BASIN – Internationaler Bauberatungsdienst

Es war einmal: Ein internationales Bauberatungsnetzwerk

Das internationale Netzwerk “Building Advisory Services & Information Network – BASIN” wurde 1989 gegründet. Bis zu seinem Ende 2006 waren neun Partner daran beteiligt – vier in Europa („im Norden“) und fünf in Entwicklungsländern („im Süden“). Die vier europäischen Partner waren GATE/GTZ in Deutschland, SKAT in der Schweiz, ITDG in Großbritannien und CRATerre in Frankreich. Die Drittweltpartner waren das Shelter Forum (SF) in Kenia, Development Alternatives (DA) in Indien, das Centro Experimental de la Vivienda Económica (CEVE) in Argentinien, das EcoSur Netzwerk in Nicaragua und die Pagtambayayong Stiftung auf den Philippinen. Die Vorgeschichte von BASIN begann schon fünf Jahre früher.

Ab 1984 koordinierten drei europäische Organisationen ihre Aktivitäten auf dem Gebiet angepasste Bautechnologien (ABT) im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt. Außer GATE (die ehemalige Abteilung für angepasste Technologien im damaligen bundesdeutschen Unternehmen „Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit“ – GTZ – und mein Arbeitgeber) handelte es sich dabei um SKAT, die Schweizer Kontaktstelle für angepasste Techniken, die 1978 als Nichtregierungsorganisation gegründet und später in eine Consulting und Stiftung umgewandelt wurde. Dann gehörte noch ITDG dazu, die ehemalige britische „Intermediate Technology Development Group“ – die heutige „Practical Action“ Gruppe – die ebenfalls in den Endsiebzigern als Nichtregierungsorganisation entstanden ist. Wir bildeten einen sogenannten „Technischen Arbeitskreis“, tauschten unsere Erfahrungen in der Praxis und bei der Beratung unserer Partner in der Dritten Welt regelmäßig aus und stimmten unsere Aktivitäten entsprechend ab.

Jede dieser Organisation konzentrierte sich zu der Zeit in ihren Frage und Antwort Diensten und der Bauberatung für Anfrager aus Entwicklungsländern mehr oder weniger auf besondere Schwerpunktbereiche. SKAT begann (unter anderem) schon sehr früh mit der Umsetzung von Forschungsergebnissen für energiesparende Produktionsprozesse von Dachabdeckungsmaterialien, vor allem „fibre concrete roofing“ (FCR) und „micro concrete roofing“ (MCR) Dachziegel und Dachplatten, sowie auf die Entwicklung der dafür erforderlichen Formen und Rütteltische. ITDG hingegen befasste sich in der Bauberatung insbesondere mit der Herstellung von kostengünstigen Bindemitteln (Kalk, pozzolanische Zemente aus Lava, Bims und pflanzlichen Abfällen wie Reisspelzen, usw.) und den dafür benötigten Brennöfen. In meinen eigenen, von der GTZ unterstützten Vorhaben im Billigbausektor für Entwicklungsländer ging es bei GATE in der Anfragebeantwortung und Informationsvermittlung vor allem um die Produktion von gebrannten und ungebrannten Mauerziegeln aus lehmigen/tonigen Böden. Ein Ziegeleiingenieur, der als Gutachter für Misereor arbeitete, stand mir dabei beratend zur Seite, vor allem, wenn es um energiesparende und effiziente Ziegelbrennverfahren ging.

So wollten wir in erster Linie eine „Verdopplung“ im fachlichen Austausch und in der Informationsbereitstellung und -vermittlung vermeiden. Mit CRATerre, dem internationalen Zentrum für Lehmarchitektur, das 1979 als Forschungszentrum für das Bauen mit Lehm an der „National Superior School of Architecture“ (ENSAG) im französischen Grenoble gegründet worden war, trat 1990 noch ein weiterer europäischer Partner dem Netzwerk bei. CRATerre übernahm die Beratung für das Bauen mit Lehm. Wir hatten schon vorher – 1988 – beschlossen aus dem Arbeitskreis ein Netzwerk zu strukturieren, um eine größere Effektivität zu erreichen. In ein solches Netzwerk sollten dann auch Partner aus Entwicklungsländern mit einbezogen werden, um den Süd-Süd-Transfer von Technologien und entsprechendem Know-how zu fördern. So entstand 1989 das internationale Bauberatungsnetzwerk “Building Advisory Service & Information Service Network – BASIN”. Die vier europäischen Partner beschlossen dann 1992 BASIN in Frankreich als „non-profit“ Interessenverband mit eigener Satzung formell zu registrieren.

