Der GATE – Kleinprojektefonds

1986 wurde ein Fonds für die finanzielle Unterstützung von sogenannten „Kleinprojekten“ in der ehemaligen Abteilung GATE der GTZ eingerichtet. Die Notwendigkeit für eine derartige Finanzierungshilfe hatte sich damals aus den vielen Anfragen ergeben, die im Rahmen des GATE-Frage-Antwort-Dienst Programms beantwortet wurden. Sehr häufig scheiterten Selbsthilfegruppen oder auch Kleinunternehmer in Entwicklungsländern bei der Planung und Durchführung von Projekten oder Aufträgen daran, dass es in ihrem Land oder in ihrer Region kein ausreichendes Bildungsangebot gab für ein solches Klientel oder, dass die geeigneten Gerätschaften für eine Innovation oder die Verbreitung einer neuen Technologie fehlten oder einfach nicht genügend Eigenkapital vorhanden war, um z.B. eine Nähmaschine oder ein spezielles Werkzeug erwerben zu können. Außerdem gab es in den Anfang Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts noch keine „IT“, kein Internet und damit auch keine einfachen Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Organisationen oder Knowhow Ressourcen, von deren Erfahrungen man hätte profitieren können für die eigene Arbeit oder das eigene Unternehmen.

In den gängigen, meist großangelegten EZ-Projekten der damaligen Zeit wurde die Unterstützung von solchen kleinen Maßnahmen nicht berücksichtigt, die häufig nur eine geringfügige Finanzierung benötigten für die doch immer wieder propagierte „Hilfe zur Selbsthilfe“. Mit bis zu DM 5.000,00 pro Kleinprojekt sollten nun aus dem Fonds Vorhaben im Bereich der Verbreitung angepasster Technologien angestoßen werden, um Kleinunternehmern oder Selbsthilfegruppen zu einem Einkommen und zur Selbständigkeit und damit Selbstbestimmung zu verhelfen. Für große Projekte und/oder Programme der Technischen Entwicklungszusammenarbeit waren solche kleinen Beträge „peanuts“, mit denen man sich nicht abgeben konnte (oder wollte). Diese Einstellung hat sich jedoch in späteren Jahren total geändert, nachdem ersichtlich geworden war, wie erfolgreich Selbsthilfegruppen und Einzelpersonen (meistens Frauen und Kleinunternehmer) mit einer geringfügigen Finanzierung umgehen und was sie damit bewegen können.

Muhammad Yunus gründete 1983 in Bangladesch die Grameen Bank, ein Mikrofinanz-Kreditinstitut. Der Wirtschaftswissenschaftler Yunus hatte festgestellt, dass arme Menschen in seinem Land nur ein geringes Kapital brauchen, um z.B. Rohstoffe oder erforderliche Materialien und Werkzeuge für ihr Handwerk zu erwerben. Diese „Kundengruppe“ würde von keinem Geldverleiher oder gar von einer Bank mit Krediten bedient werden. Die positiven Erfahrungen der Grameen Bank, vor allem mit Frauen als Kreditnehmerinnen, die ausgezahlte Kredite mit Zinsen fast immer pünktlich zurückzahlen haben gezeigt, wie wichtig gerade kleine Finanzierungsmöglichkeiten sind.

2007 hatte die Grameen Bank etwa 7,4 Millionen Kreditnehmer, davon 97% Frauen. Heutzutage wird das Konzept der Bank in 60 Entwicklungsländern angewendet. 2006 erhielten die Bank und ihr Gründer den Friedensnobelpreis. Mikrofinanzvorhaben sind heute Bestandteil vieler Vorhaben der technischen und finanziellen Entwicklungszusammenarbeit. Auch die deutschen Botschaften verfügen in der Zwischenzeit über „Kleinhilfefonds“. In einigen der von mir betreuten Kleinprojekte wurde ein Teil der Finanzierung für die Einrichtung sogenannter „revolving funds“ (revolvierende Fonds) genutzt. In diese floss ein Anteil der Rückzahlungen von Krediten, sodass damit neue Finanzierungsmöglichkeiten geschaffen werden konnten. Als begleitende Maßnahmen in größeren EZ-Vorhaben der ehemaligen GTZ wurden Kleinprojekte nun „salonfähig“. Von „peanuts“ sprach niemand mehr.

