1998: Karpathos

Zum zweiten Mal nach Karpathos vom 02. bis 23. Juni 1998 zusammen mit meiner Nichte

Es wird wieder ein Reisetagbuch mit passenden Fotos und Skizzen mittenmang, wie wir Magdeburger sagen. Voller Hoffnungen auf einen schönen griechischen Inselurlaub freuten wir uns auf Karpathos und brachen am 2. Juni auf. Nach der viereinhalbstündigen Bahnfahrt von Magdeburg nach Frankfurt checkten wir im Frankfurter Flughafen bei Aero-Lloyd ein. Unser Flieger nach Karpathos war nicht ganz voll. Beim Abflug kurz nach 14 Uhr war es schwül und heiß mit dicken Gewitterwolken am südwestlichen Himmel. Wir flogen in etwa 10.000 m Höhe über Österreich, Ungarn, Jugoslawien und über dem griechischen Festland, über die Ägäis und Kreta bis nach Karpathos. Bei der überpünktlichen Landung gegen 17 Uhr Ortszeit blies uns gleich zur Begrüßung unser „geliebter“ Nordwestwind um die Ohren. Ein TUI-Bus brachte erst einen Teil der Gäste in die Amopi Bucht. Hier hat in den letzten Jahren eine rasante Entwicklung stattgefunden. Sehr schöne, kleinere Hotelanlagen sind dort entstanden. Dann brachte uns der Bus zum „Romantica Hotel“ außerhalb von Pigadia, wo wir wieder eingebucht waren. Auch bei der Fahrt durch Pigadia waren vom Bus aus die Veränderungen wahrzunehmen – ein Bauboom alá Athen. Auch unser Hotel, das wir nach der Eröffnung 1992 mit als erste Gäste bewohnt hatten, ist größer geworden mit einem Anbau für Appartements und einem großen Schwimmbad.

Viel Neues in Pigadia, 3.6.1998

Viel Neues in Pigadia, 3.6.1998

Die ersten Eindrücke bei der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel: Grüne Landschaft, blühende Büsche, in der Hauptsache gelber Stechginster und lila Thymian, dazwischen in blaugrün die Olivenbäume und in tiefem Grün die Kiefern. Die Farbenpracht wurde noch verstärkt durch eine Blumenfülle am und um das Hotel herum mit Bougainvillea, Geranien, Hibiskus und dem in voller Blüte stehenden Oleander. Wir zogen in ein 2-Raum Familien Appartement ein. Nach dem Auspacken kam unser erster Bummel nach Pigadia, wobei wir viel Neues entdeckten, aber auch viel, gut saniertes Altes wiedergesehen haben. Nur ca. 50 m vom Hotel entfernt hat sich ein Supermarkt etabliert. Das ist gut für frische Brötchen morgens und den leckeren griechischen Joghurt. Viele Kleinwagen und Jeep Vermieter gibt es neuerdings. 1992 gab es nur Mopeds, Motorroller oder Motorräder zum Mieten auf der Insel. Es gibt allerdings auch einige irre „Hotelbau Leichen“. Ob die jemals zum Leben erweckt werden?

Am Hafen fanden wir ein buntes, neues Häusergemisch vor, von jedem ein bisschen. Die Hafenpromenade ist ausgebaut worden. Entgegen aller Annahmen ist in Pigadia trotz einiger architektonischer Exzesse mit der Hafenpromenade in neues Element in die Hauptstadt der Insel gekommen, das bisher fehlte. Neue Tavernen sind dazu gekommen, aber auch die alten sind noch geblieben. Unsere 1992-Vorzugs-Taverne „Odysseus“ gegenüber vom Hotel ist auch noch da mit gleichem Koch und gleich gutem Essen wie die leckeren gebratenen Champignons mit Roquefortsoße. Wir probierten abends gleich den „Wiederholungseinstieg“, sozusagen als Einstand. Die ausgiebigen Frühjahrsregenfälle, die die Insel in allen nur vorstellbaren Grünschattierungen angemalt haben, führten allerdings auch zu einer Mückenplage. Das haben wir gleich in der ersten Nacht zu spüren bekommen.

Karte von Karpathos, Juni 1998

Karte von Karpathos, Juni 1998

Am 3. Juni war herrliches Wetter – kein Wind mehr. Obwohl das Frühstücksbuffet im Hotel etwas vergrößert worden war im Vergleich zu vorher, entsprach es immer noch nicht unseren Erwartungen. Wir beschlossen daher uns wieder „selbst zu versorgen“, auch wie vorher, mit frischen Brötchen, Obst und Joghurt. Nach dem Stadtbummel mit kleinen Einkäufen (vor allem Mückenspray) trafen wir uns mit der TUI Vertreterin und haben gleich verschiedene Exkursionen gebucht. Sie gab uns außerdem eine sehr gute Einführung in die Geschichte von Karpathos und die gegenwärtige touristische Entwicklung der Insel mit allen damit verbundenen Problemen. Wir bewunderten einen luxemburgischen Großsegler (echter Windjammer), der vor der Bucht kreuzte, dann ankerte und seine reichen Passagiere „ausspuckte“ zu einer Landpartie. Nachmittags setzte das schöne Schiff alle Segel und entschwand in Richtung Rhodos. In einer neuen Taverne am Hafen haben wir einen kleinen Mittagsimbiss eingenommen, dann unsere erste Siesta genossen und bis gegen 18 Uhr danach am Strand gleich gegenüber vom Hotel im herrlich klaren Meerwasser gebadet. Dabei konnten wir die Abfahrt des Windjammers beobachten. Abends organisierte ich noch mit der TUI-Vertreterin das Mieten eines Leihwagens.

