Mosi-oa-Tunya – „Donnernder Rauch“

Schon beim Fußmarsch zu den Fällen vom Parkplatz aus, wo unser Reisebus abgestellt wurde „hört“ man „Mosi-oa-Tunya“, den „donnernden Rauch“, wie die Einheimischen ihn nennen. Durch die 1983 im Süden Afrikas noch anhaltende Trockenzeit waren die Fälle nicht voll, was die Sicht darauf sehr erleichterte. Nur durch den „Devil’s Cataract“, zu dem wir zuerst geführt wurden donnerte das Wasser nur so hinunter! Es war ein überwältigender Anblick. Von hier aus konnte ich die Ausdehnung der Schlucht bis über die Hälfte hinüber nach Zambia sehen. Die Gesamtbreite der Fälle beträgt 1708 m. Damit sind die Victoria Fälle die breitesten durchgehenden in der Welt. Die quer zum Flusslauf des Zambesi Flusses liegende Schlucht in den Basaltfelsen ist 110 m tief und an die 50 m breit. Über Jahrmillionen hatte sich der Fluss dahinter im Zick-Zack in tiefe Kluften und Schluchten eingegraben. Die „Vorgänger“-Fälle haben sich über deren jeweilige Nordränder ergossen. Oberhalb der heutigen Fälle kann man in Luftbildern bei Niedrigwasser bereits die Ost-West-Kluften im Flussbett erkennen, an denen sich die Victoria-Fälle in einigen zehntauswenden von Jahren befinden werden. (Quelle: Wikipedia).

Während der Regenzeit und vor allem danach sind die Fälle am größten. Dann schießen Gischtwolken bis zu 300 Meter in die Höhe über den hinabrauschenden Fällen. Und so konnte sich gegenüber der riesigen Fallkluft ein richtiger Regenwald bilden durch das herabfallende Sprühwasser. An solchen Tagen muss man vermutlich mit dem Badeanzug auf dem Aussichtsweg entlang laufen. Wir wanderten nun durch diesen immergrünen Regenwald bis zum Aussichtspunkt direkt gegenüber vom breitesten Teil der Fälle und fast oberhalb der engsten Stelle der Schlucht, durch die der Fluss nach Osten strömt. Trotz der geringen Wassermassen der Gesamtfälle beim gegenwärtigen Niedrigwasser wurden wir „besprüht“. Zu der Zeit konnte ich mir überhaupt nicht vorstellen, wie die Fälle aussehen mögen bei Hochwasser. Das habe ich dann später aber noch erlebt!

Danach bin ich noch bis zum „Big Tree“ gelaufen, einem riesig großen Baobab Baum mit über 30 Meter Umfang, der von anderen großen Affenbrotbäumen umgeben ist. Dann wurde uns eine in der Nähe befindliche Krokodilaufzuchtfarm gezeigt. Von Babykrokodilen bis zu den größten Exemplaren (der „Big Daddy“ ist fast 5 m lang und hat einen Leibesumfang von 2,5 m) kann man alle Größen bewundern. Die Züchtung ist für den Export von Leder gedacht, damit die im Zambesi frei lebenden Krokodile geschützt werden. Mittagsessen war im „Mahara Sun Hotel“ im Städtchen Vic Falls. Hinterher gab es noch eine Bootsfahrt auf dem Zambesi bis zu einer Insel, auf der eigentlich eine Teepause eingelegt werden sollte, nur leider nicht stattfinden konnte, weil eine Gruppe Elefanten die Insel „besetzt“ hatte. Elefanten können bei Niedrigwasser ohne Schwierigkeiten auf die kleinen Inseln im Fluss schwimmen. Am Spätnachmittag ging es in einer Flugstunde wieder zurück nach Harare. Das war mein erster, unvergesslich schöner Ausflug zu den Victoria Fällen. Bei diesem Besuch hatte ich keine Kamera dabei und kann demzufolge auch keine Fotos zeigen. Und zum Skizzieren hatte ich bei dem dichtgedrängten Besuchsprogramm leider keine Zeit.

1986 folgte der nächste Besuch zusammen mit Ian und Ross, den beiden Jungens von Eike und Muzz. Wir hatten uns einen Wochenendausflug am 2. und 3. August 1986 zu den Fällen gebucht, wieder mit „Flame Lily Tours“. Gleich nach der Ankunft auf dem Flughafen von Vic Falls wurden wir zum alten Victoria Falls Hotel gebracht, wo wir untergekommen waren, checkten dort ein und konnten sogar schon unsere Zimmer beziehen. Unser erster Spaziergang führte uns zu den Fällen. Aber vorher sahen wir uns noch das Denkmal des „Entdeckers“ der Victoria Fälle, des schottischen Missionars und Afrikareisenden David Livingstone an. Er gab den Fällen zu Ehren der damaligen britischen Königin Victoria ihren Namen. Ich finde es schon beachtlich, dass trotz des abgrundtiefen Hasses, den der zimbabwische Präsident Robert Mugabe immer wieder gegen die Briten zum Ausdruck bringt der Name bis heute erhalten geblieben ist. Wobei man natürlich bei einem solchen Despoten nie weiß, ob sich das nicht noch eines Tages ändern wird.

