Optionen für den Wiederaufbau

Eritrea ist heute eines der ärmsten Länder der Welt, gleicht in der gegenwärtigen Regierungsform einer Diktatur und befand sich, wenn auch nicht „offiziell“, so doch seit 1998, und vor allem seit 2008 nach dem Abzug der UN-Beobachtermission, die die Pattsituation im Grenzkonflikt mit Äthiopien überwacht hatte, im Krieg mit Äthiopien. Der gegenwärtige äthiopische Präsident hat jetzt für Friedensbemühungen die Hand ausgestreckt, um diesem unseligen Zustand, der zu einer Massenflucht von Eritreern nach Europa und vorwiegend nach Deutschland geführt hat. Im Jahr 2008 wurde von eritreischer Seite leider auch jegliche Entwicklungszusammenarbeit beendet, die doch so hoffnungsvoll nach der Unabhängigkeit des Landes im Mai 1993 begonnen hatte. Die Eritreische Volksbefreiungsfront (EPLF) hatte Äthiopien mit seinen sozialistischen Unterstützern (einschließlich der DDR) nach 30-jährigem Bürgerkrieg besiegt. Das Land hatte zwar immense Zerstörungen und hohe menschliche Verluste erlitten und Zigtausende waren zu der Zeit schon aus dem Land geflüchtet, aber nun war es frei, und die Menschen gingen mit Eifer an den Wiederaufbau. Bei dem wir helfen wollten. So reiste ich 1994 zum ersten Mal nach Eritrea und war sehr beeindruckt bei den Treffen von all denen, die mir dabei begegnet sind. Ich fand sofort gute Freunde, nachdem sie erfahren haben, dass ich einst als Flüchtling die DDR verlassen habe. Hier folgt ein Bericht über meine Dienstreisen und meinen damit verbundenen Tätigkeiten in der Zeit:

Die erste Dienstreise nach Eritrea vom 27. März bis zum 3. April 1994

Zu meinem ersten Besuch in Eritrea war ich im März 1994 aus Ägypten gekommen, wo ich einen Kurs über „Appropriate Building Technologies“ vorbereitet hatte. In Eritrea wollte ich Gespräche führen mit Vertretern der eritreischen Regierung, insbesondere der „Commission of Eritrean Refugee Affairs“ (CERA) und mit Mitarbeitern in dem von der Bundesrepublik finanzierten Fachkräfteprogramm (FKP). Die Gespräche sollten verbunden werden mit Besuchen verschiedener Bauvorhaben für den Wiederaufbau.

27. März, Sonntag: Abflug aus Kairo nach Eritrea. Ankunft in Asmara um 22 Uhr Ortszeit. Der zuständige Gesprächspartner von CERA hat mich vom Flughafen abgeholt und ins Hotel Keren in Asmara gebracht. Es war recht kühl bei der Ankunft. Ich habe nur ausgepackt und mich gleich zur Ruhe gelegt.

28. März: Nach dem Frühstück wurde ich abgeholt zur den ersten Besprechungen bei CERA. Nach dem gemeinsamen Mittagessen führte ich weitere Gespräche am Nachmittag mit verschiedenen Baufachkräften, vor allem über die gegenwärtigen Wohnungsbauprobleme in Eritrea in der geplanten Wiederaufbauphase im Land. Danach besuchte ich das Büro des Fachkräfteprogramms in Asmara.

29. März: Morgens um 6 Uhr war Abfahrt nach Keren in Begleitung von einem CERA Vertreter. Nach der Ankunft haben wir dort gefrühstückt und sind dann gleich weitergefahren nach Mansura zu einem der großen Flüchtlingslager von Asmara. Dabei ging es erst von Asmara (auf 2000 m hoch gelegen) bis nach Keren (auf 1300 m) und weitere 400 m runter bis ins Mansura Tal. Im Flüchtlingslager haben wir ein von der Otto-Benecke-Stiftung finanziertes Ausbildungszentrum für Maurer und Tischler besichtigt (guter Ansatz) und danach die ersten fertig gebauten Musterhäuser in der Umgebung des Lagers angesehen. Nachmittags sind wir bis nach Keren zurückgefahren. Dabei haben ich einen Eindruck gewonnen von den großen Zerstörungen der Felder (vor allem der Terassenfelder an den Berghängen und Wälder) sowie der Infrastruktur in dem sehr langen Bürgerkrieg. Es wurde sehr heiß und trocken tagsüber. Übernachtung in einem kleinen Hotel in Keren.

