1984: Mein zweiter Urlaub in den Dolomiten vom 23. Juli bis 11. August

Meine zweite Reise in die Dolomiten auf die Regensburger Hütte konnte ich 1984 erst später, als es eigentlich geplant war antreten. So war die Blütenpracht auf den Almwiesen nach der ersten Mahd mehr oder weniger verschwunden. Und die Hütte war schon gut gefüllt. Fast überall waren Schulferien, und die sommerliche Urlaubswelle brachte ab Anfang August auch viele Italiener in die Berge. Ich bin am 23. Juli frühmorgens aus Darmstadt abgefahren und am späten Nachmittag in St. Christina im Grödner Tal angekommen. Mein Auto stellte ich diesmal in der Col Raiser Liftgarage ab. Vorher habe ich mir noch im Ort ein leckeres Eis genehmigt. Dann ging es nur mit kleinem Rucksack + Kamera im Korb-Lift, der nicht jedermanns Sache ist zum Col Raiser hoch. Von dort bin ich bis zur Regensburger Hütte gelaufen. Den großen Rucksack brachte Carlo abends mit seinen Einkäufen hoch. Die herzliche Begrüßung durch die Perathoner Familie und viel Erzählen rundeten den Ankunftstag ab.

24. Juli: Nach dem Frühstück (ganz früh eingenommen) wanderte ich bei schönstem Sonnenschein auf dem Weg 13 bis zur Abzweigung ins Wassertal und danach wieder zurück zur Hütte. Das war sozusagen mein erster Schnupperrundgang. Ich konnte in aller Seelenruhe viele Gamsen und Murmeltiere beobachten, da nur ganz wenige Sas Rigais Besteiger und andere Bergwanderer ebenfalls aus der Hütte unterwegs waren. Der erste Lift aus St. Christina kommt am Col Raiser gegen 8.30 Uhr an mit den ersten Tagesgästen. Ich hatte mir vorgenommen immer so früh wie möglich morgens los zu wandern; denn dann bin ich schon weit entfernt von der Hütte unterwegs und mit der herrlichen Bergwelt und Natur um mich herum fast allein. Vor dem Urlaub hatte ich mich auch noch mit der Alpenflora beschäftigt. Und obwohl die meisten Wildwiesenblumen der Mahd zum Opfer gefallen waren, gab es noch ganz viele andere schöne Blumen, die ich fotografieren konnte an den Berghängen und zwischen den Felsen. Sie werde ich in einem kleinen Blumenalbum als PDF-Datei diesem Bericht anfügen.

25. Juli: Heute bin ich über die Fermeda Hütte bis zum Cuca Sattel gelaufen und dann auf den Pic Berg hoch und wieder runter gestiegen. Danach ging es auf schmalen Pfaden bergauf und bergab über die Seceda, die Pana Scharte und die Troier Alm wieder zurück zur Hütte. Unterwegs bin ich beim Troier Wirt zur Jause eingekehrt. Da war es rappelvoll. An allen Bachläufen und Steilhängen gab es noch viele Blumen zu bewundern.

26. Juli: Nach einem frühen Aufbruch bin ich bis zur Sieles Scharte gewandert und habe mir unterwegs viel Zeit gelassen, um Tiere und Vögel beobachten und die Alpenflora ansehen zu können. Von der Scharte bin ich zum Col dala Pieres hoch gestiegen auf einem Klettersteig. Ein etwas schwieriges Stück davon ist mit einem Drahtseil gesichert. Da hatte sich ein Stau gebildet, weil eine Frau vor mir nicht schwindelfrei war und in Panik geriet. Ihr Mann, der vor ihr ging schrie auf sie ein und machte alles noch viel schlimmer, bis ein beherzter Wanderer vor mir die Frau beruhigen konnte und sie geschickt durch die knifflige Passage führte. Dem meckernden Ehemann der Dame hat er dann eine Lektion in gutem Benehmen erteilt und ihn „zur Minna gemacht“, wie man hierzulande sagt. Sehr kleinlaut und schnell zog der danach von dannen. Seine Frau hat mir sehr leidgetan.

Ich bin danach über die Stevia Hochfläche bis zur Stevia Hütte gegangen. Dort habe ich eine „Jausenpause“ eingelegt, bin die Sylvester Scharte hinunter gestiegen, noch zur Juac Hütte gelaufen und von dort zurück zur Regensburger Hütte. Das war ein wunderschöner Wandertag voller vieler Erlebnisse. Was war das doch von dort hoch oben für eine Aussicht gewesen! Die Sonne hat uns gewärmt. Der Himmel über uns war blau und voller weißer Wattewolken.

Weg zur Regensburger Hütte vom Col Raiser Lift, 30.7.

Weg zur Regensburger Hütte vom Col Raiser Lift, 30.7.