Die Entscheidung über einen Projektantrag für die Finanzierung eines Kleinprojektes durch GATE unterlag folgenden Kriterien:

1. Die Antragstellende Organisation (NRO oder Selbsthilfegruppen) oder auch Kleinunternehmen sollten über Erfahrungen verfügen in der Planung, Durchführung, Bewertung und Dokumentation von Projekten in Zusammenarbeit mit Basisgruppen, also den unmittelbar von dem Vorhaben Betroffenen.
2. Das Projekt sollte mit Hilfe der Finanzierung in sich abgeschlossen und nachhaltig sein, sowie Potential für Neuerungen und Verbreitungsmöglichkeiten beinhalten.
3. Das Vorhaben sollte die bestehenden sozio-ökonomischen Verhältnisse der Zielgruppe bei der Einführung angepasster Technologieaspekte berücksichtigen.
4. Das Projekt sollte dazu beitragen die Lebensbedingungen der Armen zu verbessern und ihr Selbsthilfepotential zu stärken durch die Schaffung von Einkommensquellen bei gleichzeitiger Schonung der Umwelt.
5. Eine mit Hilfe des Fonds finanzierte Maßnahme sollte größtenteils von den Betroffenen selbst geplant und auch durchgeführt werden können.

In der Zwischenzeit war die Summe pro Kleinmaßnahme auf DM 30.000,00 erhöht worden. Als Projektdauer für ein Kleinprojekt wurde ein Zeitraum von ein bis zwei Jahren vorgegeben. Nach etwas mehr als 10 Jahren Projektlaufzeit für das Kleinmaßnahmen-Vorhaben wurde 1997 ein Wirkungsmonitoring der bis dahin über 200 Kleinprojekte durchgeführt. Dabei wurden betriebswirtschaftliche, gesamtwirtschaftliche, ökologische und soziokulturelle Aspekte untersucht und die Nachhaltigkeit und Verbreitungswirkung bewertet. Außerdem wurde festgestellt ob das Projektziel im vorgegebenen Zeitrahmen erreicht wurde und mit dem Projekt letztendlich auch die Zielgruppe. Mit GATE kooperierende Partnerorganisationen in den betroffenen Ländern oder Regionen wurden in das Monitoring mit einbezogen und haben für einige Kleinprojekte auch Evaluierungen durchgeführt. Nicht alle Vorhaben sind erfolgreich gewesen. Bei vielen überwog wohl der Wunsch mit geringen Mitteln direkt etwas anstoßen oder schaffen zu können ohne langwierige Verhandlungen und bürokratische Hindernisse, denen andere EZ-Projekte zumeist unterlagen. Dieser Wunsch war oft auch mit der Hoffnung auf einen „Schneeballeffekt“ verbunden. Bis zum Ende meiner Tätigkeit bei der GTZ, einschließlich der Jahre, in denen ich nach meinem Ruhestand noch als Gutachterin gearbeitet habe, stieg die Zahl der unterstützten Kleinprojekte bis auf fast 400 an mit einer Fördermittelhöhe von etwa € 30.000,00 pro Maßnahme.

Ich möchte an dieser Stelle einige der von mir betreuten 30 Kleinprojekte während meiner Dienstzeit in der GTZ bei GATE einer eigenen kurzen Analyse unterziehen. Von den 30 Vorhaben wurden in Ghana 10, in Zimbabwe 4, in Kenia 4, in Äthiopien 2 Projekte und in Botswana, Namibia, Ägypten, Indien, Sri Lanka, Nepal, Thailand und Jamaica jeweils 1 Projekt unterstützt. Auch die in Ghana unterstützten Kleinprojekte für eine verbesserte Bienenhaltung haben mit dazu beigetragen, die Imkerei in Ghana zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, worüber ich im Rückblick auf das GATE-Kooperationspartnerprogramm berichtetet habe. Einige der Kleinmaßnahmen haben sich außer der Ausbildung von Frauen zu Imkerinnen auch mit der Nutzung der „Nebenprodukte“ befasst. Nicht nur der Honig wurde geerntet, sondern auch der Bienenwachs, der vor allem für die Kosmetikindustrie in Ghana und im Kunsthandwerk der Ashantis für den Gelbguss verwendet wird. Eine Tabelle der von mir betreuten Kleinprojekte folgt als PDF Datei am Ende des Berichtes.