4. Juni: Morgens wachte ich mit dick geschwollener linker Hand auf. Irgendetwas hat mich am Abend vorher gestochen. Das habe ich wohl gemerkt, aber nicht gesehen. Nach dem Frühstück ging es darum erstmal in die Stadt ins Krankenhaus. Zwei nette junge Ärzte setzten sich mit meinem „Fall“ auseinander, öffneten, säuberten und verbanden die Geschwulst. Meine Nichte wartete vor der Tür und sollte nun auch drankommen. Wir mussten erst erklären, dass sie nur meine Begleitung sei. Großer Spaß bei allen. Nur nicht bei mir. Mit Antibiotika, Salbe und Verbandsmaterial gut versorgt (alles viel billiger als zu Hause) ging es zum leichten Mittagsimbiss in unsere neu entdeckte Taverne am Hafen.

Danach Siesta im Hotel und Baden in der Pigadia Bucht (nur meine Nicht, ich nicht). Die Schirm- und Liegenkosten sind immer noch die gleichen wie in 1992, das ist kaum zu glauben. Außerdem ist noch keine Vollsaison und daher der Strand fast leer. Die meisten Gäste kommen dieser Tage zunehmend aus Holland. Sie scheinen Karpathos „vereinnahmt“ zu haben. Den ganzen Tag über war sehr angenehm warmes und vor allem windstilles Wetter mit einer leichten Brise am Nachmittag.

5. Juni: Nach dem Frühstück wurden wir vom TUI-Bus abgeholt zu einer Tour durch die Dörfer im südlichen Teil der Insel. Unsere österreichische Reisebegleiterin Sonia lebt auf Karpathos. Sie erzählte uns vom großen Problem mit den vielen Ziegen auf der Insel (10.000 bis 15.000 soll es davon geben) und den beiden großen Waldbränden 1984 und 1990, die große Teile des Kiefernwaldes im Süden und Norden von Karpathos drastisch reduziert haben mit verheerenden Folgen für die Böden und das Grundwasser (das hatten wir 1992 gar nicht bemerkt). Die Insel ist (noch) gesegnet mit eigenem Süßwasser, fast überall gibt es bei Quellen sehr schön gebaute Trinkwasserstellen.

Trinkwasserstelle, unterwegs auf Karpathos, 5.6.

Trinkwasserstelle, unterwegs auf Karpathos, 5.6.

Unser erster Halt war in Aperi, einem Ort, der durch den rückfließenden Verdienst der Auswanderer reich geworden ist. Auf jeden Einwohner der Insel kommen in der Zwischenzeit 3 Auswanderer. Aperi war Verwaltungshauptstadt der Insel bis 1892. Viele schöne neue Häuser und Gartenanlagen zeugen vom Reichtum dieser Kleinstadt. Das Inselgymnasium ist hier und der Sitz des Bischofs von Karpathos und Kassos. Die Ausflüge nach Kassos wurden in der Zwischenzeit eingestellt. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir 1992 noch auf der Insel waren und dort in der Hauptkirche Koimisis tis Theodoku die wunderwirkende Ikone bestaunt haben. Von Aperi aus ging die Fahrt auf dem Weg nach Othos durch das in einem Talabschluss schon ziemlich hoch gelegene Dorf Volada. Othos ist das höchstgelegenen Bergdorf (ca. 340 m hoch) der Insel. Wir beschlossen mit dem Leihwagen Volada und Othos zu einem späteren Zeitpunkt nochmal einen längeren Besuch abzustatten. In Othos haben wir das Heimatmuseum besucht, ein sehr schönes, typisch karpathiotisches Haus, dort Kaffee getrunken und einen Ortsspaziergang gemacht. Auch hier sind viele, dem venezianischen Baustil nachempfundene Häuser gebaut und auch viele alte wunderschön saniert worden. Einige haben noch hölzerne Balkone mit schönem Schnitzwerk.

Von Othos aus ging es weiter bis nach Piles, einem malerischen Ort inmitten einer üppigen Landschaft am Westhang des Gebirges. Dort ist es feucht durch den Tau. Man lebt hier von der Landwirtschaft und dem Weinanbau. Die Stavrou Kirche oberhalb einer Quelle ist die einzige byzantinische Kirche in Griechenland, die innen nicht dunkel, sondern in hellblauen Pastellfarben ausgemalt wurde. Sie war gerade saniert worden. Auf der Weiterfahrt nach Finiki, dem kleinen Fischerhafen an der Westküste, den wir 1992 auch besucht hatten, erzählte uns Sonia die Geschichte der „7 Aufrechten“, die gegen Ende des 2. Weltkrieges Karpathos vor dem Hungertod retteten indem sie, ohne über große nautische Kenntnisse zu verfügen mit einem kleinen Boot die vor Ägypten ankernde englische Flotte zu Hilfe holten nach dem Abzug der italienischen und deutschen Besatzer.