In Zimbabwe war der Winter zu Ende gegangen. Der Fluss führte mehr Wasser, als beim letzten Besuch. Aber nur niedrig stand der „donnernde Rauch“ über den Fällen. Die Wassermassen, die den Devil’s Cataract hinabstürzten waren jedoch furchterregend und laut! Wir konnten, nahe bei ihnen stehend, unsere Worte kaum hören. Auch wir besuchten dann danach noch die Krokodilfarm und fuhren abends mit bei einer „Sunset Cruize“ auf dem Zambesi. Der Sonnenuntergang war wirklich wunderschön. Im Hotel gab es nach dem Abendbrot afrikanische Volkstänze, die zum Mitmachen animierten. Am nächsten Morgen waren wir früh auf und erlebten den Sonnenaufgang bei den Fällen. Danach hatten wir einen „Angels Flight“ gebucht. Mit einem kleinen Flugzeug drehten wir eine Viertelstunde lang einige Runden über den Fällen. Dabei gab es herrliche Regenbögen zu bewundern, die im sonnenbeschienenen Sprühnebel erstrahlten. Die Fälle im Morgenlicht bewunderten wir dann nochmals „von unten“. Wir nahmen noch unser Mittagessen am Hotelpool ein und flogen dann nachmittags zurück nach Harare. Das war ein wunderschönes Wochenende!

Während eines Osterurlaubs konnte ich das nächste Mal die Victoria Fälle besuchen. Ich war am 3. April 1988 – Ostersonntag – nach Vic Falls geflogen, war wieder im Victoria Falls Hotel untergebracht worden und konnte gleich bei dem ersten Spaziergang zu den Fällen das einmalig schöne Farbspiel der abendliche Regenbögen in der Gischt bewundern. Jetzt war die Regenzeit zu Ende gegangen und der Zambesi führte noch sehr viel Wasser. Nach dem Abendessen bin ich mit einigen anderen Gästen nochmals zu den Fällen gelaufen, denn es gab ein einmaliges Spektakel zu sehen beim derzeitigen Vollmond: Einen Regenbogen im Mondlicht! Das sah irgendwie gespenstisch, aber einmalig schön aus. Ich kann mich wirklich glücklich schätzen das mit erlebt zu haben. Nur leider habe ich keine Fotos vorzuzeigen. Die Digitaltechnik beim Fotografieren gab es noch nicht. Damit wäre eine richtige Belichtung ein Kinderspiel gewesen!

 

Am 4. April – Ostermontag – habe ich mir nach einem sehr „frühen“ Frühstück ein Fahrrad ausgeliehen und bin nach Zambia geradelt, um die Fälle von Livingstone, dem Boiling Pot Point und Ost Katarakt aus auf der zambischen Seite zu bewundern. Das Überqueren der Grenze (nach der Brücke) ging reibungslos von statten nach Kaufen eines (sehr teuren) Tagesvisums für Zambia. In Livingstone stärkte ich mich noch in einem Teehaus mit einer Tasse Tee, ließ mein Fahrrad dort stehen und wanderte bis zum Aussichtspunkt über dem Boiling Pot. Von dort aus konnte ich herrliche Regenbögen im Morgensonnenlicht sehen und hatte trotz der hohen Gischt dennoch eine gute Aussicht bis hinüber zur Brücke und zum Steg über die große Kluft. Ein anderes Phänomen (nach den Mondregenbögen) kann man bei passenden Lichtverhältnissen vom Aussichtspunkt am Ostkatarakt aus gut sehen, und zwar völlig kreisförmige Regenbögen. Leider ist es mir nicht gelungen einen solchen Regenbogen zu fotografieren. Nicht nur ich, sondern auch die Kamera wäre dabei sehr nass geworden, weil der Sprühregen am Aussichtspunkt bis oben hoch reichte und der Boden dadurch auch gefährlich rutschig war. Gegen Mittag ging es wieder per Drahtesel zurück nach Zimbabwe zum Mittagessen am Schwimmbad. Nachmittags besuchte ich das afrikanische Dorf in der nähe von Vic Falls, in dem die traditionell gebauten Unterkünfte und Speicher der verschiedenen zimbabwischen Ethnien liebevoll aufgebaut und sehr gut beschildert mit Erklärungen versehen sind. Ich fand diesen Besuch sehr lehrreich. Abends habe ich mir nach dem Abendessen das „African Spectacular Dance“ Vergnügen angesehen, ließ mich aber nicht zum Mitmachen animieren. Ich hatte Muskelkater vom Radfahren!

