Natur pur am Brandberg

Im November 2003 bin ich zum ersten Mal in das Brandberg Gebiet gekommen. Allerdings nicht in das eigentliche Gebirgsmassiv, sondern bei dieser ersten Reise auf dem Weg zur Gai-As Hochfläche in den als „Brandberg West“ bekannten Teil, eine ganz besondere „geologische Perle“, so wie eigentlich das ganze Massiv eine solche ist. Man kann im Brandberg West Areal ganz besonders die fantastischen geologischen, meist schiefrigen Gesteinsformationen erleben und genießen bei der Fahrt durch das Ugab Rivier und durch ein Nebenflusstal.

Geologische Wunder im Brandberg West vor dem Rhino Camp, 15.11.2003

Geologische Wunder im Brandberg West vor dem Rhino Camp, 15.11.2003

Das gesamte Brandberg Massiv erstreckt sich über ein Gebiet von 760 km², erhebt sich etwa 2000 Meter über das umliegende Land, ist im Mittel um 2.500 m hoch und wird vom Königsstein gekrönt, dem höchsten Berg Namibias mit seinen 2.573 Metern. Es handelt sich um eine Granitintrusion. In der geologischen Kreidezeit vor 130 Millionen Jahren wurden durch vulkanische Aktivitäten riesige Massen übereinander lagernden Gesteins durch die Erdkruste geschoben. Durch die weitere zig Millionen Jahre andauernde Erosion bildete sich das jetzige Granitmassiv des Berges. Das ganze Massiv wird als kreisrund beschrieben, ist aber eher oval und wirkt auf den ersten Blick schwärzlich dunkel. Es leuchtet feurig rot in den Nachmittags- und Abendstunden, wenn die Sonne im Westen steht. Daher kommt auch sein Name „Brandberg“. Die Herero nennen den Berg Omukuruwaro – „Berg der Götter“.

Der Brandberg ist berühmt für seine Felsmalereien und Gravuren, von denen es in über 1000 Fundstellen an die 50.000 gibt an Felsüberhängen und in den vielen Grotten und Höhlen des Massivs. Die Ureinwohner, die hier vor Tausenden von Jahren Tiere und Jagdszenen auf den Stein gemalt haben, müssen in einem wahren Tierparadies gelebt haben nach den vielen verschiedenen Tierarten zu urteilen, die hier die Felswände schmücken. Allerdings sind viele der Tiere gar nicht im Brandberg Gebiet heimisch gewesen. Die Jäger und Sammler, die hier gelebt haben, müssen deshalb die Umgebung des Bergmassivs bis zur Küste und auch das gesamte Hinterland gekannt haben. Das am häufigsten dargestellte Tier ist die Giraffe, gefolgt von der Oryxantilope und dem Zebra. Auch vielerlei unterschiedliche menschliche Figuren – zumeist in Jagdszenen – sind verewigt worden. So auch die berühmte „Weiße Dame“, die 1917 von Reinhard Maack entdeckt wurde.

Die "Weiße Dame", Felsmalerei im Brandberg

Die „Weiße Dame“, Felsmalerei im Brandberg

Die Deutungen dieser Felszeichnung einer vermeintlichen Frau waren in der Tat „märchenhaft“. Es handelt sich bei der Figur aber in Wahrheit vermutlich um einen Krieger, der auch als Schamane mit ritueller Bemalung beschrieben wird. Bei den in den meisten Malereien dargestellten Jagdszenen soll es sich um das Beschwören des Jagdglücks handeln, wofür auch Trancetänze von Schamanen durchgeführt wurden. Harald Pager von der Universität Köln hat bis zu seinem Tod 1985 die meisten der Felsbildstellen dokumentiert. An der Erfassung und Dokumentierung weiterer Zeichnungen und Gravuren wird heute immer noch gearbeitet.