Das basin Logo

Das basin Logo

 

Die Beratungsgebiete der Nord Partner von basin

Die Beratungsgebiete der Nord Partner von basin

Die durch die Eintragung festgelegte starre Form des Netzwerks BASIN wurde zusätzlich eingeengt durch die von den einzelnen Partnern übernommenen Zuständigkeiten für Beratungssektionen wie den „Wall Building Advisory Service (WAS)“ bei GATE, den „Cements and Binders Advisory Service (CAS)“ bei ITDG, den „Roofing Advisory Service (RAS)“ bei SKAT und den „Earthbuilding Advisory Service (EAS)“ bei CRATerre. Im Rückblick kann ich feststellen, dass sich diese Art von vorgegebenen fachlichen Beratungsgebieten letztendlich als Hindernis für eine effektive und ganzheitliche Informationsvermittlung und Beratung herausgestellt hat. Netzwerke als Know-how Pools oder Foren werden heutzutage ganz anders gestaltet.

Heute gibt es das BASIN Netzwerk nicht mehr. Es gibt auch keine GATE-Abteilung mehr in der Nachfolgeorganisation der ehemaligen GTZ, in der GIZ (Gesellschaft für Internationale Entwicklung). CRATerre hatte schon Mitte der Neunziger Jahre im vergangenen Jahrhundert seine Netzwerkaktivitäten mehr oder weniger eingestellt aus Mangel an finanziellen Mitteln und ungenügenden personellen Kapazitäten. Es besteht heute weiterhin als internationales Lehmbauzentrum in Grenoble und Villefontein und hat den UNESCO Chair für „Earthen Architecture“ seit 1998. ITDG ist ab 2009 zur „Practical Action“ Gruppe geworden, deren Hauptanliegen die praktische Umsetzung von Einfachtechnologien zur Beseitigung von Armut durch die Stärkung der Kapazitäten ihrer Südpartner und deren „Kunden“ ist. Nur SKAT als einziger Nordpartner konnte über die Jahre eine gesunde wirtschaftliche Geschäftsbasis entwickeln und aufbauen und so auch den indischen Netzwerkpartner Development Alternatives DA weiterhin unterstützen.

Der erste BASIN-Partner aus dem Süden, das Shelter Forum (SF) in Kenia, 1995 dem Netzwerk beigetreten und von ITDG unterstützt, existiert leider auch nicht mehr. Allerdings gibt es an der Universität von Nairobi nach wie vor das „Housing and Building Research Institute (HABRI)“ als wichtige Know-how Ressource für den angepassten Baubereich, mit dem SF stets eng zusammengearbeitet hat und das vom kenianischen Ministry of Housing unterstützt wird. Die vier anderen Südpartner, CEVE („Centro Experimental de la Vivienda Económica“) in Argentinien; ECOSur in Nicaragua; die indische „Development Alternatives (DA)“ NRO, der erste asiatische Partner, von SKAT unterstützt; und die philippinische Pagtambayayong Stiftung wurden zwischen 1997 und 1999 im Netzwerk aufgenommen. Diese ehemaligen BASIN-Partner sind fast alle auch heute noch wichtige Informations- und Beratungszentren für Lateinamerika und die südasiatischen Länder. Außerdem unterstützt ECOSur als „ECOSouth“ in Afrika (in Namibia und Südafrika) beratend Vorhaben im Niedrigkostenwohnungsbau.

Viel zu spät haben wir nach der Gründung und Registrierung von BASIN die fehlende wirtschaftliche und finanziell abgesicherte Basis bei den Nordpartnern als einen der wesentlichen Gründe für das Scheitern des Netzwerks erkannt. Im Süden gibt es heute einen asiatischen Ableger des Netzwerks, basin-South Asia. Name und Logo wurden von BASIN übernommen. Das südasiatische Netzwerk versteht sich als neutraler regionaler Wissenspool und als Datenplattform zur Verbreitung von angepassten technologischen Lösungen für die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum. basin-South Asia hat mehr oder weniger die gleichen Visionen, Ziele und Leitlinien übernommen wie BASIN sie für das Netzwerk formuliert hatte nach der Evaluierung 1996. In der Zwischenzeit gibt es 17 Mitglieder in diesem Netzwerk aus Indien, Pakistan, Bangladesh und Nepal. Ein gemeinsam erarbeiteter Newsletter erscheint zweimal im Jahr. DA stellt (noch) auf dem eigenen Server Speicherplatz für die Internetpräsenz von basin-South Asia zur Verfügung.