Am nächsten Tag habe ich einen wunderschönen Sonnenaufgang von der Hotelterrasse aus beobachtet. Danach bin ich zum Big Tree (dem gigantischen Affenbrotbaum) gewandert und auf einem Pfad entlang des Zambesi am Flussufer zurück gelaufen. Dabei konnte ich jede Menge Schmetterlinge und „Pillendreher“ (Dungkäfer) beobachten. Das Mittagessen nahm ich wieder am Pool ein, danach ruhte ich mich aus. Am Nachmittag stattete ich der Krokodilfarm in der Nähe von Vic Fall wieder einen Besuch ab und nahm abends an einer Sunset Tour teil. Nur dieses Mal gab es keinen schönen Sonnenuntergang. Der Horizont war mit großen Wolkenbänken verhangen.

Der viertelstündiger „Angels Flight“ war der Höhepunkt des letzten Urlaubstages. Danach wurde gepackt, und dann kam schon der Rückflug nach Harare, wo mich Muzz vom Flughafen abholte. Ein solch wunderschönes Ostererlebnis habe ich nie wieder in meinem Leben gehabt.

Der letzte Besuch zum „donnernden Rauch“ war mitten in der Regenzeit im Februar 1994. Der Zambesi Fluss führte Hochwasser. Ich hatte anlässlich einer Dienstreise ein verlängertes Wochenende zu einem Besuch in Bumi Hills am Kariba See genutzt und war von dort am 21.2. nach Vic Falls geflogen und im „Zambesi Hotel“ untergekommen. Die Sprühwasserwolke von „Mosi-oa-Tunya“ reichte hoch über die Fälle. Das konnte ich bereits vom Hotel aus sehen. Und das Donnern war nicht zu überhören. Nach dem Einchecken im Hotel und Auspacken machte ich zum Sonnenuntergang bei einer „Champagner Cruise“ auf dem Zambesi mit. Das war ein tolles Erlebnis. Allerdings gab es auch diesmal keinen schönen Sonnenuntergang, dafür aber eine dramatische Regenzeitwolkenbildung. Und ein paar Nilpferde haben wir auch noch gesehen.

Der Besuch der Fälle am 22. Februar nach dem Frühstück wurde eine sehr nasse Angelegenheit. Die Sprühnebelwolke vom donnernden Rauch stieg hoch in den Himmel. Das Rauschen der hinabstürzenden gigantischen Wassermassen war ohrenbetäubend. Ich musste meine Kamera einwickeln und war selber total durchnässt. Zurück im Hotel war erst Mal Duschen, Haare trocknen und Umziehen angesagt. Nach dem Mittagessen bin ich nochmal ins „African Village“ gegangen. Dort gab es am Abend nach dem Abendessen afrikanische Tänze. Vom afrikanischen Dorf bin ich noch bis zum „Big Tree“ gewandert und am Ufer vom Zambesi zum Hotel zurück gelaufen. Den ganzen Nachmittag über hat es dann geregnet.

Am 23.2., dem nächsten Tag, bin ich nach dem Frühstück bis zur Grenze nach Zambia gelaufen, habe mir wieder ein Tagesvisum gekauft und bin dann bis zum Ostkatarakt der Victoria Fälle gewandert. Auch hier „donnerte der Rauch“ mit toller Gischt, die aber verziert war mit wunderschönen Regenbögen. Nur war der hochreichende Sprühnebel nichts fürs Fotografieren! Die Kamera wurde zu nass dabei. Nach dem Rückweg gab es Mittagessen noch im Zambesi Hotel. Danach wurde gepackt und ausgecheckt. Diesmal gab es durch Überbuchungen ein ziemliches Chaos am Flughafen in Vic Falls. Mit ziemlicher Verspätung ging es dann endlich mit der alten Boeing 707 der „Air Zimbabwe“ zurück nach Harare.

Heute gehört „Rafting“ in den engen Schluchten des Zambesi in Richtung Osten zum „Abenteuer-Event“ für waghalsige Touristen. Und von der fantastischen Straßen- und Eisenbahnbrücke zwischen Zimbabwe und Zambia über die Schlucht hinter den Fällen stürzen sich heutzutage wagemutige Bungee-Springer.

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