Die Kunene Region in Namibia

Fahrt in die Kunene Region vom Grootberg Pass bis nach Epupa vom 16. bis 22. Juli 2011

16.07., Samstag: Grootberg Lodge – Etendeka Mountain Camp: Bei meiner letzten großen Namibia Reise mit zwei Freunden waren wir, von der Grootberg Lodge kommend vom Grootberg Pass aus über Palmwag auf das Etendeka Plateau gefahren. Diese Fahrt durch die Kunene Region mit dem Kaokoveld bis zu den Epupa Wasserfällen und Besuch bei den Himbas wurde für mich zum absoluten Höhepunkt unserer Safari. Das Etendeka Gebirges entstand durch fließende Lava vor etwa 132 Millionen Jahren, als der südwestliche Teil Gondwanas abgetrennt wurde und sich daraus Südamerika und Afrika gebildet haben. Man findet hier in Namibia zwei verschiedene vulkanische Gesteinsarten: Basalte und Rhyolite (Vulkanit). Die ganze Gegend ist ein Paradies für Vulkanologen. Typisch zu erkennen sind die beiden Quarz Einheiten, am oberen Ende der Tafelberge immer Grootberg Quarzlatite, am Streifen darunter Wereldsend Quarzlatite. Quarzlatit ist ein vulkanisches Gestein, das zu 5 – 20 % aus Quarz und zu über 20 % aus Rhyolit besteht. 

Bei der Abfahrt von der Grootberg Passhöhe sahen wir an den steilen Berghängen neben der Pad viele Sterculia Bäume (Sterculia africana und cinqueloba). Dann nahmen die Mopane Bäume zu. Wir hatten nach dem Pass eine wunderschöne Fahrt über das Plateau mit seiner typischen Geologie bis zum Veterinär Zaun und Palmwag. Von weitem erkennt man die Lodge an den Makalani Palmen. Palmwag hat seinen Namen von den Makalani Palmen, die die Lodge umgeben. Wir legten hier eine Teepause ein. Die Lodge hat sich vergrößert, ist aber immer noch so schön, wie ich sie von mehreren vorangegangenen Besuchen in Erinnerung hatte. Auf dem großen Areal, das zur Lodge gehört gibt es Wüstenelefanten, die sehr selten gewordenen schwarzen Nashörner, Giraffen, Zebras, Oryx und viele andere Wildtiere.

Die bisherige, nach Norden führende Sandpiste C43 war in einem sehr guten Zustand. Von hier aus mussten wir nach Osten abbiegen. Die 18 km bis zum Etendeka Mountain Camp konnten wir nur mit Allradantrieb fahren. Wir brauchten für diese Strecke mit vielen Rivier Durchfahrten (überall noch mit ziemlich viel Wasser) fast zwei Stunden, erhielten dabei aber herrliche Ausblicke in die spektakuläre Landschaft in dieser entlegenen und sehr wildreichen Gegend. „Der Weg ist das Ziel“, so wird gesagt. Unser Weg wurde allerdings immer länger. Und das Fahren war härteste Arbeit. Unterwegs sahen wir nahe an der Pad viele Springböcke, Kudus, Giraffen, Bergzebras und Spießböcke. Sowie viele Vogelarten, darunter auch Greifvögel.