30. März: Nach dem Frühstück sind wir nach Asmara zurückgefahren mit einem Abstecher ins Gebirge ca. 15 km vor Asmara. Von dort oben hat man einen herrlichen Rundblick auf die Ebene in Richtung Massawa. Mittagessen im Hotel, nachmittags Stadt- und Museumsbesuch und Treffen mit Frau U. Eid (finanzielle Unterstützung bei der Rückführung eritreischer Flüchtlinge aus der Bundesrepublik und deren Wiedereingliederung in Eritrea), danach zum Büro des FKP für Gespräche mit Rückkehrern über das dringende Schaffen von benötigtem und vor allem erschwinglichen Wohnraum in Eritrea. Dabei konnte ich die ersten Vorschläge unterbreiten für verschiedene Optionen des Niedrigkostenwohnungsbaus.

31. März: Frühstück mit einem BMZ-Mitarbeiter und Vertretern von Dornier. Dabei wurde über den geplanten Aufbau einer eigenen Fluglinie für Eritrea gesprochen. Danach zusammen mit dem CERA-Vertreter zum Dept. of Townplanning in der Stadtverwaltung von Asmara zu weiteren Gesprächen über Wiederaufbaumöglichkeiten (Nutzung und Verwendung des Kriegsschrotts, Unterstützung von Selbsthilfe im Wohnungsbau und bei der Herstellung von Baustoffen aus eigenen Ressourcen, usw.). Dann zur ESPACE 2001 Werkstatt, in der Baustoffe für den Wiederaufbau auf maschineller Basis produziert werden. Vorher den „Slum of Hope“ besichtigt. Nach der Mittagspause Besprechung im Büro des Abteilungsleiters Planung im Ministry of Local Government. Nachmittags ein Stück entlang auf der Straße nach Massawa gefahren bis zum Dorf Arberobu mit schöner Aussicht über das Land. Dann mit dem CERA Vertreter und Frau Eid vom BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit) mit ihrem Deputy (Stephanos D.), einem ehemaligen Kämpfer der EPLF über den Befreiungskampf der Eritreer gesprochen. Das war für mich sehr bewegend. Abends habe ich Vorschläge ausgearbeitet für eine zukünftige Zusammenarbeit im Bereich Beratung im Niedrigkosten Wohnungsbau, die ich bei dem Abschiedsgespräch mit CERA-Mitarbeitern unterbreitet habe.

01. und 02. April (Samstag): Nach dem Frühstück bei einer Baufirma (AGNET Construction) Musterhäuser angesehen, danach letzte Besprechungen bei CERA und Diskussion über meine ausgearbeiteten Vorschläge für eine mögliche GTZ-CERA Kooperation.  Gemeinsames Abendbrot. Kurz vor Mitternacht wurde ich zum Flughafen gebracht. Abflug um 3 Uhr 15 von Asmara über Kairo zurück nach Frankfurt, dort um 10.55 am 2. April angekommen.

Die zweite Dienstreise nach Eritrea vom 22. bis 31. Januar 1995

Diese Reise führt zunächst nach Äthiopien. Von dort war aus dem GTZ Büro der Wunsch an GATE herangetragen worden das GTZ Vorhaben „Reintegration ehemaliger Militärangehöriger“ in Äthiopien im Bereich Niedrigkostenwohnungsbau zu beraten. Zu diesem Zweck flog ich am 19. Januar 1995 nach Addis Abeba. Außer den Besprechungen im GTZ-Büro besuchte ich in Addis die Werkstätten des kirchlichen Ausbildungszentrums „Mekane Jesus“ und traf mich auch mit Shibru Tedla, dem damaligen Präsident  der Äthiopischen Gesellschaft für Angepasste Technologien („Ethiopian Society for Appropriate Technology-ESAT“). ESAT gehörte zu den Kooperationspartnern von GATE, die am Netzwerk „Regional Appropriate Technology Service“ (RATIS) beteiligt waren. Am 22. Januar bin ich weitergeflogen nach Eritrea, wo ich um 9 Uhr in Asmara ankam.