Das Hauptanliegen unseres Netzwerks BASIN war Informationen und Beratung zu angepassten Bautechnologien für Anfrager aus Entwicklungsländern kostenlos aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen, praktische Erfahrungen zu vermitteln sowie Kontakte zu internationalen Fachleuten herzustellen. Das Netzwerk sollte auf diese Weise ein umfangreiches Spektrum an Expertise, Erfahrungen, Wissen und Techniken anbieten, um neue Initiativen auf dem Sektor des kostengünstigen Bauens in Entwicklungsländern zu unterstützen. Damit sollten vor allem diejenigen angesprochen werden, die als lokale Vermittler in der Dritten Welt aktuelle Informationen und Beratung benötigen hinsichtlich der Umsetzung und Verfügbarkeit von angepassten Lösungen, einfachen und energieeffizienten Techniken, kostengünstigen Maschinen und Geräten, sowie von effektivem Management lokaler Ressourcen unter Berücksichtigung der in ihren Gebieten vorherrschenden Bedingungen. Es wurde erwartet, dass jeder BASIN-Netzwerkpartner zuständig ist für die Beschaffung und Bereitstellung der für die Durchführung seiner Aktivitäten im Netzwerk erforderlichen finanziellen Mittel, sowie der notwendigen Ausstattung und der personellen Kapazitäten.

Diese Erwartung wurde leider nicht erfüllt. Für mich ist das der Hauptgrund für das Scheitern des Netzwerks. Vor allem die europäischen Partner hätten von Anfang an dafür sorgen müssen, dass eine teilweise Eigenfinanzierung ihrer Netzwerkaktivitäten gesichert ist, bevor Sponsoren für eine nachhaltige externe Finanzierung gesucht wurden. Auch die Eintragung von BASIN als Interessenverband in einem europäischen Land hat nicht dazu beigetragen, die entwicklungspolitische Bedeutung, Wichtigkeit und Glaubwürdigkeit des Beratungsnetzwerks für eine EU-Mittelbeschaffung zu erhöhen. Diese Tatsache wurde im Laufe der Evaluierung des Netzwerks erkannt, die 1996 gemeinsam durchgeführt wurde.

BASIN änderte aufgrund der Evaluierungsempfehlungen seine bis dato starre Struktur und öffnete sich vorwiegend für neue Mitglieder aus dem Süden. Vorher waren die Nordpartner als „managing partner“ und die Südpartner als „network partner“ eingestuft worden. Bei der Evaluierung war jedoch erkannt worden, dass eine globale Zusammenarbeit mit gemeinsamen Verantwortlichkeiten zusätzlichen Gewinn an Wissen und Finanzen für die einzelnen Partner bedeuten würde. Es entstehen auf diese Weise Synergien durch den fachlichen Nord-Süd-Nord und Süd-Süd-Austausch, die dem Netzwerk andere und vor allem größere Wirkungs- und Einflussmöglichkeiten eröffnen sollten, als das einer einzelnen Mitgliedsorganisation gelungen wäre. Wobei auch erkannt wurde, dass eine zentrale Koordinierungsstelle mit spezifischen Monitoring Aufgaben für den Zusammenhalt des Netzwerks von Vorteil ist – nicht als „Spinne im Netz“, die alle Fäden zieht, sondern eher als eine Art Leitstelle zusätzlich zu den von allen Netzwerkmitgliedern mitgetragenen Zukunftsvisionen, den gemeinsam formulierten Strategien und Operationsplänen für alle Netzwerkaktivitäten und dem notwendigen Qualitätsmanagement dafür. Auch die bisherigen Beratungsbereiche bei den Nordpartnern sollten „aufgeweicht“ werden.