Wir hielten nach unserer Ankunft im Camp erst mal eine kleine Siesta nach dem Mittagessen und unternahmen danach mit einem Damara Guide eine Rundfahrt. Wie schon erwähnt ist das Etendeka Gebiet vor etwa 125 Millionen Jahren durch die Aufspaltung Gondwanas entstanden. Heute ist es ein riesiges Naturschutzgebiet (allein die Etendeka Tourist Concession besteht aus ca. 50.000 ha) in dem die Wüstenelefanten, Nashörner und auch Löwen eine Heimat haben, sowie viele andere Wildtiere. Vom Grootberg Pass aus konnten wir bereits die markanten Gesteins- und Landschaftswechsel beobachten. Östlich vom Pass in Richtung Kamanjab liegt das typische uralte Grundgebirge aus Granit mit den vielen Granitkuppen. Nach Westen hin sieht man eine endlos weite Ebene, die mit schwarz-roten kleinen und großen Gesteinsbrocken aus Basalt bedeckt ist. In ihr erheben sich zahllose Tafelberge mit ihren Plateaus. „Etendeka“ bedeutet in der Sprache der Himba „Hügel mit flacher Spitze“. Der oberste Plateaukörper des Etendeka Plateaus wird aus Basaltgestein gebildet. Dieser Basalt kam aber nicht aus Vulkanschloten, sondern entstand bei der Gondwana Spaltung und Trennung der Kontinente. Sodass vor „nur“ 2 bis 3 Millionen Jahren ein riesiges Gebiet, von dem das Etendeka Plateau nur ein kleiner Teil ist unter einer ca. 2 km dicken Lavadecke begraben wurde. Man bezeichnet diese Basalte auch als „Deckenbasalte“ (aus N. Grunerts Buch „Namibias faszinierende Geologie“, Seite 80 bis 83). Unser Nachmittagsausflug war hochinteressant. Ich erspähte als Erste (im Auto vorn, neben dem Guide sitzend) einen gerissenen Spießbock. Das tote Tier lag nur wenige Meter von uns entfernt im hohen Gras neben der Pad, auf der wir im offenen Landrover entlang fuhren. Unser Guide stieg vorsichtig aus und sagte sofort „da sind Löwen in der Nähe“. Auf der sandigen Pad konnten wir tatsächlich ihre Spuren sehen.

Wir fuhren weiter und sahen viele andere Tier und Vögel, darunter eine sehr große Springbockgruppe, Giraffen und zahlreiche Bergzebras. Auf der Rückfahrt kamen wir nach Sonnenuntergang wieder am gerissenen Oryx vorüber. Von dem war nicht mal mehr die Hälfte übrig. Unter einem Baum konnten wir mit unseren Ferngläsern vier Löwinnen in ca. 200 m Entfernung gut erkennen. Der Guide meinte, dass vom Riss nichts mehr übrig bleiben würde, denn nach den Löwen kämen die Hyänen und würden die Reste mit allen Knochen fressen. Wir befanden uns in völliger Wildnis, das sollte man in Namibia nirgendwo vergessen! Das Camp mit der umgebenden, einmaligen und unberührten Natur ist ein Paradies für Fotografen, aber auch für Astronomen, Geologen, Naturforscher und Ornithologen. Ich habe noch nie einen derart klaren und wunderschönen Sternenhimmel gesehen wie hier oben auf dem Hochplateau von Etendeka.

Das Camp besteht aus acht befestigten Doppelbettzelten, die alle eigene Spültoiletten und Buschduschen mit warmem Wasser haben, die nach oben offen neben dem jeweiligen Zelt gebaut sind. Ich fand die „Eimerduschen“ toll. Es gibt Solarstrom und einen Generator. Das große Restaurantzelt mit uriger Bar ist zugleich der Empfang in dieses paradiesische Reich. Erst haben wir noch am Lagerfeuer gesessen mit Bier und Wein. Nach dem sehr guten Abendbrot (alle saßen an einem großen Tisch zusammen) wurden Geschichten erzählt, natürlich inklusive „Löwenerlebnisse“. Das Ergebnis war, dass ich erst mal nicht schlafen konnte. Außerdem war in der Nacht ein starker Wind aufgekommen, der die Zeltwände bewegte. Außerdem trugen Löwengebrüll (zwar in der Ferne, aber immerhin) und andere undefinierbare nächtliche Geräusche nicht gerade dazu bei mich getrost schlafen zu lassen. Aber irgendwie bin ich dann doch zur Ruhe gekommen. Beim nächtlichen Toiletten Besuch habe ich in aller Ruhe den Sternenhimmel über mir betrachtetet und bewundert. Das war ein einmaliges Erlebnis.