In der Zwischenzeit hatte ehemalige französische BASIN Partner CRATerre (aus Grenoble) sich bereit erklärt am Wiederaufbau Projekt zu beteiligen. Es war geplant bei CERA einen Workshop mit allen Betroffenen und der am Vorhaben Beteiligten durchzuführen für eine Projektprüfung. Die zielorientierte Projektplanung sollte dann auch zu einem späteren Termin gemeinsam durchgeführt werden nach Vorlage des Projektprüfungsberichtes. Zum Prüfungsworkshop waren eine Reihe von Gutachtern und Vertretern von Baufirmen und staatlichen Planungsbüros eingetroffen. Die Gutachter waren im gleichen Hotel untergebracht. Am ersten Abend haben wir uns dort zum ersten Mal alle getroffen und über die Workshop Organisation gesprochen. Es war herrliches Wetter, +20° C und strahlender Sonnenschein tagsüber, kühl am Abend und Morgen, wie Frühling Zuhause.

23. Januar: Nach dem gemeinsamen Frühstück ging es zum Workshop, der in der Universität Asmara organisiert worden war von CERA. Einführung durch CERA und Darstellung des geplanten Ablaufs vom Workshop. Gemeinsames Abendessen. Danach Gespräch mit den Prüfungsgutachtern.

Vom 24. bis zum 27. Januar: Teilnahme am Workshop mit täglicher Abstimmung mit dem Moderator und den Gutachtern. Am 25.1. nachmittags Treffen bei CERA.

28. Januar, Samstag: Nach dem Frühstück sind wir alle zu den Demonstrationshäusern der City of Asmara gefahren, die mit von ESPACE 2001 produzierten Baustoffen gebaut werden. Am Nachmittag mit den Gutachtern den Prüfungsbericht besprochen. Abends Pressekonferenz mit Bundesminister Spranger vom BMZ und dem GTZ-Büroleiter aus Äthiopien, die beide zum Workshop dazu gestoßen waren.

29. Januar, Sonntag: Nach dem Frühstück den ganzen Tag über mit den Gutachtern gemeinsam am Prüfungsbericht gearbeitet.

30. Januar: Nach dem Frühstück Fahrt nach Mendefera zusammen mit CERA Vertretern. Nachmittags Gespräche im Büro des Fachkräfteprogramms. Danach Treffen mit einem Vertreter vom „Food Security Programme“, das von der GTZ unterstützt wird.

31. Januar: Rückflug nach Frankfurt von Asmara frühmorgens um 4 Uhr über Kairo.

Die dritte Dienstreise nach Eritrea vom 24. November bis zum 8. Dezember 1995

Nachdem ich bei der vorangegangenen Dienstreise an der Projektprüfung teilgenommen hatte für eine Kooperation mit CERA im Wohnungsbau, ging es diesmal um die gemeinsame Projektplanung in einem Workshop zusammen mit dem Projektpartner CERA und anderen am Vorhaben Beteiligten.

24. November: Ich bin wieder über Kairo geflogen und kam in Asmara nach Mitternacht am 25.11. an. Diesmal war auch hier Winter mit nur +5°C bei der Ankunft. Ein CERA Vertreter holte mich vom Flughafen ab und brachte mich wieder ins Keren Hotel in Asmara. Ich habe nur ausgepackt und dann geschlafen. Vormittags gab es die ersten Gespräche bei CERA. Nachmittags traf ich mich mit Vertretern der Welthungerhilfe. Abends habe ich den Projektplanungsworkshop gemeinsam mit Vertretern von CERA vorbereitet.