In Finiki haben wir in der neuen „Malibo“ Taverne unseren Mittagsimbiss eingenommen. Die Mutter vom Tavernen Wirt lernten wir später in Arkassa kennen. Viele neue Bauten warten auch hier auf den erhofften „Touristenstrom“. Von Finiki ging es dann bis nach Arkassa, das um 1900 von Menetes aus gegründet wurde. Ein meist trockenes Flussbett teilt das Dorf in zwei Teile, es ist nur zu Fuß oder auf dem Esel „begehbar“ und hat schöne Häuser und noch schönere Gärten. Vor Arkassa haben wir die Überreste der byzantinischen Basilika Ag. Sophia besichtigt. Der große, sehr schöne ausgegrabenen Mosaikfußboden befindet sich im Museum auf der Insel Rhodos. An der Bucht findet man außerdem Zyklopenmauerwerk, Reste phönizischer und dorischer Mauern. In der heutigen Badebucht von Ag. Nicolaos stehen antike Säulen, die von vielen Badegästen als „Kleiderständer“ verwendet werden!

Die Reste dorischer Säulen am Strand vor Arkassa

Die Reste dorischer Säulen am Strand vor Arkassa

Von Arkassa ging die Fahrt weiter bis nach Menetes, auch einem sogenannten „Fluchtdorf“ (wie Olympos), an den südlichen Abhängen des 509 m hohen Profiti Elias Berges gelegen. Menetes ist die zweitgrößte Gemeinde von Karpathos mit der das Dorfbild dominierenden Hauptkirche Koimisi tis Theotoku mit einer sehenswerten Ikonostase und der aus dem Jahr 1636 stammenden berühmten Panagia Ikone. Wir lernten bei der Tour doch sehr viele Dinge, die wir bei unserem eigenen Besuch 1992 nicht erfahren haben. Von Menetes aus fuhren wir dann nach Amopi. Die vielen herrlichen Badebuchten hier führten in den vergangenen Jahren zu einem Bauboom für die „Touristenerschließung“. Im Vergleich zu 1992, als wir hierher mit dem Motorroller gefahren sind, hat sich Einiges getan. Der schöne Strand und das Meer sind aber gleich geblieben. „Amopi“ heißt auf Griechisch Sandgrube oder Sandloch. Es ist eigentlich ein Familienstrand, der flach ins Meer führt. Mehrere andere Buchten sind zu Fuß zu erreichen. Über der Bucht steht die post-byzantinische Kirche Agii Apostoli, die ich auch 1992 skizziert habe. Diesen herrlichen und erlebnisreichen Tag beschlossen wir mit dem Abendessen in „unserer“ Taverne am Hafen von Pigadia und dem obligatorischen Stadtbummel hinterher. Da wir im Supermarkt deutsches Brot gefunden haben, beschlossen wir abends wieder unser selbstgemachtes „Stullen Abendbrot“ im Hotel einzuführen.

6. Juni: Vormittags ging es erst zum Krankenhaus in Pigadia. Das Geschwür an der Hand heilt gut ab. Danach wurden Einkäufe erledigt und Geld umgetauscht. Es gab einen kleinen Mittagsimbiss in der Taverne am Hafen und Siesta im Hotel. Schon in der sehr unruhigen Nacht zuvor war der Nordwestwind wieder aufgefrischt. Wir beschlossen daher zur Agios Kiriaki Kirche oberhalb von Pigadia zu wandern. Es wurde ein langer Weg durch terrassierte Olivenhaine und dichte Kiefernwälder.

Windgebogene Karpathos Kiefern, 6.6.

Windgebogene Karpathos Kiefern, 6.6.

Nachdem wir fast angelangt waren, stellten wir fest, dass wir hierher auch mit dem Auto hätten fahren können. Wir wanderten zufrieden und glücklich über die vielen Eindrücke zurück nach Pigadia. Im Hafen wurde der Durst mit einem lauwarmen griechischen „Mythos“ Bier gelöscht. Unser Wunsch nach „warmem“ Bier ruft auch hier wieder Kopfschütteln hervor!

7. Juni: Nach dem Frühstück wurden wir abgeholt für unsere gebuchte Bootsfahrt zur Apella Bucht mit einem neuen Boot, der „Chrisovalantou“. Wir fanden dort einen herrlichen Sandstrand vor mit Kies auf dem Meeresboden und glasklarem Wasser. Schon die etwa 45 Minuten dauernde Fahrt entlang der Ostküste von Karpathos war wieder ein Erlebnis. In die Bucht führt vom Land her ein trockenes Flussbett, das voller blühender Oleanderbüsche und gelbem Stechginster war. Schattenspendende Kiefern am Ufer sind ideale „Lagerplätze“. Nur eine Handvoll Touristen und einige wenige Besucher hielten sich hier auf, die auf einer Sandpiste mit dem Jeep bis hierher gekommen waren. So konnten wir den Tag in diesem Paradies richtig genießen. In einer neuen Taverne oberhalb der Bucht (sehr sauber und sogar mit einigen Zimmern zum Vermieten) konnten wir uns erfrischen. Wirtin Anna spricht sehr gut Englisch und kocht einen guten griechischen Kaffee aus eigenem Quellwasser. Mittags servierte uns der Kapitän unseres Schiffes gegrillte „Biftiki“ mit griechischem Salat.

Die Apella Bucht, 7.6.1998

Die Apella Bucht, 7.6.1998

Gegen 17 Uhr ging es dann zurück. Auf der Rückfahrt holten wir einige Passagiere aus der Kyria Panagia Bucht ab, auch eine beliebte Badebucht, die aber nicht mit Apella zu vergleichen ist. Den Tag beschlossen wir noch mit einem Stadtbummel und Imbiss in unserer Taverne. Der Wind hatte nachgelassen, es war recht warm geworden.

