Erlebnis Galapagos Inseln

Eine Woche Galapagos Inseln, vom 8. bis zum 15. Oktober 1986, dass ich das geschafft habe, darüber war ich sehr glücklich. Die Inseln liegen etwa 1000 km westlich von Ecuador und gehören zu seinem Staatsgebiet. Sie sind seit 1959 Nationalpark und seit 1998 UNESCO Weltnaturerbe. Die sich durch meine Dienstreise nach Ecuador anbietende einmalige Gelegenheit wollte ich mir nicht entgehen lassen und hatte auch großes Glück, dass es mir so kurzfristig gelang eine Genehmigung zum Besuch der Inseln zu erhalten. Als ich 1986 in die (noch) fast unberührte Naturwelt der Galapagos Inseln eintauchte, wurde der beginnende Tourismus dort sehr strikt kontrolliert. Nur etwa 20.000 Reisende pro Jahr erhielten zu der Zeit eine Besuchserlaubnis. 1990 waren es schon an die 60.000 Besucher und heute sind es mehr als 100.000 im Jahr.

Der Flughafen der Galapagos Inseln liegt auf Baltra, einer kleineren Insel, die der großen Insel Santa Cruz vorgelagert ist. Es war ein ehemaliger Militärflughafen. Einen zweiten Flughafen gibt es in der Zwischenzeit auf der Insel San Cristóbal. Heute ist Baltra mit Santa Cruz verbunden mit einer Brücke, und man kann per Bus vom Flughafen in die Hauptstadt der Galapagos Inseln, Puerto Ayora, fahren. Kreuzfahrtschiffe ankern heute vor den Inseln und „spucken“ die Touristen aus. Über die Jahre hin gab es eine hohe Zuwanderung auf die Inseln vom Festland Ecuadors, sodass die damit verbundenen Probleme, wenn sie nicht strikt kontrolliert werden, in der Zukunft sehr wohl dazu führen könnten, dass den paradiesischen Inseln der Welterbestatus aberkannt wird. Die Inseln standen schon mal auf der „Roten Liste“. Ich kann mich also sehr glücklich schätzen, nicht alle, aber doch einige der reizvollsten Inseln noch erlebt zu haben, als es zwar auch schon einige Probleme auf den bewohnten Inseln gab durch eingeschleuste menschliche „Begleiter“ (Esel, Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen, usw.), aber die einzigartigen Biotope noch unbeschädigt waren. Auf Santiago wurden Ziegen und Schweine inzwischen zum Abschuss freigegeben.

Blaufußtölpel mit Jungem auf den Galapagos Inseln, 1986

Blaufußtölpel mit Jungem auf den Galapagos Inseln, 1986

Ankunft: Von Quito ging es am 8.Oktober zuerst per Flugzeug am Morgen bis nach Guayaquil. Dort wurde umgestiegen in eine kleinere Maschine, die uns bis nach Baltra brachte, wo wir gegen 12 Uhr mittags angekommen sind. Gegen 13 Uhr war die Einschiffung auf der „MS Darwin“. Mit unserem Reiseleiter Roberto bestand unsere Gruppe aus 12 Personen. Wir waren an Bord des Schiffes in kleinen Kabinen mit jeweils 2 Doppelstockkojen untergebracht. Unsere Fahrt führte uns zunächst an den kleinen Inseln Daphne Mayor und Minor vorüber bis zur Bucht „Sombrero Chino“ („Chinesischer Hut“) auf der Insel Santiago (die auch San Salvador genannt wird). Daphne Mayor ist ein Vogelparadies, dort durften wir nicht landen. Wir ankerten zur Übernachtung in der Bucht Sombrero Chino und konnten noch vor dem Abendessen (an Bord) bei einem Spaziergang viele Tiere ganz in der Nähe sehen, wie Seelöwen, rote Krabben, Pinguine, Pelikane und Blaufußtölpel. Es war recht urig auf unserem kleinen Schiff. Wir wurden hervorragend versorgt. Roberto sprach sehr gut Englisch und hatte auch exzellente Kenntnisse über die Inseln.