Der 27. Juli war Einkaufstag in St. Christina, wohin ich zu Fuß gelaufen und danach mit dem Lift wieder nach oben gefahren bin. Den Rest des Tages war Ausruhen angesagt und Klönen mit der Hüttenfamilie. Am Tag darauf, dem 28. Juli bin ich wieder recht früh bis zur Wasserscharte gewandert und von dort durch das Wasserrinnental zurück gelaufen. Wenn ich unterwegs nirgendswo einkehren kann für eine Jause, nehme ich mir immer (außer Wasser) Äpfel als „Snack“ mit, die ich dann an einer schönen Stelle, von wo aus ich gute „Ausblicke“ habe als Mittagsimbiss verspeise.

Blick ins Wassertal

Blick ins Wassertal

29. Juli: Gleich nach dem Frühstück bin ich über die Juac Hütte bis nach Wolkenstein und dort bis zum Danterchepies Lift gelaufen. Das ist ein wunderschöner Weg. Mit der Gondel ging es hoch zum Grödner Joch. Da trug der Langkofel doch tatsächlich einen „Wolkenhut“. Der hielt sich sogar eine ganze Zeitlang – toll! Vom Joch bin ich bis zum Cir Joch gewandert und von dort ins enge Chedul Tal hinuntergestiegen bis ins Langental bei Wolkenstein. Eine wilde Bergwelt umgibt den Wanderer auf diesem Weg. Aber niemand hat mir vorher gesagt, was das für ein steiler und rutschiger Abstieg ist, der trotz meiner Wanderstöcke meine Knie gewaltig belastet hat und sehr anstrengend war. Ich hatte mir zwar schon im Vorjahr die vom berühmten Südtiroler Bergsteiger Reinhold Messner gepriesenen Macalu Stöcke besorgt, die eine große Hilfe sind beim Wandern in den Bergen. Aber bei diesem steilen Abstieg waren die Stöcke und wohl auch ich überfordert. Ich hatte die ganze Nacht über Schmerzen in beiden Knien. Hätte ich mich doch richtig ausgeruht in den Tagen danach! Von Wolkenstein bin ich, weil ich nach dieser Wanderung total platt war, mit dem Bus nach St. Christina zurück gefahren und dann wieder per Lift und zu Fuß zurück zur Hütte.

30. Juli: Ich legte am kommenden Tag einen Ausflugstag nach Brixen und zum Kloster Neustift ein. Früh ging es zu Fuß hinunter nach St. Christina, wo ich mein Auto abholte für die Fahrt. Die altehrwürdige Bischofsstadt Brixen im Südtiroler Eisacktal ist eine der ältesten Städte Tirols und beherbergt viele historische Bauten. Ich bin nur zur Hofburg, dem früheren Sitz des Bischofs und durch das Zentrum bis zum Dom gelaufen und habe mich in dessen Umgebung umgeschaut. Um die Stadt richtig erleben und ihre Schätze alle entdecken zu können braucht man mehrere Tage; denn die Innenstadt ist voller Kleinode mit vielen Baudenkmälern in den Altstadtgassen, Plätzen und mittelalterlichen Lauben.

Nach der leider nur kurzen Stadtvisite bin ich noch zum 1142 gegründeten Kloster Neustift, einem Augustiner Chorherrenstift gefahren, das nur 5 km von Brixen entfernt ist. Die Chorherren betreuen heute mehr als 20 Pfarreien, und das Kloster Neustift ist ein Bildungshaus. Die große Anlage hat mich sehr beeindruckt. Sie vereint baugeschichtliche Elemente der Romanik, Gotik, Renaissance und des Barock. Zurück bin ich ins Grödner Tal von Klausen aus über eine andere Straße gefahren, von der aus man herrliche Fernblicke hat. Das Auto stellte ich wieder in der Col Raiser Lift-Garage in St. Christina ab, und „in der Tonne“ ging es hoch zum Col Raiser und von dort per pedes zurück zur Hütte. Das war nochmal ein sehr anstrengender Tag gewesen. Aber voller vieler schöner Eindrücke, die noch lange in mir nachklangen.

Der 31. Juli sollte wieder ein Wandertag werden, zu dem ich sehr früh von der Hütte aus startete. Zuerst wanderte ich bis zur Roa Scharte. Von dort aus bin ich über den Klettersteig auf den Piz Duleda gestiegen und habe mir an einer Stelle, wo ich eine höhere Stufe im Fels überklettern musste, um zur Nives Scharte zu kommen einen Seitenbandanriss am rechten Knie zugezogen. Das Knie schwoll sofort an. Dennoch bin humpelnd mit dem verletzten Knie zunächst bis zur Scharte hochgeklettert. Die Ausblicke von dort über das ganze, sich vor mir ausbreitende Dolomiten Panorama waren spektakulär. Trotz schmerzendem Knie bin ich dann auch noch bis zum Gipfelkreuz aufgestiegen. Von dort oben hatte ich ebenfalls eine herrliche Aussicht.