8. Juni: „Griechischer Pfingstmontag“. Beide hatten wir schlecht geschlafen haben (Hitze, Wetterwechsel, Vollmond – wer kennt die Gründe?), so legten wir einen Ruhetag ein mit langem Stadtbummel. Die meisten Geschäfte hatten geöffnet. Es sind viele neue Läden in Pigadia dazu gekommen, sehr gute Textil-, Bücher-, Foto-, Kunst- und Schmuckgeschäfte. Wir besuchten auch die Gallerie unseres Freundes Minas Vlahos, die man ja immer schon von weitem „hört“ mit der herrlichen Musik, die er dort auf einem alten Kassettenrekorder abspielt. Deutsche Zeitungen waren leider noch nicht eingeflogen worden. Olympic Airways liegt im Clinch mit den Zeitungsverkäufern auf den Inseln und will mehr Frachtgebühren. Wie lange das noch so ist? Unser Zeitungsverkäufer zuckte mit den Schultern „In Greece? Anything is possible: 1 week, 1 month, 1 year!“ Das ist doch eine gute Antwort auf eine ziemlich dumme Frage, wenn man Griechenland etwas kennt. Es gab griechischen Kaffee am Hafen, ein leichtes Mittagessen in unserer Taverne, Siesta im Hotel, und danach Faulenzen am Strand in der Pigadia Bucht.

9. Juni: Nach dem Frühstück holten wir den gebuchten Mietwagen, einen Fiat Panda ab. Das erst Mal hing heute kein Wolkenberg über den Westhängen des Gebirges. Es war am Morgen schon sehr heiß. Wir fuhren über Aperi bis nach Volada, haben dort geparkt und das Dorf mit seinen vielen schönen alten und neuen Häusern besichtigt. Überall am Wegesrand haben wir zum Fotografieren angehalten und um die Aussicht zu genießen. In Othos haben wir eine Kaffeepause eingelegt und sind auch dort herumspaziert. Weiter ging es nach Arkassa. Dort gab es ein leichtes Mittagessen in einer Taverne im Ort, wie immer mit „Katzenbegleitung“. Allerdings habe ich hier zum ersten Mal eine Katze erlebt, die frittierte Auberginen frisst!

Von „Arkassa-Stadt“ fuhren wir zum Agioas Nicolaos Strand – einer wahrhaft herrlichen, flach ins Meer abfallenden Sandbucht mit den dorischen Säulenresten und einer guten Aussicht auf die Nachbarinsel Kassos. Ein Sonnenschirm und die Liegen waren hier allerdings teurer als in Pigadia. Zurück sind wir über Menetes durch eine nach Thymian (fast überall in Blüte) duftende Landschaft mit kleinen Bauernhäusern und Feldterrassen gefahren. Überall viel Farbe: Grün, gelb (Stechginster), rosa und weißer Oleander und lila Thymian. Abends Stullen Abendbrot im Hotelzimmer und danach Lesen.

10. Juni: Nach kurzer Fahrt in die Stadt (Post, Bank) ging es heute über Aperi, Volada, Othos und Piles bis nach Mesochori auf einer herrlichen neuen Straße. Wir erinnerten uns an den vergeblichen Versuch 1992 mit dem Motorroller von Finiki aus auf der Sand- und Kiespiste bis nach Lefkos zu fahren. Damals begann man gerade mit dem Straßenausbau in Richtung Lefkos. Es wurde ein sehr heißer Tag mit stechender Sonne. Da ich die von TUI angebotene Wanderung von Mesochori nach Lefkos zu einem späteren Zeitpunkt noch mitmachen wollte, beschlossen wir nach einem Bummel durch Mesochori zurückzufahren. Zumal sich plötzlich dicke Wolken zusammenzogen. Eine Weile lang sah es nach Regen aus. In der neuen Taverne „Malibu“ in Finiki nahmen wir ein leichtes Mittagessen ein und fuhren dann zurück nach Pigadia und zur Ag. Kiriaki Kirche. Diese liegt auf einem Felsvorsprung. Von oben aus hat man eine herrliche Aussicht.

Hinterher ging es zum Obsteinkauf in die Stadt. Es war „Fährentag“ auf Karpathos, d.h. zu dieser Jahreszeit gibt es dann immer frisches Obst und Gemüse aus Kreta! Saftige Pfirsiche, Nektarinen, Orangen und Tomaten erfreuen das Auge (und den Magen). Abends hatten wir doch tatsächlich Nieselregen und einen großen Regenbogen über dem Hotel, wo unser Tag mit Stullen Abendbrot und Lesen zu Ende ging.

11. Juni: Leider habe ich wieder nicht gut geschlafen und war ziemlich schlapp morgens. Also wurden erstmal Postkarten geschrieben nach dem Frühstück. Danach ging es zur Post in Pigadia und zum Erledigen kleiner Einkäufe. Dann fuhren wir zunächst bis nach Menetes. In Menetes, wo wir für einen griechischen Kaffee einen Stopp einlegten, war das viele Treppensteigen im Ort sehr anstrengend. Wir erlebten sowohl die Müllabfuhr, als auch den Baustofftransport (eine neue Wasserleitung wird im Ort streckenweise gerade verlegt) per Maulesel. In Finiki haben wir nur „leicht“ zu Mittag gegessen und danach am Strand von Arkassa einen wunderschönen Badenachmittag verlebt.