 

Zimbabwe 3/1: Ausbildung eines Instrukteurs zum Bau von Werkzeugmaschinen (Ecological Designs)

Mit der damals in Masvingo in den sogenannten Lowlands in Zimbabwe angesiedelten Firma Ecological Designs habe ich ab 1983 oft zusammengearbeitet und hatte dabei immer gute Erfahrungen gemacht. Mit dem Kleinprojekt wurden 1987 dem Unternehmen verschiedene, für die Produktion von Leichtbetondachziegeln und gepressten Lehmsteinen benötigte Gerätschaften (Rütteltische, Formen, Pressen) zur Verfügung gestellt. Von Ecological Designs sollten diese an die örtlichen Gegebenheiten angepasst werden für ihre Nutzung in ländlichen Werkstätten. Ein Instrukteur für die Anleitung von geeigneten Handwerkern sollte entsprechend ausgebildet werden. Nach der Lieferung der Geräte und Werkzeuge hat sich jedoch der Firmenleiter mit denjenigen, die für das Training vorgesehen waren überworfen, sodass das Vorhaben nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Die Firma befand sich zu der Zeit bereits in einer Umbruchsphase. 1985 war eine neue Gesellschaft für die Herstellung von Solar-Systemen (solare Warmwasser Erhitzer und Photovoltaik) gegründet worden, in die sich Ecological Designs in Masvingo integriert hat. So wurde aus Ecological Designs das Samansco Unternehmen, das sich mit „Renewable Energy for Sustainable Development“ befasste. Dennoch kann man das Kleinprojekt nicht als gescheitert einstufen. Denn letztendlich ist mit „Samansco“ (1991 Gründungsmitglied der „Solar Industries Association of Zimbabwe“) nicht nur für die nationale, sondern auch für die regionale Wirtschaft im südlichen Afrika ein ganz wichtiges Unternehmen entstanden, dass heutzutage mit vielen europäischen (auch deutschen) Firmen verlinkt ist. Was aus den damals gelieferten Gerätschaften geworden ist, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis, weil die ehemalige Firmenleitung nicht mehr kontaktiert werden konnte.

Kenia 4/2: Nutzung von Abfällen der Kokosnuss (FAZA Frauengruppe, Lamu)

Dieses Kleinprojekt wurde 1988 von einer kenianischen Malerin und Kunstgewerblerin beantragt, die sich besonders für die Unterstützung von Frauen eingesetzt hat. Sie führte selbst die verschiedenen Ausbildungsworkshops durch, in denen Mitglieder von verschiedenen Frauengruppen lernen, wie sie aus den Schalen von Kokosnüssen an Kenias Küsten allerlei nützliche Gegenstände (Knöpfe, Kämme, Schalen, Teller usw.) herstellen können. Bei den Mitgliedern der FAZA Frauengruppe handelte es sich um Kikuyu Frauen, die ins Hinterland von Lamu zwangsumgesiedelt worden waren. Es gab von Anfang an Schwierigkeiten mit der einheimischen Bevölkerung. Ähnliche Probleme gab es dann auch mit der Jitegeme Frauengruppe (Projekt Nr. 46/13), obwohl bei der Gründung dieser Gruppe von Anfang an der Versuch unternommen wurde, Frauen der einheimischen Ethnien mit in das Projekt zu integrieren. Den Frauen der FAZA Gruppe, die mit Hilfe der anfänglich sehr gut laufenden Kleinmaßnahme zu Einkommen gelangten durch den Verkauf ihrer Produkte vor allem an Touristen, wurden durch den Neid der einheimischen Frauen große Schwierigkeiten bereitet. Letztendlich löste sich die TAZA-Gruppe auf, weil die Auseinandersetzungen zwischen den Ansiedlern und Einheimischen immer gravierender wurden. Inwieweit man eine solche Entwicklung hätte voraussehen und bei der Entscheidung über die Förderung entsprechend berücksichtigen müssen ist ungewiss. Leider wurde so ein guter Projektansatz am Ende zum Scheitern verurteilt.

Ghana 9/4: Kurbelwellenschleifmaschine für die Autoreparaturwerkstatt vom IITU in Tema

Der Antragsteller war das Technology Consulting Center (TCC) der Universität in Kumasi, mit dem GATE eine Kooperationspartnerschaft eingegangen war. Bei der Maschine handelte es sich um eine gebrauchte und wieder hergerichtete Kurbelwellenschleifmaschine, die aus England zu sehr günstigen Bedingungen bezogen werden konnte. Die 1988 neu eingerichtete Autoreparaturwerkstatt der „Intermediate Technology Transfer Unit“ in der Hafenstadt Tema benötigte eine solche Maschine besonders für die Reparatur von Landrover Kurbelwellen. Im gesamten informellen Sektor in Ghanas Städten wurden besonders Autos englischer Herkunft gekonnt repariert. Als ich diese Kleinmaßnahme befürwortet hatte, musste ich mir von unseren Fachexperten öfter Bemerkungen wie diese: „Können die damit überhaupt umgehen?“ anhören. Ja, sie konnten, und das viele Jahre lang, denn die Maschine hat fürwahr ein „Methusalemalter“ erreicht. In der Zwischenzeit ist sie von modernen Maschinen abgelöst worden.

Kenia 15/8: Schulungszentrum für Frauen in Kibwezi, CHEK

CHEK („Council for Human Ecology – Kenya“), eine NRO mit ganzheitlicher Herangehensweise in Entwicklungsprogrammen wurde zu der Zeit, als ich in Kenia das „Low-cost-housing“ Projekt betreute von Erica Mann als Direktorin geführt. Mit ihr verband mich über viele Jahre eine kollegiale Freundschaft. Sie war wie ich, Architektin und Städteplanerin. Sie war mit ihren jüdischen Eltern als Kind 1940 aus Rumänien bis nach Kenia geflohen, also auch wie ich ein Flüchtling. Uns hat viel verbunden. Vor allem aber besonders unsere Liebe zu Afrika und unsere Verbundenheit mit den afrikanischen Frauen. Sie baute mit Frauen zusammen das von CHEK unterstützte Schulungszentrum in Kibwezi auf in der Nähe von der Distriktstadt Voi an der Straße von Nairobi nach Mombasa. In der Umgebung wurde außerdem gleichzeitig in den Endachtzigern das von der GTZ damals sehr erfolgreich unterstützte Mittelstadt-Beratungsvorhaben in Voi durchgeführt. In dieses Projekt wurden ebenfalls Frauen mit einbezogen beim Bau ihrer eigenen Häuser. Sie lernten im von mir o.e. Vorhaben, wie gepresste Lehmsteine und Leichtbetondachziegel für den Hausbau hergestellt werden. In dem Schulungszentrum in Kibwezi wurden Frauen außerdem mit der Imkerei, Kaninchenzucht, dem Gemüseanbau, neuen angepassten Haushaltsenergiequellen u.a. vertraut gemacht. Und sie führten dort ein eigenes, gut besuchtes Restaurant. Erica Mann ist 2007 verstorben. In Kibwezi wird immer noch ausgebildet. Das Kleinprojekt hat alle Kriterien erfüllt und war somit erfolgreich.

Ghana 16/9: Housing Workshop, BRRI, KNUST Kumasi

Der Workshop wurde 1988 abgehalten. Die dafür in der Nähe vom Eingang zur Universität in Kumasi errichteten Musterhäuser aus Backsteinen, die in einem energieeinsparenden Brennprozess hergestellt wurden, sind bewohnt. An der Stadtperipherie von Kumasi entstanden Kleinziegeleien mit den im „Building and Road Research Institute“ entwickelten Brennöfen. Das Vorhaben ist als erfolgreich einzustufen.

Zimbabwe 48/15: Energieeffiziente Ziegelproduktion

Leider kann niemand heute über dieses Vorhaben Auskunft erteilen, weil es die Nichtregierungsorganisation ATORID („Appropriate Technology Organisation for Rural and Industrial Development“) schon lange nicht mehr gibt. Allerdings wurden Selbsthilfegruppen und Genossenschaften in der Zwischenzeit von der ITDG („Intermediate Technology Development Gruppe“) – Nachfolgeorganisation „Practical Action“ bei der Herstellung von gebrannten Ziegeln in dem gleichen Verfahren beraten, wie das von ATORID im Kleinprojekt angewendete. Somit hat sich die nach dort transferierte energieeffiziente Produktions- und Brenntechnik für ländliche Gebiete in Zimbabwe verbreitet.

Indien 60/16: Bau und Erprobung eines Energiesparhauses im IIT in New Delhi

Der Bau und die Kontrolle des Mikroklimas in den Innenräumen eines neuen, kleinen Bürogebäudes im „Indian Institute of Technology (IIT)“ in New Delhi über einen längeren Zeitraum mit Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessungen wurde von Professor Bansal geleitet. Das 1991 total aus ungebrannten Tonziegelsteinen (Ziegelformat 8 x 11 x 23 cm) gebaute Gebäude mit Kuppeln und nubischen Gewölben wurde von Professor Gernot Minke (damals in der Gesamthochschule Kassel tätig) entworfen, der bei dem Bau auch eine neue, von ihm entwickelte Kuppelbautechnik zur Anwendung brachte. Die Kuppel der zentralen Halle überspannt 5,40 Meter im Durchmesser. Das Gebäude wurde innen und außen mit Lehm (gemischt mit Kuhdung) verputzt und außen zusätzlich mit einer wasserabweisenden Schutzschicht versehen. Die täglich geführten Messungen und eine 1997 durchgeführte Evaluierung bestätigten ein sehr angenehmes Raumklima, das ohne Klimaanlage nur durch die verwendeten Materialien und die Bauweise hervorgerufen wurde. Eine beachtliche Energieersparnis wurde erreicht. Diese neuartige Kuppel- und Gewölbebautechnik hat in Indien eine weite Verbreitungswirkung erzielt. Das Kleinprojekt hat sehr erfolgreich mit dazu beigetragen.

Energiespargebäude im IIT in New Delhi, Indien, 1991

Energiespargebäude im IIT in New Delhi, Indien, 1991

 

Ägypten 227/27: Seminar über angepasste Bautechniken, INSHAS

Im Rahmen der Aktivitäten des internationalen Bauberatungsnetzwerks BASIN („Building Advisory Service and Information Network“) wurde im September 1996 mit Hilfe einer Kleinmaßnahmenfinanzierung ein zweiwöchiges Sensibilisierungsseminar zum Thema „Angepasste Bautechniken für die arabische Region“ in Ägypten organisiert und durchgeführt. Dem Seminar war 1994 war eine „Factfinding Mission“ vorausgegangen. Dabei wurden erste Kontakte geknüpft zur AEA (Ägyptische Atombehörde) und zu ägyptischen Architekten. Es wurden Gespräche geführt über den Transfer von angepassten Bautechnologien für den Wohnungs- und Institutionsbau in Ägypten mit dem Ziel eigene Ressourcen für energieeinsparendes Bauen zu nutzen. Die AEA hatte in einem Bauvorhaben für ihr Verwaltungs- und Schulungszentrum in Inshas in Ägypten vorhandenen Kalkstein bereits zum Bauen verwendet unter Einbeziehung traditioneller Architekturelemente wie Kuppeln, Bögen und Gewölbe. 1994 konnte ich das Inshas-Projekt besichtigen und an der Grundsteinlegung für ein großes Gästehaus teilnehmen. Einen Workshop zum Thema „Architektur und angepasstes Bauen“ konnte ich außerdem moderieren. Dabei wurden die Details für ein gewünschtes Schulungsseminar gemeinsam geplant, welches dann 1996 durchgeführt wurde.

Es nahmen 26 ägyptische Architekten, Planer, Hochschullehrer, einige Studenten und Entscheidungsträger am Seminar teil, darunter acht Frauen. 11 Fachexperten aus Europa, Afrika und Ägypten teilten ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit den Teilnehmern bei Vorträgen, praktischen Vorführungen und leiteten die Gruppenarbeiten. Es war ein überaus erfolgreiches Seminar. Am Ende wurde offiziell die „Egyptian Earth Construction Association (EECA)“ gegründet, die heute noch aktiv ist. Auch der deutsche Dachverband Lehm e.V. ist mit der EECA verlinkt.

Thailand 341/29: Herausgabe einer Anleitung für die Produktion von „interlocking compressed earth blocks“ – zusammenhängend und im Trockenverband verlegte, handgepresste Lehmsteine:

Ein deutscher Mitarbeiter der „Human Settlements Division“ des AIT („Asian Institute of Technology“) in Bangkok beschäftigte sich besonders mit der Herstellung und Verwendung von sogenannten „interlocking blocks“ aus Lehm für den Wohnungsbau. Das sind in einfachen Handpressen hergestellte Lehmsteine, die ineinandergreifend trocken, also ohne Mörtel im Verband verlegt werden können. Die ersten Demonstrationshäuser aus diesen Wandbausteinen wurden 1984 in Thailand gebaut. In den Jahren 1986 bis 1990 unterstützte die Universität in Leuven, Belgien, dieses Vorhaben. Mit einer Kleinmaßnahme konnte GATE 2005 zur Verbreitung dieser neuen Bautechnik beitragen durch die Herausgabe eines technischen Merkblattes („Technical Brief“) in der BASIN-Reihe von Veröffentlichungen für das internationale Bauberatungsnetzwerk. Das Merkblatt folgt diesem Bericht als PDF Datei. Nicht nur in Thailand hat sich diese Technologie in der Zwischenzeit verbreitet, sondern auch in Malaysia und den Philippinen.

Die Liste der von mir betreuten Kleinmaßnahmen:

Das Technische Merkblatt über die „Interlocking Bricks and Blocks“

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