17.07., Sonntag: Etendeka Mountain Camp: Mir wurde morgens von anderen Gästen erzählt, die mit dem Guide schon ganz früh losgefahren waren, um nach dem Riss zu sehen, dass davon tatsächlich nichts mehr übrig sei. Löwen und Hyänen haben also ganze Fress-Arbeit geleistet. Und das Löwengebrüll in der Nacht habe ich mir nicht etwa eingebildet! Wir sind dann auf einem kurzen Wanderweg zu einer schönen Aussicht gelaufen und haben dabei viele Achate und Zeolithe (Gerüstsilikate) – hier vor allem den weißen Nathrolit-Kristall mit strahligem Verband aus nadeligen Kristallen – gesehen (wir haben natürlich nichts mitgenommen). Diese Kristalle treten hauptsächlich in Hohlräumen basaltischer Gesteine auf, wie die Quarzmineralien (Achate). Zeolithe findet man oft zusammen mit dem Kalk-Mineral Calcit und mit Calceton und Achat. Außerdem sahen wir viele interessante Bäume (unter anderen auch Antennenakazien und Flaschenbäume), viele Euphorbien aller Arten und Wildblumen.

Am Abend brannte das Lagerfeuer, das Bier schmeckte, und in der Glut des Feuers aus Mopane Holzkohle brutzelte unser Abendbrot – Hühnchen im Folienmantel, gebacken im eigenen Saft. Vorzüglich! Zum Hühnchen gab es gebackene Kartoffeln und Kürbis Gemüse. Hinterher Datteltorte mit Brandy. Wenn das kein Festessen war! Es ist für mich immer wieder unglaublich, wie ein solcher Luxus mitten in der Wildnis für die Gäste ermöglicht wird. Die Nacht war wieder ein Erlebnis der besonderen Art. Ich hatte schon am Tag das Loch unten an der Zeltvorderwand bemerkt, dem aber keine weitere Bedeutung zugemessen, sondern nur ein Tempotaschentuch zum Verschließen hineingestopft. Nachts um 2.15 Uhr besuchten mich zwei,  eigentlich sehr niedliche, kleine Kurzschwanz Rennmäuse (Desmodillus auricularis), die sich im Zelt herumjagend vergnügten. Jedes Mal, wenn ich das geöffnete Loch mit dem wieder heraus gestoßenen Taschentuch erneut verschloss, wurde es nach kurzer Zeit wieder „geöffnet“, und die lustige Jagd ging von neuem los. Wenigstens konnte ich so sicher sein, dass sich keine Schlange Zugang verschafft hatte. Aber so ganz wohl war mir bei dem Gedanken nicht. Auf jeden Fall hörte der Spaß erst gegen 4 Uhr morgens auf. Dann hatte auch der Wind wieder aufgefrischt. Alles knatterte und flatterte und verjagte dann wohl auch die Mäuse. Die Nacht war außerdem recht hell, wir hatten Vollmond. Der tauchte nun alles in helles, silbriges Licht. Ein wundervoller Anblick, der mich die Mäusejagd schnell vergessen und doch noch schlafen ließ.  

18.07., Montag: Etendeka Mountain Camp – Sesfontein: Weil wir an diesem Tag nur bis nach Sesfontein keine längere Strecke vor uns hatten, bummelten wir mit dem Aufbrechen. Der Abschied ist mir sehr schwer gefallen. Das Erlebnis war einmalig und wird es bleiben; denn ich werde nicht noch einmal nach Namibia reisen können. Wir haben hier oben im Camp zwei unvergesslich schöne Tage verbringen können . Die Fahrt aus dem Camp bis zur Hauptstraße nach Sesfontein war wiederum sehr interessant. Wir haben sehr oft zum Fotografieren angehalten, wieder viele Wildtiere gesehen – Springböcke, Giraffen, Zebras, Oryx. Alle Riviere wurden sehr langsam durchfahren. Im Wasser, das ja noch immer in den sonst um diese Zeit schon trockenen Flüssen floss, spiegelte sich die Morgensonne. Was waren das für herrliche Farben!

Letzte Flussüberquerung, 18.07.

Letzte Flussüberquerung, 18.07.

Wir bewunderten wieder die einmalig schöne Landschaft des Etendeka Plateaus und hielten an schon blühenden Euphorbien und besonders eindrucksvollen Felsen voller Sansevira (Bogenhanf). An einer sehr schönen Stelle stoppten wir zum Mittagsimbiss. Wir schmierten uns Brotstullen mit Käse und aßen dazu aus einem Glas importierte deutsche Gewürzgurken!

