beim Workshop und hat sich aktiv eingebracht in die Diskussionen mit eigenen Vorstellungen und Vorschlägen. Mit dem „Rural Industries Innovation Centre“ (RIIC) und dessen Muttergesellschaft „Rural Industries Promotion (RIP)“ war bereits ein Vertrag über eine Zusammenarbeit im Rahmen des Kooperationspartnerprogramms von GATE abgeschlossen worden.

Im Verlauf des Workshops wurde festgestellt, dass für eine erfolgreiche Planung und Einrichtung von Wachstumszentren eine enge Koordinierung aller an der Planung und Realisierung beteiligten Regierungsstellen dringend erforderlich ist. Diese Koordinierung wurde jedoch von den meisten zimbabwischen Workshop-Teilnehmern bisher in ihrem Land vermisst. So müsste beispielsweise auch das geplante „Rural Technology Centre“-Programm des MLRRD mit dem „Growth Centre“-Programm der Universität koordiniert und nicht isoliert von den Entwicklungsplänen und –vorhaben der für die Wachstumszentren zuständigen Regierungsstellen ausgearbeitet werden. Und das vor allem zusammen mit Vertretern der betroffenen ländlichen Gemeinden und nicht über ihre Köpfe hinweg. Nur dann könne das RTC-Programm den erwarteten Impact haben.

In den Tagen nach dem Workshop führte ich weitere Gespräche mit der Direktorin des ZWB über ihre Arbeitsschwerpunkte. Im bereits erwähnten, von der GTZ mit Hilfe von Eigenmaßnahmenmitteln unterstützten Kleinbewässerungsprojekt in Siganda arbeitete ein amerikanischer Hydrologe vom Peace Corps. Er war gerade dabei den Bedarf an Brunnen- und Latrinenbau sowie Kleinbewässerung für verschiedene Frauengruppen, die Mitglieder des ZWB sind zu ermitteln. Daraus sollte ein Projektpaket entstehen, das von US-AID finanziert würde. Viele Frauen konnten sich bereits unter der Leitung des ZWB und mit Hilfe verschiedener Ausbilder (auch vom UTF und vor allem durch die „fieldworker“ vom ZWB) auf dem Land organisieren und führen Aktivitäten durch, mit Hilfe derer sie Einkommen erwirtschaften in den unterschiedlichsten Bereichen, wie zum Beispiel (außer dem Gemüseanbau) durch:

  • Schneidern (vorwiegend von Schuluniformen), Sticken, Häkeln (Decken, Tischsets, usw.);
  • Bedrucken von Stoffen (Batik);
  • Hühner- und Kaninchenhaltung;
  • Gerben und Lederverarbeitung von Kaninchenfellen;
  • Zaun-und Käfigdrahtflechten;
  • Sisalverarbeitung;
  • Brot backen;
  • Kunstgewerbe; usw.

Ein erst verabredetes Gespräch mit Vertretern des Bauministeriums und der Botschaft über ein für die SADCC-Region geplantes Vorhaben „Advisory Centre for the Research, Development, Production and Use of local Building Materials from own Resources for Low-Cost-Housing“ (Beratungszentrum für Forschung, Entwicklung, Herstellung und Verwendung von Baustoffen aus eigenen Rohstoffen für den Niedrigkostenwohnungsbau) kam nicht zustande. Ich wurde davon in Kenntnis gesetzt, dass das BRE (British Research Establishment) für das Ministerium bereits eine Machbarkeitsstudie über die Einrichtung eines Bauforschungszentrums für Zimbabwe angefertigt hat. Die Vorstellungen des Ministeriums wichen allerdings von unseren eigenen über ein solches Beratungs- und Forschungszentrum erheblich ab. Allein die vorgeschlagene Größe und Ausstattung des Zentrums waren gewaltig und bedeuteten, dass ein solches Institut fest in die Regierungsstruktur eingebunden werden muss und sich wohl eher nicht mit den Bereichen angepasster Technologien für den Niedrigkostenwohnungsbau befassen würde. Eine Beratung für einfaches Bauen wurde später durch das von GATE initiierte internationale Bauberatungsnetzwerk BASIN („Building Advisory Service and Information Network“) angeboten.

