Herzensheimat Ghana

Das Herz sieht weiter als das Auge (Sprichwort aus Ghana)

1955 bin ich aus der ehemaligen DDR geflohen, mitten im Studium. In der alten Bundesrepublik habe ich keine Heimat gefunden. Als ich dort mein Universitätsstudium der Architektur beendet hatte, wurde England, wo ich an der London University noch einen postgradualen Kurs in Stadtplanung absolvierte, eine Zwischenstation auf meinem Weg nach Ghana. Ich war auf der Suche nach neuen Ufern gewesen und wollte weg von der durch den Zweiten Weltkrieg zerstörten und geteilten Heimat. Als ich 1960 in Ghana ankam, war das Land seit über dreieinhalb Jahren unabhängig und hatte sich als erste ehemalige Kolonie in Afrika von den kolonialen Fesseln befreit. 22 Lebensjahre lang war das westafrikanische Ghana mein Zuhause.

Als mein Vater nur wenige Jahre nach meiner Flucht aus der DDR starb, informierte ich meine Mutter fast wöchentlich in Briefen und Karten über meine Erlebnisse in der Fremde und über die Erfahrungen, die ich dabei gemacht habe. Nicht wissend, dass sie vor allem meine Briefe aus Ghana gesammelt hat. Wir fanden diese, fein säuberlich sortiert und verschnürt in 23 Häufchen nach ihrem Tod in ihrer Wohnung, als wir ihren Haushalt aufgelöst haben. Mit der zusätzlich von Verwandten und Freunden gesammelten Post von mir aus Ghana füllten alle Briefe und Karten sieben dicke Aktenordner. Diese Ghana Dokumentation empfand ich seitdem als Pflicht, eines Tages ein Buch daraus zu machen. Es hat allerdings sehr lange gedauert, bis ich das dann endlich verwirklichen konnte. Die größte Schwierigkeit war nicht das Schreiben per se, sondern das „Wie schreiben“.

Das nun erschienene Buch „Herzensheimat Ghana“ – auch im Hannahblog beschrieben – ist keine Bibliographie. Es ist auch keine Chronik oder eine Art Tagebuch. Es ist ein Buch mit 30 Geschichten meiner Erlebnisse und großen und kleinen Begebenheiten, die ich erzähle, so wie es ein westafrikanischer Griot in seiner mündlichen Überlieferung tun würde. Als ich 1960 mein Ghana-Leben begann, herrschte in dem Land, der ehemaligen britischen Kronkolonie Goldküste eine unvorstellbarer Euphorie. Aber schon bald, nach den ersten von vier teilweise grausamen Militärputschen begann eine Talfahrt im Land. Vetternwirtschaft, Missmanagement und Korruption, die Geißel Afrikas, gingen immer weiter und wurden immer schlimmer. Grosse Verzweiflung machte sich überall breit. Als ich Ende 1982 Ghana verließ, hatte ich die Hoffnung auf Besserung der Verhältnisse fast aufgegeben. Erst gegen Ende des letzten Jahrhunderts ging es in Ghana mit Hilfe des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und internationaler Entwicklungshilfe langsam wieder aufwärts. Heute hat sich Ghana verändert, doch es lohnt sich, daran zu erinnern, wie es einst in seine Zukunft gestartet ist: mit welchem Elan und welch großem Herz für alle Menschen. In meinem Buch erzähle ich von diesen warmherzigen Menschen, von den Höhen und Tiefen des Lebens, von der großartigen und vielschichtigen Kultur Ghanas und werfe am Ende des Buches auch einen Blick auf die Zukunft (www.palmato-publishing.com).

Buch Cover

 

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