Felsen mit Sansevira, 18.07.

Felsen mit Sansevira, 18.07.

Die Pad C43 nach Norden wurde gerade „rundum“ erneuert. In Warmquelle ist nur meine Freundin in die Schlucht und zum warmen Quellsee hinunter gestiegen. Nachmittags kamen wir dann im alten Fort Sesfontein an, das heute eine recht gute Lodge ist.

Nach Sesfontein, 18.07.

Nach Sesfontein, 18.07.

Sesfontein („Sechs Quellen“) wurde 1896 von der deutschen Schutztruppe errichtet. Wegen seiner sechs ergiebigen Quellen garantierte es eine gute Wasserversorgung für Mensch und Tier. Die Deutschen benutzten Fort Sesfontein als Kontrollpunkt gegen die Rinderpest, Wilderei und den Waffenschmuggel. 1914 wurde das Fort aufgegeben. Die Gebäude und der Soldatenfriedhof dahinter verfielen. 1984 wurde Fort Sesfontein und der Friedhof zum Nationalen Denkmal Namibias erklärt. Ab 1994 wurde das Fort zur Lodge ausgebaut mit 46 Betten, einem Restaurant und Campingmöglichkeiten. Das kleine Hotel wird von den Nachfahren der einheimischen Urbevölkerung des Kaokovelds, den Damaras, Hereros und Himbas verwaltet. Wir waren die einzigen Gäste und verlebten einen gemütlichen und geruhsamen Abend.

19.07., Dienstag: Sesfontein – Opuwo Country Lodge: Auch an diesem Tag hatten wir keine lange Strecke vor uns und fuhren auf der C43 wieder durch eine äußerst interessante Landschaft. Allerdings fiel einem guten Beobachter sofort auf, wie überweidet das ganze Gebiet hier ist. Wir bewunderten unterwegs die vielen Bäume, Mopanes, Sterciluas und Affenbrotbäume. Unser erster längerer Halt (vorher hatten wir immer mal öfter kurz zum Fotografieren angehalten) war an der sogenannten „Baobab Kurve“. Hier macht die Straße einen großen Bogen, und man sieht die riesigen Affenbrotbäume schon von weitem. Die Pad war auch bis hierher in einem hervorragenden Zustand. Viele Touristen brettern an diesen fantastischen und zum Teil wohl auch uralten Bäumen vorüber ohne sie eines Blickes zu würdigen. Das konnten wir feststellen, nachdem wir angehalten hatten zum Fotografieren. Prompt hielten auch einige andere Autos an. Wir wurden neugierig gefragt was es denn hier Interessantes zu sehen gäbe. Erst als sie dann diese Bäume näher in Augenschein genommen haben, wurde ihnen wohl klar, dass sie hier etwas einmalig Schönes und vor allem Seltenes vor sich hatten!

Wir suchten und fanden einen passenden Platz für unseren Mittagsimbiss Stopp, etwas abseits von der Straße und kamen bald danach auch in Opuwo an. Ich kannte die Stadt von meinem letzten Besuch hier im Jahr 2001 zusammen mit meinem leider in diesem Jahr verstorbenen Cousin Helmut Schreckenbach, der ein großer Namibia Kenner war und sehr viele Touren in diesem Land geführt hat. Seit 2001 ist aus dem damals eher wie ein größeres Dorf wirkenden Städtchen eine richtige große Stadt geworden mit vielen Neubauten, zwei großen Supermärkten mit Einkaufszentren und vielen kleinen Geschäften, Bankfilialen und anderen Einrichtungen. Meine Freundin und ich erledigten einige Einkäufe während unser Freund/Guide/Fahrer tankte. Dann ging es zur Lodge hoch, die auf einem Hügel über dem Ort thront. Die Opuwo Country Lodge wurde 2005 eröffnet. Gleich der erste Eindruck zeigt, dass hier ein gutes Management am Wirken ist. Von oben aus hat man einen fantastischen Blick über die Kaokoveld Berge und Täler. Im Hauptgebäude unter einem riesigen Strohdach befinden sich die Rezeption, das Restaurant mit großer Terrasse und Bar, sowie ein Souvenirgeschäft und Seminarräume. Insgesamt gibt es in der Lodge 40 Doppelbettzimmer in Chalets unterschiedlicher Klassen, von Einfach- über Standard- bis Luxuszimmer. Der Ausblick vom Schwimmbad aus ist atemberaubend. Nach einer kleinen Siesta haben wir am Pool Kaffee getrunken und sind dort geblieben, um die Aussicht zu genießen, bis die Sonne unterging. Ein sehr gutes Buffetdinner beendete den Tag.