Zusammen mit J. Ascough konnte ich gegen Ende meines Aufenthaltes den informellen Sektor in Mbare, einem Stadtteil von Harare besuchen. Hier befinden sich vor allem metallverarbeitende Kleinwerkstätten und kleine Unternehmen, Möbelbauer, Tischlereien, Blechverarbeiter, Autoreparaturwerkstätten, u.a. Mbare ist einer der ältesten Stadtteile Harares und beliefert die Märkte in der Stadt und in der Umgebung.

Gleich nach der Ankunft in Harare bei der zweiten Dienstreise im Juli/August 1985 bereitete ich meine dreiwöchige Arbeit im Ministry of Lands, Resettlement and Rural Development vor. Ich fuhr mit einem Mofa täglich ins Ministerium von der außerhalb Harares gelegenen Farm meiner Freunde, wo ich untergebracht war. Es war Winter. Morgens hatten wir Frost. Die Botschaft, das GTZ-Büro und UTF unterstützten mich wo sie nur konnten. Während der gemeinsamen Arbeit an der PPÜ für die Einrichtung von ländlichen Technologiezentren zusammen mit einigen Mitarbeitern des Ministeriums gab ich gleichzeitig Einführungen in das zielorientierte Projektplanungsverfahren. Anfang August waren wir mit der Arbeit fertig. Gleichzeitig wurde in Zimbabwe eine Neustrukturierung der Ministerien vorbereitet, die durch eine Kabinettsänderung hervorgerufen wurde. Dr. Chitsike wechselte in das neu gegründete Ministry of Political Affairs and Co-Operatives, übernahm dort aber die Weiterführung des RTC-Programms. Das wurde GATE/GTZ gegenüber sofort bestätigt.

Euphorbien und blühende Aloen im Botanischen Garten von Ewanrigg, 1985

Euphorbien und blühende Aloen im Botanischen Garten von Ewanrigg, 1985

An einem Wochenende begleiteten mich Freundin Eike und Liz Ascough zum Botanischen Garten in Ewanrigg zur herrlichen Aloen Blütezeit dort. Wenn die Aloen und Sukkulenten hierzulande blühen, kommt der Frühling. Mit Jeremy Ascough gemeinsam besuchte ich auch das ländliche Ausbildungszentrum Mere Estate in Marondera. Danach hatte ich noch die Gelegenheit zu einer Fahrt in die Eastern Highlands und lernte so einige der wunderschönen Ecken von Zimbabwe kennen. Dabei besuchte ich auch das landwirtschaftliche Ausbildungszentrum in Chitepo, das im Aufbau begriffen war. 

Tischler im Mere Estate in Marondera, 1985

Tischler im Mere Estate in Marondera, 1985

1986: Im  Juli und August 1986 hielt ich mich wieder in Zimbabwe auf. In der Zwischenzeit war mit DTC ein Kooperationsvertrag abgeschlossen worden für den Zeitraum 1985/86. Über die damit finanzierten Aktivitäten führte ich Gespräche mit J. Ascough und plante dann auch einige davon zu inspizieren. Mit dem Zimbabwe Women’s Bureau waren verschiedene Kleinmaßnahmen für eine Finanzierung aus dem Fonds für Kleinprojekte identifiziert worden, darunter Hilfe bei der Ausbildung von Frauen in einfacher Buchhaltung und in der Bienenhaltung. Zur letzteren gehört, außer dem Anfertigen von Bienenkörben, Räuchergeräten und Honigschleudern mit allem Zubehör – diese lohnenswerte Arbeit sollten Dorftischlereien übernehmen – das Schneidern der notwendigen Schutzkleidung, das von den Frauen übernommen wurde.

Meine erste Fahrt führte mich zu der Stalborer-Siganda Projekt Gruppe in der Nähe von Bulawayo. Diese Frauengruppe war bei der Wasserversorgung ihrer Gemüsefarm mit Mitteln einer GTZ-Eigenmaßnahme unterstützt worden. Ein dafür gebohrter Brunnen liefert Wasser für ein Kleinbewässerungssystem mit Hilfe einer installierten Blair Wasserpumpe („Bushpump“). Es werden vorwiegend Tomaten, Zwiebeln, Paprika und Kohl angebaut. Frauen in dieser Gegend haben noch nie zuvor Gemüse angebaut mit dem sie sich und ihre Familien nun selbst versorgen und auch noch den Markt in Bulawayo beliefern können. Die nächste Fahrt ging nach Masvingo zum Kleinunternehmen „Ecological Designs“.

