Wüstenquell – ein kleines Paradies in Namibia

Wüstenquell Fahrt im November 2003

Auf dem Rückweg vom Brandberg West konnte ich gegen Ende meines Namibia Aufenthaltes im November 2003 endlich zwei Tage lang auf Wüstenquell einkehren und so auch einen Teil der sogenannten Sukkulentenwüste Namibias kennen lernen. Bis auf eine einzige der typischen, dort heimischen Sukkulenten habe ich allerdings keine weiteren gesehen, konnte dafür aber die einzigartigen Erosionen und unbeschreiblich schönen Windschliffe in den Felsen bewundern.

Sukkulente auf Wüstenquell, November 2003

Sukkulente auf Wüstenquell, November 2003

Wüstenquell ist außerdem bekannt für die „lebenden Steine“ – Litopse – von denen ich auch keine gefunden habe. Aber ich lernte dort einen, leider nicht mehr unter uns weilenden Menschen kennen, dem das Paradies damals gehörte und der meinen Begleiter und mich mit unglaublichen Geschichten unterhielt und erheiterte und dabei die tollsten Mahlzeiten fabrizierte. Wir waren auf der kleinen Lodge mit einem bayrischen Ehepaar zusammen die einzigen Gäste und erlebten in der Tat „umwerfende“ Stunden dort. Ich war schon einmal, aber nur für einen kurzen Tagesausflug hier gewesen zusammen mit meinem Cousin Helmut auf unserer Namibia Fahrt 2001. Da habe ich am Adlerfelsen gezeichnet und fotografiert.

16.11.:Uis – Wüstenquell: Der Morgen begann recht früh im „White Lady Hotel“ in Uis, wo wir, vom Brandberg West kommend übernachtet hatten und bescherte uns eine Invasion von Nama Flughühnern, die gackernd in einem Riesenschwarm über dem Hotel kurvten, um sich in einem kleinen Teich in der Nähe niederzulassen. Es war schon recht warm, und uns wurde ein sehr heißer Tag vorausgesagt, sodass wir nach dem Frühstück alsbald aufbrachen. Wir hatten bis zur Gästefarm „Wüstenquell“ eine lange Strecke vor uns. Nach dem Tanken wurde es bei der Fahrt bald wirklich sehr heiß. Während ich beim Tanken wartete, erlebte ich an der Tankstelle eine fast gleiche „Anmache“ durch „Klippenverkäufer“, die Mineralien loswerden wollten, wie im März, als ich mit Gisela dort zum Tanken hielt. Das ist heute anders. Die Verkäufer haben jetzt ihre Stände in einem Gebäude nahe der Tankstelle und dürfen draußen nicht mehr verkaufen. Die Pad zog sich hin bis nach Wüstenquell, obwohl wir von der Straße aus viel Schönes sehen und erleben konnten. Ein Habichtadler dreht lange seine Kreise über uns, und es wurde immer heißer. Wir sahen die sehr bitter schmeckenden Tsamma Kürbisse am Wegesrand. Während hinter Nainas links von uns das Erongo Gebirge aus dem Hitzedunst auftauchte, erschien rechterhand die Spitzkoppe mit den Pontok Bergen. Mit der kleinen Spitzkoppe zusammen sind diese Inselberge aus Granit ein namibisches Wahrzeichen.

Wir hielten unterwegs in einem typischen Damara Coca-Cola Shop an, wo uns ein netter junger Mann seine Unterkunft und den Shop zeigte. Es handelte sich hier um arme Leute, die versuchen aus ihrem bescheidenen Dasein etwas zu machen. Von der Großmutter der Familie kaufte ich eine kleine Tüte voller dunkelroter Granatkristalle und eine schöne schwarze Turmalin Stufe. Wir picknickten unterwegs mit belegten Brötchen aus dem Hotel und tranken literweise Wasser. Völlig durchschwitzt erreichten wir dann die Gästefarm „Wüstenquell“ von Hubertus von Caspary. Wir wurden sehr herzlich von Hubertus begrüßt und trafen auch das bayrisches Ehepaar wieder, dem wir schon in Windhoek begegnet waren. Es war gegen 14 Uhr. Wir hatten, nach dem Beziehen unserer Chalets, bzw. Zimmer erst einmal eine kurze Siesta. Dann – mit Kaffee gestärkt – begannen wir eine große Rundfahrt über Rietfontein, wo eine Quelle ist, haben den Wagen dort stehen gelassen und sind in der herrlichen Umgebung voller Granitberge in allen vorstellbaren Formen der Erosion und des Windschliffs gewandert und danach nur noch zum Adlerfelsen gefahren.