20.07., Mittwoch: Opuwo Country Lodge – Omuranga Lodge, Epupa: Morgens war es sehr frisch. Nach dem Frühstück sind wir abgefahren. Wir kommen ja erneut für eine Nacht hierher, wenn wir von Epupa zurückkommen. Erst ging es wieder in die Stadt und dann von dort aus auf der C43 in Richtung Nordwesten. Je weiter nach Norden wir kamen, desto wärmer wurde es. Der erste Teil der Straße war eine große Baustelle und daher sehr staubig. Unser Auto sah entsprechend aus nach einiger Zeit. Aber die Pad danach war außergewöhnlich gut. Das hatten wir eigentlich hier oben nicht erwartet. Man musste allerdings als Passagier einen festen Magen haben, denn nun ging es durchweg ziemlich stark hoch und runter, weil sehr viele „Drifts“ (Trockenfluss Kreuzungen) zu durchqueren waren. An einer schönen Stelle auf einem Hügel mit Aussicht auf Epupa hielten wir für unseren Mittagsimbiss an. Wir waren umgeben von blühenden Hoodia Pflanzen in gelben und orangenen Farben (Hoodia parviflora). Solche herrlichen Blüten hatte ich noch nie gesehen. Die Hoodias, die ich auf Ameib kennengelernt hatte, waren alle hell oder tief rosa (Hoodia gordonii). In der Ferne konnten wir schon den Kunene Fluss durch die Bäume schimmern sehen und die Berge auf der angolanischen Seite.

Überall dort, wo wir an Himba Ansiedelungen vorüber kamen, hielten wir an und schenkten den kleinen Himba Jungen, die ihr Vieh im Veld hüteten Bonbon Leckerlis. Leider begann auch hier die Bettelei nach Geld („give me dollar“). Tun wir das Richtige mit dem Verschenken von Süßigkeiten? Ich denke eher nicht und würde es, sollte ich nochmals in Namibia sein nicht wieder tun!

Die Omarunga Lodge, in der wir bald nach unserem Stopp ankamen liegt am Ufer des Kunene, nur einen kurzen Fußweg von den spektakulären Epupa Fällen entfernt. Nach dem gewaltigen Ansteigen des Flusses in der letzten so ergiebigen Regenzeit wurde auch die Lodge überflutet. Nach Reparaturen, Renovierung und Umbauten war sie gerade wieder eröffnet worden. Wir checkten ein und bezogen unsere direkt am Fluss gelegenen, fest eingebauten Zelte.

Erst nach einer kleinen Siesta bin ich bis zur nachmittäglichen Kaffeepause zum Fotografieren durch die ganze Anlage. Die Lodge ist ein echtes kleines Paradies. Es gibt 14 komfortable Zeltchalets, die im Schatten von vielen großen Palmen (Makalani und Petersiana) auf dem Gelände verteilt stehen. Sie sind einfach, aber sehr gemütlich eingerichtet und haben alle WC und Dusche. Es gibt auch ein Schwimmbad. Zur Lodge gehört ein Restaurant mit Bar. Bei der Rezeption ist ein Andenkenladen. Neben der Lodge ist ein sehr gut eingerichteter Camping Platz. Der hat eine eigene Bar mit Aussicht auf die Fälle. Dann kam unser erster Spaziergang zu den Wasserfällen, die wir ja die ganze Zeit schon hören konnten. Da der Kunene noch sehr viel Wasser führte, waren die Fälle großartig. Donnerndes Rauschen des Flusses über die vielen Kanten der verschiedenen zerklüfteten Schluchten begleitete jeden Schritt. Die Nachmittagssonne zauberte Regenbögen in die Gischt. Riesige Affenbrotbäume säumen die Ufer der Flussläufe und stehen auf den kleinen Inseln dazwischen. Es ist ein überwältigender Anblick! Die Fälle bestehen eigentlich aus drei Teilen und sind durchschnittlich etwa 60 Meter hoch. Es war für mich sehr schwierig dorthin zu laufen (trotz meiner Stöcke) von wo aus ich Einblick gehabt hätte in alle Schluchten und deren Fälle. Da die tiefroten Felsen an den Ufern wie Marmor glatt poliert und durch die Gischt auch glitschig waren, wäre das sehr gefährlich gewesen. Aber auch so erhielt ich einen sehr guten Eindruck von diesem Naturwunder, den ich nie vergessen werde.

Wir sind nach unserem Spaziergang durch das kleine Himba-Städtchen Epupa gefahren, das dem Besucher tatsächlich wie ein Endpunkt der namibischen Welt erscheint. Nach dem Abendbrot verschloss ich alle Zeltfenster (Kanvasrollen) bis auf eins, denn es hatte sich gewaltig abgekühlt. Ein zusammengerolltes Handtuch wurde von innen gegen den ziemlich großen Türspalt gelegt. Ich wollte keinen Schlangenbesuch haben! Es gibt hier viele Kobras und die höchst giftigen Zebraschlangen (Spuckkobras). Ein kleiner Frosch hatte den Ablauf des Waschbeckens verstopft und wurde gerettet. Leider ging mein „Donkey“ – der Wassererhitzer – kaputt. So hatte ich kein warmes Wasser, was auch nicht weiter schlimm war. Am nächsten Tag wurde alles wieder in Ordnung gebracht. Entwicklungslanderfahren, wie ich nun mal bin hat mir das alles wenig ausgemacht. Das ferne Rauschen der Wasserfälle animierte zwar meine Blase, sodass ich öfter das WC aufsuchen musste in der Nacht, aber es hat mich danach auch gleich wieder in den Schlaf gewiegt. Gegen 3 Uhr nachts habe ich das letzte Zeltfenster geschlossen. Böiger Wind war aufgekommen und ließ alles Lose laut flattern. Außerdem war es richtig kalt geworden. Es war noch Winter in Namibia!

21.07., Donnerstag: Oumuranga Lodge Epupa: Ich bin sehr früh aufgestanden und über die ganze Anlage spaziert bis zum Sonnenaufgang.

Nach dem Frühstück brachen wir gegen 8.30 zu einer Fahrt in ein Himba Dorf auf mit einem Owambo Fahrer und einem Himba Führer, sowie einem französischen Ehepaar. Die Frau (aus dem Elsass stammend) war sehr an allem interessiert und sprach gut Deutsch, so konnten wir uns mit beiden gut verständigen. Besuche bei den Himbas, Namibias letzten Nomaden, werden von der Lodge aus arrangiert. Man nimmt benötigte Lebensmittel mit für die besuchten Familien, kein Tabak oder Süßigkeiten. Es wird auch nicht von den geführten Besuchern erwartet, dass sie außerdem noch Geld geben für das Fotografieren. Man wechselt auch die besuchten Familien in einem bestimmten zeitlichen Rhythmus, sodass alle Himbas in der näheren und weiteren Umgebung von diesen Besuchen profitieren. Die Lodge Verwaltung lehnt eigenmächtige Besuche von Touristen in Himba Dörfern strikt ab. Die „Living Culture Foundation Namibia“ (LCFN) setzt sich ebenfalls für eine andere Art und Weise der Begegnungen mit Himbas ein. Man kann gleich feststellen, wo Touristen ohne Begleitung solche nahe an der Straße gelegenen Orte besucht haben. Da stehen vor allem Himba Kinder schon am Straßenrand und betteln. Bevor wir jedoch zu „unserer“ Familie fuhren besuchten wir zuerst noch noch die Volksschule von Epupa, die ein Stück entfernt vom Ort liegt, sodass die Kinder der umliegenden Himba Krale sie zu Fuß erreichen können. Hier als Lehrer tätig zu sein ist eine große Aufgabe und verlangt viel Einsatz und Verzicht auf Dinge, die in einer Stadt zu den Selbstverständlichkeiten des heutigen Alltags, auch in Namibia, gehören. Ich habe den jungen Lehrer sehr bewundert, der zwei Klassen zugleich unterrichtet und zwar so engagiert, dass die Kinder alle begeistert mitmachen. Dann sind wir zu unserer Familiensiedlung gefahren, die ziemlich weit von der Straße entfernt liegt.

Wir haben uns dort umgesehen, viel fotografiert und mit Hilfe von unserem Himba Führer mit den Frauen, die dort mit ihren Kindern anzutreffen waren sprechen können. Bis auf einen alten und kränklichen Mann waren alle anderen Männer mit den Rindern unterwegs auf der Weide. Nur einige Kühe und Ziegen waren im Dorf. Sie werden hier für den eigenen Milchbedarf gemolken. Sehr angeregt haben wir uns mit einem etwa 15-jährigen Jungen unterhalten können, der gerade Maisbrei kochte für sich und seine jüngeren Geschwister. Er sprach sehr gut Englisch. Mich interessierten, wie schon bei meinem letzten Besuch in einem Himba Dorf 1999 die Häuser, die denen der Massai in Kenia in ihrer Bauweise sehr ähneln.

Ein kleiner Junge, dessen Penis sich nach der Beschneidung entzündet hatte kam dann in Begleitung seiner Mutter, des alten, kranken Mannes und einer anderen Himba Frau mit uns zurück nach Epupa. Unser Guide bezeichnete unseren Wagen daraufhin als „Himba Express“. Wir fuhren zuerst noch zu einer typischen Begräbnisstätte der Himbas, die weit entfernt von der Pad im Veld liegt. So etwas gezeigt zu bekommen ist sehr selten. Ich war entsprechend gerührt und brachte das dem Fahrer und auch dem Guide gegenüber zum Ausdruck. Beide sagten daraufhin, dass sie selten so offene, interessierte und höfliche Gäste gehabt hätten wie wir es gewesen wären.

Nach dem Mittagessen und einer Siesta ging es erneut zu den Wasserfällen. Wir kamen bis zu einer Stelle von der aus man in den Fluss Canyon hineinsehen kann bis zu seinem Ende. Der Kunene verzweigt sich vor den Fällen in mehreren Armen. Nach den verschiedenen Fällen münden alle Arme in einen Lauf ziemlich am Ende der großen Schlucht, an dem ein langes, sandiges Ufer zum Baden einlädt. Was ich niemand raten würde zu tun, denn hier gibt es die gefürchteten riesigen Krokodile, die auf einen wohlgenährten Touristen warten. Ein bis ans Ufer heruntergefahrener Holländer verschwand hier im vergangenen Jahr vor Einsetzen der Regenzeit. Es wird vermutet, dass er genau an dieser Stelle im Fluss gebadet hat. Man fand nach einigen Wochen sein Auto mit allem Inhalt und offenen Türen. Er selbst war und blieb verschwunden. Wie er (trotz Vierradantrieb) den äußerst steilen und vor allem engen Pfad bis zum Ufer herunter gekommen ist, war uns allen unverständlich. Der Pfad soll einem Klettersteig ähneln und nicht befahrbar sein. Am und im Kunene gibt es an flachen Stellen sehr viele Krokodile und in der Ufervegetation sehr viele Schlangen. Man sollte also immer Vorsicht walten lassen, auch beim Spazierengehen am Ufer des Flusses. Auf der angolanischen Seite hörten wir gegen Abend lautes Gebell von Pavianen. Wir sahen außerdem ein Paar Schreiseeadler. Bei Drinks an der Bar tauschten wir mit den Franzosen unsere Eindrücke aus. Nach dem Abendessen fiel ich bald darauf ins Bett.

22.07., Freitag: Omuranga Lodge Epupa – Opuwo Country Lodge: Es war sehr kalt geworden in der Nacht. Ich bin um 6 Uhr aufgestanden und habe nur Katzenwäsche gemacht, in der Hoffnung, dass es in der Opuwo Lodge heißes Duschwasser gibt. Nach dem Packen haben wir gefrühstückt und sind dann abgefahren. Wir haben wieder viel Interessantes unterwegs gesehen. Seitdem wir auf der Pad vom Grootberg nach Etendeka in unsere „Auto Vase“ (leere Mineralwasserflasche) einen Zweig der Wiederauferstehungspflanze (Wunder- oder Buschmanntee, Myrothamnus flabellifolius) gesteckt hatten, erfreute uns das helle Grün der kleinen Teeblätter. Ein kleiner Himba Knirps, bei dem wir anhielten war erst gar nicht an Bonbons sondern an diesem Zweig interessiert. Er fragte uns was das sei. Felizitas sagte „Buschmanntee“. Er fragte „Bussmantee?“ und dann gleich „give me sugar“. Er erhielt seine Bonbons. Ein höchstens fünf Jahre alter Steppke, der ein paar Ziegen und Kälber hütete und mit einem kleinen Kierri (Knüppel) bewaffnet war, schnatterte wie ein Maschinengewehr los, als er seine Bonbons erhalten hatte (übrigens fast die letzten von denen, die wir für uns mitgenommen hatten als Lutscher gegen den vielen Pistenstaub, der hin und wieder doch in den Wagen gelangte). Er deutete auf sein Dorf im Hintergrund und wollte auch welche für die Mama und seine ganze Familie. Beide Hände voll, den Knüppel unter einen Arm geklemmt zog er glücklich von dannen, bis in die Ferne „Dankie“ rufend. Dann beglückte uns der Anblick eines blühenden Flaschenbaumes (Pachipodium lealii), der auch Dickfuß genannt wird. Er hat wunderschöne große schneeweiße Blüten, die wir natürlich fotografieren mussten.

In Opuwo angekommen erledigten Felizitas und ich wieder ein paar Einkäufe und holten Geld vom Bankautomaten. Das geht jetzt auch hier. Unser Freund/Guide/Fahrer tankte den Wagen voll. In der Lodge hatten wir diesmal unsere Zimmer in einem Block näher am Schwimmbad und Restaurant. Wir erlebten einen wunderschönen Sonnenuntergang mit Vögeln, die am Poolrand badeten. Auf dem Weg zum Abendbrot im Restaurant schlängelte sich eine lange schwarze Schlange vor mir über den Weg, aus dem Gebüsch kommend, wo ein tropfender Wasserhahn für feuchtes Erdreich sorgt. Als ich näher kam, entfernte sie sich sehr schnell. Mir war klar, dass es sich um eine Kobra gehandelt haben muss. Es war noch nicht ganz dunkel, außerdem hatte ich meine Taschenlampe schon an. So  konnte ich die Schlange gut erkennen. Schlangen gehören hier eben mit zur Natur. Kein Wunder, dass ich nach all dem Erleben schlecht einschlafen konnte. Aber dann zogen die Bilder der roten Felsen am Kunene, die Affenbrotbäume, die Regenbögen in der Gischt der Fälle vor meinen Augen vorüber, und mit Dankbarkeit im Herzen für dieses Erlebnis schlief ich ein. Und am nächsten Tag unserer Abreise gab es gleich zwei Höhepunkte. Erst einen blühenden Flaschenbaum. Welch ein Wunder der Natur mit den riesengroßen weißen Blüten. Und dann retteten wir eine fette Puffotter, die garantiert von einem vorüber bretternden Auto platt gefahren wäre, wenn wir das langsam vorwärts schlängelnde Reptil nicht von der Pad gescheucht hätten.  Diese Tat gab mir ein gutes Gefühl. Schlangen sind eher hierzulande da gewesen als Menschen. Sie haben ein Recht auf Leben.

Wir retten eine Puffotter, 23.07.

Wir retten eine Puffotter, 23.07.

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