Netzwerk als Brücke

Netzwerk als Brücke

Besonders CRATerre und ITDG hatten von Anfang an Schwierigkeiten ihre Netzwerkaktivitäten zu finanzieren. So konnten schließlich über GATE aus Mitteln eines überregionalen GTZ-Vorhabens für den Aufbau und Betrieb eines Koordinierungsdienstes für angepasste Technologien im Rahmen von BASIN, das wohlwollend vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt wurde, ab 1995 sogenannte „Anschubfinanzierungen“ für Netzwerkpartner zur Verfügung gestellt werden. GATE übernahm für BASIN nach der Evaluierung die Rolle der Netzwerkkoordinierung und einen Teil der entstehenden Netzwerkkosten bei einigen Partnern, insbesondere für die entsprechend den Empfehlungen der Evaluierung erfolgte Entwicklung und Umsetzung eines elektronischen Informationssystems, sowie für die Einrichtung der BASIN Knowledge Base.

Startseite der basin Homepage

Startseite der basin Homepage

Der benötigte Speicherplatz für die Internetpräsenz vom Netzwerk mit der Datenbank wurde auf dem Zentralrechner der GTZ zur Verfügung gestellt. Auch die Webmaster Position für das Netzwerk wurde von GATE übernommen. Alle Netzwerkpartner wurden für die Datenbankeingaben und –pflege geschult und wo erforderlich auch bei der Anschaffung der erforderlichen PC-Ausstattung von GATE unterstützt. Jeder Partner wurde so in die Lage versetzt seine eigenen Beiträge in die Datenbank in seiner Sprache einbringen zu können. Die Webseiten- und Kommunikationssprache im Netzwerk war Englisch.

Wir konnten zu der Zeit natürlich nicht voraussehen, wie rasant schnell sich die elektronische Datenverarbeitung und das elektronische Informationsmanagement, die dafür benötigte Software und das Internet entwickeln würden. Heute werden ganz andere Datenmengen in großer Geschwindigkeit verarbeitet und zur Verfügung gestellt mit einer leicht zu bearbeitenden Software für die Webseitengestaltung und Datenverarbeitung. Es gibt heute ganz andere Möglichkeiten für das Einrichten und das Management von Daten Pools. Eine Datenbank würde heute ganz anders entworfen und für eine einfache Bedienung und Pflege gestaltet werden. Die Planung eines Informationssystems für das Netzwerk – „basin information system plan (BISP)“ – erfolgte 1997 durch einen externen Gutachter. Es fanden dafür Absprachen mit allen Netzwerkpartnern statt. Der Plan berücksichtigte die lokalen Gegebenheiten bei den Partnern, war also angepasst und soweit das damals möglich war, auch vorausschauend, also zukunftsorientiert.

Das Hauptziel der BASIN Koordinierung durch GATE war das Management von Informationen und Ressourcen der Mitglieder des Netzwerks unterstützen, zu fördern und zu erleichtern, vor allem durch die Stärkung der Partner in den Entwicklungsländern und durch sie der Vermittler von Informationen und Ressourcen vor Ort in den betroffenen Ländern. Es wäre anmaßend gewesen unseren Partnern zu sagen, wie sie die übermittelten Informationen und Ressourcen verwerten sollen. BASIN/GATE bezweckte mit diesem “Dienst” insbesondere eine Stärkung der Informations-Management-Kapazitäten unserer Südpartner (“Süd-Süd” Schiene) für die eigene Beratung von „grassroot“ Organisationen an der Basis der Gesellschaften im Süden, die wir gar nicht erreicht hätten.

Eine sinnvolle Koordinierung funktioniert natürlich nicht ohne ein Feedback damit sich der “Informations-Management” Zyklus wieder schließen kann, denn Wissensmanagement ist in der Tat ein immer währender Kreislauf. Während z. B. der BASIN Partner SF in Kenia die Situation in seinem Land genau kannte und wusste, in welcher Region der Bedarf an Beratung und Informationen am größten ist, konnte er nicht ohne weiteres auf ausgewertete Erfahrungen, Informationen und Ressourcen in anderen Regionen der Welt, einschließlich Europa und den USA zurückzugreifen, wo die Entwicklung, gerade was energieeffizientes und ökologisches Bauen betraf, immer rasanter fortgeschritten war. Erst die Vernetzung mit solchen Informationsquellen hat unseren Partner in Kenia in die Lage versetzt in seinem Land einen Lernprozess anzustoßen, um von solchen Erfahrungen profitieren zu können. Die dabei nun in Kenia gemachten Erfahrungen waren wiederum von großem Wert für andere Anfrager und/oder Partner aus Afrika. Ich führe nur dieses eine Beispiel an, man könnte noch viel mehr erwähnen und dabei auch besonders auf die vielerorts ungünstigen Rahmenbedingen in Entwicklungsländern für ein effizientes Informations- und Ressourcenmanagement eingehen.

