Neues aus Magdeburg

Unser heiliger Mauritius, einer der beiden Dom Patrone, zu dem ich auf Grund meines Lebens eine besonders innige Beziehung habe, ist nach dreimonatiger Abwesenheit wieder heimgekehrt aus Frankreich. Er war dort Teil einer Sonderausstellung im früheren französischen Königspalast Louvre gewesen. Nun steht er wieder mit seinem kaum wahrzunehmenden Lächeln auf dem angestammten Platz im Magdeburger Dom, und die vielen Besucher blicken bewundernd hoch auf diese älteste europäische Statue eines Afrikaners aus dem Jahr 1250. Unsere Lokalzeitung, die „Volksstimme“, hatte diese Nachricht am 1. Juli 2014 auf der Titelseite und mir damit mein Herz erwärmt, als ich die Zeitung morgens aus dem Briefkasten holte. Inmitten von allem Fußballfieber, dem auch ich anheimgefallen bin mit deutschem Fähnchen am Fahrradkorb, um „Flagge zu zeigen“, gibt es für mich auch ein Leben ohne Fußball. Deshalb möchte ich an dieser Stelle über Verschiedenes sprechen, was für einen Magdeburg Besucher vielleicht von Interesse ist. 

St. Mauritius im Magdeburger Dom

St. Mauritius im Magdeburger Dom

Am 29. Juni war der „Tag der Architektur“ in Sachsen-Anhalt, an dem unsere Stadt mit zehn interessanten und recht gelungenen Neubauten aufwartete. Leider waren die ein- bis zweistündigen Führungszeiten mit nur zwei Ausnahmen am Samstag, dem 28.6. festgelegt worden. Das war viel zu kurz für einen Besuch. Das Magdeburger Touristenbüro hätte nun eine lohnenswerte Aufgabe. Stadtführer könnten einige dieser Projekte in ein „Architektourenprogramm“ einbeziehen, das mit der Architektenkammer abgesprochen werden kann. Ich habe zwei der Projekte ausgewählt, die ich als besonders gut gelungen einstufe und an dieser Stelle kurz beschreiben möchte. Vor allem, weil ich deren Standort kannte, bevor das ganze Stadtgebiet Umgebung im Zweiten Weltkrieg am 16. Januar 1945 den alliierten Bomben zum Opfer fielen. Der Breite Weg 202 nördlich neben der Hauptpost, dem heutigen Justizgebäude, gehörte früher zu den barocken und Gründerzeitgebäuden an der Ecke zur Leiterstraße, für die unsere Stadt so bekannt war. Mit dem Restaurant im Erdgeschoss, den Büroetagen darüber und der eleganten Dachwohnung fügt sich das neue, moderne Haus mit schlichter Fassade (Architekturbüro Peter Otto, Magdeburg) hervorragend zwischen den Nachbargebäuden ein. Das gleiche gilt auch für das neue Wohnhaus – MOVIT 60+ – in der Fürstenwallstraße 9, das eine Baulücke füllt (ACM GmbH Atelier für Architektur und Consulting, Magdeburg). Es passt einfach in Form, Farbe und architektonischer Gestaltung neben das alte Gebäude aus der Gründerzeit und das nachbarliche, zeitgenössische Wohnhaus, dessen horizontale Linienführung es übernimmt.

An die Fürstenwallstraße habe ich unvergessliche Erinnerungen aus meiner Kindheit. In einem der früheren alten Gründerzeithäuser in der Fürstenwallstraße hatten Freunde meiner Eltern eine riesige Wohnung, in der wir in einem der eisigen Kriegswinter untergekommen waren, als in unserem Viertel (heutiges Westernplanquartier) Gasleitungen repariert wurden und wir unsere Kachelöfen nicht beheizen durften. Wir Kinder rutschten die wunderschön getischlerten Holzgeländer im Treppenhaus runter, tobten in der Wohnung in den langen Korridoren mit vielen Ecken und Nischen, wo wir so herrlich Verstecken spielen konnten. Nachts wurden wir vom Krachen der Eisblöcke auf der Elbe gegen die Strombrückenpfeiler geweckt. Zu dem neuen Wohnhaus Ensemble in der Fürstenwallstraße passt auch sehr gut das in der Nachbarschaft befindliche und endlich sanierte ehemalige Empfangs- und Direktionsgebäude der Magdeburg-Leipziger-Eisenbahn Gesellschaft von 1840, das heutige Vitanas Demenzpflege- und Kompetenzzentrum mit seiner rekonstruierten spätklassizistischen Fassade (Architekturbüro Kossel und Partner, Magdeburg).