Ich bin durch die bizarren „Häuser“ voller Säulen, Höhlen, Kuppeln und Räume, die durch den Windschliff entstanden sind gestiegen. Es gab auch immer noch die alte Wanderwegekarte, die Hubertus uns 2001 hinterlassen hatte. Als sich die Sonne dem Horizont näherte, suchten wir uns einen schönen Platz für den Sundowner. Wir hatten Klappstühle und in der Kühlbox eine kühles Bier dabei. Rotgolden verabschiedete sich die Sonne von uns und ließ die Wölkchen am Himmel von rosa bis lila in einer einzigartig schönen Farbpalette erstrahlen. Die Hitze verließ uns. Wir saßen dort in der riesengroßen Weite der Wüste bis die Sonne untergegangen war und der Himmel sich tiefrot färbte.

Meisterkoch Caspary verwöhnte uns dann mit einem selbst gekochten exzellenten Abendessen und gab dabei einige „Südwester“ Geschichten aus seinem endlosen Repertoire zum Besten. Derber und deftiger Humor, der aber bei näherem Kennenlernen auf eine sehr empfindsame und einsame Person schließen ließ. Die Bayern, die auf Litops-Suche waren, hatten auch keine gefunden. Das von ihnen dann allerorts gesuchte Sukkulenten Buch lag zwar „zur Ansicht“ auf der Veranda Mauer, bestand aber nach dem Öffnen nur noch aus den Buchdeckeln. Den Buchinhalt hatten die Termiten gefressen. Im Pool hinter dem Haupthaus, auf den wir uns eigentlich besonders gefreut hatten, lag unter der Abdecke angeblich ein totes Schaf, so sagte es uns jedenfalls der Hausherr, was nun wirklich kaum zu glauben war! Deswegen könne also der Pool nicht benutzt werden. So gingen die Flunkereien und das Geschichten erzählen lustig weiter. Wir hatten sehr viel zu lachen! Der Aufenthalt auf „Wüstenquell“ – obwohl nur sehr kurz, versprach sehr interessant zu werden. Ich hatte immerhin vor der Ankunft – erhitzt und erschöpft schon das Meine dazu beigetragen durch das Öffnen und wieder Verschließen von sieben Farmtoren auf dem Herweg. Es wurde eine heiße Nacht mit einigen Mücken-Plagegeistern und unterbrochen vom Rufen der Pfeifgeckos, deren lautes „kiek kiek kiek“ mir nach einer Weile tüchtig auf die Nerven gegangen ist.

17.11.:Wüstenquell: Nach der schweißnassen Nacht wachte ich an einem schwül heißen Morgen auf. Ich konnte einen der Störenfriede, einen Pfeifgecko schnell skizzieren, bevor er davon huschte. Der Sonnenaufgang war wunderschön. Die Sonne beleuchtete die hellgrünen Polsterpflanzen am Haus.

Wir hatten, wiederum „gewürzt“ mit den Anekdoten unseres Gastgebers ein gutes Frühstück. Die bayerischen Gäste waren schon früh abgereist. Hubertus besprach seine Abendessen-Menü-Vorstellungen mit uns – Kuduleber war das tolle Angebot – dann ging es mit der Kamera und dem Skizzenbuch bewaffnet los. Wir besuchten alle Campingplätze auf Wüstenquell. Die bei den „schwarzen Steinen“ (Basalten) und beim „Camp David“ waren besonders schön. Alle Plätze waren sehr sauber und mit guten Trockenklos ausgestattet. Zum Duschen kommen die Camper zum Farmhaus. Dort hatte Hubertus einen sehr sauberen Dusch- und Waschtrakt mit WCs gebaut. Dann unternahmen wir eine ausführliche „Felsenwanderung“. Die Erosionen im Fels, verbunden mit dem Windschliff waren einfach fantastisch. Wir fuhren ziemlich am Ende des Farm Geländes durch ein trockenes Flussbett mit dem 4×4 Antrieb, kamen aber ab einer Stelle selbst damit nicht mehr weiter. Also zurück und über eine Ebene voller schwarzer, Tennisball- und Fußballgroßer Basalt Kugeln. Ein gigantisches Panorama aus kleinen und großen Felskugeln breitete sich um uns herum aus.