Die Wolkendecke war am Nachmittag aufgebrochen. „Afternoon tea“ gab es auf unserem Zimmerbalkon im Hotel und nach einem leichten Abendessen in der Taverne vor dem Hotel einen langen Stadtbummel mit einem Ouzo („nightcup“) am Hafen. Das Geschwür an der Hand ist verheilt, ich nehme keine Antibiotika mehr, konnte also wieder Alkoholisches zu mir nehmen.

12. Juni: Das wurde ein schöner Tag in Piles und Amopi. In Piles haben wir uns zuerst alles ausführlich angeschaut, viele schöne, alte Häuser gesehen und die vielen Obstgärten mit Zitrus-, Mandel-, Granatäpfel-, Walnuss-, Feigen- und Pistazienbäumen bewundert. Leider sind einige der schönen Gärten dort sich selbst überlassen. Aus denen haben wir ungeniert ein paar reife Feigen „mitgehen“ lassen. Es war niemand dort, sonst hätten wir natürlich gefragt. Unterhalb der Timiou Stavrou Kirche haben wir unsere Trinkwasserflaschen mit frischem Quellwasser aufgefüllt – die tolle Mischung von Feigen + Wasser meldete sich dann in der folgenden Nacht.

Es wurde wieder ein sehr heißer Tag. Wir fuhren weiter bis nach Amopi zum Baden. Vorher haben wir unseren Mittagsimbiss in einer der vielen neuen, kleinen Tavernen am Strand zu uns genommen. Meine Nichte wurde bei ihrem „Weithinausschwimmen“, das mir jedesmal eine Gänsehaut verpasst, von einem Fischerboot eingeladen, doch auf Fang mitzufahren. Fragt sich, wer hier wohl wen fangen wollte. Sie lehnte dankend ab. Vielleicht dachten die guten Männer aber auch, dass sie „in Seenot“ sei??? Beim Skizzieren habe ich tüchtig auf die mich umgebenden Machia Büsche geachtet. Die Dinger sehen von oben so harmlos aus, aber wehe man kommt ihnen zu nahe! Von Ag. Apostoli hat man eine fantastische Aussicht. Spätnachmittags habe ich den Wagen aufgetankt und abgeliefert. Danach gab es Stullen Abendbrot im Hotelzimmer, Stadtbummel nach Pigadia mit Ouzo am Hafen und kleinen Einkäufen. Alle Läden haben bis 22 Uhr geöffnet.

13. Juni: Frühes Frühstück. Danach haben wir unseren zweiten, gebuchten Mietwagen abgeholt, diesmal einen Suzuki Jeep mit Allradantrieb. Wir planen eine Fahrt quer über Karpathos bis nach Olympos. Bis dahin geht nämlich jetzt eine Straße durch, allerdings ist das ab Aperi eine Sand- und Kiespiste, die streckenweise sehr abgenutzt und ausgewaschen war. Aber so etwas kenne ich ja aus Afrika nur zu gut. Die harte Federung des Wagens ging ganz schön über die Arme her, um die Steuerung auf „geradeaus“ zu halten. Auch für unsere Hinterteile und die Rücken war die Rüttelei ganz schön gewöhnungsbedürftig. Aber die Strecke war Neuland und dementsprechend gab es viele Stopps unterwegs zum Aussichtgenießen und Fotografieren.

Unterwegs nach Olympos, 13.6.1998

Unterwegs nach Olympos, 13.6.1998

Erst führte die Route entlang der Ostküste mit atemberaubenden Fernblicken oder auch furchterregenden Blicken in die Tiefe. Von Spoa aus fuhren wir dann auf dem Gebirgskamm entlang, sodass man die Ost- und Westküste von Karpathos gleichzeitig sehen konnte. Das ist ein überwältigendes Erlebnis. Olympos liegt auf 300 m Höhe zwischen dem Profiti Elias (südlich vom Dorf, 720 m hoch) und dem Korifi (nördlich vom Dorf, 590 m hoch). Als Fluchtort konzipiert war Olympos in seiner Lage ein ideales Versteck. Es wurde im 7. oder 8. Jhdt. gegründet. Wir haben vor dem Ort auf einem eigens angelegten neuen Parkplatz geparkt. Da wir früh dort waren, hatten die Touristenbusse aus Diafani noch keine Touristen vom Schiff hochgebracht. Bevor wir den Aufstieg ins Dorf begannen, haben wir uns in der ersten kleinen Taverne mit einem griechischen Kaffee gestärkt. Und danach alles um uns herum im Ort ausgiebig angeschaut und bewundert.

Beim traditionellen Brotbacken haben wir zugesehen und die frischen Teigtaschen, mit Feta gefüllt auch gleich ausprobiert in einer neuen Taverne, zu der eine der drei noch funktionierenden Windmühlen gehört. Wenn mehrere der vielen alten Windmühlen wieder instand gesetzt würden, welche Besucherattraktionen wäre das! Die Frauen in Olympos tragen nach wie vor ihre schöne Tracht. Seit 1992 sind viele neue Souvenir Geschäfte eröffnet worden, in denen traditionelle Stickereien und Honig, u.a. angeboten wird. Diesmal bat man uns auch mehrere Male in die Häuser hinein, wo wir die wunderschönen, alten karpathiotischen Einrichtungen im Inneren der Häuser bewundern konnten. Leider hat der Häuserverfall im Ort sehr zugenommen. Hier sieht man, dass zwei Drittel der Bevölkerung ausgewandert sind. Derzeit gibt es in Olympos noch ca. 250 Einwohner.