 

Aus diesem Unternehmen ist später die mittelständische Firma „Samansco“ geworden, die sich hauptsächlich mit erneuerbaren Energiequellen für eine nachhaltige Entwicklung befasst und heute vor allem Solarpaneele herstellt für die Nutzung solarer Energie zur Stromerzeugung. Als ich das Unternehmen zum ersten Mal besuchte, lagen die Schwerpunkte der Aktivitäten auf der Herstellung verschiedener AT-Produkte, von solaren Warmwassererhitzern über Drahtflechtmaschinen, Metallgitter für Fenster und Türen bis hin zu handgepressten Lehmsteinen und Leichtbetondachziegeln, usw. Mit den Lehmsteinen experimentierten sie im Gewölbebau. Das Hauptanliegen von Ecological Designs war von Anfang an nur pedal- oder handbetriebene Geräte und Maschinen zu produzieren, die sich für ländliche Werkstätten eignen in Gebieten, wo es keine Elektrizität gibt. Gleichzeitig bot das Unternehmen für die Verwendung der Geräte und Maschinen eine entsprechende Ausbildung an. In den Anfangsjahren des Unternehmens wurde Ecological Designs auch vom UTF und später DTC gefördert mit Hilfe von Finanzierungen einiger ihrer Aktivitäten im Rahmen des Kooperationsabkommens zwischen GATE/GTZ und DTC. Von Masvingo aus bin ich erneut durch verschiedene Distrikte in der Umgebung gefahren, um zu sehen, wie weit das Latrinenbauprogramm gekommen war. Ich war von den Ergebnissen sehr beeindruckt.

1987/1988: Im Dezember 1987 und Januar 1988 führten mich zwei dicht aufeinander folgende kurze Reisen wieder nach Zimbabwe. Bei meinem ersten Dezember Besuch im Land wurde ich in Harare überwältigt von den überall in der Stadt in flammendem Signalrot blühenden Flamboyant Bäumen. So wie die Jacarandas im Frühling sind die „flame trees“ im Sommer (in unserer Winterzeit) die Farbgeber im Land. 

Flamboyant Baum in Blüte in Harare, Dezember 1987

Flamboyant Baum in Blüte in Harare, Dezember 1987

Ich führte Gespräche im GTZ-Büro, im Ministry of Cooperatives mit Dr. Chitsike und einigen seiner Mitarbeiter, mit dem Botschafter und mit J. Ascough von DTC. Der Zweck der Reise war die Durchführung eines Workshops im GTZ-Büro für die Planung der Inhalte einer weiteren Kooperationsvereinbarung mit DTC und für die Unterstützung von bereits existierenden ländlichen Technologiezentren. Zu unterstützende Bereiche vom DTC und damit auch der Universität Harare bei ihren Aktivitäten sind:

  • Ausbau des Frage-Antwort-Dienstes, regelmäßige Herausgabe des Newsletters „The Alternative“ und von technischem Instruktionsmaterial;
  • Anfertigung von transportablen Ausstellungstafeln für Seminare, Workshops und die Teilnahme an Messen;
  • Material für Planungsworkshops und Seminare;
  • Unterstützung im Haushaltsenergiebereich (Bau und Erprobung verschiedener energiesparender Kocher, Verwertung von Hülsen, Schalen und anderer land- und forstwirtschaftlicher Abfälle als Brennmaterial);
  • Training in der Genossenschaftsbildung (für Imker und Kaninchenzüchter, usw.);
  • Bau von Regenwasserauffangtanks aus Ferrozement;
  • Vernetzung mit Ausbildungszentren, Technologiezentren, Genossenschaften, NRO, usw. im AT-Bereich für die ländliche Entwicklung.

Ich fuhr täglich mit einem Leihwagen von der Farm meiner Freunde, wo ich wieder untergebracht war, in die Stadt. Die Workshop Teilnehmer vom DTC, der Universität und aus verschiedenen Ministerien nutzten mit mir gemeinsam die Nachmittage zu Besuchen im informellen Sektor von Mbare in und Chitungwiza nahe bei Harare sowie im Mere Estate in Marondera. Letzteres war bereits zu einem der designierten ländlichen Technologiezentren geworden. Der Workshop dauerte 5 Tage. Adventsstimmung kam keine auf. Es war heiß und schwül mit Gewittern, begleitet von Starkregen, über die sich aber die Farmer sehr freuten.