Santiago, Bartolomé und Plaza South – 9. Oktober: Um 5 Uhr morgens wurde aufgestanden. Draußen stürmte es. Auf der etwa 1-stündigen Fahrt bis zum Point Martinez auf Santiago schaukelte unser Boot ganz schön. In einer kleinen Bucht konnten wir landen und begannen eine höchst interessante Lavawanderung, auf der wir die unterschiedlichen Lavaarten und den blauschwarzen Wüstenlack kennen lernten. Um uns herum lag eine riesige Vulkanlandschaft in schwarzen und roten Farben mit Pahoehoe-Lavastrukturen in allen möglichen Formen von der Stricklava über Falten, Blasen, Rippen, Grotten, Tunnel bis hin zu filigranen Höhlen. Auf den Lavafeldern gab es überall erstes zaghaftes Pflanzenleben zu sehen, wie Säulenkakteen und Flechten. Den Lavareiher konnten wir bei Fischen beobachten. Am Strand marschierten rote Krabben auf erstarrten Lavafeldern. Neugierige Seelöwen, Pinguine und Pelikane beobachteten uns. Vom Schiff aus sahen wir Haie im Meer. Wir fuhren weiter bis zur Sullivans Bucht auf der Insel Bartolomé, wanderten dort auf den höchsten Punkt für eine grandiose Aussicht auf den Pinnacle Rock und die riesige Bucht, in der wir dann noch schwimmen und uns ausruhen konnten. Auf Bartolomé sind schwarze Lavafelder und bräunlichrote Schlackenkegel zwischen grüner Vegetation zu sehen. Die fast weißen Sandstrände laden zum Baden ein. Bis zum Nachmittag hatte sich das stürmische Wetter beruhigt, sodass wir nach Plaza South vor Santa Cruz fahren konnten durch den schönen Baltra Kanal. Dort gab es entlang der Küste Mangroven zu bewundern. Die kleine Insel Plaza South (oder Plaza Sur) steigt steil aus dem Wasser auf und ist bewachsen mit den endemischen Galapagos Sesuvien, die in leuchtend roten (in der Trockenzeit, sonst grün) Büscheln die Insel überziehen. Übernachtet wurde an Bord in einer herrlichen Bucht in Plaza South.

Plaza South, Santa Fe und San Cristóbal – 10. Oktober: Um 6 Uhr sind wir aufgestanden. Nach dem Frühstück erlebten wir auf einem herrlichen Rundgang die Begegnung mit großen Seelöwenkolonien, schwalbenschwanzförmigen Möwen an der steilen Felsenküste, mit Blaufußtölpeln, Albatrossen und Land- und Meerechsen bei den großen Opuntien, die auf der Insel wachsen. Nach einer 2-stündigen Fahrt erreichten wir danach die Insel Santa Fe. Auch auf dieser Insel hatte es starke Schäden durch eingeführte Ziegen gegeben. Diese konnten jedoch 1971 ausgerottet werden. Eine Besonderheit von Santa Fe sind die hohen Baumopuntien. Wir ankerten zum Mittagessen in einer kleinen Bucht und fuhren danach weiter zu einer großen Bucht mit türkisfarbenem klaren Wasser und zwei sehr großen Seelöwengruppen. Dort ankerten wir erneut, sprangen vom Schiff ins Wasser und schwammen zusammen mit den Seelöwen. Die Tiere waren total verspielt und veranstalteten mit uns Wettschwimmen. Völlig zahm waren sie dann auch am Strand, als wir ans Ufer kamen. Ich musste mich richtig dazu zwingen, sie nicht anzufassen, was uns strikt untersagt worden war. Nur um die „Haremsherren“ haben wir einen großen Bogen gemacht. Nach diesem überwältigenden Erlebnis ging es in 4-stündiger Fahrt bis nach San Cristóbal zum Übernachten dort in der kleinen Bucht Puerto Grande.

Auf San Cristóbal wurde durch die menschliche Besiedelung die Tierwelt stark beeinträchtigt. Durch die intensive Bodenbewirtschaftung wurde die typische Feuchtvegetation zerstört. Heute wird durch intensive Wiederaufforstung versucht die alten Feuchtgebiete wieder herzustellen.

San Cristóbal – 11. Oktober: „Frühes“ Frühstück, und danach kam zuerst die Fahrt zum Kicker Rock. Auf Spanisch heißt diese fantastische Felsgruppe „León Dormido“ – „Schlafender Löwe“. Es handelt sich um zwei Teile von Überresten eines Lavakegels. Wir umfuhren diese große, steinerne Skulptur mitten im Meer. In der engen Durchfahrt tummeln sich oft Haie im Wasser. Unser Kapitän wollte es nicht riskieren in der starken Strömung hindurch zu fahren, aber umrundete den ganzen Kicker Rock. Danach ging es zur Lobo Bucht auf der Insel San Cristóbal. Viele Seelöwen begrüßten uns nach der Ankunft. Dort ankerten wir und übernachteten nach dem Abendessen.