BASIN/GATE erfüllte somit eine “Dienstleisterfunktion”. Die Mitarbeiter verfügten über globale Kenntnisse und konnten dementsprechend Informationen und Ressourcen angepasst und kundenorientiert managen, eben “koordinieren”. Wissensmanagement mit seinem typischen Kreislauf „Input – Output – Feedback“ war schon immer integraler Bestandteil der Arbeit von GATE gewesen, auch von SKAT und ITDG, bevor die „offizielle“ Entwicklungszusammenarbeit dieses „Produkt“ entdeckte. Wissen ist ein Vermögenswert. So wurde im Rahmen des Wissensmanagements der basin-knowledge-base (Datenbank) besondere Wichtigkeit beigemessen. Für die Datenbank Bereiche „Q&A“ (vorbereitete Antwortblöcke zu Anfragen gleichen Inhalts), „Documents“ (Veröffentlichungen aller Art, Artikel, Filme), „Know-how Resources“ (Fachleute und Institutionen) und „Equipment“ (Maschinen und Geräte, die insbesondere für kleine und mittelständige Bauunternehmen und baustoffproduzierende Firmen geeignet sind) wurden entsprechende Webseiten im Internet eingerichtet, mit einem auf Schlüsselwörtern basierenden Suchsystem versehen und mit umfangreichen Indexdaten ausgestattet.

Allein die Arbeit für die notwendigen Datenbankeingaben und deren Pflege überforderte einige der Netzwerkpartner, trotz der weiteren Unterstützung durch GATE nach der Einrichtung der Datenbanken bei den Partnerorganisationen und den Schulungen für das zuständige Personal. Hier kann der nächste Grund für das Scheitern des Netzwerks identifiziert werden. Der Entwurf des elektronischen Informationsdienstes mit der daraus resultierenden Einrichtung der BASIN-Datenbank hätte viel intensiver vor der Planung mit allen Netzwerkpartnern im Detail abgesprochen werden müssen. Die Umsetzung des Plans hätte erst dann erfolgen sollen, wenn die dafür erforderlichen Kapazitäten (finanziell und personell) bei jedem Partner zur Verfügung standen. Auch jede andere BASIN Aktivität außer der Datenpflege und Eingabe in die Datenbank, wie die Informationsbereitstellung, Vermittlung und Beratung, das Veröffentlichen von Dokumentationsmaterial, die Beiträge für und Herausgabe vom zweimal jährlich erschienenen Newsletter (basin news), das Organisieren und Durchführen von und die Beteiligung an den einmal jährlich stattfindenden BASIN-Treffen, usw. war für jeden Netzwerkpartner mit Kosten verbunden, vor allem bei der dafür weitest gehenden Nutzung der neuen elektronischen Medien, nicht nur für die Kommunikation im Netzwerk, sondern vor allem für das Beratungsangebot und das interne/externe Wissensmanagement.

Das Eingeben von geeigneten Informationen in die Datenbank war sehr aufwendig. Die vier oben aufgelisteten Kategorien waren mit “Links” untereinander verknüpft, so dass die angebotenen Informationen umfassend waren: z.B. war im Dokument „Basic Know-how for the Making of Burnt Bricks and Tiles“ sowohl eine Verbindung zum Autor („Know-how Resources“) zu finden, als auch zu “Equipment” und zu “Q & A”, von wo vorbereitete Fragebögen zur Einrichtung einer Kleinziegelei oder Antwortblöcke zur Frage der Nutzung landwirtschaftlicher Abfälle für die Ziegelherstellung abgeladen und ausgedruckt werden konnten. Der Anfrager erhielt auf diese Weise eine spezifisch auf seine Probleme ausgerichtete Beratung mit umfassendem Informationsmaterial.