Das "ZOPP" Team in Harare, 1987

Das „ZOPP“ Team in Harare, 1987

Den restlichen Teil meiner Reise nutzte ich für Gespräche mit Dr. Chitsike über den Aufbau und die Einrichtung weiterer ländlicher Technologiezentren. Am 4. Januar gab es erneut eine Kabinettsänderung. Wieder hing das gerade geplante RTC-Programm in der Schwebe. Für eine längerfristige Projektplanung waren das keine guten Voraussetzungen. In der verbleibenden Zeit unternahm ich verschiedene Besuche. Zunächst bei Kaninchenhaltern, vorwiegend Frauengruppen, die vom DTC betreut werden. Ich hatte bei deutschen Kaninchenzüchtern „frisches Blut“ für die zimbabwischen Züchter besorgen können als Teil der von GATE finanzierten Aktivitäten im Kooperationsabkommen.

Außerdem zeigten mir ZWB-Vertreterinnen ihr Modelldorf Melford, in dem sie fast ausschließlich mit handbetriebenen Geräten arbeiten. Auch hierfür konnten einige der Aktivitäten mit Hilfe der Beratung und Ausbildung durch das DTC im Rahmen des Kooperationsabkommens unterstützt werden. Ein weiterer Besuch führte mich erneut nach Chitepo zum landwirtschaftlichen Training Zentrum (ATTC), nun auch Teil des RTC Programms, wo viele neue Gebäude entstanden sind in der Zwischenzeit, deren Dächer mit Leichtbeton Dachziegeln abgedeckt sind. Die Rüttler und Formen für die Produktion dieser Ziegel werden in der eigenen metallverarbeitenden Werkstatt hergestellt. Im Glenforest Training Zentrum wurden mir verschiedene dort gebaute Bienenkörbe gezeigt, sowie die Produktion von handgepressten Lehmsteinen mit einem Nachbau der CINVA-Presse und der Häuserbau mit diesen Wandbausteinen. Außerdem sah ich zu beim Brotbacken in selbstgebauten Backöfen. Auch dieses Zentrum soll in das RTC-Programm integriert werden.

Bei einem Besuch in der Danhiko Schule, einem Ausbildungszentrum für Kriegsversehrte aus dem Befreiungskrieg in Harare erklärte man mir das Anliegen dieser 1981 neu gebauten und eingerichteten Ausbildungsstätte. 1987 wurde Danhiko zu einer schulischen Einrichtung und Trainingszentrum für Invaliden und Behinderte umstrukturiert. Hier lernen Menschen mit körperlichen Behinderungen, die bisher meist am Rand der Gesellschaft ihr Dasein fristeten handwerkliche Berufe, mit denen sie sich selbst helfen und ihr eigenes Leben bestimmen können. „Danhiko“ ist ein Shona Wort und bedeutet so viel wie „Leiter“ (zum Hochsteigen oder Hochkommen). Möglichkeiten der Unterstützung des Zentrums wurden bei meinem Besuch besprochen.

1989: In Begleitung eines Mitarbeiters aus dem BMZ besuchte ich Zimbabwe wieder im April/Mai 1989. Diesmal ging es zuerst um die Vorbereitung und Durchführung eines Projektplanungsworkshops im GTZ-Büro mit dem DTC für ein photovoltaisches Pumpenprogramm zur Kleinbewässerung, an dem auch Vertreter des Blair Forschungsinstituts vom Gesundheitsministerium teilnahmen. Nach der Protokollierung des Workshops wurden die Details einer weiteren Kooperationsvereinbarung gemeinsam mit J. Ascough vom DTC festgelegt. DTC soll weiterhin unterstützt werden beim Ausbau des eigenen Informationsdienstes, des mobilen Ausstellungs- und Demonstrationszentrums sowie für das Ausbildungsprogramm in den Bereichen Haustechnik, Frauenförderung und kostengünstiges Bauen.

Das Modelldorf vom ZWB in Melford, 1989

Das Modelldorf vom ZWB in Melford, 1989

Mit Vertreterinnen des ZWB besuchte ich wiederum das Modelldorf Melford. Die dort erzielten Fortschritte sind beachtlich.