Weil jetzt doch sehr heftige Schmerzen auftraten, habe ich nach dem Abstieg vom Duledes auf der Hochfläche einfach am Weg zur Puez Hütte auf einem Fels sitzend auf Hilfe gewartet. Die kam dann auch nach einiger Zeit in Form einer Jugendgruppe mit Führer. Die Gruppe kam von der Puez Hütte, und die Jugendlichen wollten zur Regensburger Hütte. Sie halfen mir beim Abstieg durch die Sieles Scharte, trugen meinen Rucksack und stützten mich den ganzen Weg zurück bis zur Hütte. Carlo fuhr mich dann mit dem Jeep sofort nach St. Christina zum Arzt. Da wurde mein nun tüchtig dick angeschwollenes Knie behandelt (punktiert) und verbunden. Die Heilung soll ziemlich lange dauern, wurde mir gesagt. Das waren keine guten Aussichten. Aber der Arzt war doch hoffnungsvoll, dass alles gut gehen würde. So sind nun „Knie-Stilllegen“, Kühlen und Schonen angesagt! Damit war mein Dolomitenurlaub zu Ende. Ich nahm das gelassen hin – was blieb mir auch anderes übrig – und habe die mir noch verbleibenden Tage einfach als totale „Ausruhtage“ angenommen.

Am nächsten Tag, dem 1. August habe ich in oder vor der Hütte das verletzte Knie hochgelegt und gekühlt. Ich erhielt einen bequemen Liegestuhl hinter der Hütte, wo mich niemand störte. Die ganze Hütten Familie, Viktor, Resi, Mizzi, Bruno, Carlo, Manuela und auch Gottfried, der Senn, sie alle besuchten mich hin und wieder und spendeten Trost. Ich war nicht allein. Carlo brachte mich in den Tagen darauf regelmäßig nach dem Frühstück per Jeep nach St. Christina zum Arzt und wieder zurück. Ich ruhte mich auf der Hütte aus, dabei das Knie immer hochgelegt. Am 3.8. bin ich zum ersten Mal ein paar Schritte mit meinen Stöcken um die Hütte herum spaziert, aber das „schmeckte“ noch nicht so richtig. Es wurde weiter ausgeruht und das Knie hochgelegt. Und im Liegestuhl oder im Gras in der Sonne gelegen. Bis zum 9. August nahm mich Carlo mit nach St. Christina und brachte mich zum Arzt. Ich habe viel gelesen und geschrieben. Nun wurde ich auch offiziell krankgeschrieben und habe mein Büro entsprechend benachrichtigt. Langsam wurde das Knie besser. Mit den Stöcken konnte ich schon ganz gut um die Hütte herum laufen. Am 9.8. bin ich ganz vorsichtig bis zum Col Raiser gelaufen, habe dort in der Sonne gesessen und die Bergwelt in mich aufgenommen.

10. August: Nach dem Frühstück bin ich langsam bis zum Col Raiser Lift gelaufen und nach St. Christina hinuntergefahren. Dort habe ich das Auto geholt, bin zum Arzt gefahren, zur Post, zum Tanken und Einkaufen. Alles ging zwar recht langsam, aber schon fast schmerzfrei. Am Abend habe ich mich dann auf der Hütte von allen herzlich verabschiedet und gepackt.

Die Regensburger Hütte mit dem Senner Haus

Die Regensburger Hütte mit dem Senner Haus

11. August: Carlo brachte mich nach dem Frühstück runter zu meinem Auto. Von St. Christina aus bin ich über Innsbruck und den Fernpass bis nach Kempten gekommen. Ein Unwetter begann und hat die Weiterfahrt unmöglich gemacht. Ich habe einfach meine Fahrt unterbrochen, in Grönenbach übernachtet und bin erst am nächsten Tag zurückgefahren nach Darmstadt. Wenn auch der Urlaub nicht so endete, wie ich es geplant hatte, habe ich doch wieder herrliche Tage bei meinen Südtiroler Freunden auf ihrer Hütte erlebt inmitten einer einmalig schönen Bergwelt und werde auf jeden Fall wiederkommen.

Es folgt ein kleines Blumen Album als PDF-Datei. Die Bergwiesen in den Dolomiten sind ein Teil der biologischen Lebensqualität, nicht nur für die Menschen, die dort leben, sie sind auch eine Quelle tiefer Bewunderung und Freude für die Besucher die sich an der Blumenpracht nicht satt sehen können bei ihren Wanderungen durch die einmalig schöne Bergwelt. Das kleine Blumen Album ist kein Blumen Führer, sondern soll einfach die für mich schönsten Blumen zeigen, die ich bei meinem zweiten Dolomitenurlaub vor meine Kamera bekam. Sie gehören alle zur typischen Kalkalpenflora.  

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