Namibia Women Summits

Namibian Women Summit 2011 – „It begins with me“

Vom 10. bis 12. August 2011 fand der bereits fünfte namibische Frauengipfel wieder in Windhoek statt. Dieses jährliche Treffen namibischer Frauen, an dem 2011 auch Delegationen aus den Nachbarländern Südafrika, Zambia, Angola und Zimbabwe teilnahmen, wurde begleitet von einer Ausstellung von Produkten aus Unternehmen, die von Frauen geleitet werden im Bekleidungs-, Schmuck-, Gesundheits- und Lebensmittelsektor. Der äußere Rahmen für die Tagung war zunächst das Nationaltheater in Windhoek für die Anmeldung, Registrierung und das Begrüßungsprogramm und danach das Konferenzzentrum im Safari Hotel. Dieses nun schon in die Jahre gekommene Hotel ist seit vielen Jahren Veranstaltungsort für Konferenzen, Seminare und Workshops aller Art. Ich erinnere mich noch sehr gerne an meine erste Konferenz nach der Unabhängigkeit Namibias im Juni 1992 am gleichen Ort, als es um „Angepasste Technologien für nachhaltige Entwicklung“ ging.

Die jetzige Frauenkonferenz stand unter dem Motto „It begins with me“ (das bedeutet so viel wie „Es liegt an mir…“, oder „Ich fange damit an…“ oder „ich mache den ersten Schritt“). Das Anliegen der Veranstalter („House of Women“, HOW) ist Frauen die Erkenntnis zu vermitteln, dass sie selbst der Schlüssel für ihre eigene Entwicklung sind. Sie selbst gestalten ihr Schicksal und ihr Fortkommen im Leben. Sie selbst bestimmen, ob sie den dornigen und oftmals sehr schwierigen Pfad zur Gestaltung ihrer eigenen Selbständigkeit wählen. Sie selbst, mit der größten Last der Sorge für die eigene Familie auf ihren Schultern, sollen gestärkt werden in ihrem Handeln durch den Austausch mit anderen Frauen und ihren Schicksalen.

Anne Gebhardt, Direktorin der Headhunting- und Coachingagentur Divine Namibia (Sponsoren des Gipfels) und Präsidentin der Namibia Women Summit (NWS) stellte zu Beginn der Konferenz die First Lady des Staates, Madam Penehupifo Pohamba vor (Krankenschwester von Beruf), die danach die Tagung eröffnete und auch an den ersten Forum Diskussionen teilnahm. Die Themen der verschiedenen Vorträge und Arbeitsgruppen spannten einen sehr weiten Bogen von erfolgreichen Unternehmen, Strategien für Geschäftsgründungen, finanziellen Angelegenheiten, Innovation, Wissenstransfer, Kommunikation, Frauenrechte, Frauengesundheit, Selbstvertrauen und Selbstachtung, bis hin zu Coaching und Training.

Für jedes Thema legte eine Frau Zeugnis ab aus ihrem eigenen Leben und ihren Erfahrungen. Hier sprachen gestandene, erfahrene afrikanische, reife, mütterliche Frauen zu den Teilnehmerinnen, unter denen meine Freundin und ich die einzigen Deutschen waren. Die Vortragenden teilten mit uns ihre oft bitteren Erfahrungen auf dem Weg in die Selbständigkeit. Und die Tatsache, dass es dabei auch hin und wieder notwendig ist „Nein“ zu sagen. Sehr interessant war die Beschreibung des Lebensweges von Sylvia Banda aus Zambia. Sie beschrieb die Wahl ihrer Entscheidung über den eigenen Lebensweg anhand von zwei Früchte tragenden Bäumen. Der eine Baum ist voller spitzer Dornen am Stamm, die das Hochklettern sehr schmerzhaft gestalten können, die aber auch Halt und Ansporn geben. Der andere Baum hat einen glatten Stamm, der zwar das Hochklettern erleichtert, von dem man jedoch sehr schnell abrutschen und sich die Knochen brechen kann. Auf Grund ihrer eigenen Erfahrungen appellierte sie an die Frauen, den Baum mit den Dornen zu wählen.