 

Ich besuchte außerdem gemeinsam mit J. Ascough die Tischler Werkstatt von Danhiko. Dort werden in der Zwischenzeit die meisten der benötigten Tischler Werkzeuge aus Hartholz von in Zimbabwe angepflanzten Teakbäumen produziert. Dafür wird eine Hochgeschwindigkeits-Kopierfräse benötigt, die mit Mitteln aus dem Kleinprojektefonds von GATE zur Verfügung gestellt werden soll. Der Antrag dafür wurde gestellt. Ebenfalls als Kleinprojekt soll die heute nicht mehr in Zimbabwe existierende Genossenschaft ATORID („Appropriate Technology Organisation for Rural Development“) bei der Verbesserung der Produktion gebrannter Ziegel und alternativer Baustoffe für den Häuserbau unterstützt werden. DTC wird für beide Projekte die fachliche Steuerung vor Ort übernehmen.

1990: Während dieser Dienstreise im Juli 1990 wurden die Vorbereitungen getroffen für eine Evaluierung des bisherigen Kooperationspartnerprogramms zwischen GATE/GTZ und dem DTC der Universität Zimbabwe in Harare. Die Evaluierung wird von einem externen Gutachter durchgeführt werden. Darüber informierte ich den Rektor der Universität und unseren Botschafter. Mit dem GTZ-Büro wurden alle Termine abgesprochen, auch die für weitere Besuche von RTC-Zentren im Land, usw.

Bisher hat das DTC im Rahmen von zwei Durchführungsvereinbarungen vor allem in der Aus- und Fortbildung von Selbsthilfegruppen gute Arbeit geleistet. Das Zentrum ist nun auch fest in der Universitätsstruktur verankert und agiert als Motor und Katalysator für die Entwicklung und Verbreitung von AT in ländlichen Gebieten von Zimbabwe, wo sich zur Zeit meines Besuches eine sehr hohe Jugendarbeitslosigkeit abzuzeichnen beginnt. Die Unterstützung von Frauenselbsthilfegruppen hat definitiv zu einer Stärkung der Rollen von Frauen in der ländlichen Entwicklung geführt. Das Modelldorf vom ZWB in Melford ist weiter gewachsen. Alle dort angebotenen Kurse von Frauen für Frauen sind immer voll ausgebucht. Mit DTC wird daher, vorbehaltlich der Evaluierungsergebnisse eine dritte Durchführungsvereinbarung vorbereitet.

Mit J. Ascough gemeinsam besuchte ich in Chegutu ein ZIMFEP Produktionszentrum. ZIMFEP ist eine Stiftung und steht für „Zimbabwe Foundation for Education with Production“. Die Stiftung wurde 1981 als NRO gegründet und verbindet schulische Bildung mit handwerklichem Training. In Chegutu liegt der Schwerpunkt der praktischen Ausbildung auf der Forstwirtschaft. Hier wurde eine „Grow more trees“ Genossenschaft gebildet. In Mupfure liegt der Schwerpunkt des handwerklichen Trainings auf der Produktion und Verwendung von gebrannten Tonziegeln und handgepressten Lehmsteinen.

Die Hochgeschwindigkeitskopierfräse in der Daniko Tischlerei, 1990

Die Hochgeschwindigkeitskopierfräse in der Daniko Tischlerei, 1990

In der Danhiko Tischlerei konnten wir den GATE-finanzierten „highspeedrouter“ (Kopierfräse) in Betrieb sehen. Auch einem weiteren Latrinenbauprogramm in Gukuta stattete ich einen Besuch ab. Mit Hilfe vom „Save the Children Fund“ werden hier 80 Blair-Latrinen errichtet, 50 davon aus stabilisierten Lehmsteinen. Dabei wurden unterschiedliche Mischungsverhältnisse für den mit Kalk oder Zement stabilisierten Lehm und verschiedene Mörtel- und Putzmischungen ausprobiert. Das als sogenanntes „Monitoring Programm“ konzipierte Projekt soll den Eigenbau von Latrinen weiter fördern.

1992: Der Zweck meines nächsten Besuches in Zimbabwe im April 1992 war die Abrechnung des Kooperationsprogramms und die Verfassung des Abschlussberichtes mit DTC. Nach der Evaluierung war vorgeschlagen worden, keine weiteren Vereinbarungen mehr mit DTC zu treffen. Die Einbindung in die Universität funktioniert. In der Zwischenzeit arbeiten die meisten der bisher vom DTC unterstützten Selbsthilfegruppen und NRO selbständig, werden aber weiterhin regelmäßig betreut. DTC strebt eine Vernetzung der Gruppen und Organisationen vor allem mit den eingerichteten ländlichen Technologiezentren oder anderen Ausbildungsstätten an.