Nach unserem großen Rundgang im Ort fuhren wir noch nach Diafani hinunter und konnten die schon an einigen Stellen „wegrutschende“ neue Asphaltstraße beim Langsamfahren (ein griechischer „Learner“ ohne Fahrschulzeichen fuhr vor uns…) erleben. Nach einem Kaffee am Hafen ging es über Spoa, Mesochori, Piles, Othos, Volada und Aperi wieder zurück nach Pigadia. Was für ein wunderschöner Tag war das gewesen!

14. Juni: Heute war „Apella-Tag“. Es ging gleich nach dem Frühstück los. Am Strand von Apella sind wir nach staubiger Fahrt auf steilen Serpentinen – aber sonst war die Piste ganz o.k. – unten gut angekommen. Nur ein Ehepaar war am riesigen Strand, den wir somit ganz für uns alleine hatten. Es gab eine herrliche Wolkenbildung, glasklares Meerwasser und ein gute Aussicht. Im fernen Dunst war Rhodos zu erkennen. Wir konnten beobachten, wie sich die Wolkenbänke, von Westen her kommend gegen die Bergspitzen drängten und sich dann am Ostabhang auflösten. Mit der „Chrisovalantou“ kam später nur noch eine Handvoll Besucher. Unseren Mittagimbiss nahmen wir bei Wirtin Anna in der Taverne oberhalb der Bucht ein. Ich trank im Laufe des Tages mehrere Male ihren exzellenten griechischen Kaffee. Wir warteten bis zur Abfahrt der Chrisovalantou und verließen dann auch dieses Paradies. Danach wie schon an den Tagen vorher: Stulle im Hotelzimmer, Stadtbummel nach Pigadia und Ouzo am Hafen. Die Fußball WM hatte begonnen. Überall sind Fernseher aufgestellt für das „public viewing“, was für ein Betrieb für die Fußballfans!

15. Juni: Heute erlebten wir das Phänomen der Karpathos-Wolkenbänke. Wie eine riesige dicke weiße Wurst rollt eine Wolkenbank nach der anderen vom Westen über das Gebirge, um sich auf der Ostseite in Wohlgefallen aufzulösen, wie wir bei unserem Spaziergang in Richtung Pigadia nach dem Frühstück feststellen konnten.

Wolkenbänke über Karpathos, 15.6.1998

Wolkenbänke über Karpathos, 15.6.1998

Unser Ziel in Pigadia war die Post. Danach sind wir zur Kyria Panagia Bucht gefahren, die wir nur von der Seeseite her kannten. Die neue, asphaltierte Straße geht jetzt bis fast in die Bucht hinein. Neue Hotels deuten daraufhin, was hier in wenigen Jahren los sein wird. Die eigentliche Badebucht ist eng und wird von steilen, hohen Felsen umsäumt. Ein Sand- und Kiesgemisch macht das Laufen etwas schwer. Es war außerdem sehr windig, wir fanden am Strand keine geschützte Stelle. Es war uns auch ganz einfach „zu eng“. Auf einer der Felskuppen sitzt die Kirche Kyria Panagia, nach der die Bucht benannt wurde. In der Umgebung müssen herrliche Kiefernwälder gewesen sein, die dem Brand um 1900 zum Opfer gefallen sind. Vom Strand aus fällt der Boden sehr steil ins Meer. Hier muss man schwimmen können! Für meine Nichte gut, für mich eher nicht.

Wir beschlossen kurzerhand weiter bis nach Apella zu fahren und verbrachten dort einen weiteren, wunderschönen Badetag. Rhodos war klar zu sehen. Durch den immer stärker aufkommenden Wind bedeckte sich das tiefblaue Meer mit dicken, weißen Schaumkronen. Gegen Spätnachmittag fuhren wir zurück und nochmals nach Pigadia zum Einkaufen und Geldwechseln. Endlich gab es zum ersten Mal auch deutsche Zeitungen. Und so erfuhren wir auch heute erst von dem schrecklichen ICE-Unglück bei Enschede am 3. Juni, bei dem so viele Menschen umgekommen sind. Am Abend habe ich den Jeep abgegeben.

16. Juni: Morgens waren wir beide nach einer sehr stürmischen Nacht recht unausgeschlafen. Wie üblich hatte irgendetwas irgendwo geklappert. Nach dem Frühstück unternahmen wir daher einen gemütlichen Stadtbummel nur mit leichtem Mittagessen. Meine Nichte verbrachte den restlichen Vormittag am Hotelpool. Ich ruhte mich einfach aus. Nachmittags wanderten wir bis zum Ende der Pigadia Bucht zur Ag. Nicolaos Kirche. Der Kiefernwald ringsherum ist sehr groß geworden, die Kirche ist kaum zu sehen. Auf dem Rückweg besuchten wir die Ausgrabungen um die frühchristliche Basilika Agia Fotini aus dem 12. bis 13. Jhdt.

Das beim letzen Besuch 1992 anfänglich frequentierte Restaurant „Braxes“ gibt es nicht mehr, dafür eröffnete an gleicher Stelle eine neue Taverne „Green Peace“. Vielleicht sind es ja nur die alten Betreiber unter neuem Namen? Wir wollten es gar nicht erst  „ausprobieren“.

