Süßer Honig in Boabeng-Fiema

Das Affenheiligtum in Boabeng-Fiema ist ein sehr gutes Beispiel für den traditionellen afrikanischen Naturschutz und die Heimatpflege, die fest verankert sind mit dem überlieferten Glauben der Menschen. Mythen und Tabus spielen darin ihre Rolle. Das ist auch in den beiden Dörfern Boabeng und Fiema in der ghanaischen Brong Ahafo Region der Fall. In den über 90 verschiedenen Baumarten im Waldgebiet um die Dörfer herum leben hier insbesondere schwarz-weiße Geoffroy’s Colobus und die kleineren Campbell’s Mona Affen, die für die Dorfbewohner heilig sind. Und es gibt viele Schmetterlingsarten, unterschiedliche Vögel und Wildblumen und-sträucher. Die Affen, die natürlich auf ihren Streifzügen zur Futtersuche das Schutzgebiet verlassen in die umliegenden Wälder, kommen des Nachts fast immer zurück, und auch zum Sterben, so erzählten mir die Dorfbewohner. Es gibt tatsächlich einen Affenfriedhof.

Ich habe Boabeng-Fiema zum ersten Mal gemeinsam mit Valerie Sackey besucht, die sich schon zu meiner Zeit in Ghana ganz besonders für das Schutzgebiet eingesetzt hat. Sie leitete nach dem letzten Rawlings Coup und während der Rawlings Regierung das Informationsbüro im Christiansborg Castle in Accra. Wir wurden auf dieser Fahrt von Koo Nimo begleitet, dem renommierten ghanaischen Highlife Gitarrist, auch bekannt als „Palmweinmusiker“. Ich habe Koo Nimo (getauft Daniel Amponsah) oft im Arts College auf dem Campus der Universität in Kumasi getroffen, wo er mit seiner Adadam Agofomma Gruppe mit ihren fantastischen Trommeln und jungen Tänzern Zuhause ist.

Nach meinem ersten Besuch in Boabeng-Fiema 1980, noch vor meiner Rückkehr aus Ghana, bin ich mehrere Male dort gewesen bis zu meinem letzten Aufenthalt 1991. Ob die ausgebildeten Imker von damals ihre Kenntnisse genutzt und vor allem ihren Kindern weitergegeben haben, damit sie neben der Landwirtschaft noch ein weiteres Einkommen erwirtschaften können, weiß ich nicht. Ich höre nur hin und wieder von Besuchern des Affenheiligtums, dass zwar viele Jugendlichen die beiden Dörfer verlassen haben auf der Suche nach Arbeit, aber dass es heute dort einfache Unterkünfte gibt für Touristen, die man nach wie gerne aufnimmt und die auch gut versorgt werden. Bis auf einige Streitereien zwischen den Dörfern war das ja auch schon so, als ich Boabeng-Fiema in den Achtziger Jahren auf meinen Dienstreiseplänen hatte.

Die an der Imkerei Interessierten wurden ab 1983 mit Hilfe einer GTZ-Eigenmaßnahme unterstützt und in späteren Jahren auch mit Mitteln aus dem GATE-Kleinproktefonds in anderen Regionen Ghanas. Unser Partner war dafür das Technology Consulting Centre (TCC) der Universität in Kumasi. Dort war schon zu meiner Zeit in den Endsiebzigern des vergangenen Jahrhunderts die Apicultural Promotion Unit (APU) eingerichtet worden, die von einem kompetenten Imker, S. Adjare geleitet wurde. Dort wurden auch passende Bienenkörbe für Ghana entwickelt. Am Anfang verwendeten die Imker den kenianischen Korb, der aussieht wie ein halber, kleiner Sarg. Erst später, als die manuell betriebenen Honigschleudern verbessert wurden, führte man den rechteckigen, hierzulande verwendeten Langstroth-Korb ein. Vom TCC ausgebildete Handwerker, Schneiderinnen und Schneider stellten auch einfache Rauchgeräte, sowie passende Schutzkleidung und Handschuhe her, und an breitkrempige Strohhüte aus dem Norden des Landes wurden einfach Moskitonetze als Schleier angebracht – fertig war die Ausrüstung. Die wurde, mit den Kenia Körben auch auf der sehr erfolgreichen Industriemesse (INDUTEC) 1986 in Accra gezeigt. Alles stellte für die Imkerei in entlegenen Dörfern eine willkommene Möglichkeit zum Erwirtschaften von zusätzlichem Einkommen dar.

