Namibia – feste Häuser für die San

Nicht wenige Touristen, die in Nambia auf Rundreisen unterwegs sind, statten auch Ombili einen Besuch ab. Eines der von der ehemaligen GTZ finanzierten Kleinprojekte – „feste Häuser für die San auf Ombili“ – habe ich nach meinem ersten Ombili-Besuch im März 2003 zu planen begonnen, nachdem ich die von den San bereits in ihrer traditionellen Bauweise selbst errichteten Unterkünfte gesehen hatte. Dabei haben sie nicht nur die höchst bündige Erde von Termitenhügeln, sondern auch den lokal vorhandenen Lehm verwendet. Mit Reinhard Friedrich, einem deutsch-stämmigen, namibischen Farmer und damaligem Mitglied des Stiftungsvorstands, der die Heikum San Sprache fließend spricht, habe ich Bodenuntersuchungen in der Nähe der Ombili Farm getätigt, um zu prüfen, ob es möglich ist den örtlichen Lehm zum Bauen fester Häuser zu verwenden. Wir sprachen auch mit den betroffenen San (Männern und Frauen) über ihre Vorstellungen von einem einfachen Haus, das sie nach entsprechendem Training auch selbst bauen können aus lokal vorhandenen Baustoffen. Mein Reisebericht über den zweiten Besuch auf Ombili im November 2003 steht unten als PDF Datei zum Herunterladen zur Verfügung.

Heute muss ich im Rückblick feststellen, dass ich vor zehn Jahren ziemlich blauäugig an die ganze Sache herangegangen bin. Das Vorhaben konnte nicht so verwirklicht werden, wie es eigentlich geplant war. Die damalige Vorstellung von einer Art Dorfstruktur, die mit den Betroffenen gemeinsam geschaffen wird, und die aus vielen kleinen Häusern mit separat gebauten Waschhäusern und Sanitäranlagen besteht, war wohl eher eine utopische Zukunftsvision und außerdem immer noch viel zu schnell und entfernt vom behutsamen Heranführen der San an die Sesshaftigkeit von Nomaden, die, seit es Menschen gibt in Afrika als Jäger und Sammler gelebt haben.

Ombilis Leitspruch ist „Der Tag kommt, der Tag gibt“. 1989 wurde die Idee geboren, die San, die auch im unabhängigen Namibia diskriminiert werden, langsam seßhaft zu machen durch Ansiedlung, Bildung für ihre Kinder, Unterstützung ihrer kunsthandwerklichen Fähigkeiten und Kenntnisse der Natur und mit ihrer Einbeziehung in die Landwirtschaft. Der Namibier Klaus-Jochen Rische stellte der dann gegründeten Ombili-Stiftung für die Ansiedlung von San seine Farm östlich vom Etoscha National Park zur Verfügung. Ombili feiert in diesem Jahr im Februar sein 25-jähriges Bestehen. Die San, die sich auf Ombili niederließen, bauten sich einfache, mit Gras oder Stroh abgedeckte  Häuser aus Holz und Lehm. Für die beginnende Arbeit auf Ombili wurden mit Hilfe von Stiftungsgeldern und Spenden (zu fast 90% von deutschen Sponsoren, wie den Mosbacher Lions und dem Berlin-Brandenburgischen Freundeskreis-Ombili ein Gemeinschaftszentrum, eine Schule, ein Kindergarten, eine kleine Werkstatt und Häuser für die Lehrer gebaut. Auch eine Krankenstation wurde eingerichtet. Bis 2010 entstanden noch ein Internat und ein Kulturzentrum.

Mit Hilfe der 2004 von der GTZ bereitgestellten Mittel wurde eine große Werkhalle gebaut für die Produktion von stabilisierten, gepressten Lehmsteinen, mit Lagerbuchten für die Materiallagerung und zum Trocknen und Abbinden der Steine, sowie einigen Räumen für die Analysen von  Baulehmen aus der näheren Umgebung von Ombili und zum Aufbewahren aller benötigten Geräte, der Handpressen und Werkzeuge. Am Anfang wurden noch einige San durch eine Lehrkraft der Universität Bloomfontein in die vorzunehmenden Bodenanalysen eingewiesen. Und die ersten Lehmziegelsteine wurden mit einer südafrikanischen Handpresse produziert. Darüber berichtete ich in einer Power Point Präsentation (siehe „Vorträge“). Die San fanden auch die, von den Studenten der Bauhaus Universität in Weimar entwickelten Befähigungsinstrumente sehr nützlich. Aber das Ombili Management und vor allem die Stiftung unterstützten das Projekt nicht ausreichend genug und letzten Endes gar nicht mehr, weil außerdem auf Ombili Strukturänderungen vorgenommen und ein neuer Stiftungsvorstand eingesetzt wurden. Im Gegenteil, man ließ ein durch einen Architekten aus Windhoek entworfenes Haus als „Demonstrationshaus“ durch eine Baufirma errichten und hat die San überhaupt nicht mehr in das Vorhaben mit einbezogen. Auch die Mosbacher Lions standen letzten Endes der Verwendung von Lehm zum Bauen kritisch gegenüber. Diese Einstellung kenne ich aus vielen Diskussionen in meinem Berufsleben, wenn es darum ging mit Lehm zu bauen.

Ich gebe mir selbst die Schuld am Scheitern des Vorhabens. Die Projektkritiker und „Lehmbaugegner“ hätten frühzeitig mit ins Boot genommen werden müssen. Denn in Namibia gibt es bei den Deutschstämmigen eine alte Lehmbautradition. Die meisten Farmhäuser aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert wurden aus Lehm gebaut und viele davon stehen heute noch. In Otjiwarongo entstanden in den letzten Jahren einige neue Stadtviertel aus Lehmsteinhäusern. Das namibische Clayhouse Projekt hat mit Wiebke Volkmann, wie aus der folgenden PDF Datei über das Projekt ersichtlich ist viele sehr schöne Lehmhäuser gebaut, u.a. auch auf der Farm Krumhuk an der Straße nach Rehoboth. Wir hätten uns 2003/2004 viel mehr Zeit lassen sollen bei den Vorbereitungen der Planung und Durchführung des Projektes auf Ombili.

Im Reisebericht des Freundeskreises-Ombili vom Mai/Juni 2013 wird erzählt, dass die San in ihren Dörfern mit einem Dorferneuerungsprogramm begonnen haben. Sie reparieren und renovieren ihre traditionell gebauten Holz-Lehm Häuser, verputzen sie außen und verstärken sie mit einem Betonfußboden. Es hätte keiner großen Anstrengung bedurft, sie im Herstellen der Lehmziegel und im Häuserbau damit zu unterweisen. In der Werkhalle, in der die Lehmziegel hergestellt werden sollten, sollen in der Zukunft Betonsteine produziert werden. In die beiden Räume, die für die Bodenanalysen und Tests gebaut wurden ist in der Zwischenzeit eine San Familie eingezogen. Es gibt keinerlei Sanitäranlagen. Ombili ist gegenwärtig außerdem mit einem weiteren Problem konfrontiert, und zwar dem eines illegalen und unkontrollierten Zuzugs. Ich habe aus diesem Projekt viel gelernt.

Der Reisebericht:

Die Broschüre über das „Clay House Project“:

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