Espanõla – 12. Oktober: Um 3 Uhr nachts sind wir abgefahren und nach 5 Stunden auf der Insel Espanõla angekommen. Es ist eine der ältesten Inseln des Archipels und besteht aus Basaltlava. Hier gibt es an der Südwestküste das sogenannte „Blasloch“, ein Spalt in der Lavadecke, aus dem das Meerwasser bei starker Brandung bis zu 20 m hoch in die Luft schießt. Das war für uns sehr beeindruckend. Die Insel ist bekannt für die Brutkolonien der Galapagos-Albatrosse und vieler anderer endemischer Vögel. Wir haben eine dreistündige Wanderung über die Insel unternommen, schön langsam mitten durch Kolonien von Blaufußtölpeln, Maskentölpeln und Albatrossen. Viele Vögel waren mit der Balz beschäftigt, die vor allem bei den Blaufußtölpeln wie ein eigenartiges Ballett aussieht. Auch das „Schnäbeln“ der Albatrosse, das man schon von weitem hören konnte, hat mich sehr fasziniert. Außerdem sahen wir viele Meerechsen, Lavaeidechsen, rote und schwarze Klippenkrabben. In einer märchenhaft stillen Bucht ankerten wir danach zum Schwimmen. Nachmittags ging es in 5-stündiger Fahrt zurück nach Sante Fe zum Übernachten in einer anderen schönen Bucht. Im Wasser konnten wir eine große Zahl von Manta-Rochen beobachten, und eine Eule besuchte unser Schiff. Nach dem Sonnenuntergang stieg ein großer Mond auf, und ein herrlicher Sternenhimmel wölbte sich über uns.

Santa Cruz – 13. Oktober: Um 4 Uhr morgens sind wir von Santa Fe abgefahren zurück zur Insel Santa Cruz bis nach Puerto Ayora. Dort kamen wir bei Nieselregen an. Santa Cruz ist die zweitgrößte der Galapagos Inseln. Hier befinden sich die Charles-Darwin-Forschungsstation und die Nationalparkverwaltung. In der Station werden Zuchtprogramme für bedrohte Tiere durchgeführt, wie auch die Züchtung der Riesenschildkröten, die wir besichtigen konnten. Dabei lernten wir einen ganz alten Schildkrötenmann („George“) kennen, der die 100 Jahre schon erreicht haben soll. Außerdem nahmen wir teil an einem höchst interessanten Vortrag über die endemischen Finkenarten auf den Galapagos Inseln und über Darwins Evolutionstheorien. Unser Mittagessen nahmen wir an Bord der „Darwin“ ein. Danach ging es mit einem Landrover durch die verschiedenen Vegetationszonen der Insel (Küstenebene mit Jasmino Kakteen; die Scalesia Zone und die mit Miconia Büschen) und zu zwei großen Kratern. Wir konnten viele Vögel beobachten (u.a. den „Vermillion Flycatcher“ und zwei große Eulen). Abendessen gab es in einem Hotel in Puerto Ayora. Irgendwie fühlten wir uns aber alle wohler an Bord unseres kleinen Schiffes, auf dem wir dann wieder in einer stillen Bucht übernachteten.

Seymore North und Los Bachas – 14. Oktober: Um 4 Uhr morgens fuhren wir zur Insel Seymore North. Nach 3 Stunden sind wir dort angekommen. Und begannen eine lange und wunderschöne Wanderung über die Insel. Leider wird Seymore North heute auch von vielen Kreuzfahrtschiffen angefahren. Die Insel liegt in der Nähe von Baltra, wo die „fliegenden“ Touristen ankommen. Seymore North ist auch ein Lavaplateau submarinen Ursprungs, das sich aus dem Meer erhoben hat. Die besondere Attraktion dieser Insel sind die großen Nistkolonien der Prachtfregattvögel sowie Blaufuß- und Maskentölpel. Unser Rundgang dauerte etwas über drei Stunden. Wir haben sehr viel dabei sehen können. Die Balz der Prachtfregattvögel ist sehr interessant. Das Männchen muss versuchen mit seinem knallroten Kehlsack, den er zu imponierender Größe aufblasen kann ein Weibchen zu verführen! Das war ein tolles Schauspiel, vor allem, weil wir so nahe an die Vögel heran kommen konnten, die sich von den „Zuschauern“ überhaupt nicht stören ließen. Danach schifften wir uns wieder eine und fuhren in einer Stunde bis zur kleinen Insel Los Bachas (Beatrice). Dort liegt ein im II. Weltkrieg gesunkenes amerikanisches Wasserschiff. Wir sahen Flamingos und wieder Meerechsen und die leuchtend roten Klippenkrabben. Danach sind wir weitergefahren bis in die Tortuga Negra Bucht zum Übernachten. Es war unser letzter Abend an Bord. Nach dem Abendessen begann das Packen.

Abreise – 15. Oktober: Nach dem Frühstück an Bord kam noch eine schöne Fahrt durch die Mangrovensümpfe. Dabei haben wir Meeresschildkröten bei der Paarung beobachtet und sahen verschiedene Rochenarten (Manta und Leopard) und Küstenhaie im seichten Wasser. Mittags um 12 Uhr kamen wir im Hafen von Baltra an, nahmen Abschied von Robert und der „Darwin“ und wurden zum Flughafen gebracht. Abflug Baltra/Guayaquil/Quito um 13 Uhr. Ankunft in Quito gegen 16 Uhr. Eine unvergessliche und (noch) „paradiesische“ Reise ging damit zu Ende.

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