Für das Boabeng-Fiema Projekt wurden ab 1983 als Anlauffinanzierung DM 58.000,00 von der GTZ zur Verfügung gestellt. Die weitere Unterstützung verbesserter Bienenhaltung im Land wurde dann auch von der FAO finanziell unterstützt. 1981 wurde von der APU des TCC der erste Nationale „Beekeeping Workshop“ in Ghana organisiert, 1987 folgte der erste Internationale Workshop. In der Zwischenzeit hatten sich etliche lokale Beekeeping Associations gebildet, vor allem in der Brong-Ahafo Region und im Norden Ghanas. Die GTZ unterstützte im Rahmen von ländlichen Entwicklungsvorhaben auch die Verbreitung verbesserter Bienenhaltungsmethoden in der Elfenbeinküste, Mali, Malawi und Tunesien und schaltete die APU mit S. Adjare von TCC als Gutachter mit ein. Er schrieb auch das Handbuch „The Golden Insect“, das vom TCC mit Unterstützung der Intermediate Technology Publications Ltd. 1984 herausgegeben wurde. GBC/TV drehte später in Boabeng-Fiema auch einen Film über die Honigbiene.

Die verbesserte Bienenhaltung der fleißigen afrikanischen Biene hat sich sehr schnell in den Savannen- und Waldgebieten Ghanas verbreitet. Vorher wurden die Bienen beim „Ausräuchern“ häufig verbrannt, um an die Honigwaben zu kommen. Deshalb ist die afrikanische Biene ziemlich aggressiv, doch bei guter Haltung eine sehr fleißige Honiglieferantin. Außerdem wurden in der verbesserten Bienenhaltung ebenfalls Kenntnisse über die Nutzung von Propolis (Bienenharz), Royal Jelly, Pollen und Wachs, sowie über die Königinnenzucht und Wachs vermittelt. Auch daraus ergaben sich neue Einkommensmöglichkeiten für Imker, Naturmediziner, die pharmazeutische und kosmetische Industrie und auch für die Figurengießer der Ashanti Goldgewichte (Gelbguss im verlorenen Wachsprozess). Man lernte auch sehr schnell, dass die Biene äußerst wichtig ist für die Landwirtschaft. Fast alle Plantagenbäume und blühenden Büsche in Ghana werden von Bienen bestäubt. Wenn es die Biene nicht mehr gäbe, würde das Leben im Wald, in der Savanne, in allen Parks und Gärten und auf den Feldern enden. In Boabeng-Fiema und im Norden Ghanas, wohin mich auch etliche Reisen im Rahmen meiner GTZ-Arbeit führten, werden die Wildbienen heute nicht mehr verbrannt, um an ihren Honig zu gelangen. Das konnte schon in den Achtziger Jahren erreicht werden.

Oft werde ich gefragt, ob ich bei meinen Besuchen von Bienen gestochen wurde. Ja, wurde ich, weil ich einige wesentliche „Vorsichtsmaßnahmen“ missachtet hatte beim Inspizieren von Bienenkörben. Ich roch nach Seife und Parfüm und war dunkel gekleidet. Das mag zwar „ansprechend“ gewesen sein für meine Mitmenschen, aber sehr „anziehend“ für die Bienen. Nur ich wurde gestochen. Einmal sogar so oft, dass ich ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste.

Ich habe damals für die GATE-Zeitschrift viele Beiträge geliefert, so auch zum Thema „Beekeeping“. Diese Artikel versuche ich noch im Laufe dieses Jahres als herunterladbare PDF-Datei hier einzupflegen. Sie sind allerdings in Englisch verfasst, sind aber nützliches Informationsmaterial, so wie auch das als PDF-Datei folgende Informationsblatt über „Beekeeping“, das von der Nachfolgeorganisation der ehemaligen ITDG – Practical Action – 1994 herausgegeben wurde.

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