Magdeburger des Jahres 2013

Es ist eine schöne Gepflogenheit der „Volksstimme“, unserer Zeitung für Sachsen-Anhalt, die Magdeburger gegen Jahresende immer aufzurufen in einer Leserumfrage zur Wahl ihrer Kandidaten oder Kandidatinnen für die Ehrung als „Magdeburger des Jahres“. Es werden für diese Wahl von der Zeitung Menschen vorgeschlagen, die sich in dem zu Ende gehenden Jahr in besonderer Weise für unsere Stadt und ihre Mitmenschen, oder für bedrohte Denkmäler oder für andere, das Leben in unserer Stadt betreffende Dinge und Entwicklungen eingesetzt und engagiert haben in zumeist freiwilliger und ehrenamtlicher Arbeit.

Diese Mal wählte ich für die Ehrung zwei Männer aus, die, als sich das Jahr schon neigte im Oktober eine, ganz in der Nähe des Hauptbahnhofs bei Erdarbeiten für einen Abwasserkanalbau entdeckte 5-Zentner Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft haben. In einem großen Umkreis wurden dafür am 24. Oktober 2013 die anliegenden Wohngebiete, Krankenhäuser, Senioren- und Pflegeheime geräumt. Es waren aufregende Stunden, in denen die Erinnerung wieder geweckt wurde an die Bombenangriffe auf Magdeburg, besonders an den Angriff am 16. Januar 1945, bei dem fast die gesamte Altstadt zerstört wurde und Tausende von Menschen in den Flammen umkamen. Für mich endete damals beim Anblick unserer brennenden Wohnung meine Kindheit schlagartig. Wir haben an dem Abend alles verloren. Schmerzlich war der Verlust aller liebgewordenen Dinge, die zum Leben eines Kindes gehörten. Aber wir haben überlebt.

Die Hinterlassenschaften der Bombenangriffe der Alliierten liegen heute noch im Untergrund, wohl besonders auch um den Bahnhof herum. Denn nicht alle Bomben sind beim Aufprall explodiert. Der Krieg hat viele „Fundmunition“ hinterlassen. Und die ist immer noch hoch explosiv, solange ihre Zünder noch intakt sind. Das herauszufinden und die Zünder dann aus den Bomben oder Granaten herauszuschrauben ist die Aufgabe des Kampfbeseitigungsdienstes, dem die beiden Männer, die die große Bombe am 24. Oktober entschärft haben, angehören.

Meine jetzige Wohnung lag etwas außerhalb des angegebenen Evakuierungskreises. So habe ich den Abend allein und still verbracht und für die beiden Männer, die ihre gefährliche Arbeit um 20 Uhr begannen, gebetet. Um 21.30 Uhr waren sie fertig, und die Bombe entschärft. Überall Aufatmen. Die Magdeburger haben beide Männer als „Magdeburger des Jahres“ gewählt. Das ist nur ein kleines, aber wohlverdientes Dankeschön für ihre Arbeit. Aber auch der anderen neun Magdeburgern sollte gedacht werden, ob sie sich nun für unsere Schiffshebewerk, ein einmaliges Industriedenkmal einsetzten oder für die Begleitung Sterbender, ob sie sich besonders bei der Rettung von in Not geratenen Menschen verdient gemacht haben oder für unsere Hochschulen kämpfen oder unermüdlich für den Erhalt und vor allem für die sinnvolle Nutzung einer alten Brücke und Windmühle, die unter Denkmalschutz stehen arbeiten und selbstlose Hilfe geleistet haben bei der Flut im Juni 2013, oder aber als Boxer unserer Stadt treu bleiben, sie alle haben unserer Stadt auf besondere Weise geholfen. Mein Blog ist ein Dank an alle!

Olaf Machnik und Torsten Kresse, die Magdeburger des Jahres 2013

Olaf Machnik und Torsten Kresse, die Magdeburger des Jahres 2013

Für die Verwendung des Fotos von Martin Rieß (Redaktion „Volksstimme“) danke ich sehr herzlich.

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