17. Juni: Nachts stürmte es gewaltig. Wir beschlossen nach dem Frühstück zur Panagia Larniotissa zu wandern, einer schönen Kapelle östlich von Pigadia. Man läuft durch die Stadt in Richtung Osten und dann stetig bergauf an einem Berghang entlang, der schroff zur Ost-/Südküste anfällt. Hier waren wir windgeschützt. Linkerhand hinter der Stadt kann man Zyklopenmauerwerk einer alten Akropolis sehen. Auf ihr soll ein Tempel der Athena Lindos gestanden haben. Wir konnten auf unserer Wanderung gut sehen, wie sich der neu gepflanzte Kiefernwald wieder entwickelt. Überall waren kleine Ableger gesetzt worden und hatten sich fest im steinigen Boden verankert. Hier ist der Kiefernwald (fast) wieder intakt. Unseren Mittagsimbiss hatten wir in der Taverne am Hafen in Pigadia. Wegen dem immer noch anhaltenden starken Wind verbrachten wir den Nachmittag am Hotelpool. Abends Stullen Abendbrot im Hotelzimmer mit anschließendem Stadtbummel. Reichlich windzerzaust ging es zurück ins Hotel.

Alte Wasserstelle in Pigadia, 17.6.1998

Alte Wasserstelle in Pigadia, 17.6.1998

18. Juni: 66ster Geburtstag! Kurzerhand entschlossen wir uns, nochmals für 2 Tage einen kleinen Leihwagen zu mieten zum „Umherfahren“. Also ging es mit unserer kleinen Nuckelpinne los über Aperi, Volada, Othos, Piles bis nach Lefkos. Dieser Ort ist eigentlich im Sinne des Wortes kein „Ort“, sondern besteht aus zwei kleinen Ansiedlungen. Der kleine Hafen hat einen sehr schönen Sandstrand mit neuen Tavernen und kleinen Hotels, die auch hier auf eine verstärkte touristische Erschließung hindeuten. In der Nähe sind mehrere Buchten mit schönen Sandstränden umgeben von Tamarisken. Direkt am Hafen befinden sich die Reste der Apsis einer wohl einst sehr großen frühchristlichen Basilika. Andere Reste vorchristlicher Besiedlungen und Felsengräber aus mykenischer Zeit liegen oberhalb vom Lefkos Hafen. Diese sind ausgegraben worden, dienen allerdings, da offen zugänglich, vielen Ziegen als Winterquartier. Der am Hafen von Lefkos entdeckte Mosaikboden aus frühchristlicher Zeit wurde wieder mit Sand bedeckt, da man keine finanziellen Möglichkeiten hat, ihn in einem Insel eigenen Museum auszustellen. Wir besuchten noch die schöne, oberhalb eines Flussbettes gelegene Agios Georgios tou Lefkou Kirche in der Nähe von Lefkos. Die Kirche ist aus Naturstein gebaut und soll eine der ältesten und einzigen Kreuzkuppelkirchen auf Karpathos sein. Sie hat leider sehr stark verwitterte, aber dennoch erkennbare, schöne Fresken. Nach dem Mittagessen in der Taverne von Manoli in Finiki verbrachten wir den Nachmittag am Strand von Arkassa bei herrlicher Brandung. Nur wurde der Wind leider immer stärker.

19. Juni: Über Nacht erreichte der Wind fast Orkanstärke. Vor allem die Windböen wurden immer heftiger. Wir fuhren dennoch los und besichtigten erst die Ag. Nektarios Kirche, die leider verschlossen war und einen ziemliche verwahrlosten Eindruck auf uns machte. Erst hinterher erfuhren wir, dass der Türschlüssel unter einer, vor der Apsis liegenden Marmorplatte versteckt ist. Das war unser erster „Rückzug“. Den zweiten vollzogen wir auf dem ansonsten fantastisch abenteuerlichen Weg von Volada zur Stavrou Kirche und den Burgresten der Cornaros Familie, die Karpathos von 1306 bis 1538 beherrschte.

Burgreste der Canaros Familie bei Volada, 19.6.1998

Burgreste der Canaros Familie vei Volada, 19.6.1998

Die Windböen wurden so heftig, dass wir, oben auf dem Sattel eines Bergrückens angekommen und die Burg schon „im Visier“ habend, aufgeben mussten. Wir wären sonst den Berghang hinunter gefegt worden. Das letzte Stück des Pfades führte entlang einer steilen Felswand bis zur Kirche mit der Burg dahinter. Auf dem Sattel kam ich nur noch auf allen Vieren voran. Weiter zu kriechen riskierte ich nicht. Der dritte Rückzug war echt dramatisch und hätte (beinahe) ins Auge gehen können. Ich schloss uns beim Besichtigen der Ag. Georgios Kirche unterhalb von Othos ein. Die Tür hatte nur eine kleine Klinke draußen. Gottseidank hatte diese Kirche wenigstens ein kleines Fenster zum Öffnen in der Westwand. Ehe wir uns vorstellen mussten, wie lange wir hier drinnen hätten warten müssen, bis uns jemand „rettet“, war ich hinausgeklettert (was mit einigen Schrammen verbunden war) und konnte die Tür von außen öffnen. Das Dankesgebet nach oben und die Kerze für den Heiligen Georg kamen aus vollem Herzen! In Othos hatten wir vorher unseren TUI-Bus getroffen, der mit einer Ladung Touristen zur Dorfbesichtigung dort war. Wir trafen uns nochmals beim Mittagessen in Finiki in der Taverne. Auch auf Karpathos ist die Welt klein. Wir verbrachten den restlichen Tag beim „Wellenhüpfen“ in der Ag. Nicolaos Bucht von Arkassa und beschlossen ihn mit Stullen Abendbrot im Hotel, Stadtbummel nach Pigadia und Ouzo am Hafen.