26. November, Sonntag: Ankunft des Vertreters von CRATerre und gemeinsames Frühstück im Hotel. Danach Besuch verschiedener Neubauprojekte in der Stadt Asmara und im Siedlungsprojekt Sembel, das von Südkorea unterstützt wird. Nachmittags zum EXPO Gelände und mit Stephanus D. von Agnet Construction getroffen, um die Musterhäuser dort anzusehen. In der „Cara degli Italiani“ die Tafeln für den dort stattfindenden Workshop hergerichtet.

27. November: Um 8.30 Beginn des Projektplanungsworkshops: Operationsplanung des Vorhabens „Angepasstes Bauen für rückkehrende Flüchtlinge in Eritrea“. Das Projekt soll von GTZ-Langzeitexperten gemeinsam mit dem eritreischen Projektträger CERA durchgeführt werden. Finanziert wird das Vorhaben mit Mitteln aus der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Am Workshop nahmen außer den CERA-Vertretern auch solche von anderen internationalen NRO teil, die ähnliche Vorhaben in Eritrea unterstützen wollen. Der Workshop ist für die Dauer von 4 Tagen geplant und findet täglich immer von 8 Uhr 30 bis etwa 17 Uhr statt.

28. November: Ganztägig Workshop. Abends nochmal zur EXPO Baustelle zur Besichtigung der dort gebauten Musterhäuser.

29. November: Ganztägiger Workshop. Abends bei der Mutter des CERA Projektleiters zu einem typisch eritreischen Essen eingeladen. Kühles Wetter (um +12°C) mit einer herrlich klaren Sternennacht, in der wir Satelliten sehen konnten am Nachthimmel.

30. November: Letzter Tag des Planungsworkshops. Die Ergebnisse der Operationsplanung für das Vorhaben wurden zusammengefasst und auf große Tafeln übertragen, abfotografiert und protokolliert. Gemeinsames Abendessen (eritreisch, exzellent!) aller am Workshop Beteiligten und Verabschiedung.

01. Dezember: Um 8 Uhr 30 Treffen mit dem deutschen Botschafter. Über den Projektplanungsworkshop berichtet und den CERA Mitarbeiter vorgestellt, der das Projekt im Auftrag der GTZ in Eritrea leiten soll. Nachmittags Treffen mit einem Mitarbeiter im Bauministerium und auch dort den CERA Mitarbeiter für das Projekt vorgestellt.

02. Dezember, Samstag: Nach dem Frühstück erneutes Treffen bei CERA. Mit dem CRATerre Mitarbeiter zur EXPO Baustelle und zu verschiedenen Ziegeleien in der Umgebung von Asmara. Abends Bericht geschrieben.

03. Dezember, Sonntag: Mit einem CERA Vertreter eine etwa 120 km lange, sehr interessante Rundfahrt  unternommen, von Asmara über Nefarit bis nach Dekamhare.

04. Dezember: Morgens zum FKP Büro. Den Workshop Bericht fertiggestellt und Overhead Projektor Folien für den Besuch im GTZ Büro in Addis Abeba angefertigt mit Leistungsbeschreibung für den CERA Mitarbeiter, der das Projekt betreuen wird. Den Projektbeginn festgelegt. Nachmittags gepackt. Flug nach Äthiopien am 05.12. Dort habe ich am Abend einen Vortrag gehalten im Goethe Institut über „Cost Effective Housing“ und außerdem am 06.12. den GTZ-Büroleiter über den Projektplanungsworkshop in Eritrea informiert. Dabei wurden auch die Einsätze im geplanten Vorhaben von dem CERA Mitarbeiter und einem Mitarbeiter von CRATerre besprochen und vorbereitet. Rückflug von Addis Abeba nach Frankfurt am 7.4.

Die Broschüre „Self-Help Housing Options for Eritrea“, die hier als PDF Datei zum Herunterladen folgt, enthält Vorschläge für den einfachen und kostengünstigen Wohnungsbau in Selbsthilfe mit Baustoffen aus eigenen Ressourcen. Die haben wir noch herausgeben können, bevor die Entwicklungszusammenarbeit mit Eritrea 2008 eingestellt wurde.

Broschüre „Self-Help Housing Options“

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