Hier sahen wir auch Wüstengeckos, die ich schon im Swakoptal bewundert hatte. Dann ging es zum „Papierbaum“, wo ein weiterer Campingplatz angelegt worden war und danach zum „Pool“. Was es damit auf sich hatte, konnte ich erst feststellen, als ich über verschiedene Granitbuckel bis zum höchsten hinauf geklettert war und von oben Einsicht hatte in das „Pool Tal“. Ein gigantisches, natürliches Becken tat sich vor unseren Augen auf, in das von allen Granitbergen und den Rinnen zwischen ihnen das Regenwasser hinein rauscht (wenn es denn mal tüchtig regnet hier!). In den Rinnen bilden sich dann viele kleine Whirlpools. Man versucht sich vorzustellen, wie das sein muss, wenn es richtig gießt und man dabei die Rinnen von Pool zu Pool hinunter rutschen kann wie in einer riesigen Schwimmbadrutsche. Ich ließ meiner blühenden Fantasie freien Lauf und versuchte es schon mal an einer Stelle als „Trockenübung“. Hier war es so steil, dass wir den Granitbuckel auch gar nicht anders runterkamen. Mein Begleiter vorneweg, ich hinterher! Er war meine Bremse. Toll, kann ich nur sagen! Von Hubertus hörten wir, dass die „Riesenbadewanne“, an deren einem Ende er noch einen kleinen Damm zum Eindämmen des Wassers gebaut hat, ca. 1,5 m voll läuft bei gutem Regen. Das letzte Mal geschah das 1999. Dann würden hier jede Menge Wasservögel einfallen, und der Pool wird zum Garten Eden.

Nach diesem höchst sportlichen Ausflug (trotz schwüler Hitze) ging es zum „Mittagsimbiss zu dritt“. Meister Caspary hatte Spaghetti Bolognese mit frischem Salat gezaubert. Wir wurden beim Essen wieder mit Geschichten von ihm unterhalten. In der nachfolgenden Siesta fielen mir, immer noch schmunzelnd die Augen bald zu. Viele der „Caspary Redewendungen“ mussten mir „übersetzt“ werden. Manche sind wirklich zu deftig zum hier Wiedergeben. Einprägsam bleibt seine allgemeine Beurteilung von allen Politikern: „Degenerierte, korrupte, schizophrene Lügner, f…. them all!“ Womit er Recht hat – bei vielen dieser Gattung jedenfalls und nicht nur in Afrika! Nach dem nachmittäglichem Kaffee/Tee und weiteren Geschichten fuhren wir durch eine Landschaft, über der sich riesige Kumulus-Wolken (Caspary Deutsch: „Kolumbus Wolken“) auf einem immer schwärzer werdenden Himmel ausbreiteten. Wir waren auf der Suche nach einer Höhle mit Buschmann-Zeichnungen „fehl“ geklettert auf einen riesigen Granitberg hinauf, auf dem wir leider keine Höhle mit Felsmalereien fanden, dafür aber die schönsten erodierten, ausgefransten, durchlöcherten, grandiosesten Felsformationen unserer Tour.

Von hoch oben hatten wir wieder einen umwerfend schönen Ausblick auf die sogenannte Sukkulenten Namib, in der sich Wüstenquell ja befindet. Wir wurden doch tatsächlich dabei etwas beregnet. Weil um uns herum Regenschleier niedergingen, rannten und fuhren wir den Tropfen nach. Auf dem Rückweg fanden wir dann auch endlich das Höhlen Hinweis Schild und standen nach anfänglichem kurzen Kriechen tatsächlich vor wunderschönen Felsmalereien, die mein Guide mit einer mitgebrachten starken Stirntaschenlampe beleuchtete, während ich fotografierte. Der Sonnenuntergang war auch an diesem Tag großartig mit einem zarten Regenbogen hinter uns. Mir wurde das Herz dabei sehr schwer. Das war nun der Abschluss einer unvergesslich schönen Tour.

Meister Caspary hatte nicht zu viel versprochen. Es wurde ein sehr gutes Abendessen mit besonders gebratener/gedünsteter Leber vom Kudu. Er gab mir leider das Rezept nicht, ob-wohl ich ihn förmlich bekniete. Zum Essen gab es Squash als Gemüse, knackigen Salat und einen roten Buren Wein (oh nein, Caspary’s Beschreibung der Buren werde ich hier nicht wiedergeben!). Kein Sternegucken in der Nacht – der Himmel war dicht bewölkt. Dafür ein langes Dankesgebet „nach oben“. 

18.11.: Wüstenquell – Windhoek: Nach einem echten Caspary-Frühstück (keine Hilfe erwünscht, man könnte ja beim Tischdecken die Gabeln und Messer verwechseln…es gab keinen Koch und keine Bedienung auf Wüstenquell, Meister Caspary operierte in totaler Eigenregie) waren wir um 9 Uhr auf der Pad. Vorher mussten wir uns allerdings noch das gesamte Schusswaffenarsenal von Hubertus ansehen und einige deftige Geschichten „zum Abschied“ anhören, was man damit alles anfangen kann (mit den Gewehren und Pistolen, darunter einige fantastisch schöne alte Stücke…) und dazu noch jede Menge Jägerlatein. Noch lange haben wir beim Fahren darüber gelacht. Wir fuhren in ein Gewitter hinein, und es regnete. Ob es zum Poolfüllen reichte?

Rückfahrt nach Windhoek im Gewitter, 18.11.2003

Rückfahrt nach Windhoek im Gewitter, 18.11.2003

So verließen wir Wüstenquell, ein einzigartiges Paradies auf namibischem Boden, das vom Tourismus noch nicht so richtig entdeckt worden war zu der Zeit. Heute ist Wüstenquell ein privat geführtes Reservat mit Lodge, anderen Unterkünften und mit Zugang zur Welwitschia Hochfläche. Auch die Camping Plätze blieben erhalten und sind mit eigenen Nasszellen weiter ausgebaut worden. Beim Niederschreiben meiner Erlebnisse dort denke ich mit Trauer an das weitere Schicksal von Hubertus Caspary, der bei einem Überfall auf seiner Farm ganz schlimm zugerichtet wurde. Man hatte ihm alles, was nicht niet- und nagelfest war bei dem bewaffneten Raubzug gestohlen, auch sein einmaliges Waffenarsenal. Er ist in der Zwischenzeit alt, krank und verbittert gestorben. Ich zwinkere ihm auf Wolke 7 zu. Mich hat er die „tolle Frau aus Ghana“ tituliert, was für meine 22 Jahre dort ja vielleicht auch stimmt. Aber ich denke mal, dass er eher schüchtern gewesen ist und das hinter seinen unmöglichen Geschichten versteckt hat.

Ich hatte meinen Morgensport beim Öffnen und Wiederverschließen der 7 Farmtore bis zur Hauptstraße nach Usakos. Es wurde wieder ein heißer und schwüler Tag bis nach Windhoek. Und immer wieder mussten wir beim Fahren über Caspary’s Büffeljagd lachen (er war auch mal Jäger), als er mit seinem „besonderen“ Gewehr (eher einer Kanone…) den Büffel erschießen musste, den ein „Jagdtourist“ nicht richtig getroffen hatte und der auf dem besten Weg war, den vor Schreck erstarrten Jäger platt zu trampeln. Caspary‘s Kommentar: „f… Büffel, f…Tourie“! Wüstenquell werde ich nie vergessen.

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