Schon 1990 hatte ich bereits die Gelegenheit wahrgenommen Unternehmen zu besuchen, die gepresste Lehmsteine maschinell produzierten, z. B. mit Pressen aus Belgien oder aus Südafrika. In den zimbabwischen Baugesetzen wird die Verwendung stabilisierter Lehmsteine seit 1977 unter bestimmten Voraussetzungen genehmigt. Ich habe außerdem andere Baustoffproduzenten in Harare und Umgebung besucht. Anlässlich meiner diesjährigen Reise habe ich mich besonders für energieeffizientes Ziegelbrennen in verschiedenen Orten interessiert. Mit Vertretern des späteren BASIN-Partners ITDG (ehemals „Intermediate Technology Development Group“ – heute „Practical Action“) besuchte ich daher verschiedene Ziegeleien und das Kalkwerk „Early Worm Mine“ in der Nähe von Concession. Mit meinen Freunden Eike und Muzz gemeinsam besuchte ich einen der größeren Baustoffproduzenten (DURAWALL) in Harare. Darüber mehr an anderer Stelle. Es gab außerdem Gespräche mit einem von CIM nach Zimbabwe entsandten deutschen Architekten, der im Stadtplanungsamt von Harare arbeitet.

1993: In der Zwischenzeit wurde, hervorgerufen durch die Vielzahl ähnlicher AT-Aktivitäten in anderen Ländern Afrikas, eine Vernetzung der involvierten Akteure (NRO, Technologie- und Ausbildungszentren usw.) dringend erforderlich. Durch die neuen Medien Fax, E-Mail und Internet war die Kommunikation untereinander in den letzten Jahren schon erheblich erleichtert worden. Für eine bessere AT-Vernetzung auf regionaler Basis war das überregionale Frage-Antwort-Dienst-Projekt (FAD) von GATE mit dem Kooperationspartnerprogramm in der Zwischenzeit in den internationalen AT-Beratungsdienst („International Service for Appropriate Technology – ISAT“) umstrukturiert worden. Der Zweck meiner Dienstreise im August 1993 nach Harare war die Durchführung eines GATE/ISAT-Workshops für die Regionalisierung des Programms gemeinsam mit den bisher von mir betreuten Partnern aus Zimbabwe, Kenia, Botswana und Äthiopien und mit Vertretern von einigen der von ihnen unterstützten NRO und Selbsthilfegruppen, sowie auch mit Regierungsvertretern der bisher in Zimbabwe beteiligten Ministerien. Als Ziel des Workshops wurde ein Regionalverbund der GATE-Kooperationspartner angestrebt. Der Workshop fand statt im Monomatapa Hotel in Harare. Das Workshop Thema war “Regionale GATE/ISAT-Kooperation mit NGOs“. Es war wieder eine Reise in den zimbabwischen Winter. Vor dem Workshop besuchte ich unseren Botschafter, Staatsekretär Dr. Chitsike, den Rektor der Universität und das ZWB. Der Workshop wurde durch einen externen Gutachter moderiert. Das Programm beinhaltete die Durchführung von Problem- und Bedarfsanalysen, Brainstorming und Gruppenarbeit für die Bildung einer Regionalstruktur. Das GTZ-Büro in Harare war ebenfalls involviert bei der Vorbereitung und Durchführung des Workshops. Am Ende der Gruppenarbeit wurden die Ergebnisse vorgestellt. Die Gründung eines regionalen AT-Informationsdienstes („Regional Appropriate Technology Information Service – RATIS“) wurde beschlossen und dessen Aufgaben formuliert. Die Kooperationspartner wollen sich in ihren Ländern auf nationaler Ebene vernetzen zu nationalen AT-Informationsdiensten „National Appropriate Technology Information Service (NATIS“). An diesen Netzwerken können sich interessierte NRO, Selbsthilfegruppen, RTCs und Aus-und Fortbildungszentren beteiligen. GATE/ISAT würde eine Anfangsfinanzierung der am regionalen AT-Dienst beteiligten Partnerorganisationen übernehmen.