Virginia Naamwandi, Rektorin der privaten IUM Universität in Windhoek erzählte die Geschichte ihres Werdegangs und die dabei gewonnene Erkenntnis, dass eine klare Vision dessen, was man erreichen will den Weg bestimmen sollte, sowie der Glauben an sich selbst. „Vertraue dir selbst bei allem, was du tust“, sagte sie und: „Don’t rely on another woman’s son“. Was soviel bedeutet wie: Glaube dir selbst und verlass dich nicht immer auf deinen Ehemann (den Sohn einer anderen Frau).

Claire Hobbs, Treasurer der Bank Windhoek, widmete sich dem Thema Finanzplanung. Ihr Beitrag war äußerst klar strukturiert. Wenn man spart, sollte man sich im Klaren sein über das „Wer spart was, wo, wann, warum und wie?“. Für Unternehmensgründungen sei es außerdem wichtig eine klare Vorstellung vom angebotenen „Produkt“ zu haben. Das sollte auf einfache Weise aus lokal vorhandenen Materialien herstellbar sein, immer verfügbar, modern, flexibel und diversifizierbar. Man sollte nie hinter den Märkten herlaufen, sondern ihnen immer voraus sein.

Eine weibliche Pfarrerin der anglikanischen Kirche und sicherlich die erste und einzige Frau in Afrika, die zugleich ein Lt. Col. in der Armee ist, gab eine sehr lebhafte und beeindruckende Darstellung ihres Lebensweges. Nangula E. Kathindi zitierte dabei aus der Bibel. Für sie ist Leidenschaft bei allem, was sie plant und unternimmt verbunden mit dem Respekt vor Familienbanden. Das sei ein wesentlicher Faktor für das Erreichen der gesteckten Ziele und – „Don’t try to be like a man“ (Versuche nicht wie ein Mann zu sein).

Die Rechtsanwältin Anne-Doris Hans-Kaumbi sprach über die Rechte der Frau in der Ehe in Namibia, ein augenscheinlich ganz wichtiges Thema, wie die vielen an sie in der Diskussion gerichteten Fragen bezeugen. Sie erklärte die wichtigsten Gesetze in diesem Zusammenhang sehr gut verständlich und mit lustigen Einlagen, wie mit der Beschreibung eines Ehepaares, wenn die Frau zum Mann sagt: „If you are the head of the family, let me be the neck, so that I can move your head whenever I need to…“ („Wenn du das Haupt der Familie bist, möchte ich das Genick sein, damit ich deinen Kopf immer dann bewegen kann, wenn ich das für nötig halte“).

Ein anderes Thema, das viele der Teilnehmerinnen sehr berührte, war die Rolle der Frau in der Vorbereitung für den Ruhestand. Maggie Makenete aus Kwazulu Natal stellte fest, dass die meisten Frauen in der SADC Region (Southern African Development Community) „ihre gesamte Familie auf ihren Schultern tragen“. Sie fühlen sich zuständig für alles, was mit der Familie zu tun hat. Trotzdem, sagte Dorothy Basson (Divine South Africa) sollten Frauen immer versuchen auch ihre Träume verwirklichen.

Ein Fazit des sehr erfolgreichen Gipfels war der Appell an alle, dass Frauen ihr Schicksal in ihre eigenen Hände nehmen sollen: „You have to be ready to move on – then you will move on“! Wir waren sehr beeindruckt vom Zusammenhalt und der Kameradschaft unter den afrikanischen Frauen, in die wir voll mit einbezogen wurden. Es war ein starkes und sehr bereicherndes Erlebnis. Das Motto der Konferenz in 2012 lautete „The time is now“ („Es ist an der Zeit“) und das von der Konferenz im letzten Jahr „Let your light shine through“ („Durchleuchte alles“). Diese Frauentreffen finden – so ist jedenfalls der Plan – einmal jährlich statt und erfreuen sich in der Zwischenzeit großer Beliebtheit.

Hannah Schreckenbach mit Felizitas Peters

Windhoek, im August 2011

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