20. Juni: Das war ein Wandertag für mich und Ruhe-Bummeln-Badetag für meine Nichte. Ich stand sehr früh auf, um noch frühstücken zu können, bevor mich der Tui-Bus abholte. Wir waren nach dem Zusteigen weiterer Teilnehmer in Amopi dann 23 lauter nette Leute und fuhren zuerst nach Mesochori.

Schon unterwegs wurden wir eingestimmt auf den Wandertag durch unsere hervorragende Führerin Barbara, eine Deutsche, die seit 1984 auf Karpathos lebt, gut Griechisch spricht und trotz aller Schwierigkeiten mit dem Leben in einer fremden Kultur (wie erinnerten mich ihre Erzählungen an meine 22 Jahre Leben und Arbeiten in Ghana, einem afrikanischen Entwicklungsland!) und den damit verbundenen alltäglichen Unzulänglichkeiten diese Insel und ihre Menschen liebt.

Mosaiken in Mesochori, 20.6.1998

Mosaiken in Mesochori, 20.6.1998

Nach etwa einstündigem Aufenthalt in Mesochori, den ich, da wir hier schon einige Male waren, zum Skizzieren nutzte, ging die Wanderung los in Richtung Lefkos durch eine wechselhafte Vegetation und herrliche Landschaft, abwechselnd mit Kiefernwald und Heide. Die Zeit verging, begleitet von Barbaras Erläuterungen und Erzählungen viel zu schnell. Im Nu waren wir oberhalb von Lefkos angekommen und besichtigten dort noch die Ausgrabungen in den Felshöhlen. In einer Taverne am Hafen von Lefkos gab es Mittagessen. Nachmittags war dann Rückfahrt. Dieser schöne und interessante Tag (auch meine Nichte war mit ihrem Bummeltag am Strand sehr zufrieden) wurde mit Abendessen in der Taverne gegenüber vom Hotel, Spaziergang nach Pigadia und Ouzo am Hafen beschlossen.

21.Juni: Es wurde ein letzter Apella Bucht Tag. Diesmal mit TUI. Nach dem Frühstück wurden wir mit dem Bus abgeholt, der uns zum Hafen brachte. Von dort aus fuhren wir mit der „Chrisovalantou“ zur Apella Bucht. Es war mal wieder starker Wind, und die Fahrt wurde ganz schön schauklig auf der mit Schaumkronen bedeckten kabbeligen See.

In der Apella Bucht suchten Petra und ich uns eine Nische, wo der Wind nicht hinein blies. Über uns breitete ein dicker Basilikum Busch seine Äste aus, dessen frischer Kräuterduft uns den ganzen Tag begleitete. Ansonsten flog um uns herum alles weg, was nicht mit dicken Kieselsteinen beschwert wurde. Wir lernten heute zwei der drei Stufen des Meltemi kennen:

  • Stufe 1: „Kareklaris“ = wirft nur Stühle um. Das haben wir hier erlebt.
  • Stufe 2: „Trapezaris“ = fegt Tische fort. Das haben wir auch erlebt in der Taverne oberhalb der Bucht, wo man nicht mehr sitzen konnte.
  • Stufe 3: „Kambanaris“ = lässt die Kirchenglocken läuten. Das möchten wir eigentlich nicht erleben…

Es herrschte eine derart starke Brandung in der Bucht, dass kaum jemand der wenigen anderen Besucher ins Wasser ging. Selbst meine Nichte nicht. Ich schon gar nicht! Der Meeresboden hier ist voller Kiesel mit ziemlich großen Felsbrocken dazwischen, nicht zu vergleichen mit dem in der Bucht vor Arkassa. Aber es wurde dennoch mit der hinreißend schönen Landschaft ringsherum ein wunderschöner Tag zum Erinnern. Gegen 16 Uhr tuckerten wir zurück mit Zwischenstopp in Kyria Panagia, nahmen dort einige Leute auf und erreichten heftig schaukelnd Pigadia. Dort kauften wir uns noch Zeitungen, machten einige Fotos und beschlossen den Tag im Hotel mit Stullen Abendbrot und einem Glas Wein auf dem Zimmerbalkon.

22. Juni: Noch immer wehte ein sehr starker Wind. Wir planten daher keine Ausflüge mehr, sondern einen Souvenir-Einkaufstag. Was sollten wir nun alles mitnehmen? Honig, Ledertasche, Stickdeckchen, Olivenseife, Olivenöl, usw. Das haben wir dann auch alles in Pigadia eingekauft und außerdem letzte Postkarten und Briefe eingesteckt. Danach sind wir zur Ag. Nicolaos und Michaelis Kirche gepilgert, zum Friedhof, die Hafenpromenade entlang und haben überall sehr stürmischen Abschied genommen. Ich habe dann noch versucht die Säulen von Ag. Fotini zu skizzieren. Die sind dabei echt windschief geworden! Dann haben wir mit Packen den Tag beendet.

23. Juni: Da ist nicht viel zu berichten. Wir sind heim geflogen und gut wieder in Deutschland und Zuhause in Magdeburg gelandet. Auch dieser sehr windige griechische Inselurlaub bleibt uns unvergessen.

Skizzieren bei Windstärke 7

Skizzieren bei Windstärke 7

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