Die achte Dolomitenreise vom 11. bis 23. September 1998

Es wurde wieder ein erlebnisreicher und wunderschöner Herbsturlaub in den Dolomiten, bei dem mich meine Freundin Gisela begleitete. Diesmal waren wir eine Woche lang auf der Regensburger Hütte und den Rest unseres Ferienaufenthaltes im „Jägerheim“ in St. Christina. Viel war in den vergangenen Jahren geschehen. Ich war zwar ab Oktober 1997 „offiziell“ im Ruhestand, arbeitete aber nach wie vor noch als Gutachterin weiter für meinen ehemaligen Arbeitgeber. Meine Arbeitszeit konnte ich mir so selber einrichten. Gleich nach der Wiedervereinigung haben Gisela und ich begonnen gemeinsame Reisen zu unternehmen. Und ich war im Dezember 1994 zurückgekehrt in meine alte Heimatstadt Magdeburg.

Bei meinen Südtiroler Freunden auf der Regensburger Hütte war eine große Lücke entstanden. Viktor, der Hüttenwirt war ganz plötzlich gestorben. Die Verantwortung für die Verwaltung und das Management der Hütte teilten sich nun Mizzi, Resi, Bruno, Carlo und Manuela. Wir hatten uns acht Jahre lang nicht gesehen, waren aber immer in Verbindung geblieben. Und so freute ich mich sehr auf unseren Aufenthalt im Rifugio Firenze, wie die Regensburger Hütte auf Italienisch genannt wird und auf die herrliche Bergwelt ringsherum. Gisela kannte die Dolomiten noch gar nicht, wie vor acht Jahren auch meine Nichte. Ich war glücklich wieder als „Reiseführerin“ zu dienen.

Wir trafen uns in Eschborn bei Frankfurt am Main, wo ich mich gerade mal wieder auf einer Dienstreise befand. Dorthin kam Gisela mit der Bahn für eine Übernachtung in der gleichen Pension, in der ich untergebracht war. Wir fuhren dan von dort aus am 11. September los in die Berge. Morgens um 4 Uhr sind wir aufgestanden, haben schnell noch gefrühstückt (das war vorher „organisiert“ worden) und sind um 5 Uhr abgefahren über Karlsruhe, Heilbronn, Ulm, Kempten, Füssen, den Fernpass bis nach Innsbruck und von dort über die Brenner Autobahn und Sterzing bis nach St. Christina im Grödner Tal, wo wir am Nachmittag angekommen sind. Im „Jägerheim“ haben wir unser Reisegepäck zum Abholen hinterlassen und mein Auto, wie immer, in der Garage der Talstation der Seilbahn gleich „nebenan“ abgestellt. Danach ging es „aufwärts“ bis zum Col Raiser und von dort per pedes bis zur Regensburger Hütte, wo wir sehr herzlich begrüßt wurden. Resi servierte jedem von uns eine gebratene Forelle zum Abendbrot. Die Hütte war nicht mehr voll. Tagsüber war es unterwegs wechselhaft gewesen, mit Sonne und ein wenig Regen. Die Abendstimmung auf der Hütte war noch wunderschön, es war etwas Schnee gefallen, und in der Nacht kam noch mehr runter. Es wurde merklich kühler. Wir gingen früh zu Bett.

Abendstimmung mit Schnee, 11.9.

Abendstimmung mit Schnee, 11.9.

12. September: Leider wurde das Wetter heute nicht sehr schön. Wir hatten tagsüber mit Schnee vermischten Nieselregen, und es wurde richtig kalt. In der Nacht ist hier oben ganz schön viel Schnee heruntergekommen. Die Berge waren weiß geworden. Tapfer beschlossen wir bis zum Col Raiser zu laufen und mit der Seilbahn, die wegen dem zunehmenden Wind nur stundenweise lief bis nach St. Christina runter und dann später auch wieder hoch zu fahren. Im Ort angekommen unternahmen wir einen „Stadtbummel im Nieselregen“, tauschten bei der Gelegenheit gleich Geld um und erledigten kleine Einkäufe. Den Rest des Tages ruhten wir uns nach der Rückkehr zur Hütte aus und gingen wieder früh schlafen.

13. September: Bei strahlendem Sonnenschein am nächsten Morgen war der Wintereinbruch mit Kühen im Schnee (noch waren sie nicht abgetrieben) ein wahrhaft toller Anblick! Irgendwie standen die Tiere verdattert in der Nähe der Hütte. Dort waren die Wege schon wieder frei vom Schnee. Die Sonne taute die weiße Pracht dann auch sehr schnell fast überall wieder auf. Gottfried, der Senn, war bereits früh auf den Beinen, um nach seinen Vierbeinern zu suchen. Wir zogen uns warm an – es war recht frostig – und wanderten auf den für mich so vertrauten Pfaden, die ich nun Gisela zeigen wollte bis ins Wassertal, wo allerdings so viel Schnee lag, dass der Wanderweg bis zur Wasserscharte nicht mehr zu sehen war. So kehrten wir um und machten den großen Schlenker bis zur Piera Longia mit den Cisle Steinen und von dort bis zur Troier Hütte, wo wir sehr leckere Spinatknödel futterten. Dann fing es wieder an zu schneien. Wir traten den doch von hier aus recht steilen Rückweg zur Hütte an. Dort war es schön mollig warm. Ein gemütliches Abendbrot und frühes Zubettgehen beendeten den Tag.

14. September: Morgens lag wieder dicker Schnee um die Hütte herum. Es hatte in der Nacht erneut geschneit. Jetzt sah es tatsächlich so aus, als wäre der Winter eingekehrt. Ab mittags war dann aber wieder Sonnenschein, allerdings bei nur kalten +3°C. Gottfried hatte mit Hilfe vieler Freiwilliger aus Wolkenstein und St. Christina den Abtrieb der Tiere organisiert und zog mit seinen Kühen und Kälbern und den Helfern nach unten ab ins Tal. Im Schnee konnten die Tiere nicht mehr auf den Almwiesen bleiben. Das war viel zu gefährlich, obgleich die doch noch sehr kräftige Sonne den Schnee schnell wieder wegtaute. An den Nordhängen der Almen und Schrofen blieb er jedoch noch länger liegen.

"Wintereinbruch" am 14.9.

„Wintereinbruch“ am 14.9.

Gisela und ich wanderten nach einem späten Frühstück bis zum Anfang des Aufstiegs durch die Mittagsscharte und wieder zurück sahen unterwegs 26 (!) Gamsen. Außer uns beiden war keine Menschenseele unterwegs. Wir waren des Schnees wegen ja auch sehr langsam und still gelaufen und haben so das Wild nicht gestört. Es gab ein leichtes Mittagsessen in der Hütte und danach eine lange Siesta. Nachmittags haben wir gelesen und uns ausgeruht. Nach dem Abendessen wurde noch lange mit Mizzi, Resi und Bruno geklönt.

15. September: Hurra, die Sonne scheint! Morgens war es zwar mit nur +2°C bitterkalt, mittags waren es dann aber schon an die +15°C, und die Sonne wärmte uns beim Wandern. Der Schnee lag jedoch noch dick auf allen Nordhängen und in den Scharten. Wir liefen zunächst durch das Wasserrinnental und wollten eigentlich bis zur Sieles Scharte hoch gehen. Auf dem Weg dorthin lag jedoch noch sehr viel Schnee. So wanderten wir zurück bis zum Anfang des Weges, der in die Mittagsscharte hinein und hoch führt und gingen von dort bis zu den Cisle Steinen und dann zur Troier Hütte. Diesmal nahmen wir unseren Mittagsimbiss in der Fermeda Hütte ein, wanderten noch bis zur Kapelle oberhalb der Hütte und dann zurück. Den Rest des Tages „verklönten“ wir mit der Hüttenfamilie. Abends kam noch Bergfreund Karl zu Besuch hoch auf die Hütte für ein paar Tage. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Es gab lange und gute Gespräche miteinander.

16. September: Morgens war wieder durchwachsenes Wetter, immer noch sehr kalt, aber ab spätem Vormittag wurde es sonnig mit herrlicher Fernsicht. Nach dem Frühstück gingen wir „getrennte“ Wege. Bei unserer Wanderung ins Wassertal hatte sich gezeigt, dass Gisela nicht schwindelfrei ist. So zog sie es vor, allein leichtere Wege zu gehen. Ich stieg durch die Piz Scharte bis zur Stevia Hochfläche hoch. Das war ganz schön gefährlich; denn der obere Teil der Scharte war vereist und voller Schnee. An den Felsvorsprüngen hingen meterlange Eiszapfen. Aber von oben – auch schon von unterwegs – hatte ich einen märchenhaften Fernblick.

Beim Stevia Wirt in seiner urigen Hütte nahm ich meinen Mittagsimbiss ein – natürlich den Kaiserschmarrn mit Spinat. Danach ging es durch die Sylvesterscharte wieder hinunter bis zur Juac Hütte und von dort zurück zu unserem Domizil. Gisela war durch das Wasserrinnental gewandert und auf dem Weg 13 wieder zurückgelaufen. Ein schönes Abendessen und lange Gespräche mit Bergfreund Karl und der Hüttenfamilie beendeten unseren Tag. Abends zogen wieder dicke Wolken auf. Kam etwa noch mehr Schnee?

17. September: Die Sonne weckte uns. Es war zwar immer noch recht kalt, aber wir hatten wieder eine fantastische Fernsicht. Ein paar Wolken ließen Schneegraupel rieseln, aber sonst blieb es klar. Wir spazierten bis zur Fermeda Hütte und zum Cuca Sattel. Von dort ging es zur Seceda hoch und am Grat entlang bis zur Pana Scharte, die wegen Steinlawinengefahr geschlossen war. Im Rifugio Sofia hatten wir unsere Mittagsjause. Von dort zogen wir dann quer über die Troier Alm bis zu den Cisle Steinen und zurück zu unserer Hütte. Ein leckeres Abendbrot und Klönen danach beschlossen auch diesen herrlichen Tag.

18. September: Der Wetterbericht: Wolken und Sonne im Wechsel, ziemlich durchwachsen und immer noch kalt. Nach dem Frühstück verabschiedete sich Karl, der uns verließ. Wir wollten bis zur Roa Scharte laufen. Die Wege waren nun fast alle schneefrei. Aber Gisela hatte sich in den Vortagen wohl erkältet, ging schon vorher zurück zur Hütte und „badete“ dort im Liegestuhl in der Sonne. Ich bin bis zur Scharte gelaufen, konnte wieder tolle Ausblicke genießen und bin durchs Wasserrinnental zurückgegangen. In der Roa Scharte habe ich viele Gamsen gesehen. Es ist kaum noch ein Wanderer unterwegs. Abends wurden wir mit einem „Alpenglühen“ beschert, ein wunderschöner Anblick, wenn die Felsen rot zu glühen anfangen. Wir packten unsere Sachen, die Joseph ins „Jägerheim“ bringen wollte. Resi produzierte zum Abschiedsabendessen ihre berühmten Kalbsschnitzel. Der Abschied ist mir wieder sehr schwer gefallen. Aber ich plante schon meine nächste Reise, die ich wieder zur Frühlingszeit unternehmen wollte.

19. September, Samstag: Raureif morgens, die Welt war wieder weiß. Es hatte in der Nacht Frost gegeben. Aber die Sonne schien zu unserem Abschied und Umzugstag nach St. Christina ins „Jägerheim“. Ganz gemächlich sind wir bis zum Col Raiser gelaufen und konnten unterwegs noch Rehe beobachten. Ich habe lange aus der Seilbahnkabine zurückgeblickt, bis ich die Fermeda Türme nicht mehr sehen konnte. Dafür lagen nun das Sella Massiv und der Langkofel vor uns.

Wir checkten im „Jägerheim“ ein und packten unsere sieben Sachen aus in unseren Zimmern. Dann sind wir in die Stadt gelaufen und haben dabei den neuen Kreuzweg gesehen, an dem die Figuren gerade angebracht wurden. Das empfand ich als sehr glücklichen Zufall. Es stand fest, das sehen wir uns näher an, denn die Figuren der einzelnen Kreuzwegstationen, die wir schon bewundern konnten waren wunderschön und sehr ausdrucksvoll. Beide Kreuzwege, der in St. Christina und der in Wolkenstein werden als herunterladvare PDF-Datei am Ende des Reiseberichtes getrennt gezeigt. Im „Uridl“ haben wir Mittagspause gemacht. Über den Kreuzweg ging es bis in die Stadt zurück für kleine Einkäufe und Kaffeetrinken mit Eisschlecken im „Gardenia“ Restaurant.

20. September, Sonntag: Es wurde ein wunderschöner Herbsttag, mit blauem Himmel, wärmender Sonne, guter Thermik für Drachenflieger und Paragleiter, von denen wir jede Menge am Himmel sahen. Aber es war trotz der Sonne kalt. Herrlich ausgeschlafen haben wir gemütlich gefrühstückt – so kann ein Sonntag beginnen. Wir sind mit dem Auto bis zum Sella Joch hochgefahren und dann den Friedrich-August-Weg bis zur Plattkofel Hütte hin und zurück gewandert. Dabei hat es wieder herrliche Ausblicke in die Ferne gegeben auf die Marmolata, auf den Schlern mit der Sandner Spitze, auf den Langkofel und Plattkofel. Bis zum Alpenhauptkamm im Westen konnten wir blicken. Wir machten uns ein leichtes Abendbrot auf dem Zimmer – Stulle, Joghurt, Obst. Soll man zwar nicht, machen wir aber immer. Auch ich, wenn ich alleine unterwegs bin.

21. September: Morgens war es mit nur +4°C zwar ziemlich kalt, aber es wurde ein schöner, sonniger Herbsttag. Und mittags war es dann auch viel wärmer. Wir fuhren mit dem Auto bis zum Pordoi Joch und mit der Seilbahn hoch zur Pordoi Spitze. Das Pordoi Joch liegt in einer Höhe von 2.239 m und ist der zweithöchste, mit einer durchgehend asphaltierten Straße versehene Gebirgspass in den italienischen Dolomiten. Oben auf dem Plateau lag noch jede Menge Schnee. Aber bei herrlicher Fernsicht konnten wir ein gutes Stück über einen Teil der Hochfläche laufen und dabei die Aussicht auf die Boe Spitze, die Marmolata-Gruppe und die südlichen Dolomiten genießen. Es gab auch wieder jede Menge „Tiefenblicke“ in die furchterregenden Schluchten der Sella sowie freie Ausblicke bis zum Alpenhauptkamm. Im Rifugio „Maria“ bei der Pordoi Spitze sind wir zur Mittagspause eingekehrt.

Nach dem Runterfahren sind wir dann noch bis zum Kriegerdenkmal gelaufen, das sehr beeindruckend am Hang gebaut wurde. Es beherbergt eine Kriegsgräberstätte für österreichische und deutsche Gefallene der schweren Gebirgskämpfe im Ersten Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg unterbrach den weiteren Ausbau. 1956 wurden die Arbeiten fortgeführt und nun auch die Toten der Kämpfe im Gebirge vom Zweiten Weltkrieg bestattet. 1959 wurde die Kriegsgräberstätte eingeweiht. Wir waren von dem Gebäude, der ganzen Anlage und der Umgebung sehr beeindruckt.

Auf dem Rückweg mit vielen Kehren ging es über Araba und Corvara um das Sella Massiv herum. In Corvara legten wir eine Pause zum Kaffeetrinken und Eisschlecken ein. Über das Grödner Joch ging es dann wieder zurück bis nach St. Christina. Ich war ganz duselig vom vielen Kehren Fahren. Ein leichtes Abendbrot und früh zu Bett gehen waren angesagt nach diesem wunderschönen Ausflug.

22. September: Morgens war dichter Hochnebel. Alle Gipfel steckten in den Wolken. Wir sind nach dem Frühstück über den „Planetenweg“ in den Ort gelaufen, um Verschiedenes zu erledigen, einschließlich der Souvenireinkäufe. Denn das war nun leider unser letzter Tag in den Dolomiten. Danach sind wir mit dem Auto nach Wolkenstein gefahren und haben dort im Friedhof Viktor Perathoners Grab besucht. Vom „Jägerheim“ aus sind wir nach der Rückkehr und dem Mittagessen nochmals nach Wolkenstein zu Fuß gelaufen und haben uns dort den Kreuzweg angesehen. Die Figuren der einzelnen Stationen des Wolkensteiner Kreuzwegs wurden geschnitzt. Auch sie sind sehr ausdrucksvoll. Wir sind danach noch bis ins Langental zur Silvesterkapelle und von dort zurück nach St. Christina gewandert. Die tiefen Eindrücke dieser langen Wanderung haben wir zum Abschied mit zurückgenommen.

Im Langental, 22.9.

Im Langental, 22.9.

Am nächsten Tag, dem 23. September, ging es wieder zurück nach Hause. Ein schöner und milder Herbsttag erleichterte mir die Anstrengung der fast 800 km langen Rückfahrt bis nach Magdeburg. Nach dem frühen Aufstehen wurde noch gut gefrühstückt und dann das Auto beladen. Wir konnten pünktlich um 8 Uhr abfahren. Es ging wieder durch das Grödner Tal bis Klausen, auf der Autobahn bis zum Brenner und Innsbruck, über Kufstein bis nach München und Nürnberg, dann nach Halle. Dort habe ich Gisela ausgeladen und bin weiter über Bernburg bis nach Magdeburg gefahren. Gegen 19 Uhr abends war auch ich dann endlich Zuhause, und ein wunderschöner Urlaub ging damit zu Ende!

Pdf-Dateien der Kreuzzüge  in St. Christina und Wolkenstein:

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