Mein Vater hatte seiner Mutter 1913 ein von ihm gemaltes kleines Ölbild geschenkt, das meine Mutter am 16. Januar 1945 noch aus der brennenden Wohnung retten konnte. Die Jahreszahl 1913 stand auf der Widmung meines Vaters für meine Oma auf dem alten, beschädigten Bilderrahmen. Es ist ein altes, für mich sehr wertvolles Bild mit dem Blick zum Dom von der Strombrücke aus und zeigt die Bebauung des Elbufers mit den alten Häusern und der Bahnlinie für die Güterzüge. Mein Vater hatte 1913 sein Studium als Kulturbauingenieur beendet und in Magdeburg im Wasserwirtschaftsamt seine erste Stelle angetreten, bevor er nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs eingezogen wurde.

Vor einem Jahr stand uns im Juni das Wasser sozusagen „bis zum Hals“. Die schlimme Flut vom Sommer 2013 hat auch Magdeburg heimgesucht oder bedroht. Viele Menschen haben in unserer Stadt und im Umfeld alles verloren. Aber die Katastrophe hat auch eine unbeschreibliche Hilfsbereitschaft vieler hunderter Menschen ausgelöst zum Sandsackfüllen und Schutzwälle bauen, Getränke und belegte Brötchen und andere Imbisse organisieren oder den ermüdeten Helfern ganz einfach Mut zuzusprechen und Danksagen, wie auch ich es getan habe. Sandsäcke kann ich keine mehr füllen. Dafür reichen meine Kräfte nicht mehr aus. Als der Elbpegel auf 7,40 m stand, hat mich meine Familie zum Fotografieren mitgenommen. Bis auf 7,47 m ist der Pegel dann noch angestiegen. Die mit hoher Geschwindigkeit an einem vorüberschießenden Elbfluten haben mir Angst eingejagt.

Nun ist der Pegel zurzeit auf absolutem Tiefstand. Die Schifffahrt ist eingestellt worden. Der Domfelsen liegt frei und streckt sich weit in den Fluss hinaus. Man kann einen Spaziergang trockenen Fußes „auf der Elbe“ machen. Ich habe ein solches Phänomen schon einige Male erlebt, zuletzt im März 2008. Einige Jahre davor hatten wir auch einen absoluten Tiefstand, der Domfelsen lag großflächig frei, und an einer Stelle wuchs ein Tomatenstrauch. Die Früchte waren schön rot. Alle freuten sich darüber, bis ein Langfinger die reifen Tomaten „geerntet“ hat. Auch in diesem Jahr kann man durch die Alte Elbe, einem Nebenarm unseres Elbstromes sozusagen durchspazieren. Wenn der Pegel auf die Einmetermarke steigt, kann unsere Weiße Flotte wenigstens wieder „erleichtert“ fahren.

Dann will ich noch über die Bemühungen unserer Stadt (Stadtmarketing „Pro Magdeburg“) schreiben, mit der „Ottostadt“ eine „Corporate Identity“ für Magdeburg zu finden. Aber damit scheinen wir uns sehr schwer zu tun. Kaiser Otto I. ist sicherlich bekannt und natürlich aufs engste mit unserer Stadt verbunden. Außerdem hatten wir mit Otto von Guericke einen weiteren höchst interessanten „Otto“: 1646 Bürgermeister der Stadt, 1649 Erfinder der Kolbenvakuumpumpe (Halbkugelversuch) und vieler anderer Dinge. Aber wie bekannt sind diese Ottos außerhalb unserer Stadt? Seien wir doch ehrlich: Bei der Erwähnung von „Otto“ wird in den meisten Teilen Deutschlands sofort an den Otto-Versand gedacht. So sollte wohl eine Aktion unserer „Volksstimme“ etwas Dampf ins Otto-Getriebe bringen mit der Aktion „Otto braucht ‘nen Spruch!“. Da sind dann aber ganz und gar verrückte Sachen bei rausgekommen. Und wir haben bisher nichts mehr weiter in dieser Angelegenheit gehört. Ich muss gestehen, dass auch ich mich bei der Kartenaktion beteiligte. Aber ohne Erfolg. Ich fand mein „Otto-Motto“ hingegen schön und passend und zeige einfach meine Karte. Vielleicht stimmt mir ja jemand zu.

Meine Otto-Mottos, Mai 2014

Meine Otto-Mottos, Mai 2014

„Tschüss – bis zum nächsten Mal“ – 7. Juli 2014

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