Der basin-informations-system-plan (BISP) sollte innerhalb von drei Jahren bis Ende 2000 umgesetzt werden, parallel laufend zum Operationsplan des Netzwerks für den Zeitraum 1997 bis 1999. Von geradezu fundamentaler Wichtigkeit blieb für BASIN die weiterhin kostenlose Beratung für Anfrager aus Entwicklungsländern und die ebenfalls kostenlose Bereitstellung von aufbereitetem Informationsmaterial. Innerhalb der Laufzeit des BISP sollte:

  • Das Internet als Medium für die primäre Kommunikation und Informationsbereitstellung gesehen werden;
  • Das Web auch vorwiegend genutzt werden für das Bereitstellen von Daten und Veröffentlichungen;
  • Die Kommunikation innerhalb und außerhalb des Netzwerks elektronisch erfolgen;
  • Eine „on-line“ Gemeinschaft für den Baubereich gebildet werden;
  • Ein „Intranet“ geschaffen werden für den effektiven Austausch von Informationen innerhalb des Netzwerks;
  • Strategisch wichtige Software Zulieferer (hauptsächlich Microsoft) für das gemeinsam genutzte Informationssystem gewählt werden unter Berücksichtigung der Möglichkeit für einen zukünftigen Wechsel;
  • Eine Minimierung der Operationskosten geplant werden;
  • Die kostenlose Nutzung aller Daten und Dokumente und ihre Verbreitung als Grundlage des Systems beibehalten werden;
  • Eine Art visuelle Darstellung von Dokumenten geplant werden (wie herunterladbare PDF-Dateien, usw.).

Nicht alle Punkte des Plans konnten realisiert werden. Obwohl der Information System Plan so konzipiert war, dass die Partner ihre eigenen Vorstellungen einbringen und eigene Standards zugrunde legen konnten, haperte es dennoch vor allem bei der Datenaufbereitung und Datenpflege. Aber trotzdem konnte letztendlich festgestellt werden, dass mit der Öffnung des Netzwerks bereits ein sehr großer “Know-how Pool” entstanden ist allein dadurch, dass die jahrelangen Erfahrungen der Südpartner im Netzwerk in ihrer Arbeit als Mittler oder Multiplikatoren für “grassroot” Gruppen in ihren Ländern oder Regionen in das umfassende Wissensmanagement von BASIN mit einfließen konnten. So hat die Umsetzung des BISP zur Stärkung der Managementfähigkeiten und der fachlichen und organisatorischen Kompetenzen der meisten Netzwerkpartner beigetragen. Der technische Frage- und Antwortdienst wurde überwiegend elektronisch abgewickelt und hat sich auf diese Weise wesentlich verbessert. Anfrager wurden mit dem „online-service“ des Netzwerks verknüpft. Umso bedauerlicher ist für mich die Tatsache, dass das von BASIN gesammelte und aufbereitete Wissen heute nicht mehr zur Verfügung steht und abgreifbar ist.

Von der BASIN-Internetseite konnte eine Publikationsliste mit URL-Adressen eingesehen, bzw. heruntergeladen werden, ebenfalls verschiedene besonders aufgeführte Dokumente. Dazu zählte auch der bereits erwähnte, gemeinsam erarbeitete Newsletter des Netzwerks (basin news), dessen Gestaltung und Herausgabe durch SKAT von Anfang an (Nr. 1, Januar 1991), und später zusammen mit DA bis zur letzten Ausgabe (Nr. 26, Januar 2004) übernommen wurde mit Unterstützung der Swiss Agency for Development and Cooperation (SDC). Die beiden genannten Ausgaben stehen als PDF-Dateien zum Herunterladen am Ende meiner Ausführungen zur Verfügung.

BASIN war auf den Internet Seiten des Netzwerks weltweit vernetzt mit vielen Organisationen, anderen Netzwerken, Fachverbänden, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Es gab u.a. Links zu folgenden Organisationen:

  • UNCHS (Habitat) – Das “United Nations Centre for Human Settlement” war damals innerhalb der UN-Organisationen besonders für die Umsetzung der 1988 verabschiedeten Strategie für die Sicherung eines Minimums an menschenwürdiger Unterkunft (Global Strategy for Shelter to the Year 2000 –GSS) sowie des „Allgemeinen Aktionsplanes“ der HABITAT II Konferenz zuständig. BASIN wurde von der UNCHS konsultiert und zu Konferenzen eingeladen, wenn es um die Ausarbeitung neuer, die Anwendung angepasster Bautechnologien betreffende Strategien ging.
  • UNIDO – der BASIN-Partner ITDG/England arbeitete eng mit UNIDO bei der Umsetzung von Vorhaben für die Produktion von alternativen Bindemitteln zusammen.
  • ILO – das BASIN Mitglied SKAT/Schweiz arbeitete eng mit der ILO im Bereich Managementtraining für Kleinunternehmer für die Herstellung alternativer Dachabdeckungsmaterialien zusammen.
  • ICCROM – der BASIN-Partner CRATerre/Frankreich arbeitete eng mit ICCROM im Bereich Erhalt der Lehmarchitektur und des neuen Bauens mit Lehm zusammen.
  • Misereor – zwischen Misereor und dem Koordinierungsdienst bei GATE gab es enge Arbeitskontakte auf dem Gebiet der Tonverarbeitung und des Ziegelbrennens.
  • Fraunhofer Institut (IRB) – mit dem Fraunhofer Institut in Stuttgart und dem Verein „Architekten über Grenzen“ wurde eine gemeinsame Gutachterdatenbank ausgearbeitet und ins Internet gestellt.

Die hohen Besucherzahlen auf den BASIN Internet Seiten sprechen für sich. In 2002 gab es 364.072 „Hits“. Durch die Möglichkeiten eine große Anzahl von Informationsmaterialien, Veröffentlichungen sowie die Netzwerk Zeitschrift „basin news“ aus dem Internet herunterladen zu können, wurde ABT Wissen im Baubereich kundenorientiert, effizient, kostengünstig und damit auch einfach zur Verfügung gestellt unter Berücksichtigung der damaligen Möglichkeiten.

Eine weitere wichtige Aktivität des BASIN-Netzwerks war die Unterstützung aller Partner bei der Planung, Organisation und Durchführung von Fortbildungsmaßnahmen sowie von Seminaren, Workshops und Konferenzen zum Thema angepasstes Bauen. Unvergessen bleibt für mich unser BASIN-Kurs in Ägypten 1996, auf dem die Egyptian Earth Construction Association (EECA) gegründet wurde und an dem sich, außer GATE, unser kenianischer Partner SF, ITDG und CRATerre beteiligt haben. Es war eine sehr erfolgreiche Veranstaltung.

Bei den einmal im Jahr stattgefundenen Treffen aller Netzwerkpartner standen die Planung, Durchführung und Koordinierung von Netzwerkaktivitäten der einzelnen Mitglieder auf der Tagesordnung. Die weitere Entwicklung des Netzwerks, Arbeitsschwerpunkte, Datenaustausch für die anspruchsvoll gestaltete BASIN-Datenbank und auch Zukunftsvisionen wurden gemeinsam und richtungsweisend besprochen und entschieden. Diese Haupttreffen waren immer mit Seminaren zu bestimmten Themen verbunden, so wie das im September 2001 in Kuba durchgeführte Seminar zum Thema „Ecomaterials for Disaster Prevention and Relief“.

Ich war schon lange im Ruhestand, als sich das Ende des Netzwerks BASIN gegen 2006 abzeichnete. Danach wurde auch die BASIN-Webseite mit der Datenbank nicht mehr weiter geführt. Anstatt „online“ hieß es nun leider „off-line“. Ein riesiger Wissenspool steht nicht mehr zur Verfügung, denn auch die alte Software der Datenbank, das ehemalige ACCESS von Microsoft ist längst von anderen, leichter zu gestaltenden und zu bedienenden Softwares ersetzt worden. Nur, wer würde sich um die Übertragung der riesigen Datenmenge und eine Neugestaltung der Datenbank im heutigen Zeitalter von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter und Co. kümmern? Wäre dafür überhaupt ein Bedarf? Und last not least: Wer hätte die dafür erforderlichen Mittel und das Personal zur Verfügung?

Es folgen meine vor langer Zeit skizzierten Vorstellungen vom Kreislauf des Wissensmanagements und danach eine Liste der von GATE herausgegebenen Technischen Merkblätter sowie die erste und letzte „basin news“ Ausgabe als PDF Dateien. Diese Dokumente sind alle in Englisch. Wenn PDF-Kopien von den Technischen Merkblättern gewünscht werden, wende man sich bitte an mich. Für weitere Informationen sind im Text entsprechende Links zu den noch vorhandenen Know-how Ressourcen angegeben.

Wissens Management by Hannah Schreckenbach



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