Abschied von Helmut Schreckenbach

Am 9. Mai haben sich die die Augen meines Cousins Helmut Schreckenbach für immer geschlossen. Er ist der Älteste der Schreckenbach Cousinen und Cousins gewesen und im gesegneten Alter von über 92 Jahren nach schwerer Krankheit von uns gegangen. Helmut ist ein Zeitzeuge gewesen, hat als Soldat im Zweiten Weltkrieg mitgekämpft, bittere Jahre der Kriegsgefangenschaft und eine harte Zeit der Wiedereingliederung danach erlebt. Mit drei Töchtern, zwölf Enkeln und drei Urenkeln hinterlässt er eine Großfamilie, die sich an ihn mit Liebe und Dankbarkeit erinnern wird. Er hat die letzten Lebensjahre bereits allein gelebt, denn Erika, seine Frau ist schon vor geraumer Zeit gestorben. Als Lehrer war Helmut bis zu seinem gesundheitsbedingten Frühruhestand seinen Schülern stets ein Vorbild für Zuverlässigkeit, Ordnung, Ehrlichkeit und harte Arbeit. Neben seiner Tätigkeit war ihm die Geschichte seiner Heimatstadt Uslar und die des schönen Solling-Waldgebietes, sowie die Familienhistorie der Schreckenbach Familie ein ganz wichtiges Anliegen. Er hat als Heimatpfleger akribisch das Ergebnis seiner jahrelangen Recherchen in alten Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Veröffentlichungen, Fotoarchiven usw.) zusammen getragen und dokumentiert.

1974 besuchte mich Helmut in Ghana. Ich konnte einen Teil meines Urlaubs mit ihm zusammen verbringen und ihm Ghana zeigen. Und hatte für ihn als begeisterten Mineraliensammler Fahrten zu Orten arrangiert, wohin auch ich noch nicht gekommen war, wie in die Shai Hills, die gar nicht einmal so weit entfernt sind von Accra, meinem damaligen Arbeitsort. Dort fand Helmut Gneisstücke mit Granatkristallen.

Wir fuhren auch in die Goldminen von Obuasi ein bis auf eine Tiefe von fast 1.000 Metern, ein echt abenteuerliches Erlebnis. Im Norden des Landes lernte er die Tongo Häuptlinge kennen. Für drei Tiefbrunnen in den Tongobergen in der Nähe des Talensi Häuptlingshofes sammelten er und seine Schüler in Uslar beim Rathausfest Geld mit einem eigenen Stand auf einem Flohmarkt und übergaben es mir 1976, als ich wieder auf Heimaturlaub war. 485,– DM waren zusammen gekommen, die ich den Talense bei meiner nächsten Reise in den Norden 1977 überreichen konnte. Das Geld reichte für einen Brunnen.

An der Küste besuchten wir 1974 auch die Sklavenburgen und Forts. Und fanden ein kleines Paradies in Bushua, das ich auch noch nicht kannte. Dann flogen wir beide auf dem Heimweg noch zu einer 1-wöchentlichen Safari nach Kenia.

Die Küste bei Bushua, 25.7.1974

Die Küste bei Bushua, 25.7.1974

Bei diesem ersten Afrika Besuch von Helmut hat er sich wohl mit dem „Afrika Bazillus“ angesteckt, der ihn nie mehr losgelassen hat. Er fand seinen „Jungbrunnen“, wie er es nannte, in Südwest Afrika – heute Namibia. Dorthin führten ihn an die 40 Reisen (die letzte als 90-Jähriger!), sodass sein letztes Lebensdrittel sich, außer auf die Heimat, die ihn auch nie losließ, auf ein afrikanisches Land, nämlich Namibia konzentrierte. Er führte Reisen als Reiseleiter durch, flog auch oft privat, wie 2001 gemeinsam mit mir nach Namiba. Denn zu der Zeit war ich ja offiziell auch bereits im Ruhestand, obwohl ich nach wie vor noch gutachterlich tätig war. Wir haben eine wunderschöne Reise zusammen erlebt, auf der er in Swakopmund an der Küste zum ersten Mal Krokodilbraten gegessen hat, was ihm gar nicht bekommen ist…Auch die Erlebnisse auf unserer Kenia Safari werde ich nie vergessen, wo ein Elefant, vor meinem Fenster in der Lodge im Tsavo Park stehend von einer Akazie dort fraß und mich mitten in der Nacht aufgeweckt hat mit lautem Pupsen. Ich hatte erst gedacht, dass Helmut im Nebenzimmer Blähungen hat. Darüber muss ich heute noch schmunzeln. Ruhe sanft, lieber Helmut. Auch meine Zeit des letzten Abschieds wird kommen.

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