1994: Im Februar 1994 war ich das nächste Mal in Zimbabwe. Der Zweck dieser Reise war die Vorbereitung und Teilnahme am ersten nationalen AT-Workshop für Vertreter zimbabwischer NRO (NATIS) und aus dem Ministerium für Bildung („Ministry of Higher Education“). Ich hatte vorher in Kenia am ersten Seminar des dort gegründeten nationalen AT-Informationsdienstes in Nairobi teilgenommen, das hervorragend von ITDG-Kenia zusammen mit dem Shelter Forum (einem BASIN-Partner) organisiert worden war. In Kenia war vom nationalen Netzwerk (NATIS-Kenya) für den Workshop ein Verzeichnis aller AT-Organisationen, NRO und Selbsthilfegruppen herausgegeben worden, was für das regionale Netzwerk sehr hilfreich ist. Auch in Zimbabwe wird die Verfassung eines ähnlichen Verzeichnisses von AT-Organisationen vorbereitet durch ein eigens dafür gegründetes „steering committes“ (Steuerungsausschuss).

Während des Workshops in Harare einigte man sich darauf einer Organisation die Koordinierung des nationalen Netzwerks in Zimbabwe mit dem regionalen AT-Dienst anzuvertrauen. Der bisherige Steuerungsausschuss wurde damit beauftragt. Ein Büro für das regionale Netzwerk (RATIS) soll im GTZ-Büro in Harare solange eingerichtet und mit einer Ortskraft für die RATIS-Koordination besetzt werden, bis dafür in einem der beteiligten Länder im östlichen und südlichen Afrika die notwendigen finanziellen Voraussetzungen getroffen worden sind. Weitere NATIS-Workshops sind in der Folge in Zambia, Botswana und Namibia geplant. In Zimbabwe ist es gelungen den nationalen AT-Informationsdienst mit anderen wichtigen Netzwerken und NRO, wie mit dem „Farm Radio Network“ und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum für das südliche Afrika („Southern African Research and Documentation Centre – SARDC“) zu vernetzen. Beide Organisationen haben ihren Sitz in Harare. Auch die Danhiko Schule mit ihrem Ausbildungszentrum beteiligt sich am nationalen AT-Infodienst.

Nach dem Workshop habe ich Danhiko und das Fambidzanai Training Zentrum besucht. Im letzteren zeigte man mir ihre eigene Ziegelherstellung. In der Tischlerwerkstatt von Danhiko sah ich die mit Hilfe des GATE/Kleinprojekt Fonds finanzierte Kopierfräse in Aktion. Damit werden nun in großer Zahl die Werkzeugkästen mit hölzernem Tischler Handwerkszeug produziert. Der Bedarf dafür ist nach wie vor sehr hoch. Außerdem werden jetzt auch hölzerne Kopien von den so gefährlichen Landminen hergestellt, die wie Spielzeug aussehen. Diese für Schulen produzierten „Landminenkopien“ werden vorwiegend nach Mozambique und Angola exportiert, wo immer noch viele Menschen, vor allem Kinder beim Spielen im Busch auf solche Minen treten und schwer verletzt oder gar getötet werden.

1995: Im März 1995 war ich wieder in Zimbabwe, zum letzten Mal vor meinem Ruhestand auf einer offiziellen Dienstreise. Es herrschte eine anhaltende Dürre im Land. Der bevorstehende wirtschaftliche Niedergang, der durch die gewaltsamen Landbesetzungen und Landnahmen das Ende der kommerziellen Landwirtschaft hervorrufen wird (Zimbabwe war bis dahin „Eigenversorger“ und hatte eine mehr oder weniger stabile Wirtschaft), begann sich abzuzeichnen. Ich hatte Ähnliches bereits in Ghana in den Siebzigern und Achtzigern miterlebt, wo die Wirtschaft in erster Linie durch eine übereifrige Industrialisierung auf Kosten der Landwirtschaft, die sträflich vernachlässigt wurde, und vor allem durch die diversen korrupten Regierungen in den Jahren 1967 bis 1982 ruiniert wurde. Und so konnte ich in Zimbabwe die ersten „Zeichen an der Wand“ sehen. Die Vernachlässigung der Infrastruktur war augenscheinlich (Löcher in den Straßen, Unregelmäßigkeiten bei der Versorgung mit Elektrizität und Wasser, usw.).

Ich wurde bei dieser Reise wieder von einem Vertreter des BMZ begleitet. Wir nahmen teil am ersten regionalen Workshop der Vertreter der in der Zwischenzeit seit meinem letzten Besuch in den Ländern der Region gebildeten nationalen AT-Informationsdienste NATIS und vom GATE/ISAT unterstützten regionalen Dienst RATIS. Der Euphorie bei der Gründung von RATIS im August 1993 in Harare war die ernüchternde Erkenntnis gefolgt, dass für die Gründung der nationalen Netzwerke die notwendigen Mittel fehlten. In Äthiopien war durch die Ethiopian Society of Appropriate Technology (ESAT) dieses Problem so gelöst worden, indem man Mitgliedsbeiträge von den beteiligten Organisationen und Gruppen einführte für eine Grundfinanzierung von NATIS Äthiopien. Erst mit dem späteren Ausscheiden ihres engagierten Präsidenten Shibru Tedla (lange nach meinem Ruhestand) hörte ESAT auf zu existieren und damit wohl auch NATIS Äthiopien. 

RATIS Workshop im Madel Training Zentrum in Harare, 27.3.1995

RATIS Workshop im Madel Training Zentrum in Harare, 27.3.1995

Das RATIS Büro in Harare hat noch einige Jahre lang nach meinem Ruhestand versucht, Aktivitäten der nationalen AT-Dienste in Ost- und dem südlichen Afrika zu koordinieren. Danach habe ich den Kontakt zu einigen NATIS Büros verloren. Nachdem GATE, die Abteilung der GTZ in der ich gearbeitet habe, 2007 aufgelöst wurde, gibt es keine Kontakte mehr.

1999 war ich zum letzten Mal in Zimbabwe, privat, auf dem Weg nach Namibia wo ich mir als Selbstfahrerin eine eigene „Safari“ zusammengestellt hatte. Eike und Muzz, meine Freunde aus Ghana Zeiten hatten (aus heutiger Sicht wohl „glücklicherweise“) ihre kleine Gemüsefarm und Rinderzucht außerhalb der Stadtgrenzen von Harare verkaufen können und lebten nun in der Stadt.

Die ersten Eindrücke nach meiner Ankunft waren entmutigend. Noch existierte die eigene Währung. Der Zimbabwe Dollar war aber drastisch abgewertet worden und hatte bei fast allen Gütern und Lebensmitteln zu einem immensen Preisanstieg geführt. Und:

  • Mit der fortschreitenden Verarmung eines großen Teiles der Bevölkerung stieg zugleich die Kriminalität. Die gab es vorher nicht. Man konnte sich bis dahin überall in Stadt und Land gefahrlos bewegen.
  • Das „Straßenerscheinungsbild“ hatte sich zum Schlechten verändert. Außer den von mir schon beim letzten Besuch wahrgenommenen nicht reparierten Straßenschäden, gab es nun viele bettelnde Straßenkinder und auch andere Bettler, was mir vorher auch unbekannt gewesen ist.
  • Die regelmäßige Versorgung mit Strom und Wasser wird immer prekärer.
  • Der Presse wird immer massiver ein „Maulkorb“ angelegt und jedwede Opposition zur regierenden Partei und dem Landesführer Mugabe wird brutal unterdrückt. Zimbabwe steuerte auf eine Diktatur zu.
  • Das „Feindbild“ der Regierenden sind die kommerziellen Farmer und von „weißen“ Zimbabwern geführte Unternehmen, die bisher dafür gesorgt haben, dass Zimbabwe sich selbst versorgen kann ohne große Importe aus dem Ausland.

Ich traf bei meinem Besuch zum letzten Mal Liz und Jeremy Ascough. Jeremy war auch bereits im Ruhestand. Viele der bis dato vom DTC und der Regierung über GATE/GTZ unterstützten ländlichen Technologiezentren waren noch aktiv, auch Danhiko und das ZWB sowie viele Frauengruppen. Die meisten Kleinunternehmer im informellen Sektor von Harare kämpfen ums Überleben, auch die vielen Dorfwerkstätten, die in der Zwischenzeit eingerichtet worden waren. Dass angepasste Technologien in der ländlichen Entwicklung Eingang gefunden haben, zeigte sich auch bei der Landwirtschaftsmesse, die während meines letzten Besuches stattfand. Es bleibt zu hoffen, dass AT auch zur Gesundung der Wirtschaft beitragen wird, wenn in Zimbabwe eines hoffentlich nicht zu fernen Tages wieder geordnete Verhältnisse herrschen. 

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