Ich fuhr während meiner beiden Besuche wieder in Begleitung eines Fahrer-Führers, der alles organisierte für unsere Touren. Wir waren für die Fahrt zum Brandberg West am 15. November 2003 von Swakopmund aus früh am Morgen gestartet. Bei meinen eigenen Fahrten entlang dieser Strecke in den Jahren davor waren mir schon immer die merkwürdigen „Markierungen“ hinter Hentiesbay an den Straßenrändern aufgefallen. Ich hatte mich aber nie erkundigt, was diese kleinen Steinhäufchen mit Flaschendekoration und Stöckchen bedeuten. Nun erklärte es mir mein Guide, der selbst ein leidenschaftlicher Brandungsangler ist.

Anglerzeichen an den Padrändern, 15.11.03

Anglerzeichen an den Padrändern, 15.11.03

An diesen Stellen markieren Angler erfolgreiches Fischen. Meistens stehen die kleinen Hinweise am linken Padrand (wenn man von Hentiesbay aus kommt). Die ganz „Cleveren“ jedoch bringen ihre Zeichen am rechten Padrand an, weil man beim Fahren automatisch (in Namibia ist Linksverkehr) eher die linke Seite checkt. Wir fuhren bei einem größeren „Steinmännchen“ (dieses Zeichen gehörte meinem Guide) durch den Sand mit 4×4 Antrieb bis zur Küste hoch hinauf auf eine Uferdüne. Ein natürlicher kleiner Hafen tat sich vor uns auf, in den riesige Brecher hinein donnerten. Er hatte hier immer gute Fänge gemacht. Wir fanden nahe bei dieser Stelle auch ein Kreuz, das zur Erinnerung an einen jungen Menschen hier aufgestellt worden war, der beim Baden ertrunken ist. Nur sein Name und der Todestag standen auf dem Kreuz.

Dann sahen wir auf dem steinigen Boden der Ebene rechts von der Pad riesige Flächen voller Flechten. Jetzt, in der namibischen Sommerzeit sahen sie total vertrocknet aus. Mein Begleiter übergoss ein paar der Flechten mit etwas Wasser aus der Mineralwasserflasche, und wir konnten zusehen, wie sie sich entfalteten und grün färbten. Namibia verfügt über einige der seltensten und interessantesten Flechten der Welt. Ihre Vielzahl ist immer noch nicht genau bestimmt worden. Die meisten Flächen entlang der Küstenstraße auf denen Flechten wachsen sind in der Zwischenzeit abgesperrt und das ganze Gebiet zum Naturreservat deklariert worden, damit sich keine „Buggy Fahrer“ hier gütlich tun und diese einmaligen Gewächse zerstören können. Viele Fahrer missachten allerdings noch immer die aufgestellten Warnschilder trotz hoher Strafen, wenn sie „erwischt“ werden.

Wir bogen bei Bococks Bay in die D 2303 ein, eine kleinere Kiespad und hatten die über 1000 Meter hohen Goboboseb-Berge eindrucksvoll vor uns an unserer rechten Seite. Am dunstigen Horizont dahinter zeigte sich im Osten das Brandberg Massiv, als unsere Pad (bis dahin war sie sehr gut) in Richtung Brandberg West abbog. Wir kamen nun durch ein Gebiet, in dem Prospektoren in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Zinn und Kupfer gesucht haben. Langsam wird ihre „Hinterlassenschaft“ – alte Autowracks und allerlei verrostende Gerätschaften, die als Zielscheiben für Schießwütige benutzt werden – beseitigt. Es waren nur noch einige alte Fords und Chevrolets zu sehen, ein sehr eigenartiges Bild in einer extrem überwältigenden Landschaft mit einer einzigartigen Geologie, die ansonsten völlig menschenleer ist. Solche Gesteinsschichtungen und Faltungen wie sie hier zu finden sind, habe ich noch nie gesehen. Auch diejenigen, die ich bereits in den Badlands im Swakoptal erlebt hatte, sind nicht annähernd so beeindruckend wie diese geologischen Naturwunder.

Wir kamen am Ugab Rivier und dem „Save the Rhino“ Basislager an. Dieser Trust setzt sich in Namibia dafür ein das schwarze Nashorn, das unter besonderem Schutz der namibischen Regierung steht, zu schützen und zu bewahren, damit es sich wieder vermehren kann. Im gesamten Brandberg West Gebiet leben keine Menschen, das Klima ist zu trocken und zu abweisend. Es gibt keine Farmen. Nach einer kurzen Pause fuhren wir nun fast durchweg mit dem Allrad Antrieb durch eine wahrlich atemberaubende Landschaft. Erst ging es ein Stück durch das Ugab Rivier. Dann bogen wir ab in ein sehr steiniges Seitenflusstal mit matschigen Stellen, da wo eine Quelle war. Die Geologie ist kaum zu beschreiben. Selbst der Ausdruck „dramatisch“ reicht nicht aus, um diese unglaublichen Faltungen, Verschiebungen, Riesensteinskulpturen und erodierten Felsen, Veränderungen der Felsstrukturen und die unterschiedlichsten Schieferplatten sowie die Farbwechsel des Gesteins zu beschreiben.

Unser Weg führte uns bis nach Gai-As, das auf einer Hochfläche liegt. Der von uns bis dahin durchfahrene Seitenarm des Ugab Riviers führt zu einer riesigen Wüstenfläche und weiter bis zum Huab Rivier im Norden. Gai-As ist eine artesische Quelle, die aber Brackwasser führt das nur für Nashörner genießbar ist. Mir war diese extreme Landschaft irgendwie unheimlich. Der Gedanke, was uns passieren könnte, sollte das Auto seinen Geist aufgeben brachte mich ins Schwitzen. Was völlig unnötig war, denn der Guide hatte natürlich ein Funktelefon dabei (für alle Fälle…). Bevor wir Gai-As erreichten, legten wir auf einem Hügel eine Pause ein. Von diesem Punkt aus hatten wir einen fantastischen Rundblick mit dem Brandberg Massiv hinter uns im Dunst, den Tyfelfontein-Bergen vor uns und den Goboboseb-Bergen in der Ferne im Süden.

Es war sehr heiß geworden. So hatten wir schon viele Trinkpausen bis hierher eingelegt und aßen nun unseren Mittagsimbiss (belegte Brötchen aus einer deutschen Bäckerei in Swakopmund). Auch von Gai-As aus hatten wir einen herrlichen Rundblick. Wir sahen uns auch noch die Reste eines versteinerten Waldes in der Umgebung an. Dieser hat vielleicht weniger Bäume als der in der Nähe von Khorixas, aber dafür genießt man diesen (Gottseidank) schwer zugänglichen Ort allein mit der Natur und den zig Millionen Jahre alten versteinerten Pinienriesen, von denen ganz sicher noch viele andere unter der steinigen Erdoberfläche zu finden sind. Außerdem gibt es hier auch viele Welwitschia Pflanzen und ebenfalls versteinerte Sand- und Lehmschichten, ein Phänomen, das ich gerne noch weiter untersucht hätte. Aber wir mussten ja die gleiche Strecke, die wir hergekommen waren vom Rhino Camp aus auch wieder zurückfahren, konnten uns also nicht allzu lange an diesem Ort aufhalten. So machten wir uns also auf den Weg zurück aus diesem geologischen Wundermärchen wieder hinein in die Wirklichkeit des heißen und staubigen Tages mit kurzer „Austritts“-Pause im Rhino Camp am Ugab, und danach wieder an den restlichen Autowracks der Prospektoren vorüber bis zur Pad D 2342, in die wir einbogen zur Fahrt nach Uis.

Obwohl wir so die ganze Zeit am auch von hier aus sehr beeindruckenden südlichen Teil des riesigen Brandbergmassivs vorüber fuhren mit fantastischen Einblicken in die zerfurchten Flanken des Berges und in die vielen Taleinschnitte, musste sich mein Begleiter voll auf die Piste konzentrieren. Die Pad war in einem miserablen Zustand. Ich wäre hier mit einem Personenwagen vermutlich gescheitert oder hätte mir, selbst bei langsamem Fahren sämtliche Reifen zerfetzt. Die Überreste der vulkanischen Entstehungsphase des Brandbergmassivs sind vor allem im südlichen und westlichen Teil des Berges zu sehen. Dort – und auch da, wo wir im Brandberg West Gebiet gefahren sind – sieht man deutlich geschichtete Lavadecken, die bis an den Granit heranreichen (s. „Namibias faszinierende Geologie“ von N. Grünert). Ich hatte ganz bewusst die Tour nach Gai-As und zum Brandberg West Gebiet gewählt, weil ich mir den Marsch zur berühmtesten Felsmalerei des Brandberges – „zur „Weißen Dame“ – nicht antun wollte in einer Schlange von Touristen, die dann nacheinander durch ein Gitter (so müssen die Felsmalereien heute vor Vandalen unter den Touristen geschützt werden) auf die immer mehr verblassenden Zeichnungen einen Blick werfen dürfen, „gewürzt“ mit dem Blitzlichtgewitter der vielen Kameras.

Gut durchrüttelt von der Waschbrettpiste bis zum Einbiegen in die C 35 nach Uis war ich ganz schön verschwitzt, erschöpft und übersättigt von den unvergesslichen Eindrücken des Tages. In Uis, dem alten Bergwerksort fallen einem zunächst die riesigen Abraumhalden auf – weiße und graue Berge. Es handelt sich dabei um Abbaurückstände der ehemaligen Uis Zinn Mine, die ihren Betrieb 1924 aufnahm und damals als größte Festgesteins-Zinn Mine der Welt galt. Der Betrieb war eingestellt worden wegen der schlechten Weltmarktpreise für diesen Rohstoff, obwohl noch beachtliche Erzreserven vorhanden sind. Auch Wolfram wurde hier abgebaut. Heute sucht man nach Möglichkeiten, das Abraummaterial für andere Zwecke zu nutzen. So war im Ort bei meinen Besuchen nicht viel los. Diese herrschende Ruhe strahlte auch das kleine, aber feine „White Lady“-Hotel aus, wo wir übernachteten vor der Rückfahrt nach Windhoek.

Im Dezember 2004 fuhr ich erneut zum Brandberg. Diesmal ging die Tour, begleitet vom gleichen Fahrer-Führer von Windhoek aus zuerst bis nach Uis. Beim Tanken stellten wir fest, dass der Zustand des Leihwagens (wieder mit Allradantrieb) alles andere als ok war: Ein Licht war kaputt (da brauchten wir nur eine Birne auszuwechseln); ein Ersatzreifen von den beiden zum Wagen gehörigen hatte eine „Blase“, war also beschädigt (wir besorgten uns „zu Lasten der Leihfirma“ einen neuen Reifen gleich in der an die Tankstelle angeschlossenen Werkstatt); eine Bremse vorn war blockiert (die konnte in der Werkstatt glücklicherweise gleich repariert werden); der hintere Fensterklappenverschluss funktionierte nicht und konnte nicht in Ordnung gebracht werden (wir konnten das Auto also nirgendwo unterwegs, ohne dass einer darauf aufgepasst hat parken, zumindest nicht in den Städten); die Batterie der elektronischen Wegfahrsperre war „flat“ (das konnten wir nicht reparieren). Ich hätte den Wagen nicht abgenommen, wenn ich gewusst hätte in welchem Zustand er war. Aber nun waren wir „auf Pad“, wie man in Namibia so schön sagt. Zurückfahren kam also nicht in Frage. Ich schickte einige Stoßgebete gen Himmel und zu meinem Schutzengel. Das hat, wie wir sehen werden auch tatsächlich geholfen.

Wir fuhren über Okahandja und Karibib bis nach Usakos, wo wieder getankt wurde. Außerdem haben wir uns hier auch die Unfallstelle angesehen wo ein Laster, dessen Bremsen versagt haben vor einigen Tagen in die Museumseisenbahn vor dem alten Bahnhof gekracht ist und diese sowie Teile des unter Denkmalschutz stehenden, schönen Bahnhofs zerdeppert hat. Wir haben im „Farmstall“, einem kleinen Restaurant unsere Mittagspause eingelegt. Danach ging es weiter bis nach Uis, wo wir erneut tankten. Um die Tankstelle herum ist jetzt ein Zaun angebracht worden, damit die „Klippenverkäufer“ die Besucher dort nicht so wie bisher belästigen können mit ihren Mineralien Angeboten. Sie haben jetzt richtige kleine Verkaufsstände, wo man sich Halbedelsteine usw. in Ruhe ansehen und/oder kaufen kann. Am späten Nachmittag sind wir dann in der „Brandberg White Lady Lodge“, unserer Unterkunft angekommen und haben unsere Chalets, die am Ugab Rivier etwas entfernt vom Hauptgebäude mit der Rezeption und dem Restaurant unter uralten Kameldornbäumen stehen bezogen.

Die Brandberg White Lady Lodge von oben,17.12.2004

Die Brandberg White Lady Lodge von oben,17.12.2004

Elefanten können des Nachts schon mal an den Chalets vorüberwandern. Diese und auch der Campingplatz sind gerade wieder aufgebaut worden; denn bei der vergangenen Regenzeit war der Ugab so hoch und stark abgekommen, dass die Unterkünfte stark beschädigt und die Zelte auf dem Camping Platz davon geschwemmt worden waren. Nun hat man neue ,,festgemauerte“, sehr urige „Zeltchalets“ eröffnet, die außerdem etwas höher liegen. Die Lodge liegt nördlich vom Brandberg.

Ich bin vor dem Abendessen noch ein wenig auf die Granitkuppen vor der Lodge geklettert. Der Ausblick „von oben“ auf Lodge und Umgebung im Abendlicht war herrlich. Ich habe danach wunderbar in der Stille dieser überwältigenden Natur mit einem mit Sternen übersäten Himmel darüber geschlafen. Immer mit dem Blick auf das riesige Brandberg Massiv gegenüber. Am 18. Dezember 2004, dem nächsten Tag, kam unsere fantastische Fahrt durch das Ugab Rivier bis zum Rhino Camp. Von dort wollten wir dann noch weiterfahren bis nach Cape Cross. Aber ich möchte nur über den „Brandberg“-Teil der unvergesslichen Fahrt berichten. Es wurde ein abenteuerliches und einzigartig schönes Erlebnis bis zum Brandberg West Gebiet. Ohne den Allradantrieb hätten wir diese Fahrt nicht bewältigt. Nach einem sehr „frühen“ Frühstück ging es los.

Zum Ugab Rivier, 18.12.04

Zum Ugab Rivier, 18.12.04

Das Ugab Tal ist voller riesiger Ana- und Kameldornbäume mit Löwenbuschdickicht an den Trockenflussufern. Dem reichlich herumliegenden Kot und besonders den Schäden an den Bäumen zu urteilen ist das Rivier ein Paradies für die berühmten Wüstenelefanten auf ihren Wanderungen. Ich hatte eigentlich richtig Angst vor einer Begegnung mit ihnen. Denn der Guide hatte mir erklärt, dass die Elefanten dort im Ugab Rivier in den letzten Jahren sehr aggressiv geworden seien durch die oft total rücksichtslos fahrenden Touristen, die unbedingt beweisen wollen, dass sie den Vierradantrieb „auf der Suche nach Elefanten“ beherrschen. Die Tiere werden in ihrem gewohnten Habitat laufend erschreckt und massiv gestört durch solche rücksichtslos fahrenden Besucher und besonders „Alleinfahrer“. Kein namibischer Reiseführer würde sich so benehmen. Dann muss man sich auch nicht wundern, wenn die Elefanten Besucher angreifen.

Wir fuhren daher sehr langsam. Es gab auch so viel zu sehen und zu entdecken. Vor allem war mir schon bei der ersten Tour mit dem gleichen Führer bewusst geworden wie privilegiert ich war mit einem solchen, sehr rücksichtsvoll fahrenden Begleiter in dieser extremen Einsamkeit ein derartiges Naturwunder erleben zu dürfen mit dem Brandberg Massiv als Hintergrund. Ich sah den Brandberg von einer Seite, wie Durchschnittstouristen ihn vermutlich selten erleben dürften. Mit einer Wüsteneinsamkeit um mich herum, die unbeschreiblich ist.

 

Die Fahrt ging einigermaßen glatt im Ugab Flussbett bis an den Rand der sogenannten „wetlands“. Der Flusslauf verengt sich von dort aus langsam in einer bis zum Rhino Camp führenden Schlucht. Dort fuhren wir nun durch eine kleine Wunderwelt mit Seen und Wasservögeln aller Art: Wildgänse, Strandläufer, Waffenkiebitze, usw. Wir sahen Paviane und die Spuren von Leoparden und Geparden an den und um die vielen kleineren Tümpel, sowie viel Elefantenkot (auch ganz frischer war dabei!). Ein paarmal wurde die Fahrt trotz Vierradantrieb, ohne den hier gar kein Fahren mehr möglich war, sehr kritisch. Einmal steckten wir im Schlamm fest, kamen aber langsam wieder raus. Fast 3 m hohes dichtes Schilfdickicht vor uns verbot dann die Weiterfahrt im Rivier. Schade, die Durchfahrt durch die nun folgende Schlucht wäre vermutlich fantastisch gewesen. Aber wir kamen durch das Schilf nicht durch, weil die wasserführenden Flussstrecken immer tiefer wurden, und der Boden immer weicher und schlammiger. Außerdem lag über allem ein sehr strenger Wildgeruch. Wir wussten also nicht, wer oder was sich dort im Dickicht vor uns verbirgt. Ich hatte jetzt richtig Angst. Also mussten wir aus dem Rivier hinausfahren.

 

Zunächst also suchten wir eine geraume Zeitlang und fanden dann auch einen passablen „Ausgang“ aus dem Ugab Rivier. Der allerdings führte uns in ziemlich steilen und langen Windungen auf eine extrem wild erscheinende steinige Hochfläche. Aber wir konnten nun von hier aus in viele der tief eingeschnittenen Seitentäler des Brandberges hineinschauen. Mit seinem GPS fand der Guide dann auch nach langer Suche eine kleine, aber wohl schon öfter befahrene Pad, die uns in die richtige Richtung nach Westen führte. Er stellte dabei fest, dass mit dieser Technik nun viele 4×4 Fahrer in die entlegenen Ecken des Landes kommen, wo sie eigentlich gar nicht fahren dürften/sollten. Aber wer kontrolliert das schon? Es wird in der Zukunft immer weniger „stille“ Gebiete in Namibia geben. Das Land wird voll touristisch erschlossen werden. Das war schon damals vorauszusehen.

 

Wir waren nun ungefähr 7 km vom Ugab Rhino Camp entfernt und fuhren durch eine richtige Steinwüste an den nordwestlichen Ausläufern des Brandbergs entlang. Extremlandschaft pur! Es gab Steine, Felsbrocken und Kies in allen nur erdenklichen Farbschattierungen, aber auch viele große und kleine Welwitschias dazwischen und andere interessante Pflanzen, Sträucher, Büsche und krüppelige Bäume (meistens Commiphoren Arten). Unter einem Weißdornbaum legten wir eine Mittagspause ein mit Gemüsesuppe aus der Büchse, genau das richtige Essen bei der Hitze, fand ich.

 

Es war sehr heiß und staubig, als wir an der Kreuzung ankamen, von wo die Pad auf der einen Seite nach Uis, auf der anderen nach Hentiesbay führt. Bis zum Rhino Camp sind wir dann nicht mehr gefahren. Vor allem der Guide war nun doch sehr erschöpft. Aber wir sahen in Richtung Rhino Camp noch die gewaltigen und fantastischen Auffaltungen der Berge („fold structures“), umwerfend! Dann wurde die schnurgerade Piste besser, aber auch langweiliger. Wir verließen die Gobobeb Berge und fuhren in Richtung Küste. Eine Fata Morgana nach der anderen spiegelte uns alle möglichen Sorten von Seen und Insellandschaften vor in der nun vor uns liegenden Ebene. Die Bewölkung nahm zu. Wir näherten uns dem Meer. Und es wurde kühler. Zuerst sahen wir nur eine Nebelbank, die sich aber auflöste, je näher wir uns der Küste näherten. Von über +40°C ging die Temperatur auf +20°C zurück. Ein extremes Erlebnis. Mit der Ankunft in der „Cape Cross Lodge“, in der ich mit Freundin Gisela im März 2003 kurz nach der Eröffnung der damals neuen Lodge Mittag gegessen habe, ging dieser unvergessliche Tag mit seinen vielen